Kapitell

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Das Kapitell (auf der letzten Silbe zu betonen, von lat. capitellum „Köpfchen“ zu caput „Kopf“), früher auch Kapitäl genannt, ist der obere Abschluss einer Säule, einer Ante, eines Pfeilers oder eines Pilasters.

Florale Kapitellverzierung an der evangelischen Ringkirche, Wiesbaden

Das Kapitell ist plastisch deutlich ausgeformt. Es ist ein wichtiges ornamentales Element und meist floral, mit Voluten, oder figurativ ausgeführt. Im Laufe der Geschichte haben sich vielfältige Ausformungen der Kapitelle entwickelt, die die Stilkunde untersucht. Die Überleitung vom Rund der Säule zur quadratischen Deckplatte ist das formale Grundthema des Säulenkapitells.

In der griechischen Architektur werden die Kapitelle in drei Haupttypen unterteilt, die in der Säulenordnung festgelegt sind: das dorische, ionische und korinthische Kapitell.

Liste Kapitellarten[Bearbeiten]

Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

A[Bearbeiten]

  • Adlerkapitell: Kapitell mit Adlern, vorwiegend in der romanischen Baukunst. Häufig aus vier an den Kapitellecken stehenden Adlern gebildet. [1]
  • Achämenidisches Kapitell: siehe persisches Kapitell
  • Ägyptisches Kapitell: sind Lotuskapitell, Lilienkapitell, Papyruskapitell und Zeltstangenkapitell.
  • Akanturkapitell
  • Akanthuskapitell: siehe Korinthisches Kapitell, siehe auch Akanthus
  • Antenkapitell: siehe Antenkapitell
  • Äolisches Kapitell: Das Äolische Kapitell ist nach der griechischen Küstenlandschaft Äolien benannt, in der das äolische Kapitell hauptsächlich vorkommt. Es handelt sich dabei um die Urform des ionischen Kapitells. Das Kapitell besteht aus einem Kranz herabhängender Blätter mit einem Blattknauf. Darauf liegen zwei nach oben ausgerichtete Voluten. Zwischen den Voluten wächst eine Palmette heraus.
  • Antikes Kapitell: Das ist der Sammelbegriff für alle Kapitelle der Griechen und Römer. Dazu gehören das äolische Kapitell, das Antenkapitell, das dorische Kapitell, das ionische Kapitell, das korinthische Kapitell und das Kompositkapitell

B[Bearbeiten]

  • Bilderkapitell: siehe Figurenkapitell
  • Blattkapitell: Ein mit stilisierten oder auch naturgetreuen Blättern versehenes Kapitell wird Blattkapitell genannt. An antiken Kapitellen finden dabei beispielsweise Akanthusblätter Verwendung (siehe korinthisches Kapitell). Dieses Kapitell wurde in stilistischen Abwandlungen von der romanischen Baukunst übernommen. Heimische Blattformen wie Ahornblätter, Eichenblätter, Efeublätter und Weinblätter wurden zuerst naturgetreu später immer stärker stilisiert in der Gotik verwendet. Auch eine Mischform mit Blüten findet sich bei den Mittelalterlichen Kapitellen. In der Renaissance, im Barock und im Klassizismus wurde wieder die klassische Form des korinthischen Kapitells mit Akanthusblättern verwendet.
  • Blütenkapitell: Typische Blütenkapitelle sind das ägyptische Lotuskapitell, Lilienkapitell und Papyruskapitell. Im Mittelalter kommen Blüten auch in Kapitellen vor, jedoch immer vermischt mit Blättern. Diese Mischform wird Blattkapitell genannt.
  • Byzantinisches Kapitell

D[Bearbeiten]

  • Doldenkapitell: Ein Blütenkapitell bei dem die Blütenblätter geöffnet sind wird Doldenkapitell genannt. Diese Kapitelle sind weit ausladend.
  • Doppelwürfelkapitell: Beim Doppelwürfelkapitell liegen je zwei Halbkreisbögen an jeder der Seitenflächen nebeneinander.
  • Dorisches Kapitell: Der Aufbau eines Dorischen Kapitells ist vom Säulenschaft beginnend eine Kerbe, der Säulenhals (Hypotrachelion), die Riemchen oder Ringe (Anuli), das eigentliche Kapitell, welches mit einem Wulst bzw. Polster (Echinus) auf der Säule aufliegt, und als Abschluss die quadratische Deckplatte (Abakus). Siehe auch: Dorische Ordnung.

F[Bearbeiten]

  • Faltenkapitell: romanisches Kapitell
  • Figurenkapitell, Figürliches Kapitell: Bei dieser auch Bilderkapitell genannten Kapitellform sind Menschen, Tiere und auch Fabelwesen abgebildet. Diese Figuren sind teilweise auch zu ganzen Szenen vereint, oft ist eine ganze Legende auf den Kapitellen einer Bogenreihe dargestellt. Diese schon in der Spätantike vorkommende Kapitellform ist jedoch vor allem in der romanischen Baukunst in Frankreich seit ca. 1100 zu finden.

H[Bearbeiten]

I[Bearbeiten]

  • Ionisches Kapitell: mit zwei Spiralen im Kapitell, den Voluten. Siehe auch: Ionische Ordnung.
    • ... klassische Form
    • ... mittelalterliche Form
    • ionisches Renaissance-Kapitell

K[Bearbeiten]

  • Kämpferkapitell
  • Kelchblockkapitell: der untere Teil des Kapitells in Kelchform (d.h. nach oben konisch sich verbreiternd), der obere Teil als quadratischer Block ausgebildet romanisches Kapitell
  • Kelchkapitell nach oben konisch sich verbreiterndes Kapitell, in der Regel durchgehend rund, die Überleitung ins Quadrat erfolgt erst mit der Deckplatte.
  • Knollenkapitell
  • Knospenkapitell: Kapitell mit Blattknospen, typische Form der Frühgotik, meist in schlanker Kelchform; (frz. chapiteau à crochets).
  • Kompositkapitell: Aus verschiedenen, ursprünglich nicht zusammengehörenden Teilen bestehendes Kapitell. Ein Kapitell, das aus zwei Teilen besteht. Z.B.: Ein korinthisches Kapitell, auf das ein ionischer Abschluss aufgesetzt wurde. Es kam erst bei den Römern auf, hilft daher bei der Unterscheidung griechischer und römischer Säulen.
  • Korbkapitell Kapitell mit geflochtenen Bändern, byzantinisch
  • Korinthisches Kapitell: siehe auch Korinthische Ordnung
    • Vorstufe: Als Vorstufen des korinthischen Kapitells werden entweder Doppelvoluten-Kapitelle oder ionische Halsmantelkapitelle angesehen. Die Verbreitung der ältesten korinthischen Kapitelle auf der Peloponnes legen einen Bezug zu den gleichfalls peloponnesischen Doppelvoluten-Kapitellen nahe.
    • ... klassische Form: Den Kapitellkörper, Kalathos genannt, umgeben zwei versetzt angeordnete, unterschiedlich hohe Kränze aus je acht stilisierten Akanthusblättern. Aus den Eckblättern entwickeln sich sog. Caules, die jeweils zwei unterschiedlich stark gebildete Pflanzenstängel entlassen. Der kräftigere, Volute genannte Stängel wächst der Abakusecke entgegen, während der kleinere, Helix genannte Stängel sich zur Mitte der jeweiligen Ansichtfläche des Kapitellkörpers wendet. Die Voluten stützen gleichsam den Abakus, dessen Seitenflächen konkav geschwungen sind. Eine Rosette oder Abakusblume ziert die Mitte jeder der vier Abakusseiten.
    • ... mittelalterliche Form

L[Bearbeiten]

  • Lilienkapitell
  • Lotosknospenkapitell

M[Bearbeiten]

  • Mukarnaskapitell

N[Bearbeiten]

  • Nabatäisches Kapitell

O[Bearbeiten]

  • Ochsenkopfkapitell

P[Bearbeiten]

  • Palmenkapitell: ägyptisches Kapitell
  • Palmetten-Papyrus-Kapitell: ägyptische Kapitell Das Kapitell zeigt abwechselnd spitz zulaufende Palmwedel und kleine geschlossene Papyrusdolden. Das ganze war farblich gegeneinander abgesetzt. Dieses Kapitell ist im Tempel von Philae zu finden.
  • Papyruskapitell: ägyptisches Kapitell Papyruskapitell ist der Sammelbegriff für alle ägyptischen Kapitelle, bei denen der Papyrus nachgebildet ist.
    • Papyrusdoldenkapitell: ägyptisches Kapitell
    • Papyrusknospenkapitell: ägyptisches Kapitell
    • Palmetten-Papyrus-Kapitell: ägyptische Kapitell Das Kapitell zeigt abwechselnd spitz zulaufende Palmwedel und kleine geschlossene Papyrusdolden. Das ganze war farblich gegeneinander abgesetzt. Dieses Kapitell ist im Tempel von Philae zu finden.
  • Persisches Kapitell: Typisch für das persische Kapitell, welches auch achämenidisches Kapitell genannt wird, sind die Darstellungen von Tieren mit zwei Köpfen. Meistens sind dies Löwen oder Stiere aber auch Tiermenschen. Die Wissenschaft konnte die Bedeutung dieser doppelköpfigen Wesen noch nicht endgültig klären.
  • Pfeifenkapitell: romanisches Kapitell mit mehreren röhren- oder pfeifenartigen Gliederungen.
  • Pilasterkapitell: Ein Kapitell eines Pilasters. Ein Pilaster ist ein flacher Wandpfeiler mit Basis und Kapitell.
  • Pilzkapitell: Ein romanisches Kapitell, das nur in der Ottonischen Zeit verwendet wurde, weil es keine sich anbietende Möglichkeit gab, es weiter zu entwickeln. Das Pilzkapitell besteht aus einem Abakus, dem charakteristischen Pilzhut und einer darunter befindlichen Krempe.
  • Polsterkapitell romanisches Kapitell, aus dem Würfelkapitell entwickelt, wobei das Kapitell kissenartig verdickt ist. Besonders im Wormser Dom und seiner Nachfolge verbreitet.

R[Bearbeiten]

S[Bearbeiten]

  • Schildkapitell: romanisches Kapitell Das Schildkapitell ist ein frühromanisches Würfelkapitell, bei dem die ebenen senkrechten Flächen mit leicht profilierten halbkreisförmigen Schilden versehen sind. Es findet sich hauptsächlich in der Lombardei, weshalb es auch lombardisches Kapitell genannt wird.
  • Stalaktitenkapitell kommt in der islamischen Baukunst vor.
  • Sistrumkapitell: ägyptisches Kapitell
  • Sofa Kapitell

T[Bearbeiten]

  • Tellerkapitell
  • Toskanisches Kapitell
  • Trapezkapitell
  • Tschakra Kapitell von Indischen Gedenksäulen

V[Bearbeiten]

  • Volutenkapitell

W[Bearbeiten]

Z[Bearbeiten]

  • Zeltstangenkapitell: ägyptisches Kapitell. Das Zeltstangenkapitell ist ein äußerst selten zu findendes Kapitell der ägyptischen Baukunst. Die Glockenform des Kapitells ähnelt dem glockenförmigen Aufsatz auf den Zeltstangen, woher es seinen Namen hat. Zeltstangenkapitelle wurden nur in der 18. Dynastie in Karnak und Theben errichtet.
  • Zungenblattkapitell: romanisches Kapitell
  • Ziegelwürfelkapitell: Das Ziegelwürfelkapitell sieht aus wie ein Trapezkapitell und ist aus an den Kanten abgeschliffenen Ziegelsteinen hergestellt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kapitell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Nothnagel: Adlerkapitell, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 1, Stuttgart 1933, Sp. 180-188