Karl August von Heigel

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Karl August von Heigel

Karl August Ritter von Heigel (* 25. März 1835 in München als Karl August Heigel; † 6. September 1905 in Riva del Garda) war ein bayerischer Bibliothekar, Biograph, Dramatiker und Erzähler.

Leben[Bearbeiten]

Karl August Heigel wurde am 25. März 1835 als Sohn des seinerzeit bekannten Schauspielers, Regisseurs und Theaterdirektors Karl Heigel in München geboren, als sein Vater Oberregisseur am Hoftheater war.

Heigel studierte Philosophie an der Universität München und nahm in der Folge eine Stelle als Bibliothekar bei Fürst Heinrich zu Carolath-Beuthen in Niederschlesien an. Zu seinem Aufgabenbereich gehörte auch, dass er den Neffen des Fürsten, Karl zu Carolath-Beuthen, auf seiner Grand Tour durch Europa begleitete, womit er gewissermaßen aus heutiger Sicht sowohl Hauslehrer- wie Reiseführerfunktionen des noch minderjährigen Prinzen übernahm.[1]

Nach dem Tod des Fürsten 1864 nahm Karl August Heigel seinen Wohnsitz in Berlin, wo er ab 1865 in der damaligen Frauenzeitschrift Bazar[2] die Redigierung des Bereichs Belletristik übernahm. Nach 1875 lebte er im steten Wechsel in München, Italien und Tirol. In dieser Phase arbeitete er – neben seiner schriftlichen Tätigkeit – fast ausschließlich für König Ludwig II. von Bayern, in dessen Auftrag er diverse Dramen für seine Privat-Theateraufführungen verfasste. Aufgrund dieser Verdienste verlieh ihm der König den Verdienstorden der Bayerischen Krone[3] und somit auch den persönlichen Adel.

Für die damals bekannte und eigentlich ihren künstlerischen Zenit ihrer Karriere überschrittene Schauspielerin Fanny Janauschek schrieb Heigel 1876 das Drama Marfa, das aufgrund seiner kompakten Komposition und der lebendigen Sprache positiv aufgenommen wurde.[4]

Mit seinen Werken zu Karl Stieler (Karl Stieler. Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte, 1890) und König Ludwig (König Ludwig II. von Bayern, ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte, 1892)[5] verfasste er neben seinen zahlreichen historischen Romanen, Novellen und Erzählungen auch zwei Biografien und eine Sammlung von Essays zur neueren Geschichte (Essays aus neuerer Geschichte, 1892).

Nach dem Tod König Ludwig II. kehrte er 1886 nach Riva am Gardasee zurück, wo er am 6. September 1905 verstarb.

Sein Bruder Karl Theodor von Heigel war ein namhafter deutscher Historiker.

Heute gelten einige der Werke von Heigels mit lokalen Bezügen zu Bayern als Quellen bei der Untersuchung volkstümlicher und landschaftsgebundener Literatur vor dem historischen und sozialen Hintergrund zur jeweiligen historisch-literarischen Dorfgeschichte.[6]

Werke[Bearbeiten]

Gedichte, Romane und Erzählungen

  • Bar Còchba, der letzte Judenkönig, episches Gedicht, 1856.
  • Walpurg. Eine Geschichte aus der Zeit Max Emanuels. Hannover 1859.
  • Die Tochter des Fälschers. In: Die Gartenlaube 1863, Hefte 1–5.
  • Novellen, Berlin 1866.
  • Es regnet. Eine Münchener Geschichte. Lesser, Berlin 1868.[7]
  • Ohne Gewissen. Paetel, Berlin 1871.
  • Neue Novellen. Berlin 1872.
  • Die Dame ohne Herz. Berlin 1873.
  • Wohin?!. Berlin 1873.
  • Der Diplomat. Stuttgart 1874
  • Benedictus. Roman. Günther, Leipzig 1875.
  • Neue Erzählungen. Leipzig 1876.
  • Das ewige Licht. Ph. Reclam jun., Leipzig o.J. [1877]
  • Neueste Novellen. Braunschweig 1878.
  • Der Theaterteufel. Leipzig 1878.
  • Die Veranda am Gardasee. Leipzig 1879.
  • Der Karneval von Venedig. Stuttgart 1880.
  • Ernste und heitere Erzählungen. Berlin 1887.
  • Der Weg zum Himmel. München 1889.
  • Karl Stieler. Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte. Nebst 12 bisher ungedruckten Jugendgedichten. Zeichnungen von K. Th. Meyer, Buchner, Bamberg 1890.
  • Der reine Tor. Engelhorn, Stuttgart 1890.
  • Das Geheimnis des Königs. Berlin 1891.
  • Essays aus neuerer Geschichte. Buchner, Bamberg 1892.[8]
  • Baronin Müller. Engelhorn, Stuttgart 1893.
  • König Ludwig II. von Bayern, ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte. Stuttgart: Bonz, 1893.
  • Der Sänger. Engelhorn, Stuttgart 1895.
  • Der Volksfreund. Stuttgart 1896.
  • Der Herr Stationschef. Engelhorn, Stuttgart 1897.
  • Der Roman einer Stadt. Berlin 1898.
  • Am blauen Gardasee. Leipzig 1899.
  • Weltverächter. Leipzig 1899.
  • Der Maharadschah. Dresden 1900.
  • Die neuen Heiligen. Potsdam 1901.
  • Brömmels Glück und Ende. München 1902.
  • Am Isartal. Dresden 1902.
  • Weltverächter. Novelle, Hilger, Berlin/Leipzig 1908, NA 1929.
  • Der Theaterteufel. Ph. Reclam jun., Leipzig 1921.
  • Gluck-Gluck. Ph. Reclam jun., Leipzig 1922.
  • Die nervöse Frau. A. Weichert, Berlin 1928.

Dramen:

  • Marfa. Drama in fünf Aufzügen. Reclam, Leipzig, 1876
  • Freunde. Leipzig 1876.
  • Die Zarin. München 1898.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bayerische Bibliothek. Texte aus zwölf Jahrhunderten. Band IV und V. 1980 und 1981.
  • Deutsches Literatur-Lexikon. 3. Auflage. Francke, Bern, München, Stuttgart 1968ff.
  • Peter Geils, Willi Gorzny (Hrsg.): Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV). 1700–1910. Saur, München u.a. 1979.
  • Arthur Luther: Deutsche Geschichte in deutscher Erzählung. Ein literarisches Lexikon. 2. Auflage. Hiersemann, Leipzig 1943.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Karl August von Heigel – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Attilio Brilli: Als Reisen eine Kunst war – Vom Beginn des modernen Tourismus: Die „Grand Tour“. Wagenbach, Berlin 2001, ISBN 3-8031-2274-0
  2. http://www.zeitschriften.ablit.de/graf/g1.pdf
  3. Maximilian Gritzner: Handbuch der Ritter- und Verdienstorden aller Kulturstaaten der Welt. Leipzig 1893, S. 27–29.
  4. Anmerkung auf wikisource.org
  5. http://www.archive.org/details/karlstielereinb00stiegoog
  6. http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Germanistik/kommentare/ndl_ws9899.htm
  7. Rezension. Deutsche Rundschau, 1879, Bd. 21 (zur 2. Auflage); hier S. 168.
  8. http://www.archive.org/details/essaysausneuere00heiggoog