Kanadische Unterhauswahlen 1917

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Die 13. kanadischen Unterhauswahlen (engl. 13th Canadian General Election, frz. 13e élection fédérale canadienne) fanden am 17. Dezember 1917 statt. Gewählt wurden 235 Abgeordnete des kanadischen Unterhauses (engl. House of Commons, frz. Chambre des Communes). Die Frage der Einführung der Wehrpflicht spaltete das Land gegen Ende des Ersten Weltkriegs in zwei unversöhnliche Lager (siehe Wehrpflichtkrise von 1917). Premierminister Robert Borden errang mit der Unionistischen Partei, einer kurzlebigen Koalition aus Konservativen und einigen Liberalen, welche die Wehrpflicht unterstützten, die größte Mehrheit überhaupt, die eine Partei bei Wahlen auf Bundesebene jemals erreichte. Kandidaten der oppositionellen Liberalen Partei, die zu ihrem Parteivorsitzenden Wilfrid Laurier hielten, wurden überwiegend in der französischsprachigen Provinz Québec gewählt, wo die Wehrpflicht auf einhellige Ablehnung stieß.

Die Wahl[Bearbeiten]

Die letzten Wahlen fanden 1911 statt und waren von Bordens Konservativen gewonnen worden. Gemäß Wahlgesetz hätten die nachfolgenden Wahlen spätestens 1916 stattfinden sollen. Während des Ersten Weltkriegs verschob die Regierung den Wahltermin aber um ein Jahr. Sie hoffte, wie in Großbritannien bereits geschehen, für die Dauer des Krieges eine Koalition aller politischen Kräfte bilden zu können. Wilfrid Laurier, der Vorsitzende der Liberalen Partei, verweigerte jedoch wegen der ungelösten Frage der Wehrpflicht die Zusammenarbeit. Diese stieß im liberalen Stammland Québec auf einhellige Ablehnung. Laurier fürchtete, dass sich die französischsprachige Bevölkerung bei einer Unterstützung der Wehrpflicht von den Liberalen abwenden könnte. Als Borden daraufhin eine „unionistische“ Regierung propagierte, zerstritt sich die Liberale Partei. Zahlreiche liberale Abgeordnete und liberale Provinzparteien aus dem englischsprachigen Teil des Landes unterstützten die Regierung.

Um sicherzustellen, dass die Wehrpflichtbefürworter siegen würden, brachte Borden zwei Gesetze ein, welche die Wahlen zugunsten der Regierung beeinflussten. Der Wartime Elections Act entzog Kriegsdienstverweigerern und Personen, die nach 1902 aus Feindstaaten nach Kanada eingewandert waren, das Wahlrecht. Darüber hinaus durften weibliche Verwandte von Soldaten, die in Europa Kriegsdienst leisteten, ebenfalls wählen, womit einige Frauen bei Wahlen auf Bundesebene erstmals wahlberechtigt waren. Der Military Voters Act erlaubte es im Ausland stationierten Soldaten, ihre Stimme für einen beliebigen Wahlkreis abzugeben. Dadurch konnten Regierungsbeamte die Soldaten (die überwiegend für die Wehrpflicht waren) dazu bewegen, ihre Stimme dort abzugeben, wo es aus Sicht der Regierung am nützlichsten war.

Kurz nach Verabschiedung dieser Gesetze im Oktober 1917 überzeugte Borden einen Teil der Liberalen, sich seiner Koalition anzuschließen. Daraufhin löste er das Parlament auf und setzte Neuwahlen an, um ein klares Mandat für die Wehrpflicht zu erhalten. Im Wahlkampf traten nun Kandidaten der Unionistischen Partei gegen Liberale an, welche die Wehrpflicht ablehnten und weiterhin zum Parteivorsitzenden Wilfrid Laurier hielten (daher die Bezeichnung „Laurier-Liberale“). Die Wahlen endeten in einer Spaltung des Landes entlang der Sprachgrenze. Die Liberalen gewannen 82 Sitze, davon 62 in Québec. Die Unionisten, die 153 Sitze erhielten, waren in Québec nur in drei überwiegend englischsprachigen Wahlkreisen erfolgreich.

Die Wahlbeteiligung betrug 75,0 %.

Ergebnisse[Bearbeiten]

Gesamtergebnis[Bearbeiten]

Partei Vorsitzender Kandi-
daten
Sitze
1911
Sitze
1917
+/- Stimmen Anteil +/-
  Regierung (Unionistische Partei) Robert Borden 211 132 153 + 21 1.070.694 56,93 % + 8,38 % [1]
  Opposition (Laurier-Liberale) Wilfrid Laurier 213 85 82 - 3 729.756 38,80 % - 7,02 % [2]
  Labour Party 22 1 - 1 34.558 1,84 % + 0,91 %
  Opposition-Labour 8 22.251 1,03 % + 1,03 %
  Unabhängige 5 12.023 0,64 % - 0,15 %
  Unabhängige Liberale 2 7.753 0,41 % + 0,41 %
  Non-Partisan League 3 2.863 0,15 % + 0,15 %
  nicht bekannt 12 3.773 0,20 % - 1,78 %
  Unabhängige Konservative 3 - 3
Total 476 221 235 + 14 1.880.702 100,0 %

Ergebnis nach Provinzen und Territorien[Bearbeiten]

Partei BC AB SK MB ON QC NB NS PE YK Total
Regierung (Unionistische Partei) Sitze: 13 11 16 14 74 3 7 12 2 1 153
Anteil in %: 68,4 61,0 74,1 79,7 62,3 24,7 59,4 48,4 49,8 54,3 56,9
Opposition (Laurier-Liberale) Sitze: 1 1 8 62 4 4 2 82
Anteil in %: 25,6 30,6 23,4 20,3 32,1 73,4 40,6 45,5 50,2 45,7 38,8
Labour Party Anteil in %: 5,6 0,8 2,3 0,3 6,1 1,8
Opposition-Labour Anteil in %: 5,0 2,6 1,2 1,0
Unabhängige Anteil in %: 0,5 1,2 0,5 0,6
Unabhängige Liberale Anteil in %: 0,8 0,5 0,4
Non-Partisan League Anteil in %: 2,2 0,2
nicht bekannt Anteil in %: 0,4 0,1 0,7 0,2
Sitze total 13 12 16 15 82 65 11 16 4 1 235

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. verglichen mit dem Ergebnis der Konservativen Partei und der Liberal-konservativen Partei bei den Unterhauswahlen 1911
  2. verglichen mit dem Ergebnis der Liberalen Partei bei den Unterhauswahlen 1911

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]