Kant-Garagen

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Kantgaragen

Die 1929 bis 1930 errichtete Kant-Garage (auch Kant-Garagen-Palast oder Serlin-Rampenhaus) in der Kantstraße 126/127 im Berliner Ortsteil Charlottenburg ist die einzige in Berlin erhaltene Hochgarage der Zwischenkriegszeit. Sie ist zugleich die älteste, erhaltene Hochgarage Europas mit doppelgängiger Wendelrampe und steht seit 1991 unter Denkmalschutz.[1]

Die Garage gilt als baufällig; ihr droht (Stand: Juni 2014) der Abriss.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Kantgaragen, 2007

Das Gebäude wurde von Hermann Zweigenthal in Zusammenarbeit mit Bruno Lohmüller, Oskar Korschelt und Jakob Renker sowie Richard Paulick für den Unternehmer Louis Serlin als erster Hochgaragenbau Berlins im Stil der Neuen Sachlichkeit bzw. des Neuen Bauens errichtet. Der teure Bau konnte nur errichtet werden, weil Serlin als Hauptmieter den Deutschen Auto-Club[3] gewonnen hatte.[4]

Nach seiner Fertigstellung machte der Garagenbau international Furore, im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1932 wurden sogar Führungen angeboten. Das Gebäude ist in zahlreichen Berlin-Büchern als architektonische Besonderheit enthalten.

In einer Empfehlung des Landesdenkmalrates wird die architekturhistorische Bedeutung des Gebäudes wie folgt beschrieben:[5]

„Die Hochgarage in der Kantstraße (1929/30) ist das letzte unverändert erhaltene Gebäude des Architekten Hermann Zweigenthal alias Herman Herrey, in Deutschland und zugleich ein Frühwerk seines später berühmt gewordenen Partners Richard Paulick. Vor allem aber handelt es sich um ein singuläres Verkehrsdenkmal von nationaler Bedeutung, nämlich die wohl bedeutendste Großgarage der Zwischenkriegsmoderne in Deutschland. Die vergangenen siebzig Jahre überstand der hoch bedeutende Garagenbau in authentischem Bauzustand und mit ursprünglicher Nutzung. Sein Garagengebäude ist damit nicht nur die einzige erhaltene Berliner Hochgarage der Zwischenkriegszeit, es ist auch das einzige Beispiel dieser Bauaufgabe in ganz Deutschland, das eine doppelgängige Wendelrampe vorweisen kann. Da die ‚Casa dell'Automobile‘ in Rom (1928/29) bereits abgerissen wurde, existiert in ganz Europa zudem keine ältere und lediglich eine weitere Hochgarage mit dieser Art der Höhenbeförderung: die später entstandene ‚Autorimessa‘ in Venedig (1934–35). Und auch die baukünstlerische Fassadengestaltung der Hochgarage ist in Europa beispiellos. Die Kantgaragen sind somit nicht nur ein herausragendes Denkmal des Neuen Bauens, sondern auch ein einzigartiges – und hier ist der Ausdruck wirklich wörtlich zu nehmen – Baudenkmal des Automobilismus in Deutschland und Europa. Der Landesdenkmalrat empfiehlt, alles daran zu setzen, dass dieses ungewöhnliche Zeugnis erhalten werden kann.“

Auszug aus dem Sitzungsprotokoll vom 27. August 2010

Trotz des Wissens um die historische Bedeutung der Kant-Garage für den Architekten Zweigenthal, die Stadt Berlin und die Geschichte des Automobilismus in Deutschland, erwägt der Eigentümer, die Kantgaragen Grundstücksgesellschaft mbH (Pepper Immobilien), derzeit (Stand: 2013) aus wirtschaftlichen Gründen den Abriss des sanierungsbedürftigen Baus. Der Antrag zum Abbruch wurde beim zuständigen Bauamt Charlottenburg-Wilmersdorf gestellt.[6] Als Begründung wird ein im Auftrag des Eigentümers erstelltes Gutachten angegeben, nach dem die gesamte „Konstruktion auf Dauer nicht tragfähig sei, auch die Auffahrtrampen seien marode. Eine andere Nutzung habe sich nicht ergeben. Aus wirtschaftlichen Gründen sei deswegen die Instandsetzung der Immobilie nicht mehr zuzumuten.“[4][7]

Architektur[Bearbeiten]

Das Garagengebäude ist in Eisenbeton ausgeführt und bietet Stellplätze für rund 300 Fahrzeuge.[8] Die Fassade zur Kantstraße wurde mit sandgrauen Klinkern verkleidet und ist im Bereich der Boxenstraßen sowie dem vorderen Treppenhaus geschossübergreifend durch Drahtglasfenster in dunkelgrauen Eisenrahmen beleuchtet. Der von der Straße abgewandte, rückwärtige Teil zur S-Bahn-Trasse ist vollständig mit einer im Originalzustand erhaltenen Vorhangfassade verglast und besitzt seitlich eine offene Feuertreppe. Auch im Inneren der Kant-Garage sind die zeitgenössischen Parkstände (Boxen genannt) mit ihren einzigartigen Schiebetoren Bauart Heinrichs der Berliner Firma Paul Heinrichs (Tempelhof) noch im Original erhalten. Das Garagengebäude mit Tankstelle und Reparaturwerkstatt wird als Anwohnergarage genutzt.

Die Bauplanung ging von einem achtgeschossigen Gebäude aus, sodass die Standfestigkeit mit den zunächst verwirklichten fünf Geschossen (im Jahr 1936 wurde als sechste Etage eine leichte Betonrahmenkonstruktion aufgesetzt) auch heute noch durchaus ausreichend sein sollte. Als Fazit ist zu nennen, dass – wie auch die weiterhin stattfindende Nutzung zeigt – jedenfalls keine gravierenden Baumängel vorhanden sind.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bauwelt, 1930, Heft 42, S. 1350–1351.
  • Die Form, 1932, Heft 8, S. 247, 251–254.
  • L’architecture d’aujourd hui, 1932/1933, Heft 5, S. 42–44.
  • Jan Gympel: Schrittmacher des Fortschritts – Opfer des Fortschritts? Bauten und Anlagen des Verkehrs. (Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, Band 60). Bonn 1999, S. 34.
  • Bauwelt, 2004, Heft 17, S. 14–19.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kant-Garagen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Baudenkmal Kant-Garage(n)
  2. Rundherum, das ist nicht schwer. In: FAZ.net, 22. Juni 2014
  3. Bauwelt 17/2004
  4. a b c Nikolaus Bernau: Auf Verschleiß gefahren. In: Berliner Zeitung, 9. August 2013, Seite 23; abgerufen am 9. August 2013
  5. Sitzungsprotokoll des Landesdenkmalrates vom 27. August 2010 (PDF; 51 kB)
  6. René Hartmann: Abriss der Kant-Garage Ein Palast, der nach Abgasen duftet. In: Der Tagesspiegel, 1. August 2013, abgerufen am 1. August 2013.
  7. Eine letzte Vollbremsung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. August 2013, Seite 30
  8. Parkplätze Dreihundert. In: Baunetzwoche, Nr. 239, 16. Sept. 2011, S. 8–10. PDF-Datei

52.50583333333313.311944444444Koordinaten: 52° 30′ 21″ N, 13° 18′ 43″ O