Kandovan

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Kandovan
Kandovan vom Gegenhang aus gesehen
Kandovan vom Gegenhang aus gesehen
Kandovan (Iran)
Kandovan
Kandovan
Basisdaten
Staat: IranIran Iran
Provinz: Ost-Aserbaidschan
Koordinaten: 37° 54′ N, 46° 9′ O37.90833333333346.141666666667Koordinaten: 37° 54′ N, 46° 9′ O
Einwohner: ca. 1.000 ()
Zeitzone: UTC+3:30

Kandovan (persisch ‏کندوان‎) ist ein Felsendorf mit etwa 1000 Einwohnern in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan, 55 km südlich der Provinzhauptstadt Täbris.[1]

Das Dorf liegt entlang einer Flussoase. Überragt wird es von öden Bergrücken des Einzugsgebiets des Kuh-e Sahand. Die bäuerliche Bevölkerung lebt von den regionalen Erzeugnissen, insbesondere aus der Schafzucht, dem Obstanbau und der Äckerbewirtschaftung.

Wohnweise[Bearbeiten]

Kandovan, gut erkennbar die Hinkelsteinformationen

Kulturell interessant ist Kandovan jedoch wegen seiner hinkelsteinartigen Häuser.[2] Entstanden sind die Steingebilde durch pyroklastische Tätigkeiten des Kuh-e Sahand (Vulkanismus).[3] Ausschlaggebend für die heutige Erscheinung der Felsen sind Erosion, Verwitterung und menschliches Zutun gleichermaßen.[4]

Ähnlich wie in Kappadokien (z.B.: Göreme) oder Süd-Spanien (z.B.: Granada) haben die Bewohner ihre Behausungen als Höhlenwohnungen in den weichen (hier: grauen) Tuff(-stein) gegraben und lediglich vielzahlige Türen und Fenster, wie Treppenzugänge sind von außen sichtbar. Die Wohnungen sind in mehreren Stockwerken erbaut und einzelne Tuffkegel sind mittels Treppen miteinander verbunden. Das Gesamtensemble liegt steil an den Berg angelegt und darf über die äußere Infrastruktur begangen werden. Alte Holzbrücken verbinden bisweilen die Terrassenformationen. Einige ältere öffentliche Gebäude, wie eine Moschee und ein Badehaus sind ebenfalls in die Felsen eingebaut worden. An der wild, provisorisch und oberirdisch verlaufenden Elektrifizierung ist ablesbar, dass auch dieses Dorf der archaischen und sehr ursprünglichen Lebensweise entwächst.[5]

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Ort war bereits in vorislamischer Zeit besiedelt und diente als Zufluchtsstätte, wenn die Zeiten unruhig waren. Die Frauen dieser Region tragen seltener den im Iran stark verbreiteten Tschador. Viel häufiger herrschen hier farbige Umhänge vor, in die die Frauen gekleidet sind. Entweder weisen sie geometrische Muster auf oder stilisiert blumenartige (florale) Ornamente.

Das Quellwasser des Dorfes gilt als heilkräftig.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mahmoud Rashad, Iran / Kandovan (Seite 169)
  2. Herman Daily, Accuracy in Genesis: New Perspectives Affirming the Scriptural Creation Record, Genesis 1-11, (Seite 36)
  3. David Newsome, Geotourism / Volcanic Villages
  4. Ebrahim Asghari Kaljahi, Farideh Amini Birami und Masoud Hajialilue, Engineering Geology for Society and Territory - Volume 8, Band 8 - Influence of Geological Structures and Weathering in Formation and Distruction of Cone-Shaped Rocky Houses of the Kandovan Village, Iran, herausgegeben von Giorgio Lollino, Daniele Giordan, Cristian Marunteanu, Basiles Christaras, Iwasaki Yoshinori, Claudio Margottini
  5. Nikki Tate,Dani Tate-Stratton, Take Shelter: At Home Around the World

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kandovan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien