Karl Karmarsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karl Karmarsch

Karl Karmarsch (* 17. Oktober 1803 in Wien; † 24. März 1879 in Hannover) war ein deutscher Technologe und langjähriger erster Direktor der Polytechnischen Schule, der späteren Technischen Hochschule in Hannover.

Biographie[Bearbeiten]

Karl Karmarsch stammte aus kleinen Verhältnissen: er war der Sohn eines Wiener Schneidermeisters, das zweite von zwölf Kindern. Er studierte am Polytechnischen Institut in Wien und wurde dort Assistent von Georg Altmütter. 1830 ging er als Direktor an die gerade gegründete Höhere Gewerbeschule in Hannover, deren Aufbau zur Polytechnischen Schule (PTS, 1847) und Technischen Hochschule (TH, 1879) mit Karmarschs Namen verknüpft blieb.

Neben Karmarsch wurde Georg Wilhelm Glünder zweiter Direktor der PTS.[1]

Karmarsch war Hauptlehrer im technologisch-chemischen Fach und vertrat die Lehrgebiete Mechanische Technologie und theoretische Chemie mit Anwendungen auf die Technik und Bautechnologie. Karmarsch gehörte zu den Begründern der wissenschaftlichen mechanischen Technologie, der es um die Verbindung der exakten Wissenschaften mit ihrer technischen Anwendung geht. Sein Hauptwerk Grundriß der mechanischen Technologie erschien in 1. Auflage 1837.

1846 erhielt Karmarsch, zeitgleich mit Friedrich Heeren, Heinrich Kirchweger und Moritz Rühlmann, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Hannover (dies bedeutete die unentgeltliche Gewährung des Bürgerrechts). Er war Preisrichter bei den ersten Weltausstellungen in London und Paris (1851–1867) und 1845–1855 Vizepräsident des Gewerbevereins für das Königreich Hannover, seit 1869 Geheimer Regierungsrat. 1863 wurde er zum Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Nach dem Eintritt in den Ruhestand 1875 auf eigenen Wunsch gründete er die Karmarsch-Stiftung für Stipendien, die 1926 mit anderen Stiftungen zur Karmarsch-Sammelstiftung zusammengelegt wurde. Sein Grab (mit Porträtmedaillon) befindet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde, Abt. 25a, in Hannover.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Am 17. Oktober 1883 wurde zu seinen Ehren das von Oskar Rassau (1843–1912) und Heinrich Köhler (1830–1903) entworfene Denkmal enthüllt.[2]
  • Der 1879–1898 in Hannover erfolgte Straßen-Durchbruch von der Georgstraße (vom heutigen Kröpcke) zur Friedrichstraße (heute: Friedrichswall) wurde Karmarschstraße benannt und 1894 wurde die Karmarschgasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt.
  • Die Karmarsch-Denkmünze wurde 1925 von der Hochschulgemeinschaft Hannover gestiftet. Mit ihr werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die Verdienste um die Förderung von Technik und Wirtschaft in wissenschaftlicher Forschung oder in der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung erwarben. Bisher wurde die Karmarsch-Denkmünze verliehen an (Auswahl):

Werke[Bearbeiten]

  • Die höhere Gewerbeschule in Hannover: Erläuterungen über Zweck, Einrichtung und Nutzen derselben. Hannover: Hahn 1831
  • Grundriß der mechanischen Technologie. Als Leitfaden für den technologischen Unterricht an polytechnischen Instituten und Gewerbeschulen. Hannover: Helwing 1837–1876.
  • Handbuch der mechanischen Technologie. Hannover: Helwing, 1851–1876 (spätere Ausgabe des „Grundriß“).
  • Geschichte der Technologie seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts. (Reprint der Ausgabe von 1872.) New York: Johnson, Hildesheim: Olms 1965 (Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Neuere Zeit. Bd. 11)

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Karmarsch. Ein Lebensbild; gezeichnet nach dessen hinterlassenen „Erinnerungen aus meinem Leben“. Mit Ergänzungen von Egbert Hoyer. Helwing, Hannover 1880.
  • Ludwig Meyer: Das Wirken Karl Karmarsch's im Gewerbe-Verein für Hannover. Eine Ehrung zur 50. Wiederkehr seines Todestages am 28. März 1929. Hannover, 1929.
  • Paul Trommsdorff: Der Lehrkörper der Technischen Hochschule Hannover 1831–1931. Hannover, 1931, S. 47–48.
  • Bernd Thiele: Karl Karmarsch (1803–1879). In: Biographien bedeutender Techniker, Ingenieure und Technikwissenschaftler. Hrsg. von Gerhard Banse (u. a.). Berlin, 1983, S. 142–148.
  • Hansjürgen Gubrecht, Helmut Gubrecht: Karl Karmarsch. Der erste Direktor der Polytechnischen Schule Hannover. In: Die Geschichte der Chemie an der Technischen Hochschule und Universität Hannover. Hrsg.: Fachbereich Chemie der Universität Hannover. Hannover, 1999, S. 16–29.
  • Klaus Mlynek in: Hannoversches biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Hannover, Schlüter, 2002, S. 193–194.
  • Moritz RühlmannKarmarsch, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 400–409.
  • Karl-Heinz Manegold: Karmarsch, Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 279 (Digitalisat).
  • Karmarsch Karl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 243 f. (Direktlinks auf S. 243, S. 244).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl Karmarsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Karl Karmarsch – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Karmarsch: Georg Wilhelm Glünder, in: Die polytechnische Schule zu Hannover, zweite, sehr erweiterte Auflage, „Mit drei Blättern Abbildungen des Gebäudes der Anstalt“, Hannover: Hahnsche Hofbuchhandlung, 1856, S. 154 u.ö., online über Google-Bücher
  2. Enthüllung (PDF; 936 kB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 42, 20. Oktober 1883, S. 381, abgerufen am 21. Dezember 2012