Karl-Marx-Hof

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12.-Februar-Platz. Der Name „12. Februar“ bezieht sich auf den Tag des Ausbruchs des Österreichischen Bürgerkriegs im Jahre 1934.
Karl-Marx-Hof (2004)
Gedenktafel "Kündigungsgrund Nichtarier"[1]

Der Karl-Marx-Hof ist einer der bekanntesten Gemeindebauten Wiens und liegt im 19. Bezirk Döbling. Er wird im Westen von der Heiligenstädter Straße begrenzt, im Norden von der Grinzinger Straße, im Osten von der Boschstraße und im Süden von der Geistingergasse. Die Halteraugasse, die Josef-Hindels-Gasse und die Felix-Braun-Gasse durchqueren die Anlage, der 12. Februar-Platz liegt in ihrem Zentrum.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Karl-Marx-Hof wurde auf einem Gelände errichtet, das bis ins 12. Jahrhundert ein schiffbarer Donauarm gewesen war. 1750 waren davon nur mehr einige Tümpel erhalten, die unter Kaiser Joseph II. zugeschüttet wurden. In der Folgezeit wurden auf dem Gelände Gärtnereien betrieben. Mitte der 1920er Jahre begann die Absiedlung der Gärtnereien, da das sozialdemokratische Wohnbauprogramm die Errichtung der drittgrößten Wohnhausanlage Wiens in der Ersten Republik vorgesehen hatte.

Zwischen 1927 und 1930 vom Otto-Wagner-Schüler und Stadtbaumeister Karl Ehn errichtet, fasste der Bau 1382 Wohnungen für rund 5.500 Bewohner. Alle Wohnungen verfügten zum Zeitpunkt der Errichtung über ein eigenes WC und eine Wasserentnahmestelle/Waschmöglichkeit im WC-Vorraum bzw. in der Küche, jedoch noch nicht über ein Badezimmer. Über Ehrenhof und mächtige Tore betritt man diese Stadt in der Stadt. Nur 20 Prozent des über 150.000 Quadratmeter großen und 1.000 Meter langen Areals sind bebaut, der Rest wird als Spiel- und Gartenfläche genutzt. Der Bau enthält zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen wie Wäschereien, Bäder, Kindergärten, eine Bibliothek, Arztpraxen und Geschäftslokale. Der Karl-Marx-Hof ist vier Straßenbahnhaltestellen (ungefähr 1.100 m) lang und ist damit der längste zusammenhängende Wohnbau der Welt. Benannt wurde der Gemeindebau nach dem Philosophen, Ökonomen und Kommunisten Karl Marx.

Im Ehrenhof steht die Bronzefigur Sämann von Otto Hofner (1879–1946) aus 1929. Josef Franz Riedl (1884–1965) schuf 1930 die Keramikfiguren über den Rundbögen Aufklärung, Befreiung, Kinderfürsorge, Körperkultur und zwei Blumenvasen.

Bekannt wurde der Karl-Marx-Hof während der „Februarereignisse“ 1934, die je nach politischer Einstellung als Österreichischer Bürgerkrieg oder als Februaraufstand bezeichnet wurden und sich gegen die Diktaturregierung Engelbert Dollfuß' richteten, die wenig später den von Kritikern als Austrofaschismus bezeichneten „Ständestaat“ proklamierte. Aufständische Arbeiter und der Republikanische Schutzbund verschanzten sich im Karl-Marx-Hof und gaben erst nach Artilleriebeschuss durch das Bundesheer und die Heimwehr auf. Als Kommandant einer Kompanie des Freiwilligen Schutzkorps war der spätere Widerstandskämpfer Karl Biedermann führend an der Eroberung des Gebäudes beteiligt.

Während des Ständestaates wurde der Karl-Marx-Hof in Heiligenstädter Hof umbenannt. Nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wurden 1938/39 66 Familien vom NS-Regime aus dem Karl Marx-Hof vertrieben. Davon kamen mindestens 29 ehemalige Bewohner im Holocaust um. Erst viele Jahre nach dem Krieg wurde eine schwarze Gedenktafel am Hof angebracht.

Nach dem Krieg erhielt der Hof 1945 seinen ursprünglichen Namen zurück. Die schweren Bombenschäden wurden in den 1950er Jahren behoben. In den 1980er Jahren wurde der Karl-Marx-Hof generalsaniert.

Sonstiges[Bearbeiten]

Am 23. Oktober 1959 brachte die Österreichische Post zu diesem Motiv eine Dauermarke der Briefmarkenserie Österreichische Baudenkmäler im Wert von 50 Groschen heraus.

Am 1. Mai 2010 wurde im Waschsalon Nr. 2 eine Dauerausstellung zur Geschichte des Roten Wien eingerichtet: Das Rote Wien im Waschsalon Karl-Marx-Hof.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerald und Genoveva Kriechbaum (Hrsg.): Karl-Marx-Hof. Versailles der Arbeiter; Wien und seine Höfe, Fotografien von Gerald Zugmann, Holzhausen, Wien 2008, ISBN 978-3-85493-150-8
  • Inge Podbrecky: Rotes Wien: 5 Routen zu gebauten Experimenten; Von Karl-Marx-Hof bis Werkbundsiedlung, Fotos: Willfried Gredler-Oxenbauer; Falter-Verlag, Wien 2003 ISBN 3-85439-295-8
  • Fritz Herrmann: Karl-Marx-Hof: Szenen vom Untergang der Sozialdemokratie, Verlag Mont Verità, Wien 2001 ISBN 3-900434-69-7
  • Susanne Reppé: Der Karl-Marx-Hof: Geschichte eines Gemeindebaus und seiner Bewohner, Picus-Verlag, Wien 1993 ISBN 3-85452-118-9
  • Erich Bramhas: Der Wiener Gemeindebau: vom Karl-Marx-Hof zum Hundertwasserhaus, Birkhäuser, Basel ISBN 3-7643-1797-3
  • Alfred Georg Frei: Rotes Wien. Austromarxismus und Arbeiterkultur. Sozialdemokratische Wohnungs- und Kommunalpolitik 1919-1934, DVK-Verlag, Berlin 1984 ISBN 3-88107-033-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl-Marx-Hof – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Enthüllung am 27. November 2003 Rathauskorrespondenz vom 27. November 2003. (Abgerufen am 1. Juni 2010)

48.25277777777816.365Koordinaten: 48° 15′ 10″ N, 16° 21′ 54″ O