Kammatthana

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Kammaṭṭhāna (Pali, Skt.: karmasthana; wörtl. „Übungsgebiet“; ähnlicher Begriff: Bhāvanā - Geistesentfaltung; in Thai: กรรมฐาน, gesprochen: [kamˑmáˑtʰǎːn]) bezeichnet im übertragenen Sinn einen Ort innerhalb des Geistes, wohin man sich zurückziehen kann, um an seiner geistigen Weiterentwicklung zu arbeiten. Kammaṭṭhāna bedeutet eine Meditations-Praxis, die darauf ausgerichtet ist, jeglichen Aspekt von „Verblendung“, „die den Geist trübenden Leidenschaften“ (kilesa), von Verlangen (taṇhā), von Unwissenheit oder „Nichtsehen“ (avijjā – siehe Drei Geistesgifte) aus dem Herzen zu entfernen, um so die Verbindung des Geistes zu dem Kreislauf von sich wiederholenden Geburten und darauffolgendem Tod zu unterbrechen.

Kammaṭṭhāna bezeichnet auch oft eine spezielle Richtung in der thailändischen Waldtradition, wie sie von den berühmten Meditationsmeistern Ajahn Sao Kantasilo und Ajahn Mun Bhuridatta praktiziert wurde.

Es handelt es sich hier genauer gesagt um die 40 Objekte der Meditation (bhāvanā), wie sie im dritten Kapitel der Visuddhimagga niedergeschrieben stehen. Von einem Meditations-Lehrer werden dem Praktizierenden nach und nach alle 40 Klassischen Objekte zur Vertiefung genannt, abhängig vom Temperament des Schülers und seinem geistigen Fortschritt:

  • Die ersten zehn Kammaṭṭhāna sind die zehn Kasina-Übungen, es sind Dinge, die man direkt erblicken kann:
    • Erde (1), Wasser (2), Feuer (3), Wind (4), Blau (5), Gelb (6), Rot (7), Weiß (8), Licht (9), begrenzter Raum (10).
  • Die nächsten zehn Objekte sind die „Ekelobjekte“ (Asubha):
    • Aufgedunsene Leichen (1), blauverfärbte (2), eitrige (3), aufgespaltene (4), angenagte (5), umhergestreute (6) oder zerhackte und umhergestreute (7), blutige (8), von Würmern gefressene Leichen (9) sowie das Skelett (10).
  • Es folgen die zehn Betrachtungen (Anussati):
    • die ersten drei sind die Drei Juwelen, (1) Buddha, (2) Dhamma und (3) Sangha;
    • die nächsten drei sind die Tugenden (4) der Moral (sīla), (5) Freigebigkeit (dana) und (6) die Himmelswesen (Deva);
    • es folgen (7) der Tod, (8) der Körper (kāya), (9) der Atem (prāna) oder das Ein- und Aus-Atmen (ānāpāna) und (10) der Friede.
  • Weiterhin gibt es die vier „Göttlichen Verweilzustände“ (brahmavihāra): (1) Güte (mettā), (2) Mitleid (karunā), (3) Mitfreude (muditā), (4) Gleichmut (upekkhā),
  • die vier „Unkörperlichen Gebiete“ (arūpâyatana): (1) unendlicher Raum, (2) unendliches Bewußtsein, (3) unendliches Nichts, (4) weder Wahrnehmung noch Nichtwahrnehmung,
  • die Vorstellung von Ekel vor Nahrung (āhāre patikūla-saññā),
  • und die Analyse der vier Elemente (catu-dhātu-vavat-thana): Erde (pathavī), Wasser (āpo), Feuer (tejo) und Luft (vayo).

Der ehrenwerte Ajahn Man hat in seinen Schriften immer wieder betont, dass, obwohl es sich bei Kammaṭṭhāna eigentlich um einen technischen Ausdruck handelt, und es für die Dhutanga-Bhikkhus eine besondere Bedeutung hat, so doch die wahre Grundlage des Kammaṭṭhāna in jedermann, ordinierten Mönchen oder Laien, gefunden werden kann. Sie wird seit der Zeit des Buddha während der Ordinations-Zeremonie dem neuen Mönch gelehrt. Es sind die fünf Grund-Kammaṭṭhāna über die Bestandteile des Körpers: Haupthaare (kesa), Körperhaare (loma), Nägel (nakhā), Zähne (dantā) und Haut (taco), auf denen eine weiterführende Meditation − geleitet durch einen verantwortungsvollen Lehrer − aufbauen kann.

Quellen[Bearbeiten]

  • Nyānatiloka: Buddhistisches Wörterbuch. Verlag Beyerlein & Steinschulte 1999, ISBN 3-931095-09-6
  • Acariya Maha Boowa: Venerable Acariya Mun Bhuridatta Thera, a Spiritual Biography. Wat Pa Baan Taad, 3rd edition 2005, Baan Taad, Amphoe Muang, Udorn Thani, 41000 Thailand, ISBN 974-92007-4-8 (frei erhältlich bei o.g. Adresse, oder 4MB pdf-Download hier)
  • Acariya Maha Boowa: Patipadā: Venerable Acariya Mun's Path of Practice. Wat Pa Baan Taad 2005, Baan Taad, Amphoe Muang, Udorn Thani, 41000 Thailand, ISBN 974-93757-9-3 (frei erhältlich bei o.g. Adresse, oder 8MB pdf-Download hier. Die ersten sechs Kapitel sind ins Deutsche übersetzt, pdf-Download hier.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Kamala Tiyavanich: Forest Recollections. Silkworm Books, Chiang Mai 1997, ISBN 974-7100-40-1
  • Stanley Jeyaraja Tambiah: The Buddhist sanits of the forest and the cult of amulets. Cambridge University Press, Cambridge 1987, ISBN 0-521-27787-6

Weblinks[Bearbeiten]