Kansas City Standard

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Eine Audiokassette von TDK

Der Kansas City Standard (KCS), oder auch Byte Standard, ist ein digitales Datenformat für Audiokassetten, das mit einem einfachen Kassettenrekorder geschrieben und gelesen werden kann.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Das amerikanische Byte magazine unterstützte im November 1975 ein Symposium[1][2] in Kansas City, Missouri (USA), auf dem ein Standard für das Speichern von digitalen Daten auf preisgünstigen Audiokassetten entwickelt werden sollte. Zu dieser Zeit kosteten Diskettenlaufwerke mehr als DM 3000,-.

Die 18 Teilnehmer des Treffens einigten sich auf ein System, dessen Design sich auf einen Vorschlag von Don Lancaster bezog, das in der ersten Ausgabe der Zeitschrift Byte Magazine beschrieben wurde. Nach dem Treffen wurde der Standard von Lee Felsenstein (Processor Technology) und Harold Mauch (Percom Data Company) geschrieben.

Im Februar 1976 berichtete das Byte Magazine von dem Symposium[3] und veröffentlichte im März zwei Schaltungen des Kassetten-Interfaces von Don Lancaster[4] und Harold Mauch[5]. Die Datenrate von 300 baud war langsam aber zuverlässig (das Laden eines 8 Kilobyte BASIC Interpreters dauerte fünf Minuten). Die meisten Kassettenrekorder konnten damals bereits mit höheren Datenraten arbeiten.

Beschreibung des Standards[Bearbeiten]

Ein Kassetten-Interface funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein an einer seriellen Schnittstelle angeschlossenes Modem. Die digitalen 0 und 1 von der seriellen Schnittstelle werden in Töne umgewandelt. Es kommt dabei das Prinzip der Frequenzumtastung zur Anwendung. Eine '0' wird durch vier vollständige Wellen einer 1200 Hz Sinus Kurve und eine '1' durch acht vollständige Wellen mit 2400 Hz abgebildet. Hierbei ergibt sich eine Datenübertragungsrate von 300 Baud.

Vor der Datenübertragung muss auf dem Band mindestens 30 Sekunden lang die Trägerfrequenz (2400 Hz) abgelegt werden; dies soll eine Synchronisation des Kassetten-Interfaces mit dem Kassettenrekorder unterstützen.

Jedes Datenpaket beginnt mit einem Startbit ('0'), auf das dann bis zu acht Datenbits (LSB, also niedrigstwertige Bits zuerst) folgen. Abgeschlossen wird das Datenpaket mit zwei Stoppbits ('1'). Jedes Datenpaket hat somit 11 bits; die Datenrate liegt bei 27 Bytes pro Sekunde.

Die Datenpakete werden in Blöcken übertragen, wobei die Blocklänge mindestens 5 Sekunden dauern muss. Der Aufbau und die Größe der Blöcke wird nicht festgelegt.

1200 Baud Variante[Bearbeiten]

Die Firma Acorn Computers Ltd implementierte eine 1200 Baud Variante in ihren BBC Micro und Acorn Electron, welche die Kodierung der '0' auf eine vollständige Welle der Sinuskurve mit 1200 Hz und die '1' auf 2 Wellen der Sinuskurve mit 2400 Hz reduziert. Diese Erweiterung sieht genau ein Startbit '0', acht Datenbits und ein Stoppbit '1' vor; es ergibt sich eine Datenrate von 120 Bytes pro Sekunde (1200/(1+8+1)).

Die Erweiterung schreibt eine Blocklänge von 256 Bytes inkl. fortlaufender Nummerierung vor; zwischen den Blöcken muss eine zeitliche Lücke mit 2400 Hz-Ton (Carrier) sein. Dies ermöglicht bei einem Lesefehler das Zurückspulen zu einem Block vor dem falsch gelesenen wurde.

Computer mit Unterstützung des Kansas City Standards[Bearbeiten]

Frühe Mikro-Computer (einige davon mit S-100-Bus):


Home/Personal Computer:

Programmierbare Taschenrechner:

  • Casio
    • FX-602P
    • FX-702P
    • PB700 (mit Casio FA-11 Interface)

Siehe auch[Bearbeiten]

  • UEF - ein verbreitetes Dateiformat zur Ablage von Daten im Kansas City Standard.
  • Datasette

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Virginia Peschke: BYTE's Audio Cassette Standards Symposium. In: BYTE Publications (Hrsg.): BYTE. 1, Nr. 6, Februar 1976, S. 72–73.
  2. David Bunnell: BYTE Sponsors ACR Standards Meeting. In: Altair Users Group, MITS Inc. (Hrsg.): Computer Notes. 1, Nr. 6, December 1975, S. 1. Abgerufen am 4. Mai 2007.
  3. siehe Michael Holley's Homepage
  4. Don Lancaster: Build the Bit Boffer. In: BYTE Publications (Hrsg.): BYTE. 1, Nr. 7, März 1976, S. 30–39.
  5. Harold A. Mauch: Digital Data on Cassette Recorders. In: BYTE Publications (Hrsg.): BYTE. 1, Nr. 7, März 1976, S. 40–45.