Kanchipuram (Distrikt)

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Distrikt Kanchipuram
காஞ்சிபுரம் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Kanchipuram
Fläche: 4.483 km²
Einwohner: 3.998.252
Bevölkerungsdichte: 892 Ew./km²
Website: kanchi.tn.nic.in

Der Distrikt Kanchipuram (Tamil: காஞ்சிபுரம் மாவட்டம்; auch: Kancheepuram) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum des Distrikts ist die namengebende Stadt Kanchipuram. Der Distrikt Kanchipuram hat eine Fläche von 4.483 Quadratkilometern und knapp 4,0 Millionen Einwohner (Volkszählung 2011).

Geografie[Bearbeiten]

Küste bei Injambakkam

Der Distrikt Kanchipuram liegt an der Koromandelküste im Nordosten Tamil Nadus. Er grenzt im Norden an den Stadtdistrikt Chennai und den Distrikt Tiruvallur, im Nordwesten an den Distrikt Vellore, im Westen an den Distrikt Tiruvannamalai und im Süden an den Distrikt Viluppuram. Im Osten liegt die Küste des Golfs von Bengalen.

Die Fläche des Distrikts Kanchipuram beträgt 4.483 Quadratkilometer.[1] Das Gebiet des Distrikts gehört zur flachen Küstenebene Tamil Nadus und wird vom Fluss Palar durchflossen. Der nordöstliche Teil des Distrikts Kanchipuram gehört zum Einzugsgebiet Chennais, der Hauptstadt Tamil Nadus. Die Metropolregion Chennai, der viertgrößte Ballungsraum Indiens, reicht in das Gebiet des Distrikts Kanchipuram hinein. Seit der Stadterweiterung Chennais 2011 gehört ein Teil des Distrikts Kanchipuram auch zum administrativen Stadtgebiet Chennais. Die südwestliche Teil des Distrikts ist dagegen deutlich ländlich geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kailashanatha-Tempel in Kanchipuram stammt aus der Pallava-Zeit (Kupferstich von 1811)

Der heutige Distrikt Kanchipuram war das Kernland des Pallava-Reiches, das vom 3. bis 9. Jahrhundert Kanchipuram als Hauptstadt hatte. In der Folge wurde das Gebiet von den Cholas, den Vijayanagar-Herrschern und den Nawabs von Arcot beherrscht, ehe es im 18. Jahrhundert unter britische Kontrolle kam.

Vorläufer des heutigen Distrikts Kanchipuram war der Distrikt Chengalpattu (Chingleput). Diesen hatten die Briten 1788 eingerichtet, nachdem sie die Herrschaft von den Nawabs von Arcot übernommen und das Gebiet in die Provinz Madras eingegliedert hatten. Nach der indischen Unabhängigkeit wurde der Distrikt 1956 zu einem Teil des neuformierten Bundesstaates Madras (heute Tamil Nadu). 1968 wurde Kanchipuram zum Verwaltungssitz des Distrikts. Der Distrikt Kanchipuram entstand in seiner heutigen Form im Jahr 1997, als der Distrikt Chengalpattu in die Distrikte Kanchipuram und Tiruvallur geteilt wurde.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Weber in einem Dorf bei Kanchipuram

Nach der indischen Volkszählung von 2011 hat der Distrikt Kanchipuram 3.998.252 Einwohner. Damit ist er nach dem Stadtdistrikt Chennai der zweitgrößte Distrikt Tamil Nadus. Der Distrikt ist sehr dicht besiedelt und recht stark urbanisiert: Mit 892 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört die Bevölkerungsdichte zu den höchsten Tamil Nadus und ist deutlich höher als der Mittelwert des Bundesstaates (555 Einwohner pro Quadratkilometer). 64 Prozent der Einwohner des Distrikts Kanchipuram leben in Städten. Der Urbanisiersgrad liegt damit deutlich über dem Durchschnitt Tamil Nadus (48 Prozent). Durch die Nähe zur stark expandierenden Metropole Chennai erfährt der Distrikt Kanchipuram ein starkes Bevölkerungswachstum: Im Zeitraum zwischen 2001 und 2011 wuchs die Einwohnerzahl um 39 Prozent. Das Bevölkerungswachstum liegt damit deutlich über dem Durchschnitt Tamil Nadus (16 Prozent) und ist das höchste aller Distrikte des Bundesstaates.[2] Die Alphabetisierungsquote liegt mit 85 Prozent über dem Mittelwert des Bundesstaates (80 Prozent).[3]

Nach der Volkszählung 2001 sind 89,8 Prozent der Einwohner des Distrikts Kanchipuram Hindus, 5,9 Prozent Christen und 3,9 Prozent Muslime.[4]

Die Hauptsprache im Distrikt Kanchipuram ist wie in ganz Tamil Nadu das Tamil. Nach der Volkszählung 2001 wird es von 93,0 Prozent der Einwohner des Distrikts als Muttersprache gesprochen. Daneben gibt es wie in vielen Teilen Tamil Nadus eine Minderheit von Sprechern des Telugu, die von 4,0 der Distriktbevölkerung ausmachen. Ein Teil der Muslime, 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung des Distrikts, spricht Urdu. Die restlichen 1,9 Prozent verteilen sich auf sonstige Sprachen.[5]

Nach der Volkszählung 2011 sind 23,7 Prozent der Einwohner des Distrikts Angehörige niederer Kasten (scheduled castes) und 1,0 Prozent Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes)[6].

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Hyundai-Werke in Irungattukottai nahe Sriperumbudur

Dank seiner Nähe zu Chennai ist der Distrikt Kanchipuram wirtschaftlich gut entwickelt und stark industrialisiert. In dem Distrikt produzieren unter anderem die Autohersteller Hyundai und Ford sowie die Elektronikunternehmen Nokia und Motorola. Der wichtigste Erwerbszweig ist aber nach wie vor die Landwirtschaft, die nach der Volkszählung 2001 38 Prozent der Einwohner des Distrikts beschäftigt.[7] Angebaut wird vor allem Reis. Zudem ist die Stadt Kanchipuram traditionell ein Zentrum der Seidenweberei. Der Ort Mamallapuram (Mahabalipuram) gehört wegen seiner Sandstrände und der Baudenkmäler aus der Pallava-Zeit zu den wichtigsten touristischen Zielen Tamil Nadus.

Durch den Distrikt Kanchipuram führen der National Highway 4 von Chennai über Bangalore nach Mumbai und der National Highway 45 von Chennai nach Theni. An der Ostküste entlang verläuft die East Coast Road von Chennai über Puducherry nach Cuddalore durch den Distrikt. Die aus Richtung Süden kommende Bahnstrecke spaltet sich in Chengalpattu in einen Zweig nach Chennai und einen nach Kanchipuram. Auch der Flughafen Chennai befindet sich in Meenambakkam im Gebiet des Distrikts Kanchipuram.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Strandtempel in Mamallapuram

Von der Blütezeit der Kunst unter den Pallavas im 7. und 8. Jahrhundert zeugen zahlreiche Tempelbauten im Gebiet des Distrikts. Die herausragendsten Beispiele aus der Pallava-Epoche finden sich im kleinen Ort Mamallapuram, der zu jener Zeit ein florierender Hafen war. Die „fünf Rathas“, eine Mitte des 7. Jahrhunderts entstandene Gruppe von monolithischen Felsentempeln, und der unmittelbar am Meer gelegene Strandtempel aus dem frühen 8. Jahrhundert hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der dravidischen Tempelarchitektur und auch der Baukunst Südostasiens. Daneben finden sich in Mamallapuram zahlreiche weitere aus dem Fels gehauene Schreine, Höhlentempel und Reliefs. Seit 1985 gehören die Baudenkmäler von Mamallapuram zum UNESCO-Weltkulturerbe.[8]

Die Stadt Kanchipuram gilt als eine der sieben heiligen Städte der Hindus. Unter den über hundert Tempeln der Stadt finden sich mehrere herausragende Bauten aus der Pallava-Zeit. Die bedeutendsten sind der Kailashanatha-Tempel, der Anfang des 8. Jahrhunderts gebaut wurde und in fast unversehrter Form erhalten ist, und der ebenfalls aus dem 8. Jahrhundert stammende Vaikuntha-Perumal-Tempel. Jüngeren Datums ist der Ekambareshwara-Tempel, welcher während der Vijayanagar-Herrschaft im Jahr 1509 um einen heiligen Mangobaum erbaut wurde.

Taluks[Bearbeiten]

Taluks des Distrikts Kanchipuram

Der Distrikt Kanchipuram ist in die folgenden zehn Taluks (Subdistrikte) unterteilt:[9]

Nr. Taluk Hauptort Fläche[10] Einwohner
(2011)[11]
Bevölkerungs-
dichte
1. Sriperumbudur Sriperumbudur 000000000000670.5000000000670,5 km² 486.063 000000000000725.0000000000725 Ew./km²
2. Tambaram Tambaram 000000000000020.200000000020,2 km² 390.279 000000000019320.000000000019.320 Ew./km²
3. Alandur Alandur 000000000000045.400000000045,4 km² 678.927 000000000014954.000000000014.954 Ew./km²
4. Sholinganallur Sholinganallur 000000000000135.5000000000135,5 km² 548.654 000000000004049.00000000004.049 Ew./km²
5. Chengalpattu Chengalpattu 000000000000772.8000000000772,8 km² 571.254 000000000000739.0000000000739 Ew./km²
6. Kanchipuram Kanchipuram 000000000000624.9000000000624,9 km² 497.149 000000000000796.0000000000796 Ew./km²
7. Uthiramerur Uthiramerur 000000000000416.4000000000416,4 km² 145.376 000000000000349.0000000000349 Ew./km²
8. Tirukalukundram Tirukalukundram 000000000000352.8000000000352,8 km² 196.807 000000000000558.0000000000558 Ew./km²
9. Maduranthakam Maduranthakam 000000000000760.0000000000760,0 km² 272.669 000000000000359.0000000000359 Ew./km²
10. Cheyyur Cheyyur 000000000000616.9000000000616,9 km² 203.719 000000000000330.0000000000330 Ew./km²

Städte[Bearbeiten]

Im Distrikt Kanchipuram gibt es 1069 Dörfer und 35 Städte.[12] Die sieben Städte Alandur, Puzhithivakkam, Pallikaranai, Perungudi, Sholinganallur, Nandambakkam und Meenambakkam sowie zwölf angrenzende Dörfer wurden 2011 in die Stadt Chennai eingemeindet.[13]

Stadt Einwohner
(2011)[14]
Acharapakkam 10.362
Alandur 164.430
Anakaputhur 48.050
Chengalpattu 62.579
Chitlapakkam 37.906
Edakalinadu 28.172
Kanchipuram 164.384
Karunguzhi 12.485
Kundrathur 42.126
Madambakkam 31.681
Maduranthakam 30.796
Mamallapuram 15.172
Mangadu 38.188
Maraimalainagar 81.872
Meenambakkam 4.286
Nandambakkam 11.239
Nandivaram-Guduvancheri 44.098
Pallavaram 215.417
Pallikaranai 43.493
Pammal 75.870
Peerkankaranai 25.871
Perungalathur 37.342
Perungudi 43.111
Puzhithivakkam 53.322
Sembakkam 45.356
Sevilimedu 23.454
Sholinganallur 26.644
Sriperumbudur 24.864
St. Thomas Mount-cum-Pallavaram 43.795
Tambaram 174.787
Tirukalukundram 29.391
Tiruneermalai 30.702
Tiruporur 13.666
Uthiramerur 25.194
Walajabad 14.684

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Primary Census Abstract – Tamil Nadu. (PDF; 873 kB)
  2. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - I Population, Size and Decadal Change.
  3. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - III Literates and Literacy Rate.
  4. Census of India 2001: Basic Data Sheet. District Kancheepuram (03), Tamil Nadu (33) (PDF; 54 kB)
  5. Census of India 2001: C-15 : Population by Mother Tongue (Tamil Nadu), abgerufen unter Tabulations Plan of Census Year - 2001.
  6. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - II Scheduled Castes and Scheduled Tribes Population.
  7. Census GIS India: Population
  8. Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf Französisch
  9. Census of India 2011: Administrative Atlas of India. (PDF; 31,7 MB)
  10. Kanchipuram District Statistical Handbook 2006: Area and Population. (PDF; 102 kB)
  11. Census of India 2011: Provisional Population Totals - Tamil Nadu-Census 2011. Sub District (Taluk) Level. (PDF; 1,1 MB)
  12. Abfrage unter Census of India 2011: Villages/Towns Directory - 2011.
  13. Website der Stadt Chennai: City Expansion.
  14. Abfrage unter Census of India 2011: Search PCA Data by District/SubDistrict/Town/Village Name.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Distrikt Kanchipuram – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien