Karl Maria Wiligut

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Karl Maria Wiligut (* 10. Dezember 1866 in Wien; † 3. Januar 1946 in Arolsen, Pseudonyme: Karl Maria Weisthor, Jarl Widar)[1] war ein österreichischer Okkultist und SS-Brigadeführer.

Leben[Bearbeiten]

1907 heiratete Wiligut Malwine Leuts von Treuenringen aus Bozen. Aus der Ehe gingen die beiden Töchter Gertrud und Lotte hervor.[2]

Karl Maria Wiligut war Oberst in der österreich-ungarischen Armee.

Wiligut veröffentlichte 1903 das Buch Seyfrieds Runen.[3] Ab 1908 soll er in Wien Kontakte mit völkischen und ariosophischen Kreisen und zu Mitgliedern des Lanzschen Neutemplerordens gepflegt haben.[4][5] Er stand der Edda-Gesellschaft nahe und schrieb unter dem Pseudonym Jarl Widar Gedichte für deren Widar-Heften.[4] Wiliguts Ideen ähnelten jenen von Guido von List.[6]

Die Informationen über Wiliguts Leben vor dem Eintritt in die SS sind sehr unzuverlässig und stammen überwiegend aus Kreisen, in denen er verehrt wurde bzw. noch heute verehrt wird.[3][7][8]

Salzburger Nervenklinik (1924–1927)[Bearbeiten]

Im November 1924 wurde Wiligut unfreiwillig wegen einer paraphrenen Psychose mit Bildung von Größen- und Beeinträchtigungsideen in die Salzburger Nervenklinik eingewiesen in der er bis zu seiner Entlassung Anfang 1927 behandelt wurde. Aufgrund dieser Umstände wurde er zwischenzeitlich von einem Salzburger Gericht entmündigt.[9]

Flucht nach Deutschland (1932)[Bearbeiten]

1932 flüchte Wiligut wegen seines geschändeten Ansehens aufgrund seines jahrelangen Aufenthaltes in der Nervenheilanstalt vor seiner Familie nach Deutschland wo er sich im Münchener Vorort Bogenhausen niederließ. Hier führte er seine Ahnenforschungen fort und wurde unter Runenokkultisten populär.[9]

Eintritt in die SS (1933)[Bearbeiten]

Der SS-Offizier und Mitglied des Neutempler-Ordens Richard Anders machte Wiligut mit Himmler bekannt.[6] 1933 trat er der SS bei, wo ihm von der SS-Führungsspitze der Name „Weisthor“ verliehen wurde: „Weis“, weil er zu den Eingeweihten zählte, und „Thor“ im Sinne des nordischen Donnergottes. Er wurde engster Ratgeber Heinrich Himmlers[10] in Sachen Mythologie. Im Auftrag Himmlers hatte er von 1933 bis 1939 prähistorische Studien durchzuführen.[6] Seit 20. April 1934 war er SS-Standartenführer (Ehrenrang) was seinem ehemaligen militärischen Rang (Oberst) in der österreichischen Armee entsprach. Bereits am 9. November 1934 wurde er zum SS-Oberführer befördert. Am 9. November 1936 verlieh Himmler ihm den Dienstgrad SS-Brigadeführer (Generalmajor).[11]

Leitung des Archivs im Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA)[Bearbeiten]

Wiligut übernahm im Oktober 1934 die Leitung des Archivs im Rasse- und Siedlungshauptamt und beriet Himmler in weltanschaulichen Fragen. Ab Januar 1936 war er im RuSHA mit Sonderaufgaben betraut.[12] Auf die Einrichtung der Abteilung Vor- und Frühgeschichte des RuSHAs hatte Wiligut neben dem mit ihm konkurrierenden Alexander Langsdorff großen Einfluss.[13] Wiligut und Himmler verband das Interesse für okkulte, esoterische und mythologische Themen. Wiligut behauptete von sich selbst, er und seine Familie stammten direkt von den Asen ab und seien deren letzte verbliebene Traditionsträger.

Umgestaltung der Wewelsburg und Entwicklung zeremonieller SS-Elemente[Bearbeiten]

Als Himmler mit Richard Walther Darré auf der Suche nach etwas Altehrwürdigem in Westfalen war, in dem sich die SS verankern ließe, lenkte der Architekt Hermann Bartels am 3. November 1933 in Absprache mit dem Regierungspräsidenten und Jutta von Oeynhausen die Aufmerksamkeit auf die Wewelsburg bei Paderborn.[14] Wiligut war eine Zeit lang führend an der Umgestaltung der Wewelsburg zu einer Ordensburg der SS beteiligt. Er entwarf den Totenkopfring der SS, befasste sich mit Runen, Heraldik und Symbolkunde und gab an, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. So beriet er auch seinen persönlichen Freund Heinrich Himmler in Fragen der Astrologie. Aufgrund seines Einflusses wurde er auch als „Himmlers Rasputin“ bezeichnet.[15] Wiligut legte die zeremoniellen Elemente fest, die die SS-Ideologie, die Ziele der Rassenreinheit und die territoriale Eroberung in einen geweihten Rahmen einbetten sollten.[6]

Entlassung aus der SS (1939)[Bearbeiten]

Im August 1939 musste er die SS verlassen, weil er zunehmend als Scharlatan entlarvt wurde und wegen seines Medikamenten- und Alkoholmissbrauchs nicht mehr in der SS zu halten war. Damals wurde auch öffentlich bekannt, dass Wiligut die Zeit von 1924 bis 1927 wegen zunehmender Exzentrik in einer Salzburger Nervenheilanstalt verbracht hatte und 1925 nach verunglückten Geldgeschäften von seiner Frau entmündigt worden war. Zudem hatte Hitler nunmehr öffentlich gegen den Okkultismus Stellung bezogen. Himmler gab dennoch die Beziehung zu Wiligut nicht völlig auf und holte mehrmals seinen Rat ein. Im Sommer 1940 entwarf Wiligut ein Grabzeichen für gefallene SS-Mitglieder. Ebenfalls 1940 lenkte er Himmlers Interesse auf archäologische Funde aus dem Neolithikum im Tal des irakischen Kleinen Zabs in der Provinz Arbil. Wiligut meinte, hier den Fantasieort "Atlantis" gefunden zu haben und selbst von einem der damaligen Zauberer abzustammen.[11][16] Nach seiner Entlassung aus der SS lebte Wiligut noch einige Jahre in der mittelalterlichen Stadt Goslar, der er sich sehr verbunden fühlte.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Karl Maria Wiligut: Seyfrieds Runen. Friedrich Schalk Verlag, Wien 1903.
  • Karl Maria Wiligut: Darstellung der Menschheitsentwicklung aus der Geheimüberlieferung unserer Asa-Uana-Sippe Uiligotis. (Bundesarchiv Berlin NS 19/3671)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. Ergänzungsband. Mit Korrigenda zum Hauptband. Darmstadt 1989, S. 90 u. 92.
  2. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. marixverlag, 2004, S. 159f.
  3. a b Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-859-5, S. 293.
  4. a b Stefanie von Schnurbein: Religion als Kulturkritik. Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1992, ISBN 3-533-04582-X, S. 113.
  5. Rüdiger Sünner: Die Schwarze Sonne. Entfesselung und Missbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter Esoterik. Herder, Freiburg im Breisgau 1999, ISBN 3-451-05205-9, S. 69–70.
  6. a b c d Nicholas Goodrick-Clarke: Im Schatten der Schwarzen Sonne: Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung. Marix Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-86539-185-0, S. 283.
  7. Stefanie von Schnurbein: Religion als Kulturkritik. Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1992, ISBN 3-533-04582-X, S. 114.
  8. Beispiele von ONT-Schriften über Wiligut sind Rudolf J. Mund: Der Rasputin Himmlers. Die Wiligut-Saga. Volkstum-Verlag u. a., Wien u. a. 1982, ISBN 3-85342-035-4; Rudolf J. Mund, Gerhard von Werfenstein: Mythos Schwarze Sonne. Karl Maria Wiligut-Weisthor, der heilige Gral und das Geheimnis der Wewelsburg. Hans Herzig, Books on Demand 2004, ISBN 3-8334-1122-8.
  9. a b Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. marixverlag, 2004, S. 159.
  10. Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 292.
  11. a b Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 295.
  12. Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 292 f.
  13. Uta Halle: “Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch!” Prähistorische Archäologie im Spannungsfeld völkisch-nationalsozialistischer Wissenschaft und Politik. Bielefeld 2002, S. 62f., 77, 355–358; Dirk Mahsarski: Herbert Jankuhn (1905–1990). Ein deutscher Prähistoriker zwischen nationalsozialistischer Ideologie und wissenschaftlicher Objektivität. Rahden 2011, S. 28, 176f.
  14. Karl Hüser: Wewelsburg 1933 bis 1945. Kult- und Terrorstätte der SS. Eine Dokumentation. 2. Auflage. Bonifatius, Paderborn 1987, ISBN 3-87088-534-3, S. 16 f.
  15. Vgl. hierzu Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 292–295.
  16. Rüdiger Sünner: Die Schwarze Sonne. Entfesselung und Missbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter Esoterik. Herder, Freiburg 1999, ISBN 3-451-05205-9, S. 69–70.

Weblinks[Bearbeiten]