Kanton Glarus

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Kanton Glarus
Wappen
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: GL
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Glarus
Grösster Ort: Glarus Nord
Beitritt zum Bund: 1352
Fläche: 685,4 km²
Website: www.gl.ch
Bevölkerung
Einwohner: 39'593[1] (31. Dezember 2013)
Dichte: 57 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 21,8 %[2] (August 2013)
Arbeitslosenquote: 2,5 %[3] (November 2013)
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

479.05Koordinaten: 47° N, 9° O; CH1903: 722547 / 206696 Glarus (schweizerdeutsch Glaris, französisch Glaris, italienisch Glarona, rätoromanisch Glaruna, lateinisch Glaris) ist ein deutschsprachiger Kanton in der östlichen Alpenregion der Schweiz. Der Hauptort ist die gleichnamige Gemeinde Glarus.

Geographie[Bearbeiten]

Blick ins Glarnerland nördlich von Niederurnen in Richtung Süden
Klöntal mit Klöntalersee

Der Kanton umfasst das Einzugsgebiet der Linth bis zum Walensee und die Linthebene westlich der Linth bis Bilten sowie den Kerenzerberg. Grosse Höhenunterschiede prägen das Bild des Glarnerlandes: Vom flachen Talboden auf 414 Meter Höhe steigt das Gelände bis auf über 3600 Meter (Tödi, 3'614 m ü. M.). Diese Gegensätze widerspiegeln sich im Klima: Es wechselt innerhalb weniger Kilometer von mild am Walensee mit seiner südländischen Pflanzenwelt zu hochalpin auf den vergletscherten Berggipfeln; und bläst der Föhn durchs Tal, können Temperaturrekorde gemessen werden. Das Tal ist nur nach Norden zur Linthebene hin geöffnet.

Der 685 Quadratkilometer grosse Kanton entspricht etwa dem Einzugsgebiet der Linth. Das Sernf- oder Kleintal bietet als einziges Seitental dörflichen Siedlungen Platz. Das Klöntal, das wichtigste westliche Seitental, ist, wie Carl Spitteler rühmt, mit seinem Bergsee «so schön, wie es kein Traum errät».

Als sichtbarster Eingriff des Menschen zur Zähmung der Natur zeigt sich das imposante Linthwerk, welches das Antlitz der ganzen Region prägt. Die Linthkorrektion wurde 1807 als erstes Nationalwerk der Schweiz in Angriff genommen. Die Linth wird in den Walensee geleitet und ihr Lauf in den Zürichsee kanalisiert. Zuvor floss sie, den Ausfluss des Walensees immer mehr zurück stauend und die Linthebene versumpfend, träge dem Zürichsee zu.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die nur mehr 3 (bis 31. Dezember 2010: 25) politischen Gemeinden des Kantons Glarus bieten knapp 40'000 Personen Heimat. Der Talboden ist mit deutlich über 400 Einwohnern je Quadratkilometer stark besiedelt. Der Ausländeranteil beträgt etwa 20 Prozent. 42 Prozent der Bewohner bekennen sich zur evangelisch-reformierten und rund 37 Prozent zur römisch-katholischen Konfession.

Die Glarner Mundart ist nicht einheitlich, gemeinsam jedoch ist den glarnerischen Idiomen die melodiöse, singende Sprache. Das Glarnerdeutsche zählt zu den Dialekten des Höchstalemannischen.

Sprachen[Bearbeiten]

83,6 Prozent der Einwohner sind deutsch- und 6,8 Prozent italienischsprachig.

Religionen[Bearbeiten]

Die eidgenössische Volkszählung aus dem Jahr 2000[4] ergab folgendes Konfessionsbild:

  • 44,0 % protestantisch (das Bundesamt für Statistik zählt dazu auch die Zeugen Jehovas und die neuapostolische Glaubensgemeinschaft)
  • 37,3 % römisch-katholisch
  • 02,3 % christlich-orthodox
  • 06,5 % muslimisch
  • 03,5 % andere Konfessionen bzw. keine Angaben
  • 06,5 % konfessionslos

Politik[Bearbeiten]

Glarner Landsgemeinde 2009 – Die Stimmberechtigten stehen «im Ring» und halten ihre Stimmrechtsausweise hoch, während Zuschauer auf Tribünen zuschauen.

Legislative[Bearbeiten]

Hauptartikel: Landsgemeinde (Glarus)

Die Legislative liegt bei der Glarner Landsgemeinde. Der Kanton Glarus ist – zusammen mit dem Kanton Appenzell Innerrhoden – der letzte Kanton, der noch eine kantonale Landsgemeinde hat.

Das Parlament (Landrat) hat vorberatende Funktion. Die Landräte werden in drei Wahlkreisen gewählt, die jeweils einer Gemeinde entsprechen. Die letzten Landratswahlen fanden am 1. Juni 2014 statt und ergaben folgende Sitzverteilung:

Landratswahlen im Kanton Glarus 2014[5]
Wahlbeteiligung: 32,3 %
 %
30
20
10
0
28,9 %
18,5 %
15,1 %
11,5 %
10,8 %
10,5 %
4,6 %
0,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2010
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
+2,4 %p
-0,9 %p
-1,0 %p
-2,4 %p
-1,1 %p
-1,4 %p
+4,6 %p
+0,1 %p
Partei Prozent Sitze
Schweizerische Volkspartei (SVP) 28,9 % 17
Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) 18,5 % 12
Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) 15,1 % 9
Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 11,5 % 7
Grüne Partei der Schweiz (GPS) 10,8 % 7
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 10,5 % 6
Grünliberale Partei (glp) 4,6 % 2
Sozial-Liberale Bewegung (SLB) 0,1 %


Exekutive[Bearbeiten]

Der Regierungsrat des Kantons Glarus besteht seit 2006 aus fünf (vorher sieben) Mitgliedern. Er wird vom Volk an der Urne gewählt.

Amtsdauer 2014–2018
Regierungsrat Partei Departement
Robert «Röbi» Marti, Landammann BDP Departement Bau und Umwelt
Rolf Widmer, Landesstatthalter CVP Departement Finanzen und Gesundheit
Andrea Bettiga FDP Departement Sicherheit und Justiz
Marianne Lienhard SVP Departement Volkswirtschaft und Inneres
Benjamin Mühlemann FDP Departement Bildung und Kultur

Die Regierung des Kantons Glarus wurde per 9. Februar 2014 gewählt.[6][7] Die Wahlbeteiligung lag bei 43,2 Prozent.

Stimmrechtsalter 16[Bearbeiten]

Mit dem Landsgemeindebeschluss vom 6. Mai 2007 wurde das Stimmrechtsalter auf 16 festgesetzt. In einer hart umkämpften Debatte und mit einem knappen Resultat konnte sich der Antrag der JUSO Glarus durchsetzen. So können seither im Kanton Glarus – als erstem und bisher einzigem Schweizer Kanton – Staatsbürger ab dem 16. Lebensjahr das aktive Stimm- und Wahlrecht in kantonalen Angelegenheiten wahrnehmen. Das passive Wahlrecht bleibt weiterhin bei 18 Jahren.

Vertretung in der Bundesversammlung[Bearbeiten]

Der Kanton Glarus entsendet einen Vertreter in den Nationalrat und zwei in den Ständerat. Derzeitiger Glarner Nationalrat ist Martin Landolt (BDP), die Glarner Ständeräte sind Thomas Hefti (FDP, seit 2014) und Werner Hösli (SVP, seit 2014).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Typisch Glarnerland; alte Fabrik und Berge (Tödi)

In der Landwirtschaft überwiegt die Vieh- und besonders die Milchwirtschaft. Hauptwirtschaftszweig ist aber die Industrie, vor allem Textilindustrie, Maschinen- und Apparatebau, Holzverarbeitung und Baustoffindustrie. Der Kanton Glarus war eine der ersten und die am stärksten industrialisierte Gegend der Schweiz. Daneben sind Elektrizitätsgewinnung durch Wasserkraftwerke und Fremdenverkehr wichtig.

Tourismus[Bearbeiten]

Landschaft beim Chüebodensee

Dem Tourismus kommt – insbesondere in den Orten Braunwald, Elm und Filzbach – grosse Bedeutung zu, der Dienstleistungssektor wächst stetig und die Infrastruktur im Tal ist sehr gut ausgeprägt.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Glarnerland wird grösstenteils von der Eisenbahnlinien Rapperswil SG–Glarus–Linthal und ZürichZiegelbrückeSchwanden bedient. Die stündlich verkehrenden Regionalzüge bedienen auch Ziegelbrücke, den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt in der Umgebung. Seit dem Fahrplanwechsel vom 12. Dezember 2004 verbindet der GlarnerSprinter Glarus und Zürich zweistündlich ohne Umsteigen in 58 Minuten. Ein Fortschritt, für den der Pendlerverein mehrere Jahre lang gekämpft hat. Konzessionäre für den Busverkehr sind die Schweizerischen Bundesbahnen, der Schweizerische Postautodienst und im Hinterland der Autobetrieb Sernftal (AS) als Nachfolger der 1969 stillgelegten Sernftalbahn.

Geschichte[Bearbeiten]

Städte und Orte[Bearbeiten]

Im Kanton Glarus existieren seit dem 1. Januar 2011 nur noch drei Gemeinden: Glarus Nord, Glarus und Glarus Süd. Vor der Gemeindefusion gab es keine Gemeinde mit mehr als 10'000 Einwohnern, um als Stadt zu gelten.

Neue Gemeinden
seit 2011
Gemeinde Einwohner
(31. Dezember 2013)
Glarus Nord 17'335
Glarus 12'422
Glarus Süd 9836
Ehemalige Gemeinden
bis 2010
Gemeinde Einwohner
(31. Dezember 2010)
Glarus 5877
Näfels 4021
Niederurnen 3928
Mollis 3337
Netstal 2875
Ennenda 2684
Schwanden 2392
Bilten 2001
Oberurnen 1963
Luchsingen 1119
Linthal 1088
Mitlödi 1000
Haslen 999

Gemeindereform[Bearbeiten]

Hauptartikel: Glarner Gemeindereform

Mit dem Landsgemeindebeschluss vom 7. Mai 2006 (bestätigt in BGE 132 I 291) wurden die Gemeinden des Kantons Glarus per 1. Januar 2011 zusammengelegt, sodass nach den Fusionen nur noch drei Glarner Gemeinden existieren.[8] Dieser Beschluss wurde an einer ausserordentlichen Landsgemeinde vom 25. November 2007 deutlich bestätigt.

Die drei neuen Gemeinden tragen die Namen Glarus Nord, Glarus und Glarus Süd. Sie umfassen je etwa 10'000 bis 17'000 Einwohner.

Bezirke[Bearbeiten]

Der Kanton Glarus kennt keine Einteilung in Bezirke. Das Bundesamt für Statistik führt den gesamten Kanton jedoch als einen Bezirk unter der BFS-Nr.: 0800.

Sonstiges[Bearbeiten]

Ausbildung und Freizeit[Bearbeiten]

Das Schulsystem des Kantons Glarus ist gut ausgebaut: Kindergarten, Volksschule (teilweise Einführungsklassen, Sonder- und Hilfsschule) mit den Oberstufenzügen Ober-, Real- und Sekundarschule; zudem gibt es das Werkjahr, das freiwillige zehnte Schuljahr, den hauswirtschaftlichen Jahreskurs und die Integrationsklasse.

An der Kantonsschule Glarus kann die schweizerische Maturität erlangt und die Fachmittelschule besucht werden. Es finden auch Volkshochschulkurse statt.

In Ziegelbrücke wird eine Gewerbliche Berufsschule, in Glarus diejenige der kaufmännischen Berufe und die Pflegeschule geführt. Im Kanton können in rund 400 Lehrbetrieben etwa 130 Berufe erlernt werden.

Die reichen Angebote von Landesarchiv und vor allem der modernen Glarner Landesbibliothek dienen nicht nur den Bildungshungrigen, sondern auch geschichtlich und kulturell Interessierten oder einfach dem Lese-, Hör- und Sehvergnügen. Die Landesbibliothek (Kantonsbibliothek) verfügt mit der Kartensammlung von Walter Blumer und der Kartografie-Bibliothek von Arthur Dürst über eine wenig bekanntes, aber kartenhistorisch interessantes Forschungsmaterial.

Glarus besitzt ein renommiertes, als solches errichtetes Kunsthaus. Auch die Galerie Tschudi in Glarus und verschiedene private Galerien zeigen immer wieder Sehenswertes aus dem Bereich der darstellenden Künste, die von zahlreichen Künstlern und Künstlerinnen im Kanton ausgeübt werden.

Die Musikwoche Braunwald ist die traditionsreichste derartige Veranstaltung in ganz Europa. Sie lädt die Teilnehmenden nicht nur zum Zuhören, sondern auch zum aktiven Mittun ein. Die Glarner Musikschule Glarus trägt, zusammen mit zahlreichen Vereinen und Gruppen, zum Musikleben bei. Und die Modern Music School – Glarnerland ergänzt das traditionelle Ausbildungs-Angebot mit einem auf die modernen Stilrichtungen spezialisierten Programm.

Weiter sind die Glarner Konzert und Theatergesellschaft sowie das Kultur- und Vereinszentrum Holenstein Glarus (vor allem in alternativer Kultur) aktiv.

Im sportlichen Bereich besteht ein Angebot in verschiedene Sportzentren und locken natürlich die nahen Berge und Seen zu lokaler Aktivität. Übrigens wurde die erste Schweizer-Alpen-Club-Hütte der Schweiz im Kanton Glarus, am Tödi, erstellt und stand die Wiege des schweizerischen Skisports im Glarnerland.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen des Kantons Glarus
Beschreibung:

Das Glarner Wappen zeigt als einziges Kantonswappen der Schweiz einen Menschen: den heiligen Fridolin mit Wanderstab und Bibel.

Der Legende nach war Fridolin ein irischer Glaubensbote, der anfangs des 6. Jahrhunderts lebte und durch dessen Einfluss die Bewohner des Glarnerlandes zu Christen geworden waren. In kirchlichen Darstellungen wird er von einem Skelett begleitet. Die Sage berichtet, Fridolin, der vom sterbenden, reichen Ursus grosse Teile des Glarnerlandes geschenkt bekam, habe diesen im Erbstreit mit dessen Bruder Landolf aus dem Grab um Hilfe geholt. Landolf sei, als er den bereits in Verwesung übergegangenen Bruder vor Gericht erscheinen sah, darob so erschrocken und beschämt worden, dass er Fridolin auch seinen Teil des Glarnerlandes schenkte. Auf diese Art wurde die Zugehörigkeit des Glarnerlandes zum von Fridolin gegründeten Kloster Säckingen in Deutschland erklärt, und Fridolin gilt als Schutzpatron vor Erbschleicherei.

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Schwitter, Urs Heer (Fotos): Das Glarnerland, Ein Kurzporträt. Baeschlin, Glarus 2000 (Erstauflage 1996), ISBN 3-85546-112-0.
  • Fridolin Baumgartner, Fridolin Walcher (Fotos); Departement Bildung und Kultur des Kantons Glarus (Hrsg.): Glarner Heimatbuch, Lehrmittel für den Unterricht an der Volksschule des Kantons Glarus, Lehrmittelverlag des Kantons Glarus, Glarus 2008, ISBN 978-3-85546-188-2 (online-Version: Glarner Heimatbuch abgerufen am 10. August 2010).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit, Geschlecht und Kantonen, 2009 (XLS), Bundesamt für Statistik (BFS)
  2. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2013 (PDF; 132 kB). Bundesamt für Migration (BFM). Medienmitteilung vom 22. Oktober 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – November 2013 (PDF; 618 kB). Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Pressedokumentation vom 9. Dezember 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  4. Bundesamt für Statistik – Wohnbevölkerung nach Religion, nach Kantonen und Städten. Abgerufen am 11. April 2011.
  5. Zusammenfassung der Landratswahlen 2014 (PDF; 393 kB). Staatskanzlei – Kanton Glarus. Abgerufen am 30. Juni 2014.
  6. Regierungsmitglieder. Kanton Glarus. Abgerufen am 30. Juni 2014.
  7. Ergebnisse der Regierungsratswahlen 2014 (PDF; 15 kB). Staatskanzlei – Kanton Glarus. Abgerufen am 30. Juni 2014.
  8.  Kurt Nuspliger: Bernisches Staatsrecht und Grundzüge des Verfassungsrechts der Kantone. Stämpfli AG, Bern 2008, ISBN 3-7272-1533-X, S. 29 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kanton Glarus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kanton Glarus – Quellen und Volltexte