Kanurennsport

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Einer-Kajaks im Rennen bei den Deutschen Kanurennsportmeisterschaften 2003

Kanurennsport ist eine Wassersportart, bei der man so schnell wie möglich eine festgelegte Strecke auf einem geraden Gewässer mit einem Kanu zurücklegt.

Dabei treten pro Rennen bis zu neun Kanuten auf mit Bojen gekennzeichneten Bahnen gegeneinander an. Der Kanute, der mit seinem Boot (genauer: mit dem Vordersteven des Kanus) als erstes die Ziellinie überfährt, hat das Rennen gewonnen.

Als Wettkampfstrecken kommen natürliche Gewässer wie Seen und Flüsse mit geringer Strömung oder künstlich angelegte Regattastrecken in Frage. Zur Verbesserung der Startbedingungen kommen Startanlagen zum Einsatz.

Boote[Bearbeiten]

K-1 am Fluss Garonne in Toulouse

Es wird in den Bootsgattungen Kajak (K) und Canadier (C) gestartet. Die Bootsgattungen werden in folgende Bootsklassen unterteilt:

Die Rümpfe müssen in Längs- und Querrichtung konvex (nach außen gewölbt) sein. Früher waren eine Mindestbreite und -höhe vorgeschrieben. Dies führte zu immer abenteuerlicheren Konstruktionen (zum Beispiel "Flügeln"). Der Wegfall der Mindestbreite im Jahre 2002 und der Mindesthöhe im Jahr 2004 eröffnete den Bootbauern neue Möglichkeiten, die Bootsformen zu optimieren.

Beschränkende Bestimmungen sind die oben genannte konvexe Form; außerdem müssen die Fahrer im Boot sitzen oder knien (nicht auf dem Boot wie etwa beim Surfski), und der höchste Punkt des Bootes muss die Vorderkante der Sitzluke sein.

Im Rennkajak sitzen die Sportler auf einem im Boot montierten, verstellbaren Sitz; das Boot wird mit einer im Heck befindlichen Steuerflosse gesteuert, die mit einem Fußsteuer bedient wird. Die Sitzluke wird mit einer Spritzdecke verschlossen, um zu verhindern, dass spritzendes Wasser in das Boot eindringt.

Der Renncanadier hat keine Steueranlage, er wird vom Kanuten durch Paddeldrehung gesteuert. Er ist oben offen.

Technik[Bearbeiten]

Der Kajak wird sitzend mit einem Doppelpaddel gefahren, das wechselseitig eingesetzt wird.

Im Canadier knien die Sportler mit einem Knie auf einem Kissen oder Block aus Hartschaum und bewegen das Boot mit einem Stechpaddel vorwärts, das einseitig (auf der Seite, auf der der Sportler kniet) eingesetzt wird. Schlagfrequenz und Endgeschwindigkeit sind etwas geringer als im Kajak, da beim Herausheben des Paddels ein relativ weiter Weg durch die Luft zurückgelegt werden muss. Der Schwerpunkt des Paddlers im Boot liegt höher als im Kajak. Zusammen mit der sehr geringen Breite des Bootes (ca. 30-40 cm im C1) ist das Boot dadurch relativ instabil und es bedarf eines guten Gleichgewichtssinnes, um das Boot zu beherrschen. Die Steuerung erfolgt durch einen J-Schlag.

Canadier-Rennen wurden traditionell nur von Männern bestritten, erst 2010 wurden Frauen-Canadier-Rennen erstmals offiziell in das Weltmeisterschaftsprogramm aufgenommen.

Wettkämpfe[Bearbeiten]

Der Deutsche Kanu-Verband legt in den nationalen Wettkampfbestimmungen die Boots- und Leistungsklassen sowie Streckenlängen für offizielle Wettkämpfe fest. Seit 1936 ist das Kanu-Flachwasserrennen auch Disziplin der Olympischen Spiele, nachdem es 1924 in Paris als Schauwettkampf vorgestellt worden war. Die erfolgreichste deutsche Olympionikin ist die Kanutin Birgit Fischer.

In den Jahren ohne Olympische Sommerspiele finden seit 1938 Weltmeisterschaften statt. Außerdem wird eine Welt-Cup-Serie durchgeführt. Dazu kommen weitere internationale Regatten. In Deutschland finden jährlich über 100 weitere kleine, mittlere und große Regatten statt. Seit 2009 finden national und international Rennen für Menschen mit Behinderung im Paracanoe statt.

Olympische Disziplinen[Bearbeiten]

Zu Olympischen Spielen wird nicht in allen Disziplinen angetreten. Die Disziplinen ab 2012 sind:

  • Herren Kajak
    • 200 m K1, K2
    • 1000 m K1, K2, K4
  • Damen Kajak
    • 200 m K1
    • 500 m K1, K2, K4
  • Herren Canadier
    • 200 m C1
    • 1000 m C1, C2

Die Änderungen im olympischen Programm für 2012 wurden auf Vorschlag der ICF auf der Exekutivsitzung des Internationalen Olympischen Komitees im August 2009 in Berlin beschlossen. Ursprünglich war eine Änderung erst für 2016 geplant gewesen und für 2009 bis 2011 probeweise Staffel- und Langstreckenwettbewerbe in das Weltmeisterschaftsprogramm aufgenommen worden, um ihre Olympiatauglichkeit zu testen. Die Streichung der 500m-Rennen zugunsten der 200m soll dazu beitragen, den Teilnehmerkreis zu erweitern und Doppelstarts zu reduzieren, da 200m und 1000m stark unterschiedliche Ansprüche an die Konstitution der Sportler stellen. Zudem wurde auf eine Männerdisziplin (C2 500m) zugunsten einer weiteren Frauendisziplin (K1 200m) verzichtet, was das zahlenmäßige Übergewicht der Männerdisziplinen (jetzt 8:4, vorher 9:3) reduzieren soll.

Von 1964 bis 2008 gab es folgendes olympisches Programm:

  • Herren Kajak
    • 500 m K1, K2
    • 1000 m K1, K2, K4
  • Damen Kajak
    • 500 m K1, K2, K4
  • Herren Canadier
    • 500 m C1, C2
    • 1000 m C1, C2

Bis 1960 gab es auch Staffelrennen, bei dem jeweils vier Boote pro Team nacheinander in gegenläufiger Richtung starten. Die Streckenlänge betrug jeweils 500 m.

Leistungsklassen[Bearbeiten]

Um den Sportlern die Möglichkeit zu geben, sich mit Gleichaltrigen zu messen, werden die Wettkämpfe in Leistungsklassen unterteilt. Neben der grundsätzlichen Unterscheidung Frauen/Männer, starten die Rennen in folgenden Klassen:

  • unter 7 Jahren nehmen Kinder in der Regel nicht an Wettkämpfen und Regatten teil
  • Schüler C (7 bis 9 Jahre)
  • Schüler B (10 bis 12 Jahre)
  • Schüler A (13 bis 14 Jahre)
  • Jugend (15 bis 16 Jahre)
  • Junioren (17 bis 18 Jahre)
  • Leistungsklasse (ab 19 Jahre)
  • Senioren A (32 bis 39 Jahre)
  • Senioren B (40 bis 49 Jahre)
  • Senioren C (ab 50 Jahre)
  • Senioren D (ab 60 Jahre)

Es können ebenfalls Jahrgangsrennen bis in den Schüler-A-Bereich ausgetragen werden.

Neben dem Alter stellt auch der Erfolg ein Kriterium dar. So ist es in der Leistungsklasse (LK) möglich, getrennte Rennen in der LK I und LK II durchzuführen. Eine Einstufung der Sportler in die leistungsschwächere LK II erfolgt nach negativer Erfüllung von Kriterien (z.B. kein Sieg bei Deutschen Meisterschaften oder anderen Regatten der Kategorie A im vorangegangenen Jahr). Dagegen wird man automatisch nach Wettkampfende in die LK I hochgestuft, wenn man bei einem solchen Wettkampf gewinnt.

Strecken[Bearbeiten]

Bei den Wettkämpfen können Rennen über folgende Strecken gewertet werden: [1]

  • Sprintstrecke 200 m
  • Kurzstrecke 500 m
  • Mittelstrecke 1000 m
  • Langstrecke 2000 m (für weibliche und männliche Schüler A)
  • Langstrecke 5000 m

Streckenlängen von über 10.000 zählen zum Kanumarathon.


Seit 2010 gibt es auch den Kanumehrkampf für alle Altersklassen bis hin zum Jugendalter. Hierbei handelt es sich um mehrere Einzeldisziplinen, welche zusammengerechnet werden und ein Gesamtergebnis geben. Folgendes wird beim Kanumehrkampf gemacht:

  • 100m für C-Schüler,B-Schüler
  • 200m Sprintstrecke für A-Schüler,Jugend,Junioren,Leistungsklasse,Senioren A-D
  • 500m für C-Schüler,B-Schüler
  • 1000m für A-Schüler,Jugend,Junioren;Leistungsklasse,Senioren A-D
  • 1500m Laufen(kein gehen)
  • Medizinball werfen
  • entweder Seilsprung oder Standweitsprung

Training[Bearbeiten]

Das Training zu diesem Sport wird in der Regel in Sportvereinen vor Ort angeboten. Überall dort, wo es vorhandene Gewässer erlauben (Flüsse, Seen, Kanäle) gibt es häufig auch Kanusportvereine.

Neben dem direkten Training im Boot, das die Technik und Ausdauer der Kanurennsportler schult, werden verschiedene Elemente der Sportarten Laufen und Krafttraining genutzt, um den Körper des Kanuten auszubilden und eine einseitige Belastung zu vermeiden. Im Winter, wenn die meisten mitteleuropäischen Gewässer zugefroren sind, wird außerdem in vielen Kanuvereinen Hallensport betrieben oder auf speziellen Paddelergometern trainiert. Um einer zu einseitigen Ausbildung der Muskulatur entgegenzuwirken wird Ausgleichstraining empfohlen, das den gesamten Trainingsprozess begleitet.

Biomechanik des Kanurennsports[Bearbeiten]

Die Wechselbeziehungen zwischen der Bewegung des Kanuten, der Boots- und Paddelbewegung in Abhängigkeit sowohl hydro- und aerodynamischer Eigenschaften als auch ursächlicher Antriebskraftwirkungen sowie der Wasserbewegung ist Gegenstand der Biomechanik des Kanurennsports. Das globale Ziel besteht darin, Lösungswege herauszufinden, die zu hohen Bewegungsgeschwindigkeiten bei maximaler Energietransformation und geringsten Energieverlusten führen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kanurennsport – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wettkampfbestimmungen des DKV vom 25./26. April 2009 (Version vom 15. Dezember 2010 im Internet Archive), Punkt 2.1.2