Karl Albrecht

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Karl Albrecht (Begriffsklärung) aufgeführt.

Karl Hans Albrecht (* 20. Februar 1920 in Essen; † 16. Juli 2014 ebenda) war ein deutscher Unternehmer und der Gründer von Aldi Süd. Mit einem geschätzten Gesamtvermögen von ca. 18,2 Milliarden Euro war er der reichste Mensch in Deutschland (Stand: März 2014).

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung (1920–1936)[Bearbeiten]

Karl Albrecht und sein jüngerer Bruder Theo (1922–2010) wuchsen in bescheidenen konservativ-katholischen Verhältnissen im damaligen Essener Arbeiterviertel Schonnebeck auf. Sein Vater Karl Albrecht senior (1886–1943) war gelernter Bäcker, bis er aus gesundheitlichen Gründen diese Arbeit aufgeben musste. 1913 machte sich Karl Albrecht sen. als Brothändler selbstständig und seine Frau Anna Albrecht (geb. Siepmann) eröffnete unter dem Namen ihres Mannes einen kleinen Tante-Emma-Laden auf der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck.

Ursprungs-Aldi auf der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck

Nachdem Karl Albrecht die Katholische Glückaufschule (damals Volksschule) an der Immelmannstraße in Essen-Schonnebeck nach der achten Klasse mit dem Volksschulabschluss absolviert hatte, erlernte er in den Jahren 1934 bis 1936 den Beruf des Verkäufers beim Delikatessenhändler Mathias Weiler in Essen-Bredeney.

Soldat im Zweiten Weltkrieg (1939–1945)[Bearbeiten]

1939 wurde Karl Albrecht in die Wehrmacht eingezogen. Er nahm am Krieg gegen die Sowjetunion teil und wurde an der Ostfront verwundet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (letzter Dienstgrad Gefreiter) übernahm er mit seinem Bruder Theo 1945 das elterliche Lebensmittelgeschäft und gründete mit ihm die damalige Albrecht KG (Vorläuferunternehmen von Aldi Süd und Aldi Nord).[1]

Gründung von Aldi Süd (1961)[Bearbeiten]

Logo von ALDI Süd

1961 trennten die Brüder ihre Kette in zwei Teile nördlich und südlich der Ruhr.[2][1] Karl Albrecht übernahm fortan Aldi Süd, Theo Albrecht Aldi Nord.[1] Der erste Aldi-Markt (heutiger Prägung als Discounter) wurde 1962 in Dortmund eröffnet – der Name Aldi leitet sich von Albrecht-Diskont ab.[1]

Reichster Mensch in Deutschland[Bearbeiten]

Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes führte Albrecht im März 2014 auf dem ersten Platz der reichsten Deutschen. Das Gesamtvermögen von Karl Albrecht wurde zu diesem Zeitpunkt auf ca. 18,2 Milliarden € geschätzt.

Privates[Bearbeiten]

Es sind nur sehr wenige Informationen über Karl Albrecht bekannt, z. B. dass er ein gläubiger Katholik war und 67 Jahre mit Mia Albrecht (geb. Tenbrink, 1923–2013) verheiratet war. Albrecht war zudem Vater zweier Kinder, Karl jun. und Beate Heister, geborene Albrecht. Er hatte sechs Enkelkinder, die alle von seiner Tochter stammen.[1][3] Er wohnte in einer Nachkriegsvilla in Essen-Schuir.

Albrecht war Anhänger des Golfsports und besaß einen eigenen Platz mit Hotel, den Öschberghof bei Donaueschingen, den er 1976 erbauen ließ. In der Nähe dieses Hotels hatte er ein Ferienhaus in Aasen bei Donaueschingen. Er züchtete angeblich Orchideen.[4]

Aus dem operativen Geschäft von Aldi Süd zog sich Albrecht 1994 zurück und übernahm den Aufsichtsratsvorsitz. Diesen gab er Anfang 2002 ebenfalls auf und zog sich damit völlig aus dem Unternehmen zurück, das nun ausschließlich von familienfremden Managern geleitet wird.[5] Albrecht brachte sein Gesamtvermögen in die nicht auflösbare Siepmann-Stiftung mit Sitz in Eichenau ein.[6] Für den Todesfall kaufte er sich 1997 eine Grabstelle auf dem städtischen Friedhof in Essen-Bredeney.

Albrecht starb am 16. Juli 2014 in seiner Villa in Essen.[7]

Zurückgezogenheit[Bearbeiten]

Albrecht zog sich schon Mitte der 1950er Jahre ganz aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Privatleben hielt er aus der Öffentlichkeit heraus. Er galt als medienscheu, verschleierte seine Identität und lehnte alle Arten von Interviews ab. Erst kurz vor seinem Tod traf er sich mit einem Journalisten zum Gespräch.[8]

Obwohl Albrecht seit den 1970er Jahren der reichste Mensch Deutschlands war, existierten in den Medien keine Filmaufnahmen, lediglich drei ältere Fotos waren der Presse in Deutschland bekannt. Auf vielen Fotos wurde Karl Albrecht fälschlicherweise mit seinem 2010 verstorbenen Bruder Theo (Filmaufnahmen nach dessen Entführung 1971 sind vorhanden) verwechselt. Die einzige überlieferte (und authentische) geschäftliche Äußerung tätigte Karl Albrecht 1953 auf einem Treffen des Lebensmittelverbandes NRW. Er äußerte sich wie folgt über die Aldi-Prinzipien: „Seit 1950 verfolgen wir neben dem Grundsatz des kleinen Warenangebotes den des niedrigen Preises.“ Auch sein Tod wurde erst nach fünf Tagen, am Tag seiner Beisetzung, der Öffentlichkeit bekannt.

Weblinks[Bearbeiten]

Nachrufe

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Ruhr-Familien: Die Brüder Albrecht bei derwesten.de, abgerufen am 28. Juli 2010
  2. Das Discount-Prinzip bei welt.de, abgerufen am 28. Juli 2010
  3. Platz für den Enkel auf manager magazin online
  4. Der Geheimniskrämer - Der Discount-Milliardär Karl Albrecht wird in diesen Tagen 90 Jahre alt - doch so genau weiß dies niemand. Artikel der Badischen Zeitung, abgerufen am 22. Februar 2010
  5. Wirtschaftswoche vom 29. April 2003: ALDi Brüderlich vereint
  6. Nachruf auf Theo Albrecht: Vater der reinen Discount-Lehre auf Spiegel online
  7. Karl Albrecht gestorben auf faz.net, abgerufen am 21. Juli 2014
  8. Mathias Müller von Blumencron: Ich habe Glück gehabt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 167/2014 (22. Juli 2014), S. 18 f.