Kamptulikon

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Kamptulikon ist ein Bodenbelag, der im 19. Jahrhundert Verwendung fand. Es wurde 1843 von dem Engländer Elijah Galloway erfunden und vor 1848 von den britischen Herstellern Gough und Boys bzw. vor 1859 von Tayler patentiert. Durch die Etablierung des Linoleums wurde Kamptulikon bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts vollständig verdrängt, da das Kamptulikon durch das Schwinden des Holzes der Fußböden oft rissig wurde.[1][2]

Verwendung[Bearbeiten]

Bei Kamptulikon handelt es sich um einen elastischen, kautschukartigen Stoff, der aufgrund seiner Schallisolation auf Fußböden, auch in großen Gebäuden wie Kirchen, oder als Treppenläufer und Fußableger verwendet wurde. In den Stallungen des britischen Königshauses wurden auch die Wände und Zwischenwände mit dem Material verkleidet und auch die Zellen in psychiatrischen Kliniken wurden mit Kamptulikon ausgeschlagen, um Verletzungen der Insassen zu vermeiden.[3] Technische Verwendung fand es u. a. als Ersatz der Lederbekleidung von Messerputzern, die auch als Putztuch diente.

Der britische Architekt Charles Barry nutzte das neue Material 1840 als Bodenbelag im neuen Parlamentsgebäude in London, und in den 1860er Jahren gab es in England 10 Fabriken, die Kamptulikon herstellten.[4]

Herstellung und Eigenschaften[Bearbeiten]

Hergestellt wurde Kamptulikon als Gemisch von Kautschuk, Guttapercha, Abfällen aus der Korkindustrie, Schellack und Leinöl. Die Bestandteile wurden gepresst, vermischt und dann unter hohem Druck auf ein starkes Gewebe aufgewalzt.

Kamptulikon ist ein elastischer Belag, der in seiner Elastizität zwischen den Rohmaterialien Kork und Kautschuk liegt und dadurch sehr widerstandsfähig gegen Abnutzung war. Es ist zudem fast unempfindlich gegen Wasser und viele ätzende Chemikalien. Es leitet Wärme deutlich besser als Teppiche und andere textile Bodenbeläge, daher wurde es nicht für Wohnräume eingesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Artikel: Kamptulikon. In: Otto Lueger (Hrsg.): Lexikon der gesamten Technik. 2. Auflage. 1904–1920 (Digitalisat bei zeno.org).
  •  Miles Lewis: Australian Building: A Cultural Investigation. Abschnitt 11.04: Floor Coverings. (online publiziert).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Korkteppich. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Bd. 9, Leipzig 1885 (Digitalisat bei peter-hug.ch).
  2.  Kamptulikon. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Bd. 10, Leipzig 1907 (Digitalisat bei zeno.org).
  3. Kamptulĭkon. In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 19, Altenburg 1865, S. 858 (online bei zeno.org).
  4.  Pamela H. Simpson: Comfortable, Durable, and Decorative. Linoleum’s Rise and Fall from Grace. In: APT Bulletin. 30, Nr. 2/3, 1999, S. 17–24.