Kanal Gent-Terneuzen

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Lage des Kanals
Bauarbeiten 1878
Zeekanaal Gent–Terneuzen

Der Zeekanaal Gent–Terneuzen, auch Kanaal van Gent naar Terneuzen genannt, verbindet den Seehafen der belgischen Stadt Gent – der Hauptstadt der Provinz Ostflandern – mit dem niederländischen Meeresarm Westerschelde und somit mit der Nordsee. Der Kanal durchquert neben Gent die Gemeinden Zelzate in Belgien und Terneuzen in den Niederlanden.

Für die Wirtschaft der Hafenstadt Gent, mit dem drittgrößten Hafen in Belgien, ist der Kanal von großer Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1823 beschloss der niederländische König Wilhelm I. die Sassevaart bis nach Terneuzen zu verlängern. Er verlief von Gent nach Sas van Gent vor allem in dem alten Bett der Sassevaart. Von Sas van Gent bis Terneuzen verlief der Kanal durch angeschwemmtes Land, das nur noch selten überflutet wurde (De Braeckmaninham, Sassegat und Axelse Gat). In Terneuzen wurden zwei Schleusen gebaut, eine mit acht Meter Breite, die zweite war zwölf Meter breit.

1827 wurde der Kanal von Pieter van Doorn, Gouverneur von Ostflandern im Namen des Königs eröffnet. Bis Sas van Gent war der Kanal 4,5 m, bis Gent 2,5 m tief. Die Sohlenbreite betrug zehn Meter, auf Höhe des Wasserspiegels war er 24 m breit. Anlässlich der Kanaleröffnung wurde Brot an die arme Bevölkerung verteilt, und es wurden Erinnerungsmedaillen in Gold, Silber und Bronze geprägt.

Zwischen 1830 und 1841 fand wegen der Unabhängigkeit Belgiens keine Schifffahrt von Terneuzen nach Gent statt. Auf der Höhe von Zelzate ließ der belgische General Niellon Pfähle in den Kanal rammen, damit die Holländer nicht mehr nach Gent fahren konnten. Erst 1841, nachdem der versandete Kanal wieder ausgebaggert war, fuhren dort wieder Schiffe.

Ab 1870 wurde der Kanal vertieft und verbreitert, hinderliche Kurven wurden begradigt und bei Zelzate wurde der Kanal durch einen neuen Seitenarm verlegt. Auf belgischem Gebiet wurden verschiedene Brücken neu gebaut. 1881 waren die Arbeiten dort fertiggestellt. In den Niederlanden wurde ab 1881 der Kanal vertieft und verbreitert, in Sas van Gent wurde ein dritter Kanalarm gegraben und eine neue Schleuse errichtet. 1885 war der Kanal 6,5 m tief, an der Sohle 17 m und an der Oberfläche 68 m breit.

In einem Vertrag zwischen den Niederlanden und Belgien wurde am 20. Juni 1960 der weitere Ausbau des Kanals beschlossen. Ein Teil des Dorfes Sluiskil musste dem Kanal weichen. 1963 wurden in Terneuzen zwei neue Schleusen gebaut, eine für die Binnenschiffe, die zweite für die Seeschiffe. Die alte Schleuse von Sas van Gent wurde zugeschüttet, dort wurde die Auffahrt für eine neue Brücke angelegt. Am 19. Dezember 1968 wurde der neue Kanal durch Königin Juliana (Niederlande) und König Baudouin I. eingeweiht.

Heute[Bearbeiten]

Der Kanal Gent–Terneuzen ist heute 200 Meter breit und 32 km lang. Seeschiffe bis 125.000 Tonnen können ihn befahren. Die größten zulässigen Abmessungen sind: 265 × 34 × 12,5 Meter.

Zurzeit ist geplant, damit der Zugang für größere Schiffe gesichert wird, im niederländischen Terneuzen die überlasteten Schleusen zu erneuern. Die geplanten Baukosten der neuen 427 Meter langen, 55 Meter breiten und 16 Meter tiefen Schleuse von rund 930 Mio. Euro sollen auch von belgischer Seite mitgetragen werden (788,1 Mio. Euro) vom Bundesland Flandern und der Stadt Gent, möglichst mit Unterstützung der EU. Es wird mit einem Baubeginn ab 2017 gerechnet.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eckhard-Herbert Arndt: Gent schultert größte Einzelinvestition · Mit 118 Millionen Euro beteiligt sich der flämische Hafen an den Gesamtkosten der neuen Schleusen in Terneuzen. In: Täglicher Hafenbericht vom 19. März 2014, S. 15, ISSN 2190-8753

Weblinks[Bearbeiten]