Kapitalmarkt

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Der Kapitalmarkt ist der Finanzmarkt für mittel- und langfristige Kapitalbeschaffung und dient den Unternehmen, den Haushalten und dem Staat zur Finanzierung von Investitionen und anderen Ausgaben. Dazu zählt beispielsweise der Markt für langfristige Kredite, bezeichnet als Rentenmarkt, und der Aktienmarkt, der Markt für Beteiligungskapital.

Einordnung Kapitalmarkt

Definition[Bearbeiten]

Der Kapitalmarkt besteht aus der Gesamtheit aller Institutionen und Transaktionen, die der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage nach mittel- und langfristigem (Finanz-)Kapital dienen. Er wird häufig auch als Wertpapiermarkt angesehen, welcher sowohl Dividendenwerte, beispielsweise Aktien, als auch festverzinsliche Wertpapiere, wie Anleihen beinhaltet.[1] Die Abgrenzung gegenüber dem Geldmarkt liegt in der Langfristigkeit der Kapitalüberlassung, für in der Regel mehr als ein Jahr, begründet, wodurch sowohl Geldmarktgeschäfte, als auch Derivategeschäfte mit kürzeren Laufzeiten ausgeschlossen werden können.

Kreditmarkt-/Kapitalmarktakteure

Je nach Standpunkt kann entweder der Kreditmarkt dem Kapitalmarkt zugerechnet werden oder der klassische Kapitalmarkt wird vom Kreditmarkt unterschieden. Im Vergleich zum „klassischen Kapitalmarkt“ stellt der Kreditmarkt den Hauptanteil des Finanzierungskapitals der Wirtschaft zur Verfügung (60 v.H.).[2]

Akteure[Bearbeiten]

Die Akteure des „klassischen Kapitalmarktes“ werden in Kapitalgeber, Kapitalnehmer und Intermediäre unterschieden. Die Kapitalgeber, welche auch als Kapitalanbieter bezeichnet werden, stellen den Kapitalnehmern für investive Zwecke Geld zur Verfügung. Die Kapitalnehmer treten als Nachfrager für Kapital auf dem Kapitalmarkt an. Die Aufgabe der Intermediäre, auch genannt Vermittler, liegt darin, das Gleichgewicht zwischen Kapitalangebot und -nachfrage zu erleichtern, indem sie Transaktionen in den Zahlungsströmen der Kapitalnachfrager und -anbieter durchführen, den Informationsstand verbessern und Transaktionsabwicklungen unterstützen.[3]

Finanzierungstitel[Bearbeiten]

Auf dem Kapitalmarkt werden Finanzierungstitel mit unterschiedlichen Zahlungen, Risiken und Fristen angeboten und nachgefragt. Unter anderem sind diese Titel zu finden:

Eine Aktie ist ein Beteiligungstitel, die den Anteil an einer Aktiengesellschaft und Mitgliedschaftsrechte verbrieft.

Anleihen sind verbriefte Forderungstitel gegenüber Körperschaften, Kreditinstituten oder sonstigen Unternehmen.

Diese Art von Finanzierungstiteln verbrieft eine Beteiligung an einer Aktiengesellschaft, jedoch ohne Mitgliedschaftsrechte.[4]

Unterscheidungskriterien[Bearbeiten]

Kapitalmärkte werden anhand des Organisationsgrad und der Einteilung in Primär- oder Sekundärmärkte unterschieden.

Hauptsegmente[Bearbeiten]

Der Kapitalmarkt wird in der Praxis in zwei Hauptsegmente gegliedert, den Primärmarkt und den Sekundärmarkt. Der Primärmarkt liefert Informationen über den Wertpapieraussteller und den Kapitalmarkttitel und ist daher besonders für die Anleger von großer Bedeutung. Der Sekundärmarkt umfasst die Durchführung und Abwicklung der Wertpapiergeschäfte.

Der Primärmarkt beschäftigt sich mit dem Angebot von neu herausgebrachten Wertpapieren, die von Investoren nachgefragt werden sollen. Dieser Markt wird auch als Emissionsmarkt bezeichnet, da unter diesem Segment die Erstplatzierung der Aktien und Schuldverschreibungen während des Emissionsverlaufs zu verstehen ist. Der Ort des Primärmarktes ist nicht lokalisierbar und gehört somit zu dem außerbörslichen Markt, da die Anleger weit verbreitete Wohn– und Geschäftssitze im In– und Ausland aufweisen und jeder geschäftsfähige Mensch zum Handeln mit Wertpapieren berechtigt ist.

Der Sekundärmarkt, auch als Zirkulationsmarkt bezeichnet, umfasst den Wertpapierhandel zwischen den Marktteilnehmern, also den Wiederverkauf der neu emittierten Wertpapiere durch den Ersterwerber an die neuen Anleger. Der bekannteste Ort des Sekundärmarktes sind die Wertpapierbörsen.

Organisationsgrad[Bearbeiten]

Durch den Organisationsgrad können Märkte besonders gut unterschieden werden. Dabei wird unterschieden in organisierte Märkte und in nicht organisierte Märkte.

Organisierte Märkte[Bearbeiten]

Ein hoch organisierter Kapitalmarkt, wie der börslich organisierte Markt, zeichnet sich durch kostengünstige, schnelle, sichere und jederzeit handelbare, staatlich genehmigte Transaktionen aus. Die Wertpapierbörsen, wie beispielsweise die Frankfurter Wertpapierbörse, sind die höchst organisierten Märkte weltweit. Der organisierte Kapitalmarkt untergliedert sich unter anderem in die Aktien- und Rentenmärkte, Emissionsmärkte und Märkte für Schuldscheindarlehen.

Nicht organisierte Märkte[Bearbeiten]

Der freie Kapitalmarkt und der Interbankenhandel weisen hingegen, mit nur wenigen Richtlinien, einen sehr geringen Grad an Organisation auf. Dort finden hauptsächlich Transaktionen ohne Mitwirkung von Banken, Börsen und Versicherungen statt, die meist unsicher und nicht überschaubar sind. Der in Deutschland am geringsten organisierte Markt wird als Grauer Kapitalmarkt bezeichnet, an dem beispielsweise der Handel von Anteilen an Immobilienfonds im Vordergrund steht.[5]

Theoretische Modelle[Bearbeiten]

Sowohl in der Volkswirtschaftslehre als auch in der Betriebswirtschaftslehre wird versucht, die oben genannten charakteristischen Merkmale durch Modelle nachzuahmen. Dabei kommen insbesondere die theoretischen Konstruktionen des vollkommenen- und unvollkommenen Kapitalmarktes zur Anwendung.

Charakteristisch für dieses vereinfachte, theoretische Modell des vollkommenen Kapitalmarktes ist, dass die gehandelten Güter auf dem Markt homogen sind und eine Transparenz des Marktes vorliegt. Die Möglichkeiten der Aufnahme und Anlage von Kapital sind unbegrenzt. Die Teilnehmer des Marktes können schnell auf Änderungen von Menge und Preis reagieren, da es keine Zeitverzögerungen, so genannte "time lags“ gibt. Auf dem vollkommenen Kapitalmarkt werden Eigen- und Fremdkapital nicht unterschieden, womit es folglich nur einen einheitlichen und gleich bleibenden Marktzins gibt. Diese Annahmen werden schrittweise an die Realität angepasst.

Von einem unvollkommenen Kapitalmarkt, auch genannt imperfekter Kapitalmarkt, spricht man, wenn mindestens eine der vorangegangenen Annahmen nicht erfüllt ist.

Von einem vollständigen Kapitalmarkt wird gesprochen, wenn durch Linearkombinationen der gehandelten Zahlungsströme (Wertpapiere) der gesamte Zustandsraum abgebildet werden kann.

Aufgaben und Funktionen des Kapitalmarktes[Bearbeiten]

Allgemeine Funktionen[Bearbeiten]

  • Der Marktausgleich

Die Kernfunktion des Kapitalmarktes, charakterisiert als Marktfunktion, soll eine maximale Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage nach Wertpapieren schaffen.

  • Die Lenkungsfunktion

Eine weitere Fähigkeit stellt die so genannte Allokationsfunktion dar, welche das Kapital in die Investitionen mit der höchsten Rendite und somit in möglichst produktive Verwendungen lenken soll.

  • Der Funktionsschutz

Der Funktionsschutz stellt sicher, dass den Kapitalteilnehmern Informationen zur Entscheidungsfindung bereitgestellt werden.

  • Der Individualschutz

Durch diese Schutzfunktion erhalten die Investoren einen Schutz gegenüber anderen Teilnehmern, die sich einen Vorteil mit Informationsvorschüben auf Lasten der Anleger verschaffen wollen.[6]

Transformationsfunktionen[Bearbeiten]

Mengentransformationen[Bearbeiten]

Die Mengentransformation umfasst die Ansammlung der in einer Volkswirtschaft gebildeten Ersparnisse und deren Verteilung zu den Investoren, in gewünschter Fristigkeit und Mengenordnung.[7]

Fristentransformation[Bearbeiten]

Die Fristentransformation ermöglicht den Ausgleich der Fristen zwischen den Investoren und Sparern. Dabei handelt es sich um die Frist, während der ein Kredit durch einen Anleger in Anspruch genommen wird und um die Frist, die verstreicht, bis ein Sparer seine finanziellen Mittel zur Verfügung stellt. Diese Fristen weichen in der Regel voneinander ab.

Losgrößentransformation[Bearbeiten]

Die Losgrößentransformation ermöglicht durch eine Zusammenführung von mehreren Kapitalgebern, eine Übereinstimmung, der durch die Kapitalnehmer nachgefragten Beträge, die ein einzelner Kapitalgeber nicht zur Verfügung stellen könnte.[8]

Risikotransformation[Bearbeiten]

Durch die Risikotransformation erhalten die Sparer die Möglichkeit, ihr Kreditrisiko abzusichern oder zu verteilen. Unsichere Zahlungsströme können so in sichere Zahlungsströme umgewandelt werden. So können beispielsweise Risiken durch schwankende Wechselkurse umgewandelt werden.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Wilhelm: Kapitalmarktmodelle, in Schriften des Instituts für Finanzen Vol. 3, Universität Leipzig, 2001
  • Manfred J. Matschke, Thomas Hering, Heinz E. Klingelhöfer: Finanzanalyse und Finanzplanung, 1. Auflage, München : Oldenbourg-Verlag, 2002
  • Wolfgang Kürsten, Bernhart Nietert (Hrg.): Kapitalmarkt, Unternehmensfinanzierung und rationale Entscheidungen, Springer, 2006, ISBN 978-3-540-27691-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leif Steinhauer: Die Objektivierung des kapitalmarktorientierten Value Reporting. 1.Auflage Band 13, Lohmar Köln Eul Verlag, S.10 ff, 2007
  2. Horst Gischer, Bernhard Herz, Lukas Menkhoff: Geld, Kredit und Banken. 3. Auflage. Berlin 2012. S. 30. (online)
  3. Anja Benker: Vor- und Nachteile einer kapitalmarktorientierten Unternehmensführung. Diplomica Verl. Hamburg 2008. S. 9 ff.
  4. Edwin O Fischer: Finanzwirtschaft für Anfänger. 4.Auflage. München; Wien: Oldenbourg, S.178 ff., 2005
  5. Holger von Daniels: Private equity secondary transactions : Chancen und Grenzen des Aufbaus eines institutionalisierten secondary market. 1.Auflage. Wiesbaden : Deutscher Universitäts-Verlag, 2004. S.78 ff.
  6. Leif Steinhauer: Die Objektivierung des kapitalmarktorientierten Value Reporting. 1.Auflage Band 13, Lohmar Köln Eul Verlag, S.11 ff, 2007
  7. Werner Ehrlicher: Kompendium der Volkswirtschaftslehre. 5.Auflage, Goettingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 1975, S.386
  8. Armin Varmaz: Rentabilität im Bankensektor Identifizierung, Quantifizierung und Operationalisierung werttreibender Faktoren. 1.Auflage. Wiesbaden Dt. Univ.-Verl. 2006, S.20 ff.
  9. Anja Benker: Vor- und Nachteile einer kapitalmarktorientierten Unternehmensführung. Hamburg: Diplomica Verl. 2008, S.8 ff.