Kara-Klasse

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Projekt 1134B
Projekt-1134B-Kreuzer Kertsch, 2012

Projekt-1134B-Kreuzer Kertsch, 2012

Schiffsdaten
Schiffsart Kreuzer
Bauwerft Werft 61 Mykolajiw
Bauzeitraum 1968 bis 1976
Gebaute Einheiten 7
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
173,4 m (Lüa)
Breite 18,5 m
Tiefgang max. 5,74 m
Verdrängung Planung: 6.700 t

Einsatz: 8.565 t

 
Besatzung 380 Mann
Maschine
Maschine 2 × Gasturbinen
Maschinen-
leistung
2 × 60.000 PS (44.130 kW)
Geschwindigkeit max. 32 kn (59 km/h)
Propeller 2
Bewaffnung
  • 6 × 4 SA-N-6-Vertikalstarter, insgesamt 24 Flugkörper (nur Asow)
  • 2 × SA-N-3-Zwillingstarter, insgesamt 72 Flugkörper (Asow nur ein Zwillingsstarter mit 36 FK)
  • 2 × SA-N-4-Zwillingstarter, insgesamt 40 Flugkörper
  • 2 × 4 85-R „Metel“/„Rastrub“ (SS-N-14 Silex) Startbehälter für Anti-U-Boot-Raketentorpedos
  • 2 × 2 AK-726 DP 76-mm-Mehrzweckgeschütze (Munitionsvorrat: 4800 Schuss)
  • 4 × 6 AK-630 30-mm-Gatling-Flugabwehrkanone (Munitionsvorrat: 8000 Schuss)
  • 2 × 12 RBU-6000-Wasserbombenwerfer (144 RGB-60)
  • 2 × 6 RBU-1000-Wasserbombenwerfer (60 RGB 10)
  • 2 × 5 Torpedorohre ∅ 53,3 cm

Projekt 1134B Berkut B (russisch Беркут Б, deutsch: Steinadler B), von der NATO als Kara-Klasse bezeichnet, ist eine Kreuzerklasse der sowjetischen und später der russischen Marine.

Einsatzprofil[Bearbeiten]

Diese Schiffsklasse ist für die U-Bootjagd konzipiert. Dafür ist sie mit einem Rumpfsonar und einem Tauchsonar (VDS) ausgestattet. Sie verfügen über U-Jagd-Raketenwerfer des Typs SS-N-14 Silex und über Wasserbombenwerfer der Typen RBU-1000 und RBU-6000. Gegen Luftziele sind sie mit verschiedenen Flugkörpern und Rohrwaffensystemen bewaffnet. Da die Schiffe nur über je einen Hubschrauber verfügen, sind ihre Einsatzmöglichkeiten begrenzt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Schiffe der Kara-Klasse entstanden als um etwa ein Drittel vergrößerte Versionen der Kresta-I- und Kresta-II-Klasse. Im Vergleich dazu verfügten die Schiffe der Kara-Klasse über verbesserte Fernmelde- und Führungseinrichtungen. Als Antrieb wurden Gasturbinen eingesetzt. Der Rumpf der Schiffe besteht aus verschweißtem Stahl, während die Aufbauten aus einer Aluminiumlegierung bestehen.[1] Gebaut wurden die Kriegsschiffe in einer Schiffswerft in Mykolajiw in der heutigen Ukraine. Der Serienbau wurde zu Gunsten der Slawa-Klasse abgebrochen.[2]

Antrieb[Bearbeiten]

Die Kara-Klasse verfügt – seinerzeit neuartig für große Kampfschiffe – über einen COGAG-Antrieb, eine Kombination aus Gasturbinen für Hochleistung und Gasturbinen für Marschfahrt. Vier Hauptturbinen GTU-12A zu je 20.000 PS[3] und zwei Marschturbinen M-5 zu je 8.000 PS ergeben eine zusammengeschaltete Maximalleistung von effektiv 92.000 PS für 32 kn Höchstfahrt. Die Seeausdauer mit den Marschturbinen beträgt 6.500–7.100 sm bei 18 kn, mit den Hauptturbinen 3.000 nm bei hoher Fahrt von über 30 kn.

Bauliche Unterschiede[Bearbeiten]

Spätere Schiffe haben einen zusätzlichen Vorbau vor der Brücke sowie andere Plattformen und Radome am Hauptmastturm. Die Kertsch erhielt 1988/89 das neue MR-700-Hauptsuchradar (NATO-Bezeichnung: „Flat Screen“), sie ist auch die einzige 2008 noch aktive Einheit. Die Petropawlowsk hat einen höheren Hangar für den Hubschraubertyp Ka-27 Helix und zusätzliche ECM-Anlagen an dessen Seiten statt der hier fehlenden RBU-1000-Werfer. Sie verfügt auch über den UPK-5-„Rastrub“-Raketentorpedo statt des UPRK-3 „Metel“ wie in den anderen Einheiten. Die Kertsch wurde angeblich auch mit UPK-5 „Rastrub“ nachgerüstet. Die Asow weicht als Versuchsschiff für das SA-N-6-Grumble-System im Achterschiff erheblich ab und verfügt auch nur über Zwillings-Torpedorohrsätze, während die anderen Einheiten Fünffach-Torpedorohrsätze hatten.

Schiffe des Projekts 1134B[Bearbeiten]

Die Kertsch (1986)

Nikolajew[Bearbeiten]

Die Nikolajew (russisch: Николаев) wurde am 25. Juni 1968 auf Kiel gelegt und lief am 19. Dezember 1969 vom Stapel. Sie wurde 1971 in Dienst gestellt und am 29. Dezember 1992 außer Dienst gestellt, 1994 verschrottet.

Otschakow[Bearbeiten]

Die Otschakow (russisch: Очаков) wurde am 19. Dezember 1969 auf Kiel gelegt und lief am 30. April 1971 vom Stapel. Sie wurde 1973 in den Dienst der Schwarzmeerflotte gestellt und am 22. August 2011 aus der Flottenliste gestrichen.[4] Am 6. März 2014 wurde sie von den russischen Streitkräften in der Einfahrt des ukrainischen Marinestützpunkts Nowooserne (Krim) versenkt, um die Einfahrt zu blockieren.[5]

Kertsch[Bearbeiten]

Als Kertsch (russisch: Керчь) wurde das dritte Schiff der Klasse am 30. April 1971 auf Kiel gelegt und lief am 21. Juli 1972 vom Stapel. Sie wurde der Schwarzmeerflotte zugeteilt und steht noch im Dienst. Am 3. November 2014 wurde bekannt, dass das Schiff im Hafen von Sevastopol in Brand geriet.[6] Über die Ursachen wurde nicht bekannt.

Asow[Bearbeiten]

Die Asow (russisch: Азов) wurde am 21. Juli 1972 auf Kiel gelegt und lief am 14. September 1973 vom Stapel. Auch sie war Teil der Schwarzmeerflotte, diente aber zudem als Versuchsschiff für das SA-N-6-Flugabwehrraketensystem. Sie wurde am 28. Dezember 1998 ausgemustert und von 1999 bis 2000 in Sewastopol verschrottet.

Petropawlowsk[Bearbeiten]

Mit dem Namen Petropawlowsk (russisch: Петропавловск) wurde das fünfte Schiff der Klasse am 9. September 1973 auf Kiel gelegt und lief am 22. November des folgenden Jahres vom Stapel. Sie diente in der Pazifikflotte und war, neben anderen Schiffen, 1983 an der Suche nach der Absturzstelle von Korean-Airlines-Flug 007 beteiligt, bevor sie 1996 zur Verschrottung verkauft wurde.

Taschkent[Bearbeiten]

Die Taschkent (russisch: Ташкент) wurde am 22. November 1974 auf Kiel gelegt und lief am 5. November 1975 vom Stapel. Sie war Teil der Pazifikflotte, bis sie 1994 zur Verschrottung verkauft wurde.

Wladiwostok[Bearbeiten]

Als Tallinn (russisch: Таллин) wurde das Schiff am 5. November 1975 auf Kiel gelegt und lief am 5. November des folgenden Jahres vom Stapel. Sie war Teil der Schwarzmeerflotte, wurde 1990 in Wladiwostok (russisch: Владивосток) umgetauft und schließlich 1994 zur Verschrottung freigegeben.

Belege und Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A.S. Pavlov: Warships of the USSR and Russia 1945-1995 (Voenye korabli SSSR i Rossii, 1945-1995), Annapolis/London 1997, ISBN 1-86176-039-6.
  • A.I. Sorokin, W. N. Krasnow: (Russische) Kriegsschiffe in der Erprobung. Berlin 1989, ISBN 3-327-00764-0.
  • W.P. Sablozki: Großes U-Boot-Abwehrschiff „Nikolaew“ (Projekt 1134B). Morskaja Kolekzia Band 5/2006, Moskau 2006 (russisch).
  • Norman Polmar: The Naval Institute Guide to the Soviet Navy. Annapolis 1986, 5. Aufl. 1991, ISBN 0-87021-241-9.
  • Siegfried Breyer: Handbuch der Warschauer-Pakt-Flotten. Jetzt: Handbuch der osteuropäischen Marinen. Koblenz/Bonn 1983–1996, ISBN 3-7637-4901-2 (Gesamtwerk zur Fortsetzung).
  • Ulrich Schulz-Torge: Die sowjetische Kriegsmarine. Band 1/2, Bonn 1976, ISBN 3-8033-0243-9 und Band 3, Bonn 1981, ISBN 3-8033-0301-X.
  • Claude Huan: La Marine Soviétique. Nantes 2002, ISBN 2-909675-86-6.
  • С.С. Бережной: Советский ВМФ 1945–1995 Крейсера – большие противолодочные корабли, эсминцы. (etwa: S.S. Bereschnoi: Sowjetische Marine 1945–1995. Kreuzer, große U-Jagdschiffe, Zerstörer.) Moskau 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kara-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Schulz-Torge: Die sowjetische Kriegsmarine. Band 1, Bonn 1976, ISBN 3-8033-0243-9, S. 104ff.
  2. Siegfried Breyer: Handbuch der Warschauer-Pakt-Flotten. Jetzt: Handbuch der osteuropäischen Marinen. Koblenz/Bonn 1983–1996, ISBN 3-7637-4901-2 (Gesamtwerk zur Fortsetzung), Zf 34.04.
  3. Nach aktuellen russischen Quellen, im Westen werden immer noch höhere Zahlen genannt
  4. FLOT.com: Противолодочный корабль "Очаков" выведен из состава ЧФ (22. August 2011). Gesichtet am 22. August 2011.
  5. Russia Sinks Own Warship? The Maritime Executive, 6. März 2014, abgerufen am 22. März 2014 (englisch).
  6. Brand der Kertsch