Karl Flanner

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Karl Flanner (2008)

Karl Flanner (* 22. Oktober 1920 in Wiener Neustadt; † 2. Juni 2013 ebenda) war ein österreichischer Historiker und Autor.

Leben[Bearbeiten]

Karl Flanner wuchs im Wiener Neustädter Arbeiterviertel Flugfeld als Sohn einer im Ersten Weltkrieg zwangsverpflichteten Munitionsarbeiterin der Wöllersdorfer Werke und eines Schuhmachers, Lederarbeiters und Fabrikarbeiters in der neugebauten Wohnhausanlage am Flugfeld auf. In den Nachkriegsjahren war der Hunger allgegenwärtig, und seine ältere Schwester starb 1919 bald. Als am 7. Oktober 1928 am Vormittag die Heimwehr in Wiener Neustadt aufmarschierte, marschierte nachmittags der Republikanischer Schutzbund zum Hauptplatz auf, und der kleine Karl lief am Gehsteig mit, gegen den Willen seines Vaters. Schlussendlich am Hauptplatz, durfte er an der Hand und dann auf der Schulter seines Vaters an der Gegenversammlung teilnehmen. Karl Flanner wurde mit 10 Jahre Mitglied der Roten Falken und der Arbeiter-Turner. Mit 11 Jahren übte er das Spiel auf der Mandoline, damals das Instrument der Arbeiter, es war nicht teuer wie ein Klavier, und man konnte es bei Wanderungen mitnehmen. Nach dem Erlebnis der Februarkämpfe, in Wiener Neustadt mit nur einem abgegebenen Schuss, und dem Juliputsch, fühlte er sich von der SPÖ verraten und wurde aktives Mitglied in einer Zelle des illegalen kommunistischen Jugend der KPÖ der Stadt, während andere Jugendliche der Roten Falken zu den illegalen NSDAP wechselten. Er solvierte eine Ausbildung zum Elektroschweißer und war in der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik und später Raxwerke tätig. Er betätigte sich im Widerstand gegen den Austrofaschismus und nach dem Anschluss Österreichs gegen den Nationalsozialismus. Er und andere 25 junge Menschen wurde verraten und am 22. August 1939 verhaftet. Karl Flanner wurde nach der Verhaftung im Gestapohaus im Stadtpark gefoltert, später ins Gerichtsgefängnis überstellt und zu vier Jahren Zuchthaus unter erschwerten Bedingungen verurteilt. Er wurde in die Justizanstalt Graz-Karlau überführt und in eine Einzelhaftzelle mit einem Webstuhl in der sogenannten Weberei eingesperrt und zum Weber angelernt und eingesetzt. Nach seiner vierjährigen Haft mit harter Arbeit und zu wenig Essen war er auf 45 Kilo abgemagert. Karl Flanner wurde nach der Haft in Karlau in Graz nicht wirklich entlassen und mit einem Schutzhaftbefehl aufgrund seiner politischen Gesinnung in ein Konzentrationslager überstellt. So kam er über München ins KZ Dachau und später ins KZ Buchenwald. In Buchenwald war er gegen Ende des Zweiten Weltkrieges an der bewaffneten Übernahme der Macht durch die Häftlinge beteiligt.[1][2]

Dem Gemeinderat von Wiener Neustadt gehörte er für die KPÖ von 1946 bis 1955 und von 1960 bis 1971 an. Er war Gründer und langjähriger Leiter des Industrieviertel-Museums in Wiener Neustadt[3] sowie Kuratoriumsmitglied des DÖW.[4]

Flanner starb 2013 im 93. Lebensjahr.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Von der Vereinssiedlung zur Josefstadt. Die Geschichte der ersten Arbeiter-Bau-Genossenschaft 1869. Vorworte von Bürgermeister Hans Barwitzius und Gemeinderat Othmar Trofer, Verlagsanstalt Gutenberg, Wiener Neustadt 1979.
  • Freiheitskampf. Widerstand im Gebiet Wiener Neustadt 1938 - 1945. Verein Alltag-Verlag, Wiener Neustadt 2003, ISBN 3-902282-01-0.
  • Erlebt und gereimt. Kerker, Gesellschaft, Natur und Menschen im Gedicht. Verein Alltag-Verlag, Wiener Neustadt 2004, ISBN 3-902282-04-5.
  • Kameraden der Berge. Die Entwicklung des alpinen Rettungswesens im Ostalpenraum. Verein Museum und Archiv im Viertel unter dem Wienerwald, Wiener Neustadt 2005.
  • Opfer des Zweiten Weltkrieges. Internationales Forschungsprojekt der Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Psychologie, Verein Museum und Archiv für Arbeit und Industrie im Viertel unter dem Wienerwald, Wiener Neustadt 2005.
  • Das Dach über dem Kopf. Zur Geschichte des öffentlichen Wohnbaus in Wiener Neustadt. Verein Museum und Archiv im Viertel unter dem Wienerwald, Dokumentation des Industrieviertel-Museums Wiener Neustadt 115, Wiener Neustadt 2005.
  • mit Erich Fein: Rot-weiß-rot in Buchenwald. Die österreichischen politischen Häftlinge im Konzentrationslager am Ettersberg bei Weimar. 1938 bis 1945. Verein Alltag-Verlag, Wiener Neustadt 2008, ISBN 978-3-902282-19-4.
  • Zeuge der Zeit. Die Geschichte meines Lebens. Autobiographie, Verein Alltag-Verlag, Wiener Neustadt 2008, ISBN 978-3-902282-16-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 93
  2. Die Revolution von 1848 in Wiener Neustadt, Seite 298
  3. a b Verein Alltag Verlag: Flanner Karl; abgerufen am 20. Sep. 2010
  4. DÖW Mitteilungen Nr. 191 (Mai 2009) (PDF; 109 kB)

Weblinks[Bearbeiten]