Kanton Appenzell Innerrhoden

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Eidgenössischer Stand Appenzell Innerrhoden
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kürzel/Kontrollschild: AI
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Appenzell
Beitritt zum Bund: 1513
Fläche: 173 km²
Website: www.ai.ch
Bevölkerung
Einwohner: 15'789[1] (31. Dezember 2012)
Dichte: 91 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 9,9 %[2] (August 2013)
Arbeitslosenquote: 1,2 %[3] (November 2013)
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

Appenzell Innerrhoden (schweizerdeutsch Appezöll Inneroode, französisch Appenzell Rhodes-Intérieures, italienisch Appenzello Interno, rätoromanisch Appenzell Dadens) ist ein deutschsprachiger Kanton im Nordosten der Schweiz. Der Hauptort ist Appenzell.

Geographie[Bearbeiten]

Appenzell Innerrhoden ist mit rund 15'800 Einwohnern der Schweizer Kanton mit der niedrigsten Einwohnerzahl und nach Basel-Stadt der Kanton mit der zweitkleinsten Fläche. Im Kanton werden 56,0 Prozent der Gesamtfläche als landwirtschaftliche Flächen genutzt.[4]

Lage des Kantons[Bearbeiten]

Der Kanton Appenzell Innerrhoden grenzt an den Kanton Appenzell Ausserrhoden und ist im Übrigen vom Kanton St. Gallen umgeben. Höchster Berg ist der Säntis (2'502 m ü. M.) im Alpstein, auf dem sich die Grenzen der drei Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen treffen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten]

Faktische Amtssprache ist Deutsch. Die gesprochenen schweizerdeutschen Mundarten gehören dem Hochalemannischen an und heben sich einerseits durch zahlreiche ältere Lautungen und Wörter, anderseits durch eigene Neuerungen vom übrigen ostschweizerischen Dialektkontinuum ab.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Der Kanton Appenzell Innerrhoden ist ein römisch-katholisch geprägter Kanton. Sein Gebiet trennte sich 1597 im Rahmen der Landteilung vom evangelisch-reformiert gewordenen Landesteil des nachmaligen Appenzell Ausserrhoden.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kanton Appenzell Innerrhoden bildete vor der Gegenreformation zusammen mit dem Kanton Appenzell Ausserrhoden den Kanton Appenzell. Im Jahr 1597 hat Appenzell sich friedlich in zwei Halbkantone geteilt (Landteilung), in das reformiert-protestantische Appenzell Ausserrhoden und das katholisch gebliebene Appenzell Innerrhoden. Diese sind im Schweizer Ständerat mit jeweils nur einem statt mit zwei Sitzen vertreten. Sonst sind die Halbkantone vollkommen eigenständige Kantone, wie die anderen Kantone der Schweiz auch.

Appenzell Innerrhoden war nach einem Bundesgerichtsentscheid vom 27. November 1990 der letzte Schweizer Kanton, der das 1971 auf eidgenössischer Ebene beschlossene Frauenstimmrecht gegen den Willen der (männlichen) Stimmbürger auch auf kantonaler Ebene einführen musste.

Verfassung und Politik[Bearbeiten]

Die gegenwärtige Verfassung für den Eidgenössischen Stand Appenzell I. Rh.[5] datiert vom 24. Wintermonat [November] 1872 und wurde seither mehrmals geändert, so Ende des 20. Jahrhunderts, als der Gewaltenteilung grössere Nachachtung verschafft und die Gerichtsorganisation revidiert wurde.

Legislative[Bearbeiten]

Landsgemeinde[Bearbeiten]

Die jährlich – in der Regel am letzten Aprilsonntag – in Appenzell abgehaltene Landsgemeinde ist die Versammlung der stimm- und wahlberechtigten Einwohner des Kantons und damit dessen oberstes Organ. Viele Stimmbürger tragen bei der Landsgemeinde den Degen, der früher als Stimmausweis diente. Die Abstimmung erfolgt per Handerheben.

Jedes Gesetz unterliegt der Abstimmung an der Landsgemeinde (obligatorisches Referendum).

Finanzbeschlüsse des Grossen Rates unterliegen der Abstimmung durch die Landsgemeinde zwingend, wenn sie einmalig wenigstens 1'000'000 Franken oder während mindestens fünf Jahren wiederkehrend wenigstens 200'000 Franken betragen. Fakultativ unterliegen Finanzbeschlüsse der Abstimmung durch die Landsgemeinde, wenn sie einmalig wenigstens 250'000 Franken oder während mindestens fünf Jahren wiederkehrend wenigstens 50'000 Franken betragen (Finanzreferendum). Die Löhne für das Staatspersonal sind dem Referendum entzogen.

Jeder einzelne stimm- und wahlberechtigte Einwohner hat das Recht, eine Initiative einzureichen, welche die Abänderung der Verfassung oder den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung eines Gesetzes bezweckt. Solche Initiativen sind der Landsgemeinde zwingend zur Abstimmung zu unterbreiten.

Grosser Rat[Bearbeiten]

Kantonsparlament ist der Grosse Rat. Seine wichtigste Aufgabe ist die Vorberatung der Verfassungs- und Gesetzesvorlagen zuhanden der Landsgemeinde. Im Weiteren erlässt er Verordnungen und Reglemente zum Vollzug der Gesetzgebung des Kantons und überwacht den Geschäftsgang aller Behörden. Ausserdem prüft und genehmigt er die Jahresrechnung, legt das Budget und den Steuersatz fest und fällt die Entscheide über die Erteilung des Landrechtes (Bürgerrechts). Schliesslich verfügt er über das Begnadigungsrecht.

Nach bisheriger Regelung wählt jeder Bezirk aus den in seinem Gebiet wohnhaften Stimmberechtigten auf 300 Einwohner je ein Mitglied, wobei eine Bruchzahl von mehr als 150 Bezirkseinwohnern einen Bezirk ebenfalls zu einem Vertreter berechtigt. Aus diesem Grund war die Zahl der Grossratsmitglieder bisher variabel. Mit den Neuwahlen im Jahre 2015 tritt eine Neuregelung in Kraft, nach der die Zahl der Grossratsmitglieder auf 50 festgelegt wird. Jedem der sechs Bezirke stehen dabei mindestens vier Vertreter zu. Die restlichen 26 Mandate werden der Einwohnerzahl nach verteilt. – Die Einsitznahme der Standeskommission und die Leitung des Grossen Rates durch den Landammann wurde 1995 beseitigt.

Die Amtsdauer des Grossen Rates beträgt vier Jahre. Die Wahlen finden in den meisten Bezirken an offenen Bezirksgemeinden statt, in Oberegg jedoch an der Urne.

Sitzverteilung pro Bezirk (2006): Appenzell: 18; Schwende: 6; Rüte: 10; Schlatt-Haslen: 4; Gonten: 5; Oberegg: 6; Total: 49. Insgesamt sind 9 Frauen und 40 Männer im Grossen Rat.

Exekutive[Bearbeiten]

Kantonsregierung ist die Standeskommission, die alljährlich von der Landsgemeinde gewählt wird. Sie zählt sieben Mitglieder, die in ihrem Amt jeweils traditionelle Amtsbezeichnungen tragen und ihren Departementen vorstehen. Die Standeskommission kennt nur eine bedingte Selbstkonstituierung: Vier ihrer Mitglieder werden vom Stimmvolk direkt in das jeweilige Amt gewählt, die drei übrigen erhalten ihre Ämter von der Standeskommission zugewiesen. Regierender und stillstehender Landammann wechseln sich in einem Turnus von zwei Jahren ab.

Die ordentliche Landsgemeinde vom 28. April 2013 wählte Daniel Fässler nach 2010–2012 wiederum zum regierenden Landammann und Roland Inauen neu zum stillstehenden Landammann. Die weiteren Mitglieder der Standeskommission wurden wiedergewählt.[6]

Regierungsrat Amtsbezeichnung Partei Departement
Daniel Fässler regierender Landammann CVP Volkswirtschaftsdepartement
Roland Inauen stillstehender Landammann Erziehungsdepartement
Antonia Fässler Frau Statthalter CVP Gesundheits- und Sozialdepartement
Thomas Rechsteiner Säckelmeister CVP Finanzdepartement
Lorenz Koller Landeshauptmann CVP Land- und Forstwirtschaftsdepartement
Stefan Sutter Bauherr CVP Bau- und Umweltdepartement
Martin Bürki Landesfähnrich Justiz-, Polizei- und Militärdepartement

Bis zur Verkleinerung der Standeskommission von neun auf sieben Mitglieder 1996 gab es überdies den für das Militärwesen zuständigen Landeszeugherrn[7] und den für das Sozialwesen zuständigen Armleutsäckelmeister.

Judikative[Bearbeiten]

Das die Verfassungsbestimmungen über die Gerichte konkretisierende gegenwärtige Gerichtsorganisationsgesetz datiert vom 25. April 2010.[8]

In jedem Bezirk besteht ein der ersten Gerichtsinstanz vorgeschaltetes Vermittleramt. Erste Gerichtsinstanz sind die beiden von den Bezirken gewählten Bezirksgerichte für das Innere Land und die Exklave Oberegg. Zweite Gerichtsinstanz ist die Abteilung Zivil- und Strafgericht des von der Landsgemeinde gewählten Kantonsgerichts in Appenzell.

Für den gesamten Kanton bestehen überdies eine Schlichtungsstelle für miet- und nichtlandwirtschaftliche Pachtverhältnisse, eine Schlichtungsstelle für Gleichstellungsfragen und ein Jugendgericht. Erstere beide werden von der Standeskommission, das letztgenannte vom Grossen Rat gewählt.

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird von der verwaltungsgerichtlichen Abteilung des Kantonsgerichts ausgeübt.

Das Spangericht, das «dingliche Streitsachen, sofern diese Flur und Weide, Quellen und Brunnen, Bach und Holz, Steg und Weg» betrafen, sowie das Kassationsgericht, das für Nichtigkeitsklagen und -beschwerden zuständig war, wurden 1998 aufgehoben.

Bezirke[Bearbeiten]

Kanton Appenzell Innerrhoden
Bezirke des Kantons Appenzell Innerrhoden

Die Bezirke sind die lokalen Verwaltungseinheiten im Kanton Appenzell Innerrhoden. Sie entsprechen den politischen Gemeinden anderer Kantone und werden daher in Statistiken usw. häufig auch als Gemeinden bezeichnet. Die Bezirke entstanden 1872 aus den ehemaligen Rhoden.

Nachfolgend aufgelistet sind alle Bezirke (Orte) per 31. Dezember 2012:

Bezirk (Ort) Einwohner
Appenzell 5726
Rüte 3452
Schwende 2132
Oberegg 1896
Gonten 1448
Schlatt-Haslen 1135

Da sich verschiedene Bezirke das Dorf Appenzell (Appenzell, Schwende und Rüte) aufteilen, wurde schon im 16. Jahrhundert für gemeindeübergreifende Aufgaben eigens eine Spezialgemeinde gegründet, die Feuerschaugemeinde, welches das Dorf Appenzell mit seinen Aussenquartieren umfasst. Heute ist die Feuerschaugemeinde für die Baupolizei, die Feuerwehr sowie die Wasser- und Energieversorgung zuständig. Schwende und Rüte teilen sich ferner auch das Dorf Weissbad.

Die Bezeichnung für einen Bezirkspräsidenten ist Bezirkshauptmann, der Stellvertreter wird als Stillstehender Bezirkshauptmann bezeichnet. Die Hauptmänner haben ähnliche Funktionen wie Gemeindepräsidenten anderer Kantone.

Die vom Grossen Rat geplante Strukturreform, wonach das Innere Land (also der ganze Kanton Appenzell Innerrhoden bis auf Oberegg) zu einem einzigen Bezirk zusammengeschlossen werden sollte, wurde an der Landsgemeinde vom 29. April 2012 abgelehnt. Freiwillige Fusionen einzelner Bezirke bleiben aber möglich.[9]

Das Bundesamt für Statistik führt den gesamten Kanton bereits als einen Bezirk unter der BFS-Nr. 1600.

Bräuche[Bearbeiten]

Die Bauern bringen ihre Kühe im Frühling auf die Alp zur Sömmerung und holen diese im Herbst wieder ab. Dabei werden häufig die Trachten angezogen und die Bauern werden von Appenzeller Blässen (Appenzeller Sennenhunden) begleitet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Appenzell Innerrhoden – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kanton Appenzell Innerrhoden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kanton Appenzell Innerrhoden – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerkontrolle des Eidgenössischen Standes Appenzell Innerrhoden. Zuletzt abgerufen am 30. April 2013.
  2. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2013 (PDF; 132 kB). Bundesamt für Migration (BFM). Medienmitteilung vom 22. Oktober 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – November 2013 (PDF; 618 kB). Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Pressedokumentation vom 9. Dezember 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  4. Quelle: Statistik für die EUREGIO-Bodensee. In: Aufgelistet! Die zehn Landkreise der Bodenseeregion, … In: Südkurier vom 25. Februar 2011 und in: Ders. vom 2. Juli 2011.
  5. Verfassung für den Eidgenössischen Stand Appenzell Innerrhoden..
  6. Ergebnisse der ordentlichen Landsgemeinde vom 28. April 2013 auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell (PDF, 11,3 kB). Eidgenössischer Stand Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 30. April 2013.
  7. Peter Steiner: Zeugherr im Historischen Lexikon der Schweiz.
  8. Gerichtsorganisationsgesetz vom 25. April 2010.
  9. NZZ Online, Innerrhoder Landsgemeinde lehnt Bezirksfusion ab abgerufen am 29. April 2012.

47.33229.429Koordinaten: 47° N, 9° O; CH1903: 750428 / 244278