Kanadische Unterhauswahlen 1984

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Die 33. kanadischen Unterhauswahlen (engl. 33rd Canadian General Election, frz. 33e élection fédérale canadienne) fanden am 4. September 1984 statt. Gewählt wurden 282 Abgeordnete des kanadischen Unterhauses (engl. House of Commons, frz. Chambre des Communes). Die von Brian Mulroney angeführte Progressiv-konservative Partei konnte mehr als die Hälfte aller Stimmen auf sich vereinen und gewann die Wahlen mit der größten absoluten Mehrheit der Sitze, die eine Partei in Kanada jemals erreichte. Die Liberale Partei von Premierminister John Turner hingegen erlitt die bisher schwerste Niederlage einer Regierungspartei.

Die Wahl[Bearbeiten]

Verteilung der Sitze nach Provinzen und Territorien

Seit 1963 hatten die Liberalen hatten Kanada fast ununterbrochen regiert. Pierre Trudeau – Premierminister von 1968 bis 1979 sowie seit 1980 – war im Juni 1984 zurückgetreten, als Meinungsumfragen zeigten, dass die Liberalen mit ihm an der Spitze fast sicher die Wahlen verlieren würden. Auf ihn folgte der ehemalige Justizminister John Turner, der nach neun Jahren Unterbrechung wieder in die Politik einstieg. Entgegen der bisher üblichen Praxis verzichtete Turner darauf, einen unerfahrenen Abgeordneten aus einem sicheren Wahlbezirk zum Rücktritt zu bewegen und den frei werdenden Sitz in einer Nachwahl zu übernehmen. Nur zehn Tage nach Amtsantritt rief er Neuwahlen aus.

Die Wahlkampagne der Liberalen war schlecht organisiert und nicht in der Lage, die durch Aufdeckung von Klientelismus und Korruption verursachte massive Unbeliebtheit auszugleichen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen hatte Pierre Trudeau über 200 gut bezahlte Posten (Senatoren, Richter, Verwaltungsräte von Staatsunternehmen) mit loyalen Parteimitgliedern besetzt. Diese Ernennungen lösten im gesamten politischen Spektrum Empörung aus. Turner hätte ohne weiteres diese Ernennungen rückgängig machen können, nahm jedoch selbst 70 weitere Ernennungen vor. Brian Mulroney, der Vorsitzende der oppositionellen Progressiv-konservativen Partei, konfrontierte Turner bei den Fernsehdebatten mit dieser Tatsache und brachte ihn dadurch in starke Bedrängnis.

Turners Unfähigkeit, die aufgestaute Wut der Wähler gegen Trudeau zu überwinden, sowie seine eigenen Fehler resultierten in einem Debakel für die Liberalen. Sie verloren über einen Drittel ihrer bisherigen Wähler und mussten im Vergleich zu 1980 den Verlust von 107 Sitzen hinnehmen. Besonders dramatisch war das Ergebnis in der bisherigen Hochburg Québec, wo sie von 74 auf nur noch 14 Sitze zurückfielen. Turner schaffte zwar den Einzug ins Parlament, doch elf Minister wurden abgewählt.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern sprach Mulroney nicht nur die Sozialkonservativen in Westkanada und die Fiskalkonservativen in den atlantischen Provinzen an. Es gelang ihm auch, die nationalistischen Wähler in Québec auf seine Seite zu ziehen, indem er umfassende Verfassungsreformen versprach, welche die besondere Situation der frankophonen Kanadier besser berücksichtigen würden. Die Progressiv-Konservativen erzielten in jeder Provinz und in jedem Territorium das beste Ergebnis; sie konnten mehr als die Hälfte aller Wähler auf sich vereinen und gewannen die Wahlen mit der größten absoluten Mehrheit der Sitze in der Geschichte Kanadas.

Die Wahlbeteiligung betrug 75,3 %.

Ergebnisse[Bearbeiten]

Gesamtergebnis[Bearbeiten]

Partei Vorsitzender Kandi-
daten
Sitze
1979
Sitze
1984
+/- Stimmen Anteil +/-
  Progressiv-konservative Partei Brian Mulroney 282 103 211 + 108 6.278.818 50,03 % + 17,58 %
  Liberale Partei John Turner 282 147 40 - 107 3.516.486 28,02 % - 16,32 %
  Neue Demokratische Partei Ed Broadbent 282 32 30 - 2 2.539.915 18,81 % - 0,96 %
  Nicht parteigebunden [1] 20 1 + 1 39.298 0,31 % + 0,28 %
  Parti Rhinocéros Cornelius I. 88 99.178 0,79 % - 0,22 %
  Parti nationaliste du Québec [2] 74 85.865 0,68 % + 0,55 %
  Confederation of Regions Elmer Knutson 55 65.655 0,52 % + 0,52 %
  Grüne Partei Trevor Hancock 60 26.921 0,21 % + 0,21 %
  Libertarian Party Victor Levis 72 23.514 0,19 % + 0,06 %
  Unabhängige 65 22.067 0,18 % + 0,05 %
  Social Credit Party Ken Sweigard 51 16.659 0,13 % - 1,57 %
  Kommunistische Partei William Kashtan 51 7.479 0,06 % + 0,01 %
  Commonwealth Party Gilles Gervais 66 7.007 0,06 % + 0,06 %
Total 1.449 282 282 12.548.862 100,0 %

Ergebnis nach Provinzen und Territorien[Bearbeiten]

Partei BC AB SK MB ON QC NB NS PE NL NW YK Total
Progressiv-konservative Partei Sitze: 19 21 9 9 67 58 9 9 3 4 2 1 211
Anteil in %: 46,6 68.8 41,7 43,2 47,6 50,2 53,6 50,7 52,0 57,6 41,3 56,8 50,0
Liberale Partei Sitze: 1 1 14 17 1 2 1 3 40
Anteil in %: 16,4 12,7 18,2 21,8 29,8 35,4 31,9 33,6 41,0 36,4 26,9 21,7 28,0
Neue Demokratische Partei Sitze: 8 5 4 13 30
Anteil in %: 35,1 14,1 38,4 27,2 20,8 8,8 14,1 15,2 6,5 5,8 28,2 16,1 18,8
Nicht parteigebunden Sitze: 1 1
Anteil in %: <0,1 0,2 0,8 <0,1 0,4 0,3
Parti Rhinocéros Anteil in %: 0,4 0,4 0,2 0,2 0,1 2,4 0,3 1,1 0,8
Parti nationaliste du Québec Anteil in %: 2,5 0,7
Confederation of Regions Anteil in %: 0,2 2,2 1,3 6,7 0,5
Grüne Partei Anteil in %: 0,6 0,3 0,1 0,3 0,1 0,1 0,2
Libertarian Party Anteil in %: 0,3 0,1 0,4 0,3 0,1 0,1 0,1 4,4 0,2
Unabhängige Anteil in %: 0,1 0,5 0,1 0,4 0,1 0,1 0,3 0,1 0,1 0,1 3,5 0,2
Social Credit Party Anteil in %: 0,2 0,6 0,1 0,2 0,1 0,1
Kommunistische Partei Anteil in %: 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1
Commonwealth Party Anteil in %: 0,2 <0,1
Sitze total 28 21 14 14 95 75 10 11 4 7 2 1 282

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Tony Roman wurde im Wahlkreis York North als „Koalitionskandidat“ gewählt. Er schlug dabei den progressiv-konservativen Amtsinhaber John Gamble, dessen rechtsextreme Ansichten viele seiner ehemaligen Wähler abgeschreckt hatten.
  2. Ergebnisse im Vergleich mit der Union populaire bei den Wahlen 1980

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]