Kanchipuram (Distrikt)

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Distrikt Kanchipuram
காஞ்சிபுரம் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Kanchipuram
Fläche: 4.305 km²
Einwohner: 3.990.897
Bevölkerungsdichte: 927 Ew./km²
Website: kanchi.tn.nic.in

Der Distrikt Kanchipuram (Tamil: காஞ்சிபுரம் மாவட்டம்; auch: Kancheepuram) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum des Distrikts ist die namensgebende Stadt Kanchipuram.

Geografie[Bearbeiten]

Küste bei Injambakkam

Der Distrikt Kanchipuram liegt an der Koromandelküste am Golfs von Bengalen im Nordosten Tamil Nadus, des südlichsten indischen Bundesstaats. Er grenzt im Norden an den Stadtdistrikt Chennai und den Distrikt Tiruvallur, im Nordwesten an den Distrikt Vellore, im Westen an den Distrikt Tiruvannamalai und im Süden an den Distrikt Viluppuram.

Die Fläche des Distrikts Kanchipuram beträgt 4.305 Quadratkilometer. Das Gebiet des Distrikts gehört zur flachen Küstenebene Tamil Nadus und wird vom Fluss Palar durchflossen. Das Stadtgebiet Chennais, der Hauptstadt Tamil Nadus und fünftgrößten Metropole Indiens, ist über die Grenzen des Stadtdistriktes hinweggewachsen, so dass zur Metropolregion Chennai auch Teile des Distrikts Kanchipuram gehören. Zum Einzugsgebiet Chennais gehören unter anderem die Großstädte Alandur, Pallavaram und Tambaram.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kailashanatha-Tempel in Kanchipuram stammt aus der Pallava-Zeit (Kupferstich von 1811)

Der heutige Distrikt Kanchipuram war das Kernland des Pallava-Reiches, das vom 3. bis 9. Jahrhundert Kanchipuram als Hauptstadt hatte. In der Folge wurde das Gebiet von den Cholas, Vijayanagar und den Nawabs von Arcot beherrscht, ehe es im 18. Jahrhundert unter britische Kontrolle kam.

Vorläufer des heutigen Distrikts Kanchipuram war der Distrikt Chengalpattu (Chingleput). Diesen hatten die Briten 1788 eingerichtet, nachdem sie die Herrschaft von den Nawabs von Arcot übernommen und das Gebiet in die Provinz Madras eingegliedert hatten. Verwaltungssitz war anfangs Karunguzhi mit einer Unterbrechung von 1825 bis 1835, als Kanchipuram als Hauptstadt des Distrikts fungierte. 1859 wurde der Sitz der Distriktverwaltung nach Saidapettai (heute ein Stadtteil von Chennai) verlegt. Nach der indischen Unabhängigkeit wurde der Distrikt 1956 zu einem Teil des neuformierten Bundesstaates Madras (heute Tamil Nadu). 1960 wurden Teile des Distrikts Chittoor aus dem Nachbarbundesstaat Andhra Pradesh gelöst und dem Distrikt Chengalpattu zugeschlagen. Seit 1968 ist Kanchipuram das Verwaltungszentrum des Distrikts. Der Distrikt Kanchipuram entstand in seiner heutigen Form im Jahr 1997, als der Distrikt Chengalpattu in die Distrikte Kanchipuram und Tiruvallur geteilt wurde.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Weber in einem Dorf bei Kanchipuram

Nach der indischen Volkszählung von 2011 hat der Distrikt Kanchipuram 3.990.897 Einwohner. Damit ist er nach dem Stadtdistrikt Chennai der zweitgrößte Distrikt Tamil Nadus. Der Distrikt ist sehr dicht besiedelt und recht stark urbanisiert: Mit 927 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört die Bevölkerungsdichte zu den höchsten Tamil Nadus und ist fast doppelt so hoch wie der Mittelwert des Bundesstaates (555 Einwohner pro Quadratkilometer). 63,6 Prozent der Einwohner des Distrikts Kanchipuram leben in Städten. Der Urbanisiersgrad liegt damit deutlich über dem Durchschnitt Tamil Nadus (48,5 Prozent). Durch die Nähe zur stark expandierenden Metropole Chennai erfährt der Distrikt Kanchipuram ein starkes Bevölkerungswachstum: Im Zeitraum zwischen 2001 und 2011 wuchs die Einwohnerzahl um 38,7 Prozent. Das Bevölkerungswachstum liegt damit deutlich über dem Durchschnitt Tamil Nadus (15,6 Prozent) und ist das höchste aller Distrikte des Bundesstaates. Die Alphabetisierungsquote liegt mit 85,3 Prozent über dem Mittelwert des Bundesstaates (80,3 Prozent) und dem landesweiten Durchschnitt (74,0 Prozent).[1]

Die religiösen Verhältnisse entsprechen dem Durchschnitt Tamil Nadus: Nach der Volkszählung 2001 sind 89,8 Prozent der Bevölkerung Hindus, 5,9 Prozent Christen und 3,9 Prozent Muslime.[2]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Hyundai-Werke in Irungattukottai nahe Sriperumbudur

Dank seiner Nähe zu Chennai ist der Distrikt Kanchipuram wirtschaftlich gut entwickelt und stark industrialisiert. In dem Distrikt produzieren unter anderem die Autohersteller Hyundai und Ford sowie die Elektronikunternehmen Nokia und Motorola. Der wichtigste Erwerbszweig ist aber nach wie vor die Landwirtschaft, die nach der Volkszählung 2001 37,8 % der Einwohner des Distrikts beschäftigt.[3] Angebaut wird vor allem Reis. Zudem ist die Stadt Kanchipuram traditionell ein Zentrum der Seidenweberei. Der Ort Mamallapuram (Mahabalipuram) gehört wegen seiner Sandstrände und der Baudenkmäler aus der Pallava-Zeit zu den wichtigsten touristischen Zielen Tamil Nadus.

Durch den Distrikt Kanchipuram führen der National Highway 4 von Chennai über Bangalore nach Mumbai und der National Highway 45 von Chennai nach Theni. An der Ostküste entlang verläuft die East Coast Road von Chennai über Puducherry nach Cuddalore durch den Distrikt. Die aus Richtung Süden kommende Bahnstrecke spaltet sich in Chengalpattu in einen Zweig nach Chennai und einen nach Kanchipuram. Auch der Flughafen Chennai befindet sich in Meenambakkam im Gebiet des Distrikts Kanchipuram.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Strandtempel in Mamallapuram

Von der Blütezeit der Kunst unter den Pallavas im 7. und 8. Jahrhundert zeugen zahlreiche Tempelbauten im Gebiet des Distrikts. Die herausragendsten Beispiele aus der Pallava-Epoche finden sich im kleinen Ort Mamallapuram, der zu jener Zeit ein florierender Hafen war. Die „fünf Rathas“, eine Mitte des 7. Jahrhunderts entstandene Gruppe von monolithischen Felsentempeln, und der unmittelbar am Meer gelegene Strandtempel aus dem frühen 8. Jahrhundert hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der dravidischen Tempelarchitektur und auch der Baukunst Südostasiens. Daneben finden sich in Mamallapuram zahlreiche weitere aus dem Fels gehauene Schreine, Höhlentempel und Reliefs. Seit 1985 gehören die Baudenkmäler von Mamallapuram zum UNESCO-Weltkulturerbe.[4]

Die Stadt Kanchipuram gilt als eine der sieben heiligen Städte der Hindus. Unter den über hundert Tempeln der Stadt finden sich mehrere herausragende Bauten aus der Pallava-Zeit. Die bedeutendsten sind der Kailashanatha-Tempel, der Anfang des 8. Jahrhunderts gebaut wurde und in fast unversehrter Form erhalten ist, und der ebenfalls aus dem 8. Jahrhundert stammende Vaikuntha-Perumal-Tempel. Jüngeren Datums ist der Ekambareshwara-Tempel, welcher während der Vijayanagar-Herrschaft im Jahr 1509 um einen heiligen Mangobaum erbaut wurde.

Taluks[Bearbeiten]

Taluks des Distrikts Kanchipuram

Der Distrikt Kanchipuram ist in die folgenden zehn Taluks (Subdistrikte) unterteilt:[5]

Nr. Taluk Hauptort Fläche[6] Einwohner
(2011)[7]
Bevölkerungs-
dichte
1. Sriperumbudur Sriperumbudur 000000000000670.5000000000670,5 km² 486.063 000000000000725.0000000000725 Ew./km²
2. Tambaram Tambaram 000000000000020.200000000020,2 km² 390.279 000000000019320.000000000019.320 Ew./km²
3. Alandur Alandur 000000000000045.400000000045,4 km² 678.927 000000000014954.000000000014.954 Ew./km²
4. Sholinganallur Sholinganallur 000000000000135.5000000000135,5 km² 548.654 000000000004049.00000000004.049 Ew./km²
5. Chengalpattu Chengalpattu 000000000000772.8000000000772,8 km² 571.254 000000000000739.0000000000739 Ew./km²
6. Kanchipuram Kanchipuram 000000000000624.9000000000624,9 km² 497.149 000000000000796.0000000000796 Ew./km²
7. Uthiramerur Uthiramerur 000000000000416.4000000000416,4 km² 145.376 000000000000349.0000000000349 Ew./km²
8. Tirukalukundram Tirukalukundram 000000000000352.8000000000352,8 km² 196.807 000000000000558.0000000000558 Ew./km²
9. Maduranthakam Maduranthakam 000000000000760.0000000000760,0 km² 272.669 000000000000359.0000000000359 Ew./km²
10. Cheyyur Cheyyur 000000000000616.9000000000616,9 km² 203.719 000000000000330.0000000000330 Ew./km²

Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2001)[8]
Acharapakkam 9.013
Alandur 146.154
Alapakkam 5.421
Anakaputhur 31.733
Ayyampettai 6.022
Chengalpattu 62.631
Chitlapakkam 25.292
Edakalinadu 25.769
Injambakkam 10.084
Jalladiampet 7.576
Kanchipuram 152.984
Karunguzhi 11.265
Kottivakkam 13.914
Kundrathur 25.028
Madambakkam 16.556
Madippakkam 14.940
Maduranthakam 29.100
Mamallapuram 12.049
Manapakkam 8.590
Mangadu 20.108
Maraimalainagar 48.449
Meenambakkam 4.774
Melamaiyur 5.155
Moovarasampettai 6.084
Nandambakkam 9.093
Nandivaram-Guduvancheri 27.386
Nattapettai 10.190
Neelankarai 15.688
Oggiyamduraipakkam 25.961
Palavakkam 14.369
Pallavaram 143.984
Pallikaranai 22.503
Pammal 49.744
Peerkankaranai 17.521
Perungalathur 19.343
Perungudi 12.505
Polichalur 15.329
Pudupattinam 20.897
Puzhitivakkam 29.086
Sembakkam 22.671
Sevilmedu 15.918
Sholinganallur 15.519
Sikkarayapuram 5.807
Singaperumalkoil 8.057
Sriperumbudur 16.085
St. Thomas Mount-cum-Pallavaram 42.459
Tambaram 137.609
Thenambakkam 9.257
Thiruneermalai 19.019
Thiruporur 8.302
Tirukalukundram 23.677
Tirusulam 5.997
Urapakkam 13.265
Uthiramerur 23.653
Vandalur 13.311
Walajabad 10.859

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 (PDF; 17,8 MB) und Paper 2. (PDF; 14,1 MB)
  2. Census of India 2001: Basic Data Sheet. District Kancheepuram (03), Tamil Nadu (33) (PDF; 54 kB)
  3. Census GIS India: Population
  4. Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf Französisch
  5. Census of India 2011: Administrative Atlas of India. (PDF; 31,7 MB)
  6. Kanchipuram District Statistical Handbook 2006: Area and Population. (PDF; 102 kB)
  7. Census of India 2011: Provisional Population Totals - Tamil Nadu-Census 2011. Sub District (Taluk) Level. (PDF; 1,1 MB)
  8. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kanchipuram district – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien