Karl Ludwig Nessler

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Karl Ludwig Nessler (* 2. Mai 1872 in Todtnau, Baden; † 22. Januar 1951 in Harrington Park, New Jersey) war ein deutscher Friseur und der Erfinder der Dauerwelle.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Karl Nessler war der Sohn des Schuhmachers Bartholomäus Nessler und dessen Ehefrau Rosina (geb. Laitner) aus dem Schwarzwaldstädtchen Todtnau unterhalb des Feldbergs.

Die Idee für die Dauerwelle kam ihm angeblich bereits in seiner Jugend. Berichtet wird, dass er als Kind hin und wieder als Schafhirte arbeitete und ihm dabei auffiel, dass Schafhaare im Gegensatz zum menschlichen Haar dauerhaft gelockt waren.[1] Zunächst beginnt er eine Lehre im nahegelegenen Fahrnau beim Dorfbarbier Busam, die er jedoch nach einigen Monaten abbricht. Er erweitert seine Erfahrungen durch Aufenthalte in Basel, Mailand und Genf, wobei er Italienisch und Französisch lernt.

In Genf findet er eine Anstellung bei einem vornehmen Coiffeur und setzt seine Ausbildung fort. Sich an die französischsprachige Umgebung anpassend nennt er sich nun und für den Rest seines Lebens Charles Nessler, teilweise auch Charles Nestle.

Ein paar Jahre später zieht es ihn nach Paris. Dort lernt er Katharina Laible kennen, die aus der Ulmer Gegend kommt und die sich bereitfindet, die erste Dauerwelle von Nessler an sich versuchen zu lassen.

Dazu teilt Nessler drei Strähnen ihres Haares ab, bindet jede von ihnen dicht an der Kopfhaut ab, benetzt sie mit einem geheimnisvollen Gemenge und wickelt die Haare schraubenförmig auf Metallstäbe. Mit einer selbstkonstruierten, elektrisch beheizten Zange, ähnlich den Waffeleisen, erhitzt er die hornförmig abstehenden Gebilde. Nessler muss die Zange ständig halten und bringt seinem Opfer Brandblasen bei. Die Wellung gelingt zunächst nicht, erst beim 3. Versuch, wobei Nessler die Lockenwickler lange auswäscht. Die Wellung blieb und wurde „Dauerwelle“ genannt.

Werbeanzeige in einer britischen Zeitung

Er zieht nach London und heiratet dort Katharina Laible. 1902 erhält er sein erstes Patent auf die Herstellung künstlicher Augenbrauen und -wimpern.[2][3] Seinen Dauerwellen-Apparat wendet er im eigenen Salon in der exklusiven Oxford Street weiterhin an.

In der Londoner Damenwelt verbreitet sich die Kunde von Nesslers Erfindung rasch und sein Salon findet regen Zulauf. 1906 hält Nessler sein Dauerwell-Verfahren für so weit ausgereift, dass er es der exklusiven Kollegenschaft Londons vorführen kann. Er lädt die „Leading Hairdressers“ für den 8. Oktober des Jahres zu einer Demonstration ein. Die Vorführung wird aber zu einem Misserfolg. Der Grund dafür ist vielleicht weniger ein Unwille der Fachwelt, die Methode als neu zu erkennen, als vielmehr deren Angst vor dem Verlust der Dauerkundschaft.

Nessler ließ sich aber nicht von seiner Idee abbringen und verstärkt die Werbung für seine Erfindung, den Hair Curler. Im Februar 1910 wird ihm das am 6. Februar 1909 beantragte britische Patent 20.597 für seine elektrische Apparatur, die permanent wave machine, erteilt.[4]

Anzeige für seinen Laden in London

Allmählich verbreitete sich der Ruf seiner Dauerwelle. 1913 lässt er wesentliche Verbesserungen an seinem Apparat patentieren.[5] Er arbeitet stetig weiter an der Verbesserung seiner Techniken, die zu einem neuen, 1914 beantragten und 1915 erteilten Patent führen.[6] Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird er als feindlicher Ausländer von den britischen Behörden interniert, sein Vermögen eingezogen.

Nach seiner Entlassung wandert Nessler daraufhin nach New York aus. In Amerika sind zu dieser Zeit jedoch bereits Hunderte von Schwarzkopien seines Apparates in Umlauf. Doch Nessler macht sich unverzüglich an einen Neuanfang und meldet bereits im April 1918 als US-Bürger seinen verbesserten Apparat auch in den USA zum Patent an, Patenthalter ist die von ihm gegründete Nestle Patent Holding Co. Inc.[7] Das Konzept geht auf, er belegt bald die Häuserfront Nr. 8 bis 14 in der East 49th Street mit seinen Läden. Er entwickelt ein Heimgerät, das nur 15 Dollar kostet. 1927 beschäftigt er in New York, Chicago, Detroit, Palm Beach und Philadelphia bereits 500 Mitarbeiter, sein Firmenimperium ist Millionen wert, die jährlichen Ausgaben für Werbung belaufen sich auf etwa 300.000 US-Dollar. 1935 stirbt seine Frau Katharina. Er arbeitet weiterhin an der Verbesserung des Verfahrens, von 1919 bis 1939 meldet er 4 weitere Patente in den USA an.[8]

Nessler hat jedoch seine Herkunft aus einfachsten Verhältnissen nicht vergessen. In der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre spendet er bedürftigen Einwohnern von Todtnau die für damalige Verhältnisse erhebliche Summe von über 20.000 Mark. 1929 verliert er durch den Schwarzen Donnerstag fast sein ganzes Vermögen.

Am 22. Januar 1951 stirbt Karl Nessler in Harrington Park (New Jersey, USA).

Ehrungen[Bearbeiten]

Seit 1996 wird in der Geburtsstadt von Karl Ludwig Nessler der NESSLER-PREIS vergeben. Der Anlass war die Erfindung der Dauerwelle vor 90 Jahren. Der Preis wurde gestiftet vom Nessler-Komitee und ist mit 2500 Euro der höchstdotierte Handwerkspreis Deutschland. Er wird alle drei Jahre an eine besonders verdiente und engagierte Persönlichkeit des Friseurhandwerks vergeben. Bisherige Preisträger: 1996 Alfred Preußner (Gevelsberg), 1999 Erwin Schmidt (Bretten), 2002 Manfred Schmock (Darmstadt), 2006 Siegfried Helias (Berlin) und 2011 Franz Josef Küveler (Mending /Pfalz).[9]

Seit Oktober 2006 (zum 100. Jahrestag der Erfindung der Dauerwelle) gibt es in Todtnau ein Nessler-Museum, das als Friseursalon im Jugendstil eingerichtet ist.[10]

Schriften[Bearbeiten]

  • Charles Nessler: Lehrbuch für Dauerwellen am Haare des Menschen. Berlin: R. Bredow, 1922.
  • Charles Nessler: The story of hair; its purposes & its preservation; New York: Boni & Liveright, 1928.
  • Charles Nessler: Our vanishing hair; a dissertation on human hair production with special reference to premature baldness; New York, N.Y.: The Alwyn-Schmidt publishing co., um 1934

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Lehmberg; F. Bleyer (Illustrationen): Karl Ludwig Nessler: Die Lebensgeschichte eines Friseurs und Erfinders; Neustadt/Schwarzwald: Kadus-Werk, Kegel, 1954
  • Hans Lehmberg (Hrsg.): Karl Ludwig Nessler und die Erfindung der Dauerwelle. KADUS Haarkosmetik Lenzkirch, Kadabell GmbH & Co. KG, 2. überarb. Aufl., Lenzkirch: Kadabell, 1986.
  • Claus Priesner: Nessler, Karl Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 76 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

Patente/Quellennachweise[Bearbeiten]

  1. Brush Scene: Karl-Ludwig Nessler, ein Friseur aus Todtnau, der das Gesicht der Welt veränderte: Comeback der Dauerwelle, Ausgabe September-Oktober 2012, Seite 26
  2. Patent GB190218723: A New or Improved Method of and Means for the Manufacture of Artificial Eyebrows, Eyelashes and the like. Angemeldet am 26. August 1902, veröffentlicht am 6. November 1902.
  3. Patent US1450259: Artificial eyelashes and method of making same. Veröffentlicht am 3. April 1923.
  4. Patent GB190902931: A New or Improved Process of Waving Natural Hair on the Head. Angemeldet am 6. Februar 1909, veröffentlicht am 3. Februar 1910.
    Patent GB190920597: Improvements in Apparatus for use in Waving Natural Hair on the Head. Angemeldet am 6. Februar 1909, veröffentlicht am 3. Februar 1910.
  5. Patent GB191223357: Improvements in Hair Curlers. Angemeldet am 12. Oktober 1912, veröffentlicht am 26. Juni 1913.
  6. Patent GB191408117: Improvements in or connected with the Waving of Natural Hair on the Head. Angemeldet am 31. März 1914, veröffentlicht am 24. Juni 1915.
  7. Patent US1400370: Hair-waving apparatus. Angemeldet am 16. April 1918, veröffentlicht am 13. Dezember 1921.
  8. Britische Patente (in zahlreichen weiteren Ländern patentiert): 1919: Patent GB128340.; 1927: Patent GB269239.; 1933: Patent GB403519.; 1939: Patent GB511282.
  9. http://www.nessler-todtnau.de/index.php?site=nesslerpreis
  10. http://www.mopo.de/news/gesellschaft-museum-ueber-dauerwellen-erfinder-karl-nessler-eroeffnet,5066732,5744870.html