Karibik-Languste

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Karibik-Languste
Karibik-Languste (Panulirus argus)

Karibik-Languste (Panulirus argus)

Systematik
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Unterordnung: Pleocyemata
Teilordnung: Achelata
Familie: Langusten (Palinuridae)
Gattung: Panulirus
Art: Karibik-Languste
Wissenschaftlicher Name
Panulirus argus
(Latreille, 1804)

Die Karibik-Languste (Panulirus argus) ist ein Zehnfußkrebs aus der Familie der Langusten. Sie ist im Ostatlantik von Brasilien bis North Carolina sowie in der Karibik und im Golf von Mexiko heimisch. Ihr Hinterleib ist Lebensmittel, weshalb sie in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet befischt wird.

Merkmale[Bearbeiten]

Die maximale Körperlänge dieser Langustenart beträgt bis zu 45 Zentimeter, in der Regel erreichen sie eine Körperlänge von 20 Zentimeter.[1] Der Carapax ist etwa zylindrisch und mit vielen Stacheln und Knötchen von unterschiedlicher Größe bedeckt. Die Frontalhörner sind stark ausgeprägt, scharf und deutlich gebogen. Der vordere Rand des Carapax ist glatt und ohne ein Rostrum. Die Antennen sind lang und steif. Die kleineren Antennulen sind eher fein. Ihre Flagella sind länger als ihre Stiele. Zwischen den Basen der Antennen befinden sich zwei deutliche Stachel. Das Abdomen und der Schwanzfächer ist vergleichsweise kräftig. Jedes Tergit des Abdomens ist durch eine vollständig querverlaufende Vertiefung geteilt. Der Dactylus der Schreitbeine ist behaart. Die Endopoditen der Pleopoden sind bei Weibchen stärker entwickelt als bei Männchen sowie hakenförmig und mit Borsten versehen.[2][3] Bei Männchen ist das Sternum eher breiter und ohne einer Riffelung, die man bei Weibchen vorfindet. Das zweite Paar der Schreitbeine ist bei Männchen das längste Beinpaar. Bei Weibchen befinden sich kleine Chela am fünften Schreitbeinpaar.[3]

Karibik-Langusten können unterschiedliche Färbungen besitzen. Meist sind sie fleckig grünlich purpurn, oder auch hellbraun, rötlich oder bläulich. Auf dem ersten und letzten abdominalen Segment befinden sich jeweils seitlich, deutlich weiße bis gelbe Punkte. Zusätzlich können weitere kleinere Punkte auf allen Segmenten vorkommen. Der Schwanzfächer hat einen dunkel roten bis braunen hinteren Rand. Alle Schreitbeine tragen helle und dunkle, längs verlaufende Linien. Die Pleopoden sind hell orange bis schwarz.[2][3]

Charakteristische Merkmale der Karibik-Languste sind die vier weißen Punkte auf dem Abdomen sowie der rötlich-braune hintere Rand des Schwanzfächers. Somit lassen sie sich von den ähnlichen Arten Königslanguste (Panulirus regius) und Braune Languste (Panulirus echinatus) relativ leicht unterscheiden.[2]

Ökologie[Bearbeiten]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die Karibik-Languste ist im Westatlantik an den Küsten Nord- und Südamerikas, sowie in der Karibik und im Golf von Mexico heimisch. Die nördliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes liegt etwa bei North Carolina, das südliche bei Brasilien.[1] Im Ostatlantik sind zwei Funde an der Elfenbeinküste belegt. Eine Etablierung einer Population wurde dort jedoch nicht beobachtet.[2] Verbreitet ist die Karibik-Languste auch bei Kap Verde.[4]

Jede Phase ihres Lebenszyklus hat einen charakteristischen Lebensraum. So leben die Karibik-Languste als Phyllosoma-Larve planktisch im Epipelagial bei relativ konstanter Temperatur und Salinität. Als noch frei schwimmende Postlarve besiedeln Karibik-Langusten ein breites Spektrum von Habitaten, meist im Uferbereich oder in Ästuaren, aber stets in mit Seegras oder Algen stark bewachsenen Uferzonen. Speziell Algen der Gattung Laurencia scheinen für Postlarven der Karibik-Langusten wichtig. Die ersten benthischen Stadien verbringen diese Langusten im Flachwasser zwischen Seegras und Algen. Mit etwa zwei Jahren migrieren sie in etwas tiefere Zonen. Adulte Karibik-Langusten leben im Fleckenriff, Korallenriff oder in anderen Habitaten mit festem bzw. felsigem Untergrund in Meerestiefen von maximal 90 Meter. Dort suchen sie sich Verstecke zwischen oder unter Felsen bzw. Riffen. Karibik-Langusten leben typischerweise in Gewässern, deren durchschnittliches Minimum der Wassertemperatur 20 °C je Monat überschreitet. Optimales Wachstum erfolgt bei Temperaturen von 26 bis 28 °C. Eine Salinität von unter 16 ppt wird nicht mehr toleriert.[3][1]

Die Karibik-Languste migriert saisonal, sie begibt sich im Herbst und Winter in tiefere Gewässer. Dabei kann es zu Massenmigration kommen, bei der die Langusten hintereinander laufen und mit den Antennen zu ihrem vorderen Artgenossen Kontakt halten.[3]

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Phyllosoma-Larve, dorsal, nach Ernst Haeckel

Die Phyllosoma-Larve, der charakteristische Larventyp der Achelata, ist dorsoventral abgeflacht und hat einen zweilappigen Cephalothorax. Die Glieder sind lang und behaart, um das Schweben zu unterstützen. Durch schlagen der Exopoditen der Beine können sie schwimmen. Nachts schwimmen Larven zur Wasseroberfläche, während sie tagsüber etwas absinken. Insgesamt gibt es 11 Phyllosoma-Larvenstadien, während der die Larve von 2 auf 34 Millimeter Gesamtlänge anwächst. Nach 6 bis 12 Monaten erfolgt eine Metamorphose und das Postlarvenstadium (Puerulo-Larve) wird erreicht. In jenem Stadium sind die Larven weiterhin dorsoventral abgeflacht sowie durchsichtig und der Carapax ist noch nicht calzifiziert. Puerulo-Larve schwimmen in Küstennähe nur wenige Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche. Dieses Stadium dauert einige Wochen, während derer die Larve nicht frisst. Karibik-Langusten gehen anschließend in eine benthische Lebensweise über, typischerweise auf mit Algen, Mangroven oder Seegras bewachsenem Meeresboden. Einige Tage bevor sie sich häuten, um das erste juvenile Stadium zu erreichen, zeigen sie erstmals Anzeichen einer Pigmentation. Juvenile sind fleckig gefärbt, mit Bändern und Streifen versehen, um eine Tarnung zu gewährleisten. Junge Juvenile sind Einzelgänger und verhalten sich gegenüber Artgenossen aggressiv. Mit zunehmender Größe werden sie geselliger. Diese Verhaltensänderung scheint jedoch zumindest teilweise abhängig von der Verfügbarkeit von Verstecken.[3]

Nach einem Jahr sind Karibik-Langusten im Mittel 5 Zentimeter lang. Anschließend wachsen sie pro Jahr etwa 2,5 Zentimeter. Weibchen wachsen etwas langsamer als Männchen. Häutungen erfolgen im Mittel 2,5 mal pro Jahr, meist im März bis April und zwischen Dezember und Februar. Häutungsfrequenz und Längenzunahme nimmt mit dem Alter ab. Die Nahrungsqualität, Populationsdichte, Wassertemperatur und Verletzungen haben direkten Einfluss auf das Wachstum.[3]

Karibik-Langusten erreichen Geschlechtsreife bei einer Länge von 7 bis 8 Zentimetern. Die Begattung erfolgt nach kurzer Balz, bei der beide Geschlechter Signale aussenden. Bei Kopulation überträgt das Männchen die Samenpakete, die das Weibchen an ihr Sternum heftet. Die Samenpakte verbleiben dort bis zu einem Monat. Das Weibchen laicht, in dem sie ihr Abdomen unter den Carapax schlägt und die Eier an den Samenpakten vorbeiführt, um sie so extern zu befruchten. Die Zahl der Eier ist abhängig von der Größe des Weibchens. Bei einer Körperlänge von etwa 7,5 Zentimeter beträgt die Zahl der Eier ca. 230.000; bei einer Körperlänge von 38 Zentimeter 2.6 Millionen. Eier sind hell orange und haben eine Durchmesser von etwa 0,5 Millimeter. Sie werden an den Pleopoden befestigt, wo sie bis zu drei Wochen verbleiben. Einige Tage bevor die Larven schlüpfen sind die Eier dunkel braun. Die Karibik-Languste schlüpft als durchsichtige Pyllosoma-Larve. Während des Schlupfs unterstützt das Weibchen das Auseinandertreiben der Larven durch wiederholtes Beugen des Abdomens. In der Karibik kann etwa eine Woche nach dem Schlupf ein zweites Laichen, allerdings mit weniger Eiern als beim ersten Mal, beobachtet werden. Weibchen häuten sich meist direkt nach dem Schlupf ihrer Eier.[3]

Ernährung und Prädatoren[Bearbeiten]

Die Ernährung der Phyllosoma-Larve ist kaum bekannt. In Kultur fressen sie Pfeilwürmer, Krill, Fischlarven und Rippenquallen. Als benthische Juvenile und Adulte sind sie Jäger und meist der dominante Karnivore ihres Habitats. Beute sind diverse Lebewesen, darunter Schnecken, Muscheln, Krebstiere, Ringelwürmer und Stachelhäuter sowie Käferschnecken und Aas. Organismen mit Schale werden mit den Beinen aufgegriffen und mit den kräftigen Mandibeln aufgebrochen oder geschält.[3][5]

Die Karibik-Languste ist ihrerseits Beute, vor allem als Larve. Phyllosoma-Larven werden von diversen pelagischen Fischen gefressen. Ebenso die Puerulo-Larve und junge Juvenile, die außerdem Beute von anderen Krebsen oder Oktopoden sind. Prädatoren von älteren Karibik-Langusten sind u.a. Zackenbarsche, Haie, die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) und Oktopoden sowie Muränen.[3][5]

Nutzung und Gefährdung[Bearbeiten]

Zum Verkauf angebotene Abdomen der Karibik-Languste

Die Karibik-Languste ist die kommerziell wichtigste Languste aus der Gattung Palinurus in den amerikanischen Gewässern. Sie wird in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gefischt. Dies geschieht meist mit Fallen, aber auch per Hand oder Speer, sowie durch Trawler. Abdomen werden frisch verkauft oder gefroren sowie in Dosen exportiert.[1] 1996 betrug die Menge der Anlandungen insgesamt 37.723 Tonnen. Länder mit den größten Mengen waren damals Kuba mit 9.375 Tonnen, Brasilien mit 8.026 Tonnen und die Bahamas mit 7.938 Tonnen. Zwischen 1996 und 2010 schwankte die Menge der Anlandungen zwischen 30.000 und 40.000 Tonnen.[6]

Stellenweise wird diese Languste wohl überfischt. Zusätzlich ist eines von vier Tieren mit dem Panulirus argus Virus 1 (PaV1) infiziert, was für die Langusten tödlich ist. Somit nimmt die Population der Karibik-Langusten zumindest regional ab. In der Roten Liste der IUCN wird diese Langustenart nicht klassifiziert, weil ein Datendefizit vorliegt.[4][7]

Zur Bestandserhaltung ist die Befischung reglementiert. So dürfen Individuen mit einer Carapaxlänge von unter 69 Millimeter sowie Eier tragende Weibchen nicht angelandet werden. Zusätzlich ist das Fischen zwischen Februar und Mai verboten, während die Weibchen laichen.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  Lipke B. Holthuis, Food and Agriculture Organization (Hrsg.): Marine Lobsters of the World. An Annotated and Illustrated Catalogue of Species of Interest to Fisheries Known to Date (= FAO Fisheries Synopsis. 125). Rom 1991, ISBN 978-92-5-103027-1.
  2. a b c d  W. Fischer, G. Bianchi, W.B. Scott (Hrsg.): Eastern Central Atlantic Fishing Areas 34, 47 (in part). In: FAO Species Identification Guide for Fishery Purposes. Vol. 5, Rom 1981 (Link zum Volltext, abgerufen am 2. März 2013).
  3. a b c d e f g h i j K. Hill: Panulirus argus - Spiny Lobster. In: Smithsonian Marine Station at Fort Pierce. Abgerufen am 2. März 2013.
  4. a b c Panulirus argus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012. Eingestellt von: M. Butler, A. Cockcroft, A. MacDiarmid, R. Wahle, 2011. Abgerufen am 2. März 2013
  5. a b Caribbean Spiny Lobsters, Panulirus argus. MarineBio Conservation Society, abgerufen am 2. März 2013.
  6. Species Fact Sheets Panulirus argus. Food and Agriculture Organization of the United Nations, abgerufen am 2. März 2013 (englisch).
  7.  M.J. Butler, D.C. Behringer, J.D. Shields: Transmission of Panulirus argus virus 1 (PaV1) and its effect on the survival of juvenile Caribbean spiny lobster. In: Dis Aquat Organ. 79, Nr. 3, S. 173-182, doi:10.3354/dao01899.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karibik-Languste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien