Karl Genzken

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Karl Genzken als Angeklagter im Nürnberger Ärzteprozess

Karl Edmund August Genzken (* 8. Juni 1885 in Preetz; † 10. Oktober 1957 in Hamburg-Blankenese)[1] war Mediziner, SS-Gruppenführer und Chef des Sanitätsamtes der Waffen-SS. Genzken war an medizinischen Versuchen an Gefangenen mehrerer Konzentrationslager beteiligt.

Leben[Bearbeiten]

Genzken legte nach dem Besuch der Mittelschule in Preetz und des Gymnasiums in Kiel 1905 das Abitur ab. Sein Medizinstudium an den Universitäten Tübingen, Marburg, München und Kiel beendete er 1915 mit der Promotion in Kiel.

Zwischen 1912 und 1919 war Genzken Offizier im Sanitätsdienst der Marine. In dieser Zeit baute er das Sanitätswesen der U-Boote auf; danach war er am Werftkrankenhaus in Wilhelmshaven tätig. Von 1919 bis 1934 war er praktischer Arzt in Preetz.

Am 7. Juli 1926 trat Genzken der NSDAP (Mitgliedsnr. 39.913) bei; am 5. November 1933 wurde er Mitglied der SS (SS-Nr. 207.954). 1934 war er kurzzeitig als Ersatz-See-Offizier beim Reichswehrministerium tätig; dann arbeitete er für ein Jahr als Vertrauensarzt beim Krankenhaus Groß-Berlin. Am 1. Februar 1937 übernahm Genzken als Nachfolger von Friedrich Karl Dermietzel die Leitung der Sanitätsabteilung der SS-Totenkopfverbände. Damit verbunden war das Amt des leitenden Arztes beim Führer der SS-Totenkopfverbände und Inspekteurs der Konzentrationslager, Theodor Eicke. In dieser Funktion war er verantwortlich für die medizinische Versorgung der Häftlinge in den Konzentrationslagern. Die Standortärzte in den Konzentrationslagern berichteten monatlich an Genzken über die Zustände in den Krankenrevieren sowie die Zahl der erkrankten Häftlinge. Erhaltener Schriftverkehr belegt, dass die von den Standortärzten bei Genzken angeforderten Medikamente und Verbandsmaterialien nur zum Teil geliefert wurden.[2] In Genzkens Dienstzeit wurden die Zwangssterilisierungen nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ auf die Konzentrationslager ausgedehnt. Der Würzburger Psychiater Werner Heyde erstellte hierzu Gutachten, die von Genzken an die Erbgesundheitsgerichte weitergeleitet wurden und Grundlage für deren Entscheidung über die Sterilisation oder Kastration der Häftlinge waren.

Vom Herbst 1939 bis zum Frühjahr 1940 baute Genzken das Sanitätswesen der Totenkopf-Division, auf [3]. Von April 1940 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Genzken als Chef des Sanitätsamtes der Waffen-SS für medizinische Versuche an Häftlingen in den Konzentrationslagern mit verantwortlich. Zu Erwin Ding-Schuler, der im KZ Buchenwald Versuche mit Impfstoffen gegen Fleckfieber durchführte, stand Genzken in persönlichem Kontakt.[4] In der SS wurde Genzken mehrfach befördert; zuletzt war er ab 1943 SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS.

Nach Kriegsende war Genzken Angeklagter im Nürnberger Ärzteprozess. Am 20. August 1947 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Haftstrafe wurde später auf 20 Jahre reduziert. Am 17. April 1954 wurde Genzken vorzeitig aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg entlassen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Tuchel: Konzentrationslager. Organisationsgeschichte und Funktion der „Inspektion der Konzentrationslager“ 1934-1938. (=Schriften des Bundesarchivs. Band 39) Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1991, ISBN 3-7646-1902-3.
  • Judith Hahn: Grawitz / Genzken / Gebhardt. Drei Karrieren im Sanitätsdienst der SS. Münster 2008[5]
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Fischer, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-16048-8. (Aktualisierte 2. Auflage)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 178
  2. Der Schriftverkehr in Auszügen zitiert bei Tuchel, Konzentrationslager, S. 287
  3. Sydnor, Charles W.: Soldaten des Todes. Die 3. SS-Division "Totenkopf" 1933-1945, S. 43
  4. Alexander Mitscherlich, Fred Mielke: Medizin ohne Menschlichkeit. Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses. 16. Auflage, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-596-22003-3, S. 149.
  5. Rezension: J. Hahn: Drei Karrieren im Sanitätsdienst der SS

Weblinks[Bearbeiten]