Karl Kellner (Chemiker)

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Karl Kellner

Karl Kellner (eigentlich Carl August Kellner; * 1. September 1851 in Wien; † 7. Juni 1905 ebenda) war ein österreichischer Chemiker, Industrieller, Erfinder, Freimaurer und Okkultist.

Nach ihm ist das Ritter-Kellner-Verfahren zur Zellulosegewinnung benannt. Er besaß mehr als achtzig Patente (etwa für Glühlampen oder Farbfotografie). Über einen Studien-Abschluss ist nichts bekannt. Er war ein begeisterter Bergsteiger und guter Fechter.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Während seiner Arbeit in einem Wiener Privatlaboratorium machte Kellner bereits im Alter von 22 Jahren jene entscheidenden Beobachtungen, die nach seinem 1876 erfolgten Eintritt in die Fabrik des Julius Hektor Ritter Freiherrn von Záhony (1816–1878) in Podgora bei Görz in dem nach ihm und Ritter benannten und binnen Kurzem von zahlreichen Papierfabriken in Verwendung genommenen Sulfit-Zelluloseverfahren (Patente von 1884) gipfelten. Seine Arbeiten zur Holzzellstofffabrikation sowie des Bleichens der Zellulose führten ihn in der Folge zur Elektrochemie, einem Gebiet, das ihm ebenfalls die Ausarbeitung wertvollster technischer Verfahren verdankt (Elektrochemisches Bleichverfahren, Kellnersches Quecksilberverfahren zur Chloralkalielektrolyse u. a.). Als die Freiherr-Ritter-Zahony’schen Fabriken in andere Hände übergingen (Kellner leitete selbst den Verkauf), wandte er sich der Gründung eigener Unternehmungen zu. Die mit dem englischen Papierindustriellen Edward Partington (1836–1925) 1889 gegründete und nach den Patenten Kellners arbeitende The Kellner-Partington Paper Pulp Co. Ltd. errichtete Fabriken in verschiedenen Ländern, unter anderem auch zu Beginn der 1890er Jahre ein Werk in Hallein bei Salzburg. Eine zweite, von Kellner mit Hamilton Castner (1858–1899) gegründete Gesellschaft, The Castner-Kellner Alkali Co., baute in England die damals größte Anlage der Welt zur Chloralkalielektrolyse. Das von Kellner ins Leben gerufene Syndikat Dr. Kellner errichtete in Jajce (Bosnien) eine elektrochemische Fabrik, die nach seinem Verfahren Chlorkalk und Ätznatron erzeugte. Kellner befasste sich auch mit technischen Erfindungen auf verschiedenen anderen Gebieten, wie Gewinnung von Gespinstfasern, Beleuchtung, Fotografie, künstliche Edelsteine u. a.

Am 29. Juni 1873 wurde Karl Kellner in der Loge „Humanitas“ in Neudörfl a. d. Leitha (einer sogenannten „Grenzloge“ für die Wiener Mitglieder) als Freimaurer aufgenommen und am 23. November 1873 zum Gesellen befördert,[1] aber bereits am 13. Mai 1875 „wegen Nichteinhaltung der freimaurerischen Verpflichtungen“ wieder aus der Loge ausgeschlossen.[2] Auf ausgedehnten Reisen durch Europa, Amerika und Vorderasien will er seinen eigenen Angaben nach mit drei Adepten (einem Sufi, Soliman ben Aifa, und zwei hinduistischen Tantrikern, Bhima Sena Pratapa aus Lahore und Sri Mahatma Agamya Paramahamsa) sowie einer Organisation namens Hermetic Brotherhood of Light in Berührung gekommen sein. Diese Begegnungen sind jedoch ohne Belege. 1885 begegnete Kellner Franz Hartmann, einem gelehrten Theosophen und Rosenkreuzer.

1895 begann Kellner seine Idee der Gründung einer „Academia Masonica“ mit Theodor Reuß unter dem Namen Orientalischer Templerorden zu besprechen. Ein innerer Kreis, der eigentliche O.T.O., sollte in seinem Aufbau auf die höchsten Grade der freimaurerischen Memphis und Mizraim-Riten aufgesetzt werden. Dort sollten die Lehren der Hermetic Brotherhood of Light sowie Kellners eigene Ideen zur freimaurerischen Symbolik gelehrt werden.

Nach Peter-Robert König soll er der Ideenlieferant des OTO-Phänomens unter dem Ordensnamen „Renatus“ gewesen sein. Seine Ernennung am 27. Dezember 1903 zum „Ehren-General-Großmeister in Großbritannien und Deutschland, 33°, 90°, 96°“ ist nicht sicher belegt;[3] Sigrid Plutzar, die Urenkelin Kellners, stellt (im März 1999) dessen andere Seite als nicht bewiesen dar.[4]

Karl Kellner war seit 1885 mit Marie Delorme verheiratet und hatte mit ihr vier Kinder.

In seinem letzten Lebensjahr hatte Kellner eine schwere Blutvergiftung überstanden. Kurz nach einer Ägyptenreise verstarb er am 7. Juni 1905 in seiner (heute nicht mehr bestehenden) Villa[Anm. 1] Hohe Warte 29, Wien-Döbling,[5] an Herzstillstand.[6] Karl Kellner, Ehrenbürger der Stadt Hallein, wurde am 10. Juni 1905 auf dem Friedhof der Marktgemeinde Oberalm, Bezirk Hallein, zur letzten Ruhe bestattet.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Lechler in Zusammenarbeit mit Wolfgang Kistemann: Heinrich Tränker als Theosoph, Rosenkreuzer und Pansoph (unter Berücksichtigung seiner Stellung im O.T.O und seines okkulten Umfeldes). Selbstverlag Volker Lechler, Stuttgart 2013. S.145
  2. Kodek, Günter K.: Unsere Bausteine sind die Menschen. Die Mitglieder der Wiener Freimaurerlogen (1869-1938). Wien 2009. S.178.
  3. Peter-R(obert) König (Zusammenstellung): Carl Kellner: Never a member of any O.T.O. (englisch). In: parareligion.ch, abgerufen am 3. August 2012. – Aus: Michael Alberts (Red.): Feldzug gegen Rudolf Steiner. Über OTO-, Rassismusvorwürfe und Angriffe auf die Waldorfschulen. Flensburger Hefte, Band 63, ISSN 0932-5859. Flensburger-Hefte-Verlag, Flensburg 1998, ISBN 3-926841-88-5, Inhaltsverzeichnis online (PDF; 48 kB).
  4. Sigrid Plutzar: Dr. Carl Kellner – eine persönliche Betrachtung. In: parareligion.ch, abgerufen am 3. August 2012.
  5. Marie Kellner geb. Delorme gibt hiemit (…). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 14652/1905, 8. Juni 1905, S. 22, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  6. Kleine Chronik. (…) † Dr. Karl Kellner. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 14652/1905, 8. Juni 1905, S. 5, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  7. Marie Kellner, geborene Delorme, gibt hiemit (…). In: Salzburger Chronik, Nr. 131/1905 (XLI. Jahrgang), 9. Juni 1905, S. 4 unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/sch sowie
    Hallein, 12. Juni. Leichenbegängnis Dr. Karl Kellner. In: Salzburger Chronik, Beilage zur „Salzburger Chronik“ Nr. 133, Nr. 133/1905 (XLI. Jahrgang), 13. Juni 1905, S. (Seite 3, Mitte rechts). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/sch.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. 1896 fertiggestellt nach Plänen von Max Fabiani (1865–1962); 1902 geplanter Umbau durch Wilhelm Jelinek (1845–1919). – Siehe: Max Fabiani sowie Wilhelm Jelinek in: architektenlexikon.at, abgerufen am 3. August 2012.

Weblinks[Bearbeiten]