Kappendecke

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Kappendecke in historischer Werkstatt von 1890
Segmentbogentonne

Eine Kappendecke (auch Preußische Kappendecke oder Berliner Gewölbe, in Österreich Platzl bzw. Platzldecke [1] genannt) ist eine Deckenkonstruktion, die aus sich wiederholenden flachen Segmenttonnengewölben besteht.

Zwei parallele Doppel-T-Träger aus Stahl bilden die Widerlager. Gelegentlich wurden auch ausgemusterte Eisenbahnschienen verwendet. Dazwischen liegen die „Kappen“, flache Segmenttonnen. Die Stichhöhe beträgt üblicherweise weniger als 15 % der Breite. Die Gewölbe bestehen aus Ziegelsteinen oder Beton.

Verwendung[Bearbeiten]

Preußische Kappen wurden seit und vor allem im 19. Jahrhundert als statisches System für Geschossdecken in Wohngebäuden, Keller- und Stallgebäuden und in Industriegebäuden verwendet. Kappendecken wurden besonders in Räumen mit hoher Belastung wie in Fabriketagen, Werkhallen, aber auch als Kellerdecken in feuchter Umgebung, weil Holzdecken hier verfaulen würden, eingesetzt. Da sie aus mineralischen Baustoffen (Ziegel und Mörtel) und aus Eisen bestehen, haben sie gegenüber Holzbalkendecken neben der höheren Haltbarkeit in feuchter Umgebung auch den Vorteil einer höheren Feuerfestigkeit, wenn die offen liegenden Unterflansche der Träger hinreichend dick verputzt sind. In der Landwirtschaft sind sie bei Stallgebäuden anzutreffen. Kappendecken wurden nach und nach von Betondecken (Ortbeton oder Betonfertigdecken) seit den 1930er Jahren verdrängt.

Statische Schwäche[Bearbeiten]

Eine statische Schwachstelle der Kappendecke sind die Endfelder vor den Abschlusswänden. Im Allgemeinen sind die Stahlträger der Kappen in der Nähe der Endfelder nicht durch Zugstangen verbunden. Aus diesem Grunde finden sich im letzten Deckenfeld vor der Abschlusswand parallel zu den Trägern häufig Risse im Scheitel der Kappe. Die Horizontalkräfte der flachen Gewölben müssen durch den Gegendruck der Außenwände aufgefangen und abgeleitet werden. Reicht die Auflast nicht, weicht die Außenwand horizontal aus – das Gewölbe bricht. In jüngster Zeit häufen sich Bauschäden durch Korrosion der Eisenträger. Ist der Träger durchgerostet, was bei den inzwischen über 100 Jahre alten Kappendecken nicht selten vorkommt, können ganze Deckensegmente herunterbrechen. Die fachgerechte Sanierung von Kappendecken ist mit relativ hohen Kosten verbunden, da die schadhaften Träger mit zusätzlichen Stahlträgern abgefangen und die Widerlager angestemmt werden müssen.

Berechnung[Bearbeiten]

Das Stichmaß S der Wölbung soll größer oder gleich einem Zehntel bis einem Zwölftel der Länge L des Bogens sein.[2]

S \ge \frac {1} {10} L

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christof Riccabona: Baukunstruktionslehre 1, 7. Auflage, Wien 2004, S. 231, ISBN 3-7068-1848-5
  2. Otto Lueger (Hrsg.): Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Band 4, Stuttgart und Leipzig 1904, S. 498