Karl Habsburg-Lothringen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karl Habsburg-Lothringen (2011)

Karl Habsburg-Lothringen (* 11. Jänner 1961 in Starnberg, Bayern) ist ein ehemaliger österreichischer Politiker der ÖVP und seit 1984 Land- und Forstwirt. Er ist der älteste Sohn von Otto Habsburg und dessen Frau Regina, geborene Prinzessin von Sachsen-Meiningen, und seit dem 1. Jänner 2007 familienintern Oberhaupt des Hauses Habsburg.

Der Sohn des letzten Kronprinzen der österreich-ungarischen Monarchie und Enkel des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn Karl I./IV. ist von Geburt an Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, dessen Souverän und Großmeister er seit dem 30. November 2000 ist.

Er ist Träger des Großkreuzes des Souveränen Malteser-Ritterordens und Ehrenritter des Deutschen Ordens. Karl Habsburg ist seit 1986 Präsident der Paneuropabewegung Österreich[1] und seit 1994 Mitglied des Präsidiums der Paneuropa-Union. Außerdem ist er Gründer und Vorsitzender des „Paneuropakreises Alpen-Adria“. Seit 2002 ist er Generaldirektor der Organisation der nicht-repräsentierten Nationen und Völker (UNPO). Als Militärpilot der Luftstreitkräfte ist er Hauptmann der Miliz im Österreichischen Bundesheer.

Berufsleben und politische Funktionen[Bearbeiten]

Er war für die ÖVP neben seiner Tätigkeit als enger Mitarbeiter vom Salzburger Landeshauptmann Haslauer nach einem sehr erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampf von 1996 bis 1999 Abgeordneter des Europäischen Parlaments und setzte sich besonders für Minderheiten ein. Habsburg sorgte für Aufsehen, als er das Abtreibungsmedikament Mifegyne mit der Todesstrafe verglich.

Im Mai 1990 leitete Habsburg einen Hilfskonvoi der Paneuropa-Union in das von der Sowjetunion belagerte Litauen.

Mit Blick auf seinen geplanten Einstieg in die Politik leitete Habsburg vom September 1992 bis April 1993 kurzzeitig einige Folgen einer neuen Fernsehquizshow im staatlichen Sender ORF („Who is Who“)[2], die ihm zu öffentlicher Bekanntheit verhelfen sollte: „Ich habe natürlich auch meine Tätigkeit beim Fernsehen unter dem Aspekt gesehen […] Und wenn ich in Österreich auch politisch tätig werden mochte […], da ist ein Bekanntheitsgrad immer etwas Wichtiges. So etwas trägt enorm dazu bei, dass man einen gewissen Bekanntheitsgrad hat.“[3]

Seine politische Karriere endete mit dem sogenannten World-Vision-Spendenskandal. Dabei wurden u. a. von Wolfgang Krones, dem damaligen Generalsekretär von Paneuropa-Österreich, Spenden von World Vision Österreich – Christliches Hilfswerk u. a. zu Paneuropa umgeleitet. Ein Prüfbericht von KPMG bestätigte Geldflüsse von rund 640.000 Schilling (rund 46.500 Euro), ein Teil davon floss 1996 in Habsburgs Wahlkampf.[4][5] 2004 ist Krones rechtskräftig verurteilt worden. Karl Habsburg wurde in diesem Zusammenhang von manchen Journalisten eine zu geringe Überwachung seines Generalsekretärs zur Last gelegt. Sein Vater Otto Habsburg wurde heftig kritisiert, als er die Vorwürfe und Rücktrittsaufforderungen gegen Karl Habsburg mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung verglich.[6] Erst 2004 zahlte Karl Habsburg jene 36.899 Euro an den Nachfolgeverein World Vision – Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung zurück, die – laut Habsburg ohne sein Wissen – in die Finanzierung seines Wahlkampf geflossen waren.[7]

Nachdem die ÖVP Karl Habsburg-Lothringen nicht wieder für die EU-Wahlen aufstellte, verfehlte er 1999 mit der eigenen Liste CSA – Christlich Soziale Allianz (Liste Karl Habsburg)[8] (1,54 %[9]) den Wiedereinzug in das Europäische Parlament.

Laut eigenen Angaben ist Karl Habsburg Medienconsultant mit Projekten in Bulgarien und Holland[10] bzw. Eigentümer von Radiostationen in den Niederlanden, in Mittel- und Osteuropa und Landwirt.[11]

Seit 2008 ist er ehrenamtlicher Präsident der Association of National Committees of the Blue Shield mit Sitz in Den Haag.[12] Für das Blaue-Schild-Komitee leitete er wiederholt Fact Finding Missionen in den Nahen Osten – so etwa 2011 nach Ägypten und Libyen, um Zerstörungen und Plünderungen während der dortigen Revolutionen zu dokumentieren.[13][14] Er kann diesbezüglich auf Erfahrungen zu einer Mission im ersten Afghanistan-Krieg Mitte der 1980er über die kriegsrechtlichen Beurteilungen von damals neuen Waffensystemen (vgl. Mini-Kalaschnikow) zurückgreifen.[15]

In einem Interview im Dezember 2013 bezeichnete Habsburg-Lothringen das Habsburgergesetz als "völligen Unsinn" und verglich sie mit den Beneš-Dekreten. [16]

Privatleben[Bearbeiten]

Karl Habsburg absolvierte die Volksschule in Pöcking und anschließend das neusprachliche Gymnasium in Tutzing. Obwohl er ausschließlich österreichischer Staatsbürger ist,[17] durfte er aufgrund einer rigorosen Auslegung des Habsburgergesetzes in seinen ersten Lebensjahren nicht nach Österreich einreisen. In seinem ersten Reisepass, ausgestellt vom österreichischen Konsulat in München, stand nach seiner eigenen Aussage noch folgende Sonderbestimmung: „Gültig für jedes Land der Welt, ausgenommen Österreich.“[18]

1981 begann Karl Habsburg in Salzburg mit einem Studium der Rechtswissenschaften an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, 1983 nahm er zusätzlich das Studium von Spanisch und Politikwissenschaften auf. Das rechtswissenschaftliche Studium brach Habsburg-Lothringen 1993 ohne Abschluss ab und nahm stattdessen ein studium irregulare auf, das Elemente der Alten Geschichte mit rechtswissenschaftlichen Aspekten kombinierte. Seit 2005 war er in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang an der ehemaligen Privatuniversität IMADEC University eingeschrieben, den er 2012 abschloss[19]. Seinen Militärdienst leistete Karl Habsburg beim Bundesheer ab, wo er als Einjährig-Freiwilliger die Piloten-Ausbildung machte und aktuell Hauptmann der Reserve in der Fliegertruppe ist.[20]

Karl Habsburg-Lothringen lebte von 1981 bis zu seinem Umzug nach Wien im Jahr 2005 in Anif bei Salzburg. Er ist seit 1993 mit Francesca, geborene Thyssen-Bornemisza (Tochter von Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza de Kászon) verheiratet (Hochzeit am 31. Jänner 1993 in Mariazell), seit 2003 leben sie getrennt.[21] Sie haben gemeinsam zwei Töchter (Eleonore, * 1994 sowie Gloria, * 1999) und einen Sohn (Ferdinand, * 1997).

Im Juli 1998 wurde Karl Habsburg in einem Finanzstrafverfahren wegen Hinterziehung von Einfuhrabgaben zu einer Strafe von umgerechnet rund 13.000 Euro verurteilt, weil er am 30. Juli 1996 bei der Einreise am Flughafen Hohenems nach Österreich ein mit Brillanten bestücktes Diadem im Wert von umgerechnet etwa 109.000 Euro über die Grenze schmuggeln wollte, das nach österreichischem Recht zu deklarieren war. Die Affäre war auch Gegenstand parlamentarischer Debatten bzw. Anfragen im Nationalrat.[22]

Der ausgebildete Pilot Karl Habsburg ist im Besitz einer Cessna L-19A Bird Dog, die in den 1960er Jahren als 3A-CI beim Bundesheer im Einsatz war.[23]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Er ist Oberster Bandinhaber im Akademischen Bund Katholisch-Österreichischer Landsmannschaften.

Außerdem ist er seit 1998 Ehrenpräsident des Europäischen Militär-Fallschirmsprungverbandes, Inhaber des Ehrentellers des Europäischen Militär-Fallschirmsprungverbandes e.V. AEPM Assiette d' Honneur en Etain, des Brevet de Parachutisme Militaire Européen Honoraire, seit 2002 der Grande Medaille d'Or avec Ruban Merite Philanthropique und seit 2003 Träger des Kommandeur-Kreuzes des Europäischen Militär-Fallschirmsprungverbandes e.V.

2008 übernahm er die Funktion als Großmeister des seit 1985 im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen bestehenden Ritterordens vom Heiligen Sebastian in Europa.[24] Er ist außerdem Großmeister des St. Georgs-Orden - Ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen, ein nach dem österreichischen Vereinsrecht geführter Verein.[25]

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Karl Habsburg-Lothringen
Ururgroßeltern

Erzherzog
Karl Ludwig von Österreich (1833–1896)
⚭ 1862
Prinzessin
Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (1843–1871)

König
Georg von Sachsen (1832–1904)
⚭ 1859
Prinzessin
Maria Anna von Portugal (1843–1884)

Herzog
Ferdinand Karl III. (1823–1854)
⚭ 1845
Prinzessin
Louise Marie Therese von Frankreich (1819–1864)

König
Michael I. von Portugal (1802–1866)
⚭ 1851
Prinzessin
Adelheid von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1831–1909)

Herzog
Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914)
⚭ 1858
Feodora zu Hohenlohe-Langenburg (1839–1872)

Graf
Ernst zur Lippe-Biesterfeld (1842–1904)
⚭ 1869
Caroline von Wartensleben (1844–1905)

Graf
Maximilian Friedrich von Korff (1820–1889)
⚭ 1851
Gräfin
Gabriele von Mirbach (1831–1892)

Freiherr
Richard von Hilgers (1829–1904)
⚭ 1866
Agnes Zernentsch (1845–1909)

Urgroßeltern

Erzherzog Otto Franz Joseph von Österreich (1865–1906)
⚭ 1886
Prinzessin Maria Josepha von Sachsen (1867–1944)

Herzog Robert I. (1848–1907)
⚭ 1884
Prinzessin Maria Antonia von Portugal (1862–1959)

Friedrich von Sachsen-Meiningen (1861–1914)
⚭ 1884
Adelheid zu Lippe-Biesterfeld (1870–1948)

Graf Alfred von Korff (1856–1936)
⚭ 1893
Freiin Helene von Hilgers (1868–1963)

Großeltern

Kaiser Karl I. (1887–1922)
⚭ 1911
Herzogin Zita von Bourbon-Parma (1892–1989)

Georg von Sachsen-Meiningen (1892–1946)
⚭ 1919
Klara-Marie von Korff (1895–1992)

Eltern

Otto von Habsburg (1912–2011)
⚭ 1951
Regina von Sachsen-Meiningen (1925–2010)

Karl Habsburg-Lothringen

Schriften[Bearbeiten]

  • Das Europa-Service-Buch. Programme-Adressen - Förderungen - Institutionen der EU. 2001, ISBN 3-7020-0838-1.
  • Vorwort in: Die Kapuzinergruft bei den PP Kapuzinern zu Wien. 2001, ISBN 3-9500584-3-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beteiligte Personen auf der Website der Paneuropabewegung Österreich. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  2. Ansichtssache: Ranking der Absonderlichkeiten im ORF Ansichtssache: Ranking der Absonderlichkeiten im ORF. In: Der Standard, 27. Dezember 2005. Abgerufen am 26. November 2010.
  3. Karl Habsburg in: Österreichisches Jahrbuch für Politik, 2004, S. 640.
  4. Die Presse, 9. Dezember 1998.
  5. Hans-Peter Martin: Gelber Stern. Das Haus Habsburg geht zum zweitenmal unter: Kaiserenkel Karl und Papa Otto blamieren sich in einem Spendenskandal ohne Ende. In: Der Spiegel, Heft 52/1998.
  6. Die Presse, 7. Dezember 1998 und 9. Dezember 1998.
  7. Rainer Schüller, Barbara Tóth: Datum Republik – 25. November 1998: Der Spendenskandal um "World Vision Österreich" bringt den ÖVP-Politiker Karl Habsburg in Bedrängnis. Volkspartei und Adel: ein schwieriges Verhältnis? In: Datum, 10/2005. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  8. BMI: Europawahl 1999, wahlwerbende Parteien, CSA. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  9. BMI: Europawahl 1999, Wahltag, Stichtag, Gesamtergebnis. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  10. News, Nr. 47, 24. November 2011, S.142
  11. dazu Herbert Lackner, "Ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen", Profil 28, 8. Juli 2013, S. 33ff.
  12. ANCBS Board 2009-2011. In: Blue Shield's Network Website. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  13. Report in News 47/2011, S. 138 - 142
  14. Thought Leadership. COCOM Cultural Heritage Action Group, abgerufen am 3. März 2014.
  15. vgl. Interview mit Christoph Zotter, Datum 3/2013, S. 37
  16. http://www.orf.at/#/stories/2211491/ ORF.at Kaiser-Enkel vergleicht Habsburg-Gesetze mit Benes-Dekreten
  17. Siehe Eintrag Karl Habsburg im Munzinger, in der Fassung Internationales Biographisches Archiv 37/2010 vom 14. September 2010 (hm) Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 50/2010.
  18. Spiegel Online: Spiegel-Gespräch: Der Name polarisiert noch. Interview mit Karl von Habsburg. In: Der Spiegel, „Spiegel Geschichte“, 6/2009. Abgerufen am 21. August 2010.
  19. Interview - Josefina Vázquez Mota - Karl von Habsburg - IMADEC
  20. Karl von Habsburg abgerufen am 15. Juli 2011
  21. Meike Winnemuth: Zahlen fürs Malen. Seite 2: Mit zehn silbernen Löffeln im Mund. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 31/2011. Abgerufen am 24. Juni 2011.
  22. Siehe z. B. Berliner Kurier, 22. Juli 1998.
  23. AIRPOWER05 - Fotostory Teil 3 - Air Race & Oldtimer. In: Doppeladler.com, 2005. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  24. Korschenbroich: Otto von Habsburg nimmt Abschied. In: RP Online, 28. August 2009. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  25. Geschichte: Reorganisations-Konvent 2008 auf der Website des St. Georgs-Orden - Ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen. Abgerufen am 31. Mai 2011.
Vorgänger Amt Nachfolger
Otto von Habsburg Oberhaupt des „Hauses Habsburg“
seit 2007