Kanton Nidwalden

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Kanton Nidwalden
Wappen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kürzel/Kontrollschild: NW
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Stans
Beitritt zum Bund: 1291
Fläche: 276 km²
Website: www.nw.ch
Bevölkerung
Einwohner: 41'584[1] (31. Dezember 2012)
Dichte: 151 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 12,6 %[2] (August 2013)
Arbeitslosenquote: 1,0 %[3] (November 2013)
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

46.958.4Koordinaten: 47° N, 8° O; CH1903: 673185 / 200327 Nidwalden (in einheimischer Mundart Nidwaudä, bis 2010 amtlich Unterwalden nid dem Wald; französisch Nidwald, italienisch Nidvaldo, rätoromanisch Sutsilvania) ist ein deutschsprachiger Kanton der Schweiz. Der Hauptort ist Stans.

Nidwalden und Obwalden bildeten zusammen Unterwalden, einen der drei Urkantone der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1291.

Geographie[Bearbeiten]

Höchste Erhebung des Kantons ist das Rotstöckli mit 2'901 m ü. M., das orografisch zu den Urner Alpen gehört. Die grössten Teile des Kantons gehören aber zu den Unterwaldner Voralpen, einem Teil der Zentralschweizer Voralpen. Der tiefste Punkt 434 m ü. M. ist der Seespiegel des Vierwaldstättersees.

Nidwalden befindet sich im Zentrum der Schweiz. Im Norden ist der Binnenkanton durch den Vierwaldstättersee begrenzt, in allen anderen Richtungen durch Bergketten. Angrenzende Nachbarkantone sind Luzern, Obwalden, Uri, Schwyz und Bern.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die elf politischen Gemeinden bieten rund 41'500 Personen Heimat. Im Durchschnitt bevölkern 151 Einwohner einen Quadratkilometer.

Die Nidwaldner Mundart ist sehr unterschiedlich. Sprechen Hergiswiler einen Mischdialekt von Luzerner- und Nidwaldnermundart, so sprechen Stanser einen Mischdialekt von Hergiswiler- und Wolfenschiessermundart. Ein Beispiel für das Zahlwort fünf in den unterschiedlichen Dialekten: füüf in Hergiswil, fiif in Stans und feyf in Wolfenschiessen.

Politik[Bearbeiten]

Im Unterschied zur alten Bundesverfassung, in der Nidwalden als Halbkanton aufgezählt wurde, wird Nidwalden in der Bundesverfassung vom 18. April 1999 als selbständiger Kanton aufgeführt. Es gilt der Grundsatz der rechtlichen Gleichstellung der Kantone. Allerdings existieren zwei Einschränkungen zum Gleichheitsprinzip: Den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Obwalden und Nidwalden kommt bei der Vertretung im Ständerat sowie bei der Ermittlung des Ständemehrs beim obligatorischen Referendum nur das halbe Gewicht zu.

Verfassung[Bearbeiten]

Die Verfassung des Kantons Nidwalden (bis 2010: «Verfassung des Kantons Unterwalden nid dem Wald») wurde 1965 erlassen und seither mehrfach geändert.[4]

Direktdemokratische Volksrechte[Bearbeiten]

Erlass und Änderung der Verfassung, sodann Gesetzeserlasse und -änderungen, soweit ein «Gegenantrag» aus der «Aktivbürgerschaft» vorliegt, und Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als 5 Millionen Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 500'000 Franken unterliegen zwingend der Volksabstimmung (obligatorisches Referendum).

Die übrigen Gesetzeserlasse und -änderungen, die interkantonalen Verträge, Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als 250'000 Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 50'000 Franken sowie die Festlegung des Steuerfusses unterliegen der Volksabstimmung, wenn es von 250 Aktivbürgern verlangt oder vom Landrat beschlossen wird (fakultatives Referendum).

Die Aktivbürgerschaft kann selbst Verfassungs- und Gesetzesänderungen vorschlagen, wenn 250 Aktivbürger einen dahingehenden Vorschlag («Antrag») unterstützen. Für eine Teilrevision der Verfassung braucht es die Unterstützung von 500, für die Totalrevision der Verfassung diejenige von 1000 Aktivbürgern (Volksinitiative).

Die traditionelle Landsgemeinde und mit ihr das obligatorische Gesetzesreferendum wurden 1996 abgeschafft.

Legislative[Bearbeiten]

Hauptartikel: Landrat (Nidwalden)

Der Landrat, das kantonale Parlament, hat 60 Sitze und wird nach dem Proporzwahlverfahren auf eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt. Die Sitzzuteilung erfolgt seit 2014 nach dem System des Doppelten Pukelsheim.

Die letzten Wahlen in den Landrat fanden am 23. März 2014 statt. Die bürgerlichen Parteien Schweizerische Volkspartei (SVP) mit 17 Sitzen, Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) mit 17 Sitzen und FDP.Die Liberalen mit 15 Sitzen haben die Mehrheit. Die Grüne Nidwalden (GN) und die Sozialdemokratische Partei (SP) komplettieren mit acht beziehungsweise drei Sitzen den Landrat.

Ergebnisse der Wahlen 2002–2014:

Partei Sitze
2014
Wähleranteil
2014
Sitze
2010
Wähleranteil
2010
Sitze
2006
Wähleranteil
2006
Sitze
2002
Wähleranteil
2002
Sitzverteilung 2010
Schweizerische Volkspartei (SVP) 17 28.04 % 19 26,61 % 10 19,37 % 7 13,60 %
Sitzverteilung des Landrats 2010
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 17 26.86 % 18 31,14 % 23 30,93 % 24 33,50 %
FDP.Die Liberalen (FDP) 15 24.50 % 17 27,82 % 18 29,85 % 19 31,90 %
Grüne Nidwalden (GN)
Demokratisches Nidwalden (DN)
8 14.62 % 5 11,93 % 5 13,07 % 7 19,70 %
Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 3 5.98 % 1 2,09 % 1 3,70 % 2 mit DN
Freie Liste Nidwalden (FLN) 2 2,40 % 0,00 %
Parteilose Liste Dallenwill (PLD) 1 0,69 % 1 1,30 %

Der gewählte Vertreter der PLD hatte sich seinerzeit der SVP-Fraktion angeschlossen. Die SP und das DN unterstützten sich gegenseitig. Dies führte 2006 zu einer gemeinsamen Liste in zwei Gemeinden (Freie Liste). Das Demokratische Nidwalden gehört zur Grünen Partei der Schweiz und änderte per 1. Januar 2009 den Namen in Grüne Nidwalden.[5] Seit 2010 treten Grüne und SP wieder getrennt an.

Exekutive[Bearbeiten]

Der Regierungsrat, die kantonale Exekutive, besteht aus sieben Personen und wird auf vier Jahre im Majorzwahlverfahren gewählt. Der Vorsitzende des Gremiums heisst Landammann, in der weiblichen Form Frau Landammann, und ist für ein Jahr gewählt.

Die letzten Wahlen fanden am 7. März 2010 statt. Die Nidwaldner Regierung setzt sich aus drei Vertretern der FDP, zwei Vertretern der CVP und zwei Vertretern der SVP zusammen. Es sind dies:

Regierungsrat Partei Direktion
Yvonne von Deschwanden, Landammann FDP Gesundheits- und Sozialdirektion
Alois Bissig, Landesstatthalter CVP Justiz- und Sicherheitsdirektion
Ueli Amstad SVP Landwirtschafts- und Umweltdirektion
Hugo Kayser CVP Finanzdirektion
Gerhard Odermatt FDP Volkswirtschaftsdirektion
Res Schmid SVP Bildungsdirektion
Hans Wicki FDP Baudirektion

Judikative[Bearbeiten]

Die Zivil- und Strafgerichtsbarkeit wird in erster kantonaler Instanz vom Kantonsgericht, in zweiter kantonaler Instanz vom Obergericht ausgeübt. In den meisten zivilrechtlichen Angelegenheiten geht dem Verfahren vor Gericht ein Schlichtungsversuch vor der kantonalen Schlichtungsbehörde voran.

Die Gerichtsbarkeit bei verwaltungs- und sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten wird durch das Verwaltungsgericht ausgeübt.

Verfassungsgericht ist das Obergericht.

Eidgenössische Parlamentarier[Bearbeiten]

Der Kanton Nidwalden stellt je einen Nationalrat und Ständerat. Die Nidwaldner Vertretung im Ständerat ist der CVP-Politiker Paul Niederberger. Als Nationalrat amtiert seit 2011 der Weltwoche-Journalist Peter Keller von der SVP.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert war Nidwalden von der Landwirtschaft dominiert. Vieh und Käse wurde vor allem nach Norditalien exportiert. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Handel, Industrie und Fremdenverkehr an Bedeutung zu gewinnen. Heute haben sich viele kleine und mittelgrosse Unternehmer in Nidwalden etabliert. Die Pilatus Aircraft, welche Flugzeuge herstellt, ist ein grosser Arbeitgeber. Viele der industriellen Betriebe haben sich in Maschinenbau, Medizinalapparaten, Internationalem Handel, Optik oder Elektronik spezialisiert.

Nidwalden liegt in der Mitte der Schweiz, an der Hauptverkehrsachse Nord-Süd und Angrenzung an den Vierwaldstättersee. Die Anbindungen ans Strassen- und Schienennetz sind daher entsprechend gut und begünstigen die Aktivitäten von national und international orientierter Unternehmungen.

Traditionelle Betriebe in Land und Forstwirtschaft sind immer noch bedeutsam. Die Landwirtschaft ist auf Viehzucht und Milchprodukte spezialisiert. Die Bauernbetriebe sind noch immer Familienbetriebe.

Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Wegen der bergigen Umgebung ist Fremdenverkehr in Nidwalden wichtig. Der See und die Berge ziehen viele Urlauber an, im Sommer wie auch im Winter. Die Seegemeinden verfügen über eine Vielzahl von Wassersportmöglichkeiten und die Voralpen sind mit Bergbahnen gut erschlossen. Die wichtigsten Fremdenverkehrsgebiete sind Klewenalp, das Stanserhorn, der Titlis Gletscher, die Bannalp und der Bürgenstock.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Kanton ist verkehrsmässig gut erschlossen. Die A2 führt quer durch den Kanton. In Hergiswil NW zweigt von dieser die A8 Richtung Brünig ab. Die Strassenlinien LuzernEngelberg, Luzern–Sarnen–Brünig–Interlaken, Stans–Seelisberg und Stans–Kerns–Sarnen sind die wichtigsten Hauptverkehrsachsen für den regionalen Strassenverkehr.

Der Kanton Nidwalden ist gut durch den öffentlichen Verkehr erschlossen, insbesondere durch die Bahnlinie Luzern–Stans–Engelberg der Zentralbahn. Diese zweigt in Hergiswil NW von der ebenfalls zur Zentralbahn gehörenden Linie der Brünigbahn ab. Verschiedene Gemeinden sind ab Stans mit dem Postauto erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Um 1291 gründete Unterwalden (Nid- und Obwalden) zusammen mit Uri und Schwyz die Eidgenossenschaft. Zur damaligen Zeit war dies noch kein Staat, aber um das 14. und 15. Jahrhundert etablierten sich die ersten Staatsformen. Dies waren frühe Formen von Landsgemeinden und Gerichten. Im 14. und 15. Jahrhundert trafen sich Abgeordnete von Nidwalden mit solchen von Obwalden, um wichtige Angelegenheiten zu besprechen, jedoch waren die beiden Halbkantone nie eins. Zum Beispiel war Obwalden nicht daran beteiligt, als die Gebiete von Bellinzona, Riviera und Blenio annektiert wurden, die heute ein Teil des Kantons Tessin sind.

Um 1500 gingen viele Nidwaldner als Söldner in fremde Dienste. Einige wanderten später für immer aus, viele ins Elsass. Nachdem Nidwalden die Helvetische Verfassung abgelehnt hatte – die Ideen der Französischen Revolution waren nicht sehr populär im landschaftlichen Nidwalden –, wurde Nidwalden am 9. September 1798 von französischen Truppen heimgesucht. Bei diesen Schreckenstagen von Nidwalden wurden zahlreiche Zerstörungen angerichtet und mindestens 400 Menschen verloren ihr Leben. Nach Napoleons Niederlage im Jahr 1814 wurden viele der Änderungen rückgängig gemacht. Erst im Jahre 1877 führte Nidwalden eine neue Verfassung ein. Die Landsgemeinde wurde 1997 abgeschafft.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: «In Rot ein silberner (weisser) Doppelschlüssel»

Der Schlüssel ist das Symbol des Heiligen Petrus als Landespatron von Nidwalden. Seine Form als Doppelschlüssel wurde zur Unterscheidung vom Wappen Obwaldens gewählt, das zunächst einen von Rot und Silber geteilten Schild analog zum Banner nutzte, dann aber ebenfalls einen einfachen Schlüssel verwendete.[6]

Städte und Orte[Bearbeiten]

Gemeinden des Kantons Nidwalden

Nachfolgend aufgelistet sind alle elf Gemeinden per 31. Dezember 2012:

Ort Einwohner
Stans 8112
Hergiswil 5487
Buochs 5370
Ennetbürgen 4484
Stansstad 4417
Beckenried 3319
Oberdorf 3101
Ennetmoos 2095
Wolfenschiessen 2089
Dallenwil 1782
Emmetten 1328

Bezirke[Bearbeiten]

Der Kanton Nidwalden kennt keine Einteilung in Bezirke. Das Bundesamt für Statistik führt den gesamten Kanton jedoch als einen Bezirk unter der BFS-Nr.: 0700.

Kultur[Bearbeiten]

Die traditionelle Kultur wird in Nidwalden von vielen kleinen Vereinen am Leben gehalten. Es gibt traditionelle Musik, Jodeln, Tanz, Theater und traditionelle Feste. Aber auch moderne Kultur kommt nicht zu kurz. Konzerte oder Galerien sind weitverbreitet.

Zwei der bekanntesten Schweizer Filmregisseure stammen aus Nidwalden, Fredi M. Murer und Urs Odermatt, ebenfalls einige der wichtigsten Schweizer Photographen, nämlich Martin Imboden, Arnold Odermatt und Leonard von Matt.

Trivia[Bearbeiten]

Das Lied Zwische See und heeche Bäärge von Heinrich J. Leuthold[7] wird auch als «inoffizielle Kantonshymne» bezeichnet.

Die Nidwaldner Haarschnecke ist nach dem Kanton benannt, da sie 1917 erstmals in einem kleinen Gebiet rund um die Bannalp (Gemeinde Wolfenschiessen) nachgewiesen wurde, das auch heute noch zu ihrem Hauptverbreitungsgebiet gehört.

Die Einwohner Nidwaldens werden scherzhaft auch als Reissäckler bezeichnet. Der Ausdruck beruht auf dem Reissäcklein (Reisesack), einer kleinen, meist aus grünem Baumwoll- oder Wollstoff bestehenden Tasche, die ein traditioneller Bestandteil der Nidwaldner Tracht ist.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Kanton Nidwalden – Quellen und Volltexte
 Commons: Kanton Nidwalden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerstatistik (PDF-Dokument; 12 kB), Kanton Nidwalden in Zusammenarbeit mit der Nidwaldner Kantonalbank
  2. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2013 (PDF; 132 kB). Bundesamt für Migration (BFM). Medienmitteilung vom 22. Oktober 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – November 2013 (PDF; 618 kB). Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Pressedokumentation vom 9. Dezember 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  4. Verfassung des Kantons Nidwalden
  5. DN wird zu Grüne Nidwalden Medieninformationen der Grünen Nidwalden
  6. Das Wappen des Kantons Nidwalden auf der Webseite des Kantons
  7. Heinrich J. Leuthold auf der Webseite der Eidgenössischen Jodlerdirigenten- und Komponisten-Vereinigung (EJDKV)
  8. Emil Weber: Tschifeler und Reissäckler (PDF; 111 kB), Veröffentlichung des Staatsarchivs, Kanton Nidwalden