Kapitalmaßnahme

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Kapitalmaßnahme (englisch: Corporate Action) bezeichnet bei einer Aktiengesellschaft eine Maßnahme, die die Kapital- und Stimmrechtsanteile der Aktionäre betrifft. Sie wird normalerweise vom Führungsorgan der Gesellschaft (Vorstand, Verwaltungsrat) vorgeschlagen und von den Aktionären in einer Hauptversammlung autorisiert. Es handelt sich dabei entweder um eine Veränderung des Grundkapitals, eine Veränderung der Aktien- und Stimmrechtsstruktur oder einen anderen, die Kapitalanteile der Aktionäre betreffenden Vorgang. Werden neue Aktien ausgegeben, so dürfen dadurch nach deutschem Aktienrecht die Ansprüche der bestehenden Aktionäre bezüglich Gewinnbeteiligung und Mitbestimmung nicht eingeschränkt werden (Verwässerungsschutz).

Die Erhöhung der Verschuldung durch Ausgabe einer Anleihe wird nicht als Kapitalmaßnahme bezeichnet. Sie verändert zwar die Kapitalstruktur einer Gesellschaft; der Betrag des Grundkapitals wird durch eine solche Erhöhung des Fremdkapitals jedoch nicht verändert.

Kapitalmaßnahmen[Bearbeiten]

Folgende Kapitalmaßnahmen verändern das Grundkapital einer Aktiengesellschaft in Bezug auf dessen Höhe:

Bei folgenden Kapitalmaßnahmen bleibt die Höhe des Grundkapitals unverändert:

Folgende Maßnahmen führen zu bedingten Kapitalerhöhungen:

Weitergehende Corporate Actions[Bearbeiten]

Folgende Vorgänge sind im deutschen Sprachgebrauch keine Kapitalmaßnahmen, werden aber in der Praxis dem entsprechenden englischen Begriff Corporate Actions zugeordnet:

Außerdem werden im englischen Sprachgebrauch teilweise auch Maßnahmen, die das Fremdkapital betreffen (zum Beispiel Emission von Schuldscheinen), in den Begriff miteinbezogen.

Banktechnische Abwicklung (Wertschriftenverwaltung)[Bearbeiten]

Die bei Kapitalmaßnahmen entstehenden Wertschriften werden in der Regel nicht physisch ausgeliefert, sondern bei den Depotbanken in entsprechende Wertpapierdepots eingebucht. Die Wertpapiertitel (Valoren) müssen geändert und deren Bestands- und Wertführung in den Depots mittels Umbuchungen angepasst werden.

Eine Kapitalherabsetzung führt zum Beispiel zur Rückzahlung der Nennwertdifferenz. Ein Aktiensplit verändert den Nennwert pro Aktie und führt zu einem wertneutralen Mengensplit der entsprechenden Aktien in allen Depots, welche diese Aktie führen.

Diese mengen- und wertmäßigen Buchungen in der Wertschriftenbuchhaltung werden in der Bank durch eine als Effektenverwaltung, oft auch Custody oder Corporate Actions, bezeichnete Organisationseinheit durchgeführt.

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