Kammerwasser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Anatomischer Aufbau des Auges (Kammerwasser hellblau)

Das Kammerwasser (Humor aquosus) ist eine klare Körperflüssigkeit in der vorderen und hinteren Augenkammer.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Das Kammerwasser ist von ähnlicher Konsistenz wie Blutserum, jedoch farblos, denn es enthält weniger Protein und kein Bilirubin. Es besteht zu 98 % aus Wasser, in dem vor allem Aminosäuren (aus den Ziliarmuskeln), Elektrolyte, Ascorbinsäure, Milchsäure, Glutathion und Immunglobulin G (IgG-Antikörper, kein IgD, IgA oder IgM)[1] gelöst sind[2][3] sowie Spuren von Wasserstoffperoxid.[4]

Stoffwechsel[Bearbeiten]

Der Wasseranteil des Kammerwassers wird aus der Kohlensäure des Blutes durch α-Carboanhydrasen des Strahlenkörpergewebes gebildet. Ein menschliches Auge produziert etwa 3 bis 9 ml Kammerwasser pro Tag bei einem Augapfelvolumen von rund 6,5 ml.

Weg des Kammerwassers[Bearbeiten]

Schema des Kammerwasserkreislaufs

Das Kammerwasser wird an den Ziliarfortsätzen gebildet, in die hintere Augenkammer abgegeben und gelangt durch die Pupille auch in die vordere Augenkammer. Hierbei entsteht ein Kreislauf: An der Vorderseite der Iris steigt das Kammerwasser aufgrund der höheren Temperatur nach oben, um daraufhin an der kühleren Rückseite der Hornhaut abzusinken. Dann wird es im sogenannten Kammerwinkel (Angulus iridocornealis) über den Schlemm-Kanal resorbiert und gelangt über den Plexus venosus sclerae, einem venösen Geflecht in der Sclera, wieder in den Blutkreislauf. Bei einigen Tierarten erfolgt der Abfluss jedoch vor allem über die Gefäße des Ziliarkörpers und der Iris (uveoskleraler oder uveovortikaler Abfluss).

Ähnlich wie bei der Blut-Hirn-Schranke sorgen ultrastrukturelle Zellabdichtungen für eine hochspezifische chemische Zusammensetzung des Kammerwassers (Blut-Kammerwasser-Schranke).

Funktion[Bearbeiten]

Das Kammerwasser enthält Nährstoffe für Linse und Hornhautendothel und dient mit seinem Gehalt an Immunfaktoren und seiner Zirkulation der Entfernung potentiell schädigender Agenzien aus dem Augeninneren.

Das Verhältnis von Produktion zu Abflussmenge des Kammerwassers bestimmt den Augeninnendruck.

Krankheiten[Bearbeiten]

Kammerwasserverlust nach Eröffnung des Augapfels z. B. bei Operationen oder Unfällen kann zur Aderhautschwellung führen, insbesondere, wenn der entstandene Druckverlust nicht in kurzer Zeit ausgeglichen wird. Austretendes Kammerwasser kann mit Hilfe des Seidel-Tests nachgewiesen werden.

Eine Überproduktion oder Störungen des Kammerwasserabflusses führen zu einem Anstieg des Augeninnendrucks und erhöhen damit das Risiko eines Glaukoms (Grüner Star).

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert J. Augustin: Augenheilkunde. 3., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2007, ISBN 978-3-540-30454-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D. K. Sen, G. S. Sarin, K. Saha: Immunoglobulins in human aqueous humour. (PDF; 301 K) In: Br J Ophthalmol. Band 61, Nr. 3, März 1977, S. 216–217.
  2. David M. Gamm: Aqueous humour In: Encyclopaedia Britannica online, aufgerufen 23. Januar 2015.
  3. Manik Goel, Renata G. Picciani, Richard K. Lee, Sanjoy K. Bhattacharya: Aqueous Humor Dynamics: A Review. In: Open Ophthalmol J. Band 4, 2010, S. 52–59, doi:10.2174/1874364101004010052.
  4. Antoinette Pirie: Glutathione peroxidase in lens and a source of hydrogen peroxide in aqueous humour. (PDF) In: Biochem. J. Band 96, 1965, S. 244–253.