Kapellendorf

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Kapellendorf führt kein Wappen
Kapellendorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kapellendorf hervorgehoben
50.97511.468055555556245Koordinaten: 50° 59′ N, 11° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Weimarer Land
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Mellingen
Höhe: 245 m ü. NHN
Fläche: 5,36 km²
Einwohner: 417 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99510
Vorwahl: 036425
Kfz-Kennzeichen: AP, APD
Gemeindeschlüssel: 16 0 71 037
Adresse der Verbandsverwaltung: Karl-Alexander-Str. 134a
99441 Mellingen
Webpräsenz: www.kapellendorf.de
Bürgermeister: Jürgen Elstermann
Lage der Gemeinde Kapellendorf im Landkreis Weimarer Land
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Über dieses Bild
Kapellendorf im Sommer 1997
Dorfkirche

Kapellendorf ist eine Gemeinde im Landkreis Weimarer Land und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Mellingen. Sie liegt ca. 12 km östlich von Weimar.

Lage[Bearbeiten]

Kapellendorf befindet östlich von Weimar und südlich angrenzend an die Kreisstadt Apolda am Südostrand des Thüringer Beckens im Ackerbaugebiet um Mellingen und Apolda. Sowohl die Bundesstraße 7 als auch die B 87 sind gut über die Kreisstraße 101 erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Capelladorf wird bereits 833 in den Schenkungsurkunden des Klosters Fulda erwähnt. Der Schenker war ein Graf Asis – nicht 875 ein Graf Hessi, wie häufig noch unrichtig behauptet wird –, ein außerordentlich mächtiger Mann in Thüringen, der sowohl eine vom König verliehene Grafschaft innehatte als auch über umfangreichen Eigenbesitz wie in Kapellendorf frei verfügen konnte. Den Fuldaer Totenannalen zufolge, in denen sein Name an prominenter Stelle eingetragen ist, starb Asis 837. Aus der historischen Überlieferung kann geschlossen werden, dass in Kapellendorf eine Kirche bestand, die möglicherweise bereits von den Vorfahren des Grafen Asis und seiner Brüder gegründet worden war, nicht aber, dass diese Familie auch selbst im Ort ansässig war – wie es die ältere Forschung stets annahm. Die Familie verfügte neben umfangreichem Besitz im Raum Weimar und Erfurt auch über Güter in Südthüringen und Franken, im Raum um Hildburghausen und Gotha.

Während des preußisch-französischen Krieges 1806/1807 wurde das Gelände östlich von Kapellendorf am 14. Oktober 1806 zum Schauplatz des letzten Teilgefechts der Schlacht bei Jena und Auerstedt, in der Kaiser Napoléon I. die preußischen Streitkräfte des Königs Friedrich Wilhelm III. vernichtend schlug.

1923 war Karl Graischen Pächter der Domäne mit 109 Hektar Wirtschaftsfläche.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wasserburg[Bearbeiten]

Die wichtigste und auch überregional bekannte Sehenswürdigkeit Kapellendorfs ist die Wasserburg, die 1806 Sitz eines Teiles des preußischen Hauptquartiers vor und während der Schlacht von Jena und Auerstedt war.

Kirche[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Ordensleute und Pfarrer in Kapellendorf

Kapellendorf verfügt über eine der ältesten bekannten Kirchen Thüringens. Eine erste Kirche hat an dieser Stelle bereits in der Zeit um 800 bestanden, nach ihr wurde der Ort benannt. Schon in früher Zeit kam die Kirche durch Schenkung an das Reichskloster Fulda. Im 12. Jahrhundert war die Pfarrkirche Lehensbesitz der Burggrafen von Kirchberg, die hier im Jahre 1235 ein Zisterzienserinnenkloster gründeten. Seit 1527, nach Aufhebung des Klosters im Zuge der Reformation, dient das Kapellendorfer Gotteshaus wieder allein als Gemeindepfarrkirche. Zahlreiche erhaltene Grabdenkmäler im Inneren zeugen von ihrer großen Bedeutung als Begräbnis- und Gedächtnisort in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Zwischen 1977 und 1988 wurde die gesamte Kirche im Inneren einer weitgehenden Rekonstruktion und Umgestaltung unterzogen. Anbauten und Vermauerungen aus dem 16. Jh. an der Südseite wurden beseitigt und die Arkaden zu einem früher bestehenden Seitenschiff geöffnet und durch Fenster verglast. Alle Emporen bis auf die Orgelempore wurden entfernt, ebenso ein Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert. Der gut erhaltene Kanzelkorb aus dem 16. Jahrhundert dient heute als Lesepult. Im Chorraum wurden Wandnischen freigelegt, die durch den Künstler Eberhard Heiland (†) ausgemalt wurden: mit einem Taufbild (Philippus tauft den Kämmerer), einem Abendmahlsbild (Abendessen in Emmaus) und einem Totengedenken (Christus der Weltenrichter). Die gesamte Ausmalung und Ausgestaltung stand unter der Leitung des Weimarer Malers Horst Jährling. Heute gehört die Kirche zum Kirchspiel Kapellendorf.

Hauptartikel: Dorfkirche Kapellendorf

Kriegerdenkmal[Bearbeiten]

Am 13. Oktober 1907 wurde auf dem Sperlingsberg ein 12 m hoher Turm als Kriegerdenkmal für die im Jahre 1806 bei dem Gefecht am Sperlingsberg Gefallenen eingeweiht. Der Turm entstand nach einem Entwurf des Architekten Max Ehrhardt (Apolda), der als Vorbild wohl das preisgekrönte Bismarckturm-Modell von Wilhelm Kreis vor Augen hatte. Der Turm hat eine Höhe von 12 m und einen Grundriss von 5,5 x 5,5 m. Die letzte Sanierung des Turms wurde im Jahre 1986 durchgeführt. Eine Gedenktafel am Turm erinnert an den gescheiterten Angriff des preußischen Generals Ernst von Rüchel in der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806.

Thomas-Müntzer-Standbild[Bearbeiten]

Am 27. Juni 1989 wurde das Standbild des Theologen und Anführers im Deutschen Bauernkrieg Thomas Müntzer auf dem Platz vor der Kirche und dem Evangelischen Gemeindezentrum enthüllt, das von 1975 bis 1997 den Namen Thomas Müntzers trug. Es ist eine Auftragsarbeit des Weimarer Keramikers und Malers Eberhard Heiland, der auch die Wandnischen in der Bartholomäus-Kirche ausmalte. Auf dem Sockel der aus gebranntem Ton hergestellten Ideenplastik stehen die Worte, mit denen Müntzer einige seiner Briefe unterschrieben hat: „Thomas Müntzer – ein williger Botenläufer Gottes“. Nach 1997 schloss die Evangelisch-lutherische Kirche in Thüringen das Gemeindezentrum mit Müntzers Namen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrei Zahn - Closewitz und das Kloster Kapellendorf. In: Verein für Thüringische Geschichte : Blätter des Vereins für Thüringische Geschichte e.V.. - Jena : Verein,Bd. 15.2005, S. 6-14
  • Die Kirche von Kapellendorf (2003),
    • Stefan Tebruck - Der Reliquienschatz der Kapellendorfer Zisterzienserinnen im 15. Jahrhundert, S.55-81
    • Johannes Mötsch - Das Zisterzienserinnenkloster Kapellendorf, S. 29-53
  • Johannes Mötsch, Urban und Fischer, 1999 - Fuldische Frauenklöster in Thüringen - Regesten zur Geschichte der Klöster Allendorf, Kapellendorf und Zella
  • Hans Tümmler, Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde Ausgabe 41, 1939, S. 343-382 - Das Zinsbuch des Klosters Kapellendorf von 1401
  • Hans Apel, Uschmann, 1935 - Geschichte des Klosters Kapellendorf bei Weimar
  • Wilhelm Engel, ZVThürGA 38, 1932/33, S. 25-40, 461-504 - Thüringische Urkundenstudien
    • Die ältesten Urkunden des Klosters Kapellendorf
    • Die Mainzer Lehen der Landgrafen von Thüringen
    • Ein unbekanntes Kopialbuch der Propstei Probstzella nebst einer Kaiserurkunde für das Kloster Paulinzella
  • Stephan Steffen, Das Kloster Kapellendorf in Thüringen und die Burggrafen von Kirchberg
  • Thomas Müntzer in der Erinnerungskultur. Das Beispiel bildende Kunst (Hg. Günter Vogler), darin Peter Franz: "Unser kleiner Ort hat einen neuen Einwohner bekommen". Die Übergabe der Müntzer-Statue in Kapellendorf 1989, Mühlhausen 2008, ISBN 3-935547-24-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Jürgen Gruhle: Schwarzbuch der Bodenreform/Thüringen. Abgerufen am 25. Juni 2011 (Version vom 7. Juli 2010 im Internet Archive)
  3. vgl. die letztmalige Erwähnung in: Thüringer Pfarrer-Taschenbuch 1997. Herausgegeben vom Gemeindedienst im Auftrag des Landeskirchenrates der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, S. 145. Mit der nächsten Ausgabe 2000 ist der Eintrag im Verzeichnis getilgt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kapellendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien