Karl-Liebknecht-Straße (Berlin)

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Karl-Liebknecht-Straße
Wappen
Straße in Berlin
Karl-Liebknecht-Straße
Karl-Liebknecht-Straße mit Palasthotel
und Fernsehturm, 1981
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 15. Jahrhundert
Neugestaltet mehrfach, zuletzt in den 1990er Jahren
Hist. Namen (einzelne Abschnitte)
Am Kramhause,
Hinter der Badstube,
Papenstraße
(16. Jh. bis 1887),
Heinersdorfer Straße (um 1750–1788),
Prenzlauer Straße (1788–1969),
Kaiser-Wilhelm-Straße (1887–1947),
Liebknechtstraße (1947–1969)
Anschlussstraßen Prenzlauer Allee (Nordost),
Schloßplatz (Südwest)
Querstraßen (Auswahl)
Spandauer Straße,
Dircksenstraße,
Memhardstraße,
Alexanderstraße,
Hirtenstraße (westlich)
Plätze Schloßplatz,
Alexanderplatz
Bauwerke einige Bauwerke an dieser Straße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV
Technische Daten
Straßenlänge 1240

Die Karl-Liebknecht-Straße ist eine zentrale Hauptverkehrsstraße im Berliner Ortsteil Mitte. Die mehr als 1,2 Kilometer lange und von Südwest nach Nordost verlaufende Straße verbindet den Boulevard Unter den Linden mit der Prenzlauer Allee. In dem etwa 800 Meter langen Abschnitt bis zum Alexanderplatz ist sie Teil der Bundesstraßen 2 und 5. Den Namen Liebknechtstraße erhielt die damalige Kaiser-Wilhelm-Straße im Jahr 1945 nach Karl Liebknecht, dem Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands. Nach der Neubebauung in den 1960er Jahren änderten die Stadtväter den Namen in Karl-Liebknecht-Straße. An diesem Verkehrsweg befinden sich einige markante historische und moderne Bauwerke Berlins.

Verlauf[Bearbeiten]

Karte des südlichen (und älteren) Abschnitts; Stand: 2008

Die Karl-Liebknecht-Straße beginnt als Fortsetzung der Straße Unter den Linden und des Schloßplatzes an der Liebknechtbrücke über die Spree. Hier liegt das 1986 eingeweihte Marx-Engels-Forum. Nach der Kreuzung mit der Spandauer Straße bildet die Karl-Liebknecht-Straße die Begrenzung der Freiflächen um den Fernsehturm. Hier ist die Marienkirche als Baudenkmal erhalten. Etwa 600 Meter nach ihrem Beginn unterquert die Straße am Bahnhof Alexanderplatz die Trasse der Stadtbahn. Hinter der Bahnbrücke erreicht sie den nordwestlichen Rand des Alexanderplatzes und mündet schließlich auf den Bereich TorstraßeMollstraße am Prenzlauer Tor, dem Platz eines früheren Berliner Stadttores. Das Ende der Straße an dieser Kreuzung bildet zugleich die Bezirksgrenze zu Pankow und seinem Ortsteil Prenzlauer Berg.

Hausnummernzählung[Bearbeiten]

Die Hausnummern folgen der Orientierungsnummerierung (auch „Berliner System“ genannt), das auf der „linken“ Straßenseite (vom Stadtkern aus gesehen) die ungeraden Nummern und auf der anderen die geraden Nummern angibt. In der Karl-Liebknecht-Straße umfassen sie die Nummern 1–34. In der Vergangenheit, also als Kaiser-Wilhelm-Straße und mit einer Führung bis zur Hirtenstraße, gab es die Hausnummern 1–62, ebenfalls nach dem Berliner System festgelegt.[1]

Ausbau und öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Geräuschkulisse an der Karl-Liebknecht-Straße

Die Karl-Liebknecht-Straße ist auf ihrer gesamten Länge sechsstreifig ausgebaut, lediglich die Liebknechtbrücke ist vierstreifig. Die äußeren Streifen sind als Busspuren eingerichtet. Hier verkehren unter anderem die Buslinien 100 und 200 der BVG, die häufig als kostengünstige Alternative zu Stadtrundfahrten genutzt werden. Der Bereich zwischen der Spandauer Straße und dem Bahnhof Alexanderplatz wird von vier Metro-Straßenbahnlinien erschlossen. Seit Ende Mai 2007 verkehrt die Metrolinie M2 im Abschnitt zwischen dem Bahnhof Alexanderplatz und dem Prenzlauer Tor.

Bauwerke[Bearbeiten]

Blickrichtung Ost; rechts ist die Baustelle des Humboldt-Forums zu sehen, 2013
Gebäude des Berliner Verlags
  • Die Liebknechtbrücke wurde 1949/1950 anstelle der 1889 eröffneten und 1945 von deutschen Truppen gesprengten Kaiser-Wilhelm-Brücke gebaut.
  • An die Liebknechtbrücke schließt sich auf der Nordseite der Straße der zusammenhängende Gebäudekomplex des 2003 eröffneten CityQuartiers DomAquarée mit dem AquaDom und dem DDR-Museum auf der Spreeseite an. An dieser Stelle stand von 1979 bis in die 1990er Jahre das Palasthotel, eines der größten Interhotels der DDR.
  • Nach der Kreuzung mit der Spandauer Straße befindet sich auf der südlichen Straßenseite das nach der Errichtung des Fernsehturms gestaltete Freigelände, unter dem die Grundmauern der mittelalterlichen Wohnbebauung weitestgehend erhalten sind. Der vor der Kriegszerstörung auf der Südwestseite des Schlosses aufgestellte Neptunbrunnen erhielt hier einen neuen Standort.
  • Als einziges historisches Gebäude blieb hier die in ihren Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert stammende St. Marienkirche erhalten. Davor steht ein Denkmal für Martin Luther, das von Paul Otto entworfen, nach dessen Tod durch Robert Toberentz vollendet und 1895 enthüllt wurde.
  • Entlang der Nordseite der Straße befindet sich zwischen der Kreuzung mit der Spandauer Straße und der Einmündung der Rosa-Luxemburg-Straße eine lange Zeile mit 13-geschossigen Plattenbauten, die in den 1960er Jahren errichtet wurden und in deren beiden unteren Geschossen Läden und Restaurants untergebracht sind. Hier befanden sich bis 1991 die Kulturzentren Polens und Ungarns in der DDR (1972 bzw. 1973 eröffnet). In die Straßenfront wurde auch das im Jahr 1969 aus der früheren Zentralmarkthalle entstandene heutige Berlin Carré integriert.
  • Es schließen sich die Überführung der Stadtbahn und auf der Südseite der Bahnhof Alexanderplatz an. Es folgen mit dem ehemaligen Centrum Warenhaus (heute: Galeria Kaufhof) und dem Hotel Park Inn (ehemals: Hotel Stadt Berlin) zwei im Jahr 1970 eröffnete und das Ost-Berliner Zentrum bestimmende Gebäude.
  • Der nordöstliche Teil der Karl-Liebknecht-Straße (hinter der Kreuzung Alexanderstraße/Memhardstraße) entstand erst Ende der 1960er Jahre und ist von Bürogebäuden in Plattenbauweise bestimmt. Dominierend in diesem Abschnitt sind das Hochhaus des Berliner Verlages an der Ecke Memhardstraße und gegenüberstehend das ehemalige Haus der Elektrotechnik (HdE) mit dem Brauhaus, das durch Umgestaltung der Betriebskantine des HdE entstand.

Geschichte[Bearbeiten]

Verkehrssituation 1875 (Sechserbrücke)

Die Verkehrsführung zwischen der Straße Unter den Linden und dem Alexanderplatz unterschied sich bis in die 1880er Jahre grundlegend von der heutigen Situation. Der gesamte Verkehr aus Richtung Unter den Linden musste ab der Schloßbrücke über die Schloßfreiheit auf die Achse der heutigen Rathausstraße schwenken, was den zunehmenden Anforderungen an den Straßenverkehr schon lange nicht mehr gerecht wurde. Um die Straße in ihrem heutigen Verlauf auszubauen, wurde ein Teil der alten Schlossapotheke gegen eine Entschädigung von 500.000 Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 2.725.000 Euro) abgebrochen.[2] Auch die Grundstücksbesitzer des Marienviertels auf dem nun stark verbreiterten Straßenland (Kleine Burgstraße,[3] Brauhausstraße,[4] Papenstraße und am Durchbruch von der Klosterstraße über die Neue Friedrichstraße) hatten sich gewehrt. Die jahrhundertealte Bebauung wurde 1887 auf der Basis von Plänen des Architekten August Orth niedergelegt und anschließend durch Prachtbauten (meist Geschäftshäuser) ersetzt.

Preisgekrönter Entwurf der Kaiser-Wilhelm-Straße, 1885

Im Jahr 1889 entstand hier erstmals eine verkehrstaugliche Brücke über die Spree, nachdem es mit der „Cavalier-Brücke“ (im Volksmund wegen der Benutzungsgebühr „Sechserbrücke“ genannt) bis dahin nur einen Holzsteg für Fußgänger gegeben hatte. Die neue Verbindung zum Bahnhof Alexanderplatz erhielt die Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke und Kaiser-Wilhelm-Straße, die sie bis 1947 trugen.

Die Kaiser-Wilhelm-Straße wurde später (nördlich abknickend) mehrfach verlängert, sodass sie schließlich im Bereich des heutigen Rosa-Luxemburg-Platzes endete.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die historische Bebauung der Kaiser-Wilhelm-Straße überwiegend zerstört, sodass zu Kriegsende fast nur noch Ruinen standen. Nach deren Abräumung wies die Straße bis in die 1960er Jahre nur wenige stehengebliebene Gebäude innerhalb von leergeräumten Brachflächen auf. 1947 benannte die neue Berliner Verwaltung die Straße zu Ehren von Karl Liebknecht in Liebknechtstraße um, die Erinnerung an Kaiser und Könige wurde so getilgt.

Blick in Richtung Alexanderplatz, 1975

In den 1960er Jahren beschlossen die Führung der SED und der Ministerrat der DDR, das Gebiet um den Alexanderplatz zum repräsentativen Zentrum der DDR-Hauptstadt umzubauen. Ein Architektenkollektiv der Bauakademie der DDR führte die Stadtplanung samt der neuen Wohnbebauung aus, die Bauarbeiten begannen Mitte der 1960er Jahre. Mit dem Abschluss der Arbeiten 1969 war das Gebiet nördlich des Bahnhofs Alexanderplatz komplett umgestaltet und eine Direktverbindung von der Straße Unter den Linden bis zur Prenzlauer Allee hergestellt. Am 3. September 1969 wurde die im nordöstlichen Abschnitt neu entstandene Trasse in die Straße einbezogen, während der bisherige nördliche Straßenabschnitt zu Ehren von Rosa Luxemburg in Rosa-Luxemburg-Straße umbenannt wurde.[5]

Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) als Eigentümerin der Wohn- und Geschäftsbauten begann 2011 zwischen Spandauer Straße und Bahnviadukt mit Umgestaltungen dieser Häuserzeile. Die Arkadengänge vor den Geschäften wurden ausgebaut, wodurch die Schaufensterfront um rund drei Meter weiter zur Straße vorgezogen werden konnte. Die Betonfassade erhielt teilweise Verkleidungen mit Aluminiumplatten. Die Veränderungen führten auch zu einem Wechsel der Nutzer. Einige größere Anbieter wie WMF, Bambus Dreams oder Birkenstock blieben, an anderen Stellen gab es Neumieter.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl-Liebknecht-Straße (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kaiser-Wilhelm-Straße. In: Berliner Adreßbuch, 1943, Teil 4, S. 401 (mit Hausnummern und den damaligen Querstraßen).
  2.  Otto Schilling: Die innere Stadt-Erweiterung. Berlin 1915, 1921 (Dissertation).
  3. Kleine Burgstraße. In: Luise.
  4. Brauhausstraße. In: Luise.
  5. Karl-Liebknecht-Straße: Ulbrichts Traum, Hitlers Schatten. In: Der Tagesspiegel, 10. Oktober 2010, Berliner Lebensadern (17)
  6. Uwe Aulich: Markthalle adieu. Das Wohnungsunternehmen WBM bricht am Alex mit einer Tradition. Statt kleiner Läden errichtet es nun moderne Geschäftszeilen. In: Berliner Zeitung, 21. Dezember 2012, S. 21

52.52138888888913.407222222222Koordinaten: 52° 31′ 17″ N, 13° 24′ 26″ O