Karl Culmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karl Culmann auch Carl Culmann[1] (* 10. Juli 1821 in Bergzabern (heute Bad Bergzabern); † 9. Dezember 1881 in Zürich) war Bauingenieur, Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und Autor des Buches Die graphische Statik.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Karl Culmann

Karl Culmann wurde am 10. Juli 1821 in Bergzabern in der Rheinpfalz geboren. Sein Vater war Pfarrer. Karl Culmann zeigte früh Interesse für Mathematik, besuchte das Collège in Wissembourg (Frankreich) und dann die Gewerbeschule in Kaiserslautern. 1841 legte er die Abschlussprüfung am Polytechnikum in Karlsruhe ab. Da Bergzabern zu Bayern gehörte, wurde Culmann zunächst Gehilfe, später Baupraktikant beim bayrischen Eisenbahnbau. Er plante und baute unter technischer Leitung von Friedrich August Pauli die Ludwig-Süd-Nord-Bahn durchs Fichtelgebirge. Hier waren erhebliche Steigungen zu bewältigen, und die Strecke wurde von Culmann zuerst für englische Lokomotiven und dann noch einmal neu für amerikanische Lokomotiven vermessen, die steilere Steigungen und engere Kurven bewältigen konnten.

Der Öffentlichkeit als Ingenieur bekannt wurde Culmann zunächst durch seine England- und Amerika-Reise 1849/50, von der er seine „Fachwerktheorie“ mitbrachte.

1855 wurde Culmann, unter anderem durch Vermittlung von Max Eyth, an die damals in Gründung befindliche Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich als Professor für Ingenieurswissenschaften berufen. Zwischen 1872 und 1875 war er Schuldirektor. 1880 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich verliehen.

Culmann gutachtete für den Schweizerischen Bundesrat über zahlreiche technische Projekte, etwa eine Pferde-Trambahn für Zürich und fast alle Brückenbauprojekte seiner Zeit. Außerdem verfasste er eine Bestandsaufnahme sämtlicher Wildbäche der Südschweiz.

Sein Hauptwerk Die graphische Statik erschien 1866. Es behandelt zeichnerische Methoden, um die Kräfte in Stahlbauten wie Dachstühlen und Stahlbrücken zu berechnen. "Das Zeichnen ist die Sprache des Ingenieurs", war Culmanns Credo. Seine grafischen Verfahren erlebten einen rasanten Aufstieg an den technischen Hochschulen und Gymnasien. Zu seinen Schülern gehörte auch Maurice Koechlin, einer der Konstrukteure des Eiffelturms, der gewissermaßen die Veranschaulichung der graphischen Statik im Bauwerk darstellt.

Auch heute gibt es noch das Culmann-Verfahren, mit dessen Hilfe es möglich ist, bei bestimmten Bedingungen einfache Lösungen zu erhalten. Auch in der Bodenmechanik ist ein graphisches Verfahren zur Ermittlung des Erddrucks auf Stützwände nach ihm benannt.

Culmann starb am 9. Dezember 1881 in Zürich an einer Lungenentzündung. Sein Grab befindet sich auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld.

Ehrung[Bearbeiten]

Am 20. Oktober 1884 wurde eine Büste nach einem Entwurf von Alfred Friedrich Bluntschli (1842–1930) und ausgeführt durch Richard Kissling (1848–1919) enthüllt und das restliche Kapital von 8.000 Franken dem Stiftungszweck zur Förderung in seinem ehemaligen Wissenschaftsbereich zugeführt.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Betheiligung an der Subscription für ein Denkmal und eine Stiftung zu Ehren Culmanns. (PDF; 2,0 MB), Anzeiger zum Centralblatt der Bauverwaltung, 18. März 1882, S. 1, abgerufen am 9. Dezember 2012
  2. Büste und Stiftung (PDF; 2,2 MB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 43, 25. Oktober 1884, S. 442, abgerufen am 1. Januar 2013