Karl Mützelfeldt

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Karl Mützelfeldt

Karl Theodor Heinrich Mützelfeldt (* 30. April 1881 in Hermannsburg; † 30. November 1955 in Adelaide) war ein evangelischer Pfarrer und Pädagoge, sowie Autor mehrerer religionspädagogischer Schriften. Er gilt als einer der ersten Pfarrer, der die evangelische Kirche in ihre Verantwortung gegenüber ihren Kirchgliedern jüdischer Abstammung nehmen wollte. [1]

Er war Leiter des gesamten Kaiserswerther Schulwesens. Aufgrund seiner Bewunderung des Deutschtums löste der Beginn der NS-Rassenpolitik (→ Arierparagraph) bei ihm eine schwere Verlusterfahrung aus.[2] Seine Kinder hatten mütterlicherseits einen jüdischen Großvater und wurden demnach mit unzureichendem Ariernachweis seitens der Behörden, nicht mehr als Deutsche betrachtet. Er unternahm den vergeblichen Versuch, in Deutschland eine kirchliche Stelle zur Betreuung christlicher „Nichtarier“ zu etablieren. Zusammen wanderte die Familie 1934 nach Australien aus. Dort organisierte er eine lutherische Einwanderungshilfe.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Kindheit und Schule[Bearbeiten]

Karl Mützelfeldt wurde im neu errichteten, zweiten Missionshaus der Hermannsburger Mission geboren. Sein Vater Carl (sen.) war dort Missionsinspektor. Der Missionsdirektor Theodor Harms war Karls Taufpate. Die Eltern stammten aus Lauenburg. Die Familie der Mutter Maria geb. Lehmitz betrieben in ihrem Haus eine christliche Kleinkinderschule und gehörte zu dem Kreis der „Erweckten“, den Ludwig Harms während seiner Lauenburger Zeit gegründet hatte. Nach dem Umzug der Familie 1883 in das Weserbergland wuchs Karl Mützelfeldt in Preußisch Oldendorf und Rabber, Kreis Wittlage, auf. Sein Vater war dort zum Pastor der neu gegründeten Gemeinde Rabber der Hannoverschen evangelisch-lutherischen Freikirche berufen worden.[3] Im Anschluss an den Besuch der örtlichen Dorfschule verließ Karl Mützelfeldt früh seine Familie und war im Haus des Superintententen und späteren Kirchenrat Dr. Schmidt in Elberfeld untergebracht, um ab 1893 das dortige Gymnasium zu besuchen. 1898 wechselte er an das Ratsgymnasium Osnabrück, wo er 1901 das Abitur ablegte.

Studium und Ausbildung[Bearbeiten]

In Göttingen begann er das Studium der Theologe und Philosophie und wechselte zum Sommersemester 1903 an die Universität Rostock, die er im August 1905 wieder verließ.[4] In Göttingen wurde er 1901 im Göttinger Wingolf, 1903 im Rostocker Wingolf aktiv.[5] 1906 besuchte er die von Pastor von Bodelschwingh neu gegründete Theologische Schule Bethel und im Wintersemester 1906/07 das Seminar der Evangelisch-lutherischen Kirche in Preußen. Dort in Breslau legte Karl Mützelfeldt sein erstes theologisches Examen als Kandidat der Hannoverschen evangelisch-lutherischen Freikirche ab. Er trat jedoch nicht in den kirchlichen Vorbereitungsdienst, sondern wurde Erzieher einer Privatschule, am Evangelischen Pädagogium in Bad Godesberg. Mit gleichzeitigen Besuch von Vorlesungen in Bonn bestand er die Prüfung als Turn- und Schwimmlehrer. 1906 legte Karl Mützelfeldt das staatliche Lehramtsexamen in den Fächern Religion, Philosophie und Hebräisch ab. Zum Wintersemester 1908/1909 immatrikulierte er sich erneut an der Rostocker Universität, gab seine Rechte jedoch bereits am 27. April 1909 wieder auf.[6]

Wirken[Bearbeiten]

Karl Mützelfeldt wurde 1906 vom Pädagogium Godesberg als Oberlehrer für Religion berufen. Dort lernte Karl Mützelfeldt seinen Kollegen und späteren „väterlichen Freund Professor D. Dr. Dennert“[7] kennen, dessen neu gegründeten Keplerbund er sich sofort anschloss. Karl Mützelfeldt übernahm auch die Gesamtredaktion der dritten Auflage des von Dennert herausgegebenen Volks-Universal-Lexikons und trug auch mit Artikel der Theologie und Philosophie dazu bei. Zum Oktober 1913 wurde Karl Mützelfeldt Studienrat am Städtischen Oberlyzeum in Düsseldorf-Oberkassel. Seine dortige Tätigkeit wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Vom Anfang bis zum Ende des Krieges wurde er an der Westfront eingesetzt. Mit den Auszeichnungen EK II und EK I kehrte er als Offizier in das besetzte Rheinland zurück. Zu Ostern 1923 wurde er als Leiter der Bethelschule berufen. Er konnte jedoch die Stelle nicht antreten, da die Besatzungsbehörden die Ausreise nicht genehmigten. Zum Oktober 1923 nahm er die Stelle des Direktors des Oberlyzeums der Diakonissenanstalt Kaiserswerth an und schied aus dem öffentlichen Dienst aus.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Allerlei Mißbrauch der Naturwissenschaft, A. "Kosmos"-Veröffentlichungen, Godesberg bei Bonn, Naturwiss. Verl., Abt. des Keplerbundes, 1909
  • Evangelisches Führertum und höhere Schule: Ein Weckruf an d. dt. evang. Christenheit. Wichern-Verlag 1925
  • mit Luise Fliedner: Die Kaiserswerther Seminare - Erinnerungen aus neun Jahrzehnten Kaiserswerther Lehrerinnenbildung. Kaiserswerth 1928
  • mit Friedrich Fliedner und Adelheid Caspar: Evangelisches Religionsbuch für höhere Schulen. Velhagen & Klasing 1930

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Stolle: "Den christlichen Nichtarien nimmt man alles", Der evangelische Pädagoge Karl Mützelfeldt angesichts der NS-Rassenpolitik. (Münsteraner Judaistische Studien Bd. 22, herausgegeben vom Institutum Judaicum Delitzschianum in Münster) LIT-Verlag 2007. ISBN 978-3-8258-0901-0.
  • Gury Schneider-Ludorff, Magdalene von Tiling: Ordnungstheologie und Geschlechterbeziehungen
  • L. Fliedner, Diakonisse (Hg.): Zur Erinnerung an Herrn Pastor Karl Mützelfeldt, Druck: Fritz Riehl, Mülheim (Ruhr) 1955.
  • Gunther Schendel: Die Missionsanstalt Hermannsburg und der Nationalsozialismus. LIT-Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-8258-0627-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.lutherisch-in-heidelberg.de/e7/e126/?id=144815
  2. http://www.lthh-oberursel.de/5publikationen.html
  3. Geschichte der Hannoverschen evangelisch-lutherischen Freikirche. Herausgegeben von dem Pastorenkonvent, Celle 1924
  4. Immatrikulation (1) von Karl Mützelfeldt im Rostocker Matrikelportal
  5. Mitgliederverzeichnis des Wingolfs, Berlin 1937, S.159
  6. Immatrikulation (2) von Karl Mützelfeldt im Rostocker Matrikelportal
  7. Volker Stolle: Den christlichen Nichtarien nimmt man alles, Münsteraner Judaistische Studien Bd. 22, LIT-Verlag 2007. ISBN 978-3-8258-0901-0, S.14