Karl Herxheimer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karl Herxheimer (auch: Carl Herxheimer; * 26. Juni 1861 in Wiesbaden; † 6. Dezember 1942 im KZ Theresienstadt) war ein deutscher Mediziner.

Leben[Bearbeiten]

Karl Herxheimer war das elfte Kind einer vermögenden Familie, die mehrere bekannte Ärzte hervorbrachte. Er studierte in Freiburg, Würzburg und Straßburg und promovierte 1885 in Würzburg über Lues cerebri, eine syphilitischen Gehirnerkrankung. Danach arbeitete er zunächst als Assistent von Carl Weigert, einem Vetter von Paul Ehrlich, am Pathologischen Institut in Frankfurt am Main. In Breslau erhielt er bei Albert Neisser seine dermatologische Ausbildung. Karl Herxheimer wurde sehr stark von seinem Bruder Salomon Herxheimer beeinflusst. Dieser hatte sich nach seiner Ausbildung in Wien bei Ferdinand von Hebra 1874 in Frankfurt als Hautarzt niedergelassen und 1876 eine Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten gegründet. Karl schloss sich 1887 zunächst seinem Bruder an. Die Zusammenarbeit wurde auch nach 1894 fortgesetzt, als Karl Herxheimer zum Leiter der Hautabteilung des 1884 gegründeten städtischen Krankenhauses in Frankfurt-Sachsenhausen berufen worden war.

1895 gründete er zusammen mit Karl Touton (1858–1934) aus Wiesbaden und Friedrich Hammer aus Stuttgart die Südwestdeutsche Dermatologenvereinigung. Nachdem sein Bruder Salomon Herxheimer 1899 auf einer Bergtour tödlich verunglückt war, wurde er auch für dessen Klinik leitender Arzt. Er entwickelte sich zum führenden Dermatologen seiner Zeit. Er beschrieb eingehend die zuvor erstmals von Adolf Jarisch (1850–1902) publizierte, später nach beiden benannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion. Diese besteht in einem vorübergehenden Aufflammen von Krankheitssymptomen durch massiven Erregerzerfall bei Beginn der Behandlung, früher mit Quecksilber, Arsen oder Bismut-Präparaten, heute ebenso z. B. mit Penicillinpräparaten, bei Syphilis. Obwohl nie habilitiert, wurde er 1907 aufgrund seiner außerordentlichen wissenschaftlichen und ärztlichen Leistungen zum Professor ernannt und erhielt 1914 das Ordinariat für Haut- und Geschlechtskrankheiten der Universität Frankfurt am Main, deren Mitbegründer er war.

Zu seinem 60. Geburtstag wurde eine Festschrift von Freunden und Schülern (Springer, Berlin 1921) herausgegeben. Erst drei Jahre nach Überschreitung der Altersgrenze emeritierte er. Auch nach seiner Emeritierung blieb Karl Herxheimer, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Henriette Rosenthal[1] (seine Ehefrau Olga war bereits 1928 verstorben)[2], in Frankfurt am Main wohnhaft, obwohl er ein Haus in der Schweiz besaß. Im Jahr 1933 wurde ihm der Status des Emeritus entzogen, und 1941 erhielt er Hausarrest. Am 1. September 1942 zeigte ihn die Universitätsverwaltung bei der Gestapo an, die ihn und seine Lebensgefährtin trotz ihres hohen Alters gleichentags verschleppte.

Karl Herxheimer wurde am 6. Dezember 1942 in der Kleinen Festung des KZ Theresienstadt ermordet[3], ebenso am 20. Dezember 1942 Henriette Rosenthal (geb. 1873). 70 Jahre nach seinem Tod errichtete die Deutsche Dermatologische Gesellschaft auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße in Frankfurt am Main einen Gedenkstein, am selben Tag wurde in der Universitätsklinik der Stadt eine erste Karl-Herxheimer-Gedächtnisvorlesung gehalten.[4]

Veröffentlichungen von Karl Herxheimer[Bearbeiten]

  • Ueber Lues cerebri: Inaugural-Dissertation, Würzburg: Thein, 1885
  • Zusammen mit Hugo Müller: Ueber die Deutung der sogenannten Epidermisspiralen, Frankfurt a.M. 1896
  • Zusammen mit Karl Altmann: Die Behandlung der Krankheiten der behaarten Kopfhaut, Halle: Marhold, 1912 (= Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der Dermatologie, der Syphilidologie und der Krankheiten des Urogenitalapparates, 1.5)
  • Zusammen mit Wilhelm Born: Über die Teerbehandlung von Hautkrankheiten, Halle: Marhold, 1921 (= Sammlung zwangloser Abhandlungen…, Neue Folge, Heft 4)
  • Zusammen mit Edmund Hofmann: Die Hautkrankheiten, Leitfaden für Studierende und Ärzte, Berlin: Karger, 1929, 2. erw. u. verb. Aufl. Berlin: Karger, 1933

Literatur[Bearbeiten]

  • Udo Benzenhöfer: Die Universitätsmedizin in Frankfurt am Main von 1914 bis 2014. Kontur, Münster 2014, S. 54 f.
  • Ralf Bröer: Herxheimer, Karl, in: Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärzte-Lexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Springer, Berlin u. a. 2001, S. 158.
  • Renate Heuer, Siegbert Wolf (Hrsg.): Die Juden der Frankfurter Universität. Campus, Frankfurt am Main/New York 1997, S. 167–170.
  • Bettina Notter: Leben und Werk der Dermatologen Karl Herxheimer (1861–1942) und Salomon Herxheimer (1841–1899). 1994 (Dissertation, Universität Frankfurt am Main, 1994).
  • Horst Zoske: Herxheimer, Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 727 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Karl Herxheimer – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jüdische Pflegegeschichte in Frankfurt am Main (Rubrik: Recherche/Personen/Herxheimer, Karl): http://www.juedische-pflegegeschichte.de/
  2. Renate Heuer, Siegbert Wolf (Hg.): Die Juden der Frankfurter Universität. Campus-Verlag 1997, Frankfurt/Main, New York, S. 167-170.
  3. Todesfallanzeige (Theresienstadt): Institut Terezínské iniciativy, Datenbank der Holocaust-Opfer, http://holocaust.cz/de/main (aufgerufen am 7. September 2013)
  4. Geheimer Medizinalrat mit gelbem Stern in: FAZ vom 7. Dezember 2012, Seite 45