Kampffmeyer Mühlen

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Kampffmeyer Mühlen
Logo der Kampffmeyer Milling Group
Rechtsform GmbH
ISIN DE0007629008
Gründung 1883
Sitz Hamburg
Leitung Herbert Pritscher, Gunnar Steffek [1][2]
Mitarbeiter ca. 450 (2011/2012) [3]
Branche Lebensmittelindustrie
Website http://www.kampffmeyer.com/de

Die Kampffmeyer-Mühlen GmbH mit Sitz in Hamburg ist mit einer Vermahlung von rund 1,294 Mio. t pro Jahr und einem Marktanteil von 16,2 Prozent einer der größten deutschen Anbieter von Getreidemahlprodukten für die Lebensmittelindustrie und das Backgewerbe.[3] Sie ist ein Geschäftsbereich der VK Mühlen AG und tritt mit ihren Tochtergesellschaften unter der Marke Kampffmeyer Milling Group auf.[4] Zu den neun Mühlenstandorten der Kampffmeyer Mühlen GmbH zählen die Aurora Mühle Hamburg, die Ellmühle Köln sowie die Hildebrandmühlen Frankfurt am Main. Dort werden überwiegend Weizen und Roggen vermahlen. In der Vertriebsgesellschaft Aurora Mühlen GmbH ist das Marketing und der Vertrieb für die Produkte des Lebensmitteleinzelhandels gebündelt.

Die LLI-Tochterfirma Goodmills Group GmbH[5] in Wien, die 2013 bereits 95 % der Aktien der Firma besaß, möchte den Minderheitsaktionären per Squeeze-out (zu einem Preis von 54,70 €) die restlichen Aktien abkaufen, um den Betrieb vollständig zu übernehmen.[6][7]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Kampffmeyer-Mühlen reicht bis ins Mittelalter zurück[8]. Aus den einstigen Windmühlen und Wassermühlen mit relativ geringer und schwankender Leistung entstanden im Laufe der Jahrhunderte, insbesondere im Zuge der Industriellen Revolution, moderne und leistungsfähige Mühlen.[9]

Die heutige Unternehmensgruppe geht auf Emil Kampffmeyer zurück, der das Unternehmen 1883 in Potsdam gründete[10]. Sein Sohn, Kurt Kampffmeyer Sen., erweiterte den Handel über die regionalen Grenzen hinaus und legte mit dem Kauf der Potsdamer Dampfmühle 1915 den Grundstein für weiteres Wachstum. 1922 wurde der Firmensitz nach Berlin verlegt und das Unternehmen expandierte durch die Übernahme einiger traditionsreicher Mühlen und Silobetriebe.[11] Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Mühlbetrieb zahlreiche Betriebsstätten u.a. in Potsdam, Jarmen und Pritzwalk. Der Firmensitz wurde zunächst nach Hameln und dann nach Hamburg verlegt. Mit dem Tod von Kurt Kampffmeyer Sen. 1949 übernahm sein Sohn Kurt Kampffmeyer Jun. das Unternehmen, baute es weiter aus und führte es zentral unter einheitlichem Auftritt.[11]

1983 musste das Unternehmen als Aktiengesellschaft umstrukturiert werden. Deshalb übernahm die Vereinigte Kunstmühlen Aktiengesellschaft (seit 1989 VK Mühlen) das Unternehmen, unter deren Holding es seitdem betrieben wird.[10] Zu den wesentlichen, geschützten Traditionsmarken des Unternehmens gehören „Aurora“, „Gloria“, „Diamant“ und „Rosenmehl“.

Standorte[Bearbeiten]

Aurora Mühle Hamburg[Bearbeiten]

Lage:53° 29′ 35″ N, 9° 59′ 1″ O

Die heutige Aurora Mühle wurde 1897 in Hamburg-Wilhelmsburg von Georg Plange als größte Mühle des Kontinents errichtet. Lage:[12] Heute werden hier mit einer Kapazität von 200.000 t Mehle, Grieße und Backmischungen für den Haushalt unter den Marken Aurora, Diamant und Gloria hergestellt. Mit den Industrie- und Bäckermehlen werden die Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig Holstein beliefert.[13]

Ellmühle in Köln-Deutz

Ellmühle Köln-Deutz[Bearbeiten]

Lage:50° 55′ 31″ N, 6° 58′ 37″ O.

Die Ellmühle in Köln hat ihren Standort am Deutzer Hafen. Sie entstand aus der im Jahre 1975 durchgeführten Verschmelzung mit der benachbarten Auer-Großmühle. Mit 380.000 t Vermahlung von Weizen und Roggen im Jahr ist dies eine der größten Mühlen Europas. Das Getreide wird per Schiff, LKW oder der Bahn angeliefert.[14]

Hildebrandmühlen Frankfurt[Bearbeiten]

Lage:50° 6′ 31″ N, 8° 43′ 13″ O.

Die Hildebrandmühlen im Osthafen in Frankfurt am Main sind Hessens größte Getreidemühle. Sie wurden 1914 als Frankfurter Mühlenwerke gegründet und gingen 1972 an Kampffmeyer über. Jährlich werden dort 130.000 t Mehle, Grieße und Schrote aus Weichweizen und Roggen produziert. [15][16][17]

Aurora in Mannheim

Hildebrandmühlen Mannheim[Bearbeiten]

Lage:49° 30′ 57″ N, 8° 27′ 49″ O. Die Hildebrandmühlen Mannheim wurden 1906 gegründet und gehören seit 1928 zu den Kampffmeyer Mühlen.[11] Mit einer Kapazität von 150.000 t sind sie der größte Mühlbetrieb für Hartweizen in Deutschland. Hier wird Hartweizen zu Grießen und Mehlen vermahlen, welche vor allem in der Teigwarenproduktion eingesetzt werden.[18]

Nordland Mühlen Jarmen[Bearbeiten]

Lage:53° 55′ 42″ N, 13° 20′ 32″ O.

Die Nordland Mühlen in Jarmen wurden 1907 als Jarmener Kunstmühlen erbaut und bereits 1921 von Kurt Kampffmeyer erworben.[19] Im Zuge seiner Enteignung in der DDR wurden sie 1972 volkseigen.[11] Nach der Wende wurden sie mehrfach verkauft. Mit der Übernahme der BM Bäckermühlen durch die VK Mühlen kamen sie 1999 zurück in die Kampffmeyer Gruppe.[20] Mit einer Vermahlungskapazität von 60.000 t gewährleisten die Nordland Mühlen die Versorgung mit Weizen- und Roggenmahlprodukten für die Industrie, den Großhandel, für gewerbliche Verwender sowie Bäcker und Konditoren in Mecklenburg/Vorpommern, dem nördlichen Brandenburg, Berlin und dem Großraum Stettin.[19]

Rosenmühle Landshut-Ergolding[Bearbeiten]

Lage:48° 33′ 41″ N, 12° 9′ 19″ O.

Die Rosenmühle wurde 1898 als Vereinigte Kunstmühlen Landshut gegründet.[21]1974 wurde das Unternehmen Teil der Kampffmeyer-Gruppe im Rahmen eines Unternehmensvertrages und späterer Mehrheitsbeteiligung. Von 1974 bis 1976 erfolgte der Mühlenneubau am Standort in Ergolding. Nach der Insolvenz von Kurt Kampffmeyer Sen. übernahmen die Vereinigten Kunstmühlen die Kampffmeyer Mühlen. Im Zuge der Umfirmierung als VK Mühlen AG erfolgte die Umfirmierung als Rosenmühle GmbH. Die Rosenmühle GmbH vermahlt heute ca. 200.000 t Roggen und Weizen im Jahr, vor allem das traditionsreiche Rosenmehl.[22]

Die Schüttmühle in Berlin an der Spreemündung

Schüttmühle Berlin[Bearbeiten]

Lage:52° 32′ 7″ N, 13° 12′ 39″ O.

Die F.W. Schütt Dampfmühle in Berlin wurde 1922 Teil der Kampffmeyer Gruppe und später in Schüttmühle umbenannt. Die heutige Mühle wurde 1986 erbaut und 1992 erweitert. Sie ist eine der modernsten Getreidemühlen in Europa. Jährlich werden etwa 165.000 t Weizen für Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verarbeitet.

Ehemalige Standorte[Bearbeiten]

Mühle Quirin Völklingen[Bearbeiten]

Die Mühle Quirin in Völklingen wurde 1752 von Paul Quirin gegründet. Nach 250 Jahren in Familienbesitz wurde sie 2009 an die Kampffmeyer Mühlen GmbH verkauft.[23] 2013 war sie mit einer Vermahlung von 42.000 t im Jahr die bedeutendste Weichweizenmühle des Saarlandes[24], wurde aber Ende 2013 stillgelegt.[25]

Wesermühlen Hameln[Bearbeiten]

Wesermühlen Hameln

Die Wesermühlen wurden von Kurt Kampffmeyer Sen. 1926 übernommen, aber im Krieg zerstört. Das heutige Gebäude wurde im Jahre 1949 neu errichtet. Bis zum 1. April 2013 wurden hier jährlich 120.000 t Weizen und Roggen für den regionalen, nationalen und europäischen Markt verarbeitet. Der Standort Hameln wurde am 1. April 2013 geschlossen.[26]

Am Rande der Hamelner Altstadt befindet sich, als letzte der namensgebenden Wesermühlen, die Pfortmühle. Sie steht heute unter Denkmalschutz und dient als Bibliothek sowie Restaurant.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung zum Führungswechsel
  2. Impressum von Kampffmeyer Mühlen
  3. a b VK Mühlen AG: Geschäftsbericht 2011/2012
  4. Seit Juli 2011 präsentieren sich alle deutschen Mühlenstandorte der VK Mühlen AG unter dem Markennamen Kampffmeyer Milling Group (PDF; 86 kB)
  5. GoodMills Group, aufgerufen am 25. Februar 2014
  6. LLI Tochter GoodMills Group GmbH will 100% an der VK Mühlen AG, aufgerufen am 25. Februar 2014
  7. Lebensmittelzeitung.net: Goodmills legt Preis für VK-Mühlen-Squeeze-Out fest, aufgerufen am 25. Februar 2014
  8. Paul Kampffmeyer: Blutsverwandte deutsche Familien im Wandel der Jahrhunderte. Dallmeyer, Greifswald, 1939 (Geschichte der Familie Kampffmeyer)
  9. Geschichtliche Entwicklung (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv Archive.today)
  10. a b Wenk, Erik: Mit viel Mehl zur Macht. pnn Potsdamer Neueste Nachrichten, Potsdam 2012
  11. a b c d Zukunft braucht Herkunft: Die Geschichte des Unternehmens Kampffmeyer
  12. Webseite Diamant Mehl
  13. Aurora-Mühle Hamburg
  14. Ellmühle Köln
  15. Website Hildebrandmühlen (Version vom 18. Oktober 2011 im Internet Archive)
  16. Hildebrandmühlen Frankfurt
  17. FAZ vom 7. Oktober 2010, Seite 39: Getreide aus der Region, Mehl für die Region
  18. Hildebrandmühlen Mannheim
  19. a b Webseite Kampffmeyer Mühlen: Standort Jarmen
  20. Mühle in Jarmen
  21. Rosenmühle Landshut
  22. Rosenmehl als Traditionsmarke
  23. Webseite Saarbrücker Zeitung: Völklinger Mühle Quirin an Konzern verkauft
  24. Mühle Quirin in Völklingen (Version vom 23. Oktober 2013 im Internet Archive)
  25. Mühle Quirin in Völklingen stellt Betrieb zum Jahresende ein. VK Mühlen AG, 12. November 2013, abgerufen am 25. Februar 2014.
  26. Geschichte der Hamelner Mühlen
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten der Standorte: OSM, Google oder Bing