Kardinalsystem

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Östliche Kardinaltonne in British Columbia
Westliches Kardinal­zeichen vor Marseille
Kennzeichnung von Gefahrenstellen mit kardinalen Seezeichen
Einzelgefahrzeichen in analoger Gestaltung

Mit Kardinalsystem bezeichnet man in der Schifffahrt ein System zur Kennzeichnung von Hindernissen oder Untiefen mittels richtungsbezeichnender Seezeichen. Dabei werden Tonnen (auch Untiefentonnen, Kardinaltonnen, Wracktonnen oder Gefahrentonnen genannt), Baken oder einfache Stangen verwendet. Die Kennzeichnung von Fahrwassern mit einer seitlichen Betonnung erfolgt nach dem Lateralsystem.

Der Bereich um das Hindernis wird in vier Quadranten aufgeteilt, die jeweils einer Himmelsrichtung entsprechen. Der jeweilige Quadrant wird durch eine Kardinaltonne markiert, deren Kennzeichnung angibt, wo sie relativ zum Hindernis liegt und an welcher Seite sie also zu passieren ist. In der Praxis ist zu beachten, dass nicht alle vier Quadranten bezeichnet sein müssen, meist sogar nur einer der Quadranten bezeichnet ist.

Gestaltung und Befeuerung[Bearbeiten]

Kardinale Seezeichen haben als Toppzeichen zwei Kegel und sind waagerecht in den Farben Schwarz und Gelb gestreift. Als Befeuerung können Kardinaltonnen ein weißes Funkelfeuer mit 60 Blitzen pro Minute (Abkürzung: Q - quick) oder schnelles Funkelfeuer mit 120 Blitzen pro Minute (Abkürzung: VQ - very quick) tragen. Die Lichtintervalle geben ebenfalls den Quadranten an. Die Kennung der Tonne im Nordquadranten ist ein nicht unterbrochenes Funkelfeuer; die Lichtzeichen der Tonnen der übrigen Quadranten entsprechen den Ziffern auf einer Uhr. Der Kennung für den Südquadranten wird zur Hervorhebung ein zusätzlicher Blink beigefügt. Zur besseren Unterscheidung werden nahe beieinander liegende Hindernisse abwechselnd mit Q oder VQ befeuert.

  • Norden: schwarz-gelb; beide Kegel zeigen nach oben (quasi nach Norden), ununterbrochenes Funkellicht
  • Osten: schwarz-gelb-schwarz; beide Kegel stehen mit der Basis zueinander (optisch wie der Buchstabe "O" für Osten), Gruppen von 3 Blitzen
  • Süden: gelb-schwarz; beide Kegel zeigen nach unten (quasi nach Süden), Gruppen von 6 Blitzen und ein Blink
  • Westen: gelb-schwarz-gelb; beide Kegel stehen mit der Spitze zueinander (optisch wie der um 90° rotierte Buchstabe "W" für Westen), Gruppen von 9 Blitzen.[1]

Kegel und Farben korrespondieren so, dass die Kegel in Richtung des Schwarz zeigen (nach oben, außen, unten oder innen).

In Anlehnung an diese charakteristische Form mit zwei Toppzeichen und die Befeuerung mit Gruppen von weißen Blinks sind auch die ebenfalls der Kennzeichnung von Schiffahrtshindernissen dienenden Einzelgefahrzeichen gestaltet, allerdings mit zwei schwarzen Bällen als Toppzeichen, Gruppen von zwei Blinks und außerdem mit horizontalem roten anstatt gelbem Streifen.[2].

Neue Gefahrenstellen[Bearbeiten]

Bei neuen Gefahrenstellen wird mindestens eines der Seezeichen doppelt auslegt und gegebenenfalls mit einer Radarantwortbake der Kennung „D“ versehen.[3]

sehr selten: alle vier Kardinalzeichen um ein Hindernis (British Columbia)


Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kardinaltonnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anlage I der SeeSchStrO, Abschnitt I - Sichtzeichen, Nr. B.15 „Gefahrenstellen“
  2. International Association of Lighthouse Authorities: International Bouyage System (PDF; 160 kB), S. 2, abgerufen am 21. Oktober 2012
  3. Anlage I der SeeSchStrO, Abschnitt I - Sichtzeichen, Nr. B.15 f) „Neue Gefahrenstellen“