Karl Prantl

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Dieser Artikel behandelt den Bildhauer Karl Prantl. Für den Philosophen Karl Prantl siehe Karl von Prantl, für den Botaniker siehe Carl Prantl.
Karl Prantl (2007)

Karl Prantl (* 5. November 1923 in Pöttsching, Burgenland; † 8. Oktober 2010 ebenda[1]) war ein österreichischer Bildhauer.

Leben[Bearbeiten]

Prantl wuchs in seinem Geburtsort Pöttsching in einer österreichisch-ungarischen Beamtenfamilie auf. Sein Großvater war Bäcker und Bauer. Ab 1930 besuchte er die Volksschule und Mittelschule. Er war beim Arbeitsdienst und im Zweiten Weltkrieg Soldat.[2]

Leben als Künstler[Bearbeiten]

Von 1946 bis 1952 studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Albert Paris Gütersloh und erhielt als Abschluss ein Diplom für Malerei. 1953 siedelte er nach Wien über; dort schloss er sich der Künstlergruppe Der Kreis an, deren Mitglied er bis zu seinem Lebensende blieb. 1956 trat Prantl im Rahmen eines Stipendiums des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst einen sechsmonatigen Studienaufenthalt in Rom an, dem eine mehrmonatige Reise nach Griechenland folgte. Ein Jahr später heiratete er die Künstlerin Uta Peyrer, mit der er zwei Kinder hatte.

Prantl war auf dem Gebiet der Skulptur Autodidakt; nach seiner malerischen Ausbildung wendete er sich etwa um 1950 diesem Bereich zu. Steine wurden forthin zu seinem bevorzugten Material.

1958 bezog Prantl sein erstes Atelier in einem alten Gewölbe in der Nähe des Donaukanals. Ein Jahr später arbeitete er erstmals in einem Steinbruch an einer Auftragsarbeit, einem großen Grenzstein. Dort entdeckte er die Eigengesetzlichkeiten und ästhetischen Reize der bildhauerischen Arbeit in freier Landschaft, die sich von der Atelierarbeit erheblich unterschied; diese mit Askese verbundene Arbeitsform ist für sein weiteres Schaffen von großer Bedeutung, Form und Ausdruck seines Gesamtwerkes werden davon geprägt.

Römersteinbruch in St. Margarethen/Burgenland

Die neue Erfahrung ließ in dem Künstler die Idee wachsen, gemeinsam mit Künstlerkollegen ein Bildhauersymposium durchzuführen. Im gleichen Jahr veranstaltete er im burgenländischen St. Margarethen das erste Symposion Europäischer Bildhauer, bei dem im dortigen „Römersteinbruch“ während dreier Monate Skulpturen von elf Künstlern aus acht Ländern geschaffen und dort aufgestellt wurden. Dieses Symposion gilt als die Geburtsstätte zahlreicher weiterer Steinbildhauer-Symposien in Europa, in Amerika und Asien, die sich in den Folgejahren anschlossen.

Karl Prantl schrieb dazu um 1959: „An uns Bildhauer selber gedacht, ist es so, dass wir durch die Erfahrungen von St. Margarethen, durch dieses Hinausgehen in den Freiraum – in den Steinbruch, auf die Wiesen – wieder frei wurden. Um dieses Freiwerden oder Freidenken in einem ganz weiten Sinn ging es. Für uns Bildhauer ist der Stein das Mittel, um zu diesem Freidenken zu kommen – zum Freiwerden von vielen Zwängen, Engen und Tabus.“[3]

1965 siedelte Prantl in ein neues Atelier, einen Gebäudetrakt der Wiener Weltausstellung (1873), um. Fünf Jahre später zerbrach seine Liaison mit dem St. Margarethener Symposion, da er sein Lebenswerk nicht gebührend durch die öffentliche Hand gewürdigt und gefördert sah; 1979 trat er endgültig aus dem Förderverein aus. Nachdem sich im Verlauf von Jahren die Wogen wieder geglättet hatten, trat Prantl 1989 dem Förderverein wieder bei.

Prantl zog mit seiner Familie 1978 ins burgenländische Pöttsching um, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. Dort ließ er sich von dem Architekten Ernst Hiesmayr ein eigenes Atelierhaus bauen. Prantls Verdienst ist es, mit der Idee des Bildhauer-Symposiums und dessen Nachfolgeprojekten, den Skulpturenstraßen, eine Entwicklung angestoßen zu haben, die Kunst, für alle unmittelbar sicht- und erlebbar, in der Naturlandschaft etablierte. In Pöttsching wurde zur Aufnahme des Bilderbestandes nach Plänen des Architekten Carsten Roth ein Kunstspeicher errichtet[4].

Karl Prantl verstarb am 8. Oktober 2010 an den Folgen eines Gehirnschlags.[5]

Reisen[Bearbeiten]

  • 1956: Studienaufenthalt in Rom / Reise nach Griechenland
  • 1967: Erste USA-Reise
  • 1972: Reise nach Rumänien (Târgu Jiu)
  • 1974: Reise nach Lawrence, Kansas
  • 1977–78: Reise nach New York und New Mexico
  • 1980: Reise nach Indien (Patiala)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Teilnahme an Bildhauer-Symposien[Bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten]

  • 1955: Linz (Neue Galerie der Stadt Linz)
  • 1960: Wien (Junge Galerie)
  • 1961: Warschau (Galerie Krzywe Kolo)
  • 1962: London (New Vision Center Gallery)
  • 1967: New York (Gallery Staempfli) / München (Studio UND)
  • 1969: Mailand (Galeria Milano)
  • 1971: Aarau (Aarauer Kunsthaus) / Bern (Galerie Zähringer) / Wien (Künstlerhaus)
  • 1972: Wien (Österreichisches Kunstzentrum)
  • 1973: Zürich (Galerie Verna)
  • 1977: Baden-Baden (Galerie S. Fischer)
  • 1978: Chicago (Samuel Stein Fine Arts)
  • 1980: Kiel (Kunsthalle)
  • 1981: Frankfurt/M (Kunstverein)
  • 1983: Hamburg (Kunsthalle)
  • 1986: Venedig (Biennale)
  • 1991: Liechtenstein (Galerie am Lindenplatz) / Nürnberg (Kunsthalle Schaan)
  • 1994: Yorkshire, England (Sculpture Park)
  • 1998: Paris (Galerie Karsten Greve)
  • 2001: Prag (Tschechisches Museum)
  • 2004: Bologna (Museum Morandi)
  • 2007: Saarlouis, Saarland (LABORATORIUM Institut für Aktuelle Kunst im Saarland)
  • 2014/2015: Karl Prantl.[6],Wien (Albertina)

Werke[Bearbeiten]

Zahlreiche Werke Prantls sind an öffentlichen Plätzen oder in Parks zu sehen, weil sie bei Bildhauersymposien entstanden, darunter in Berlin oder Nürnberg. Oft sind sie aus demselben Grund auch in der freien Natur zu finden, wie z.B. an der Straße der Skulpturen (St. Wendel), bei Steine an der Grenze (Saargau) oder in Oggelshausen.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Prantl - Plastiken 1950–1981. Hrsg.: Frankfurter Kunstverein [Katalog zur Ausstellung. Mit ausführl. Biografie, Bibliografie, Ausstellungsliste, Kunst im Öffentlichen Raum]. Frankfurt: Selbstverlag, 1981.
  • Das Bildhauersymposion: Entstehung und Entwicklung einer neuen Form kollektiver und künstlerischer Arbeit. Hrsg: Wolfgang Hartmann. Stuttgart 1988. ISBN 3-7757-0263-6
  • Karl Prantl im Gespräch mit Monika Bugs. Hrsg.: Jo Enzweiler. Saarlouis: LABORATORIUM, 1999. (Interview Nr. 7)
  • Dittmann, Marlen u. Lorenz: Karl Prantl. Große Steine und Bildhauer-Symposien. Saarbrücken: Verl. St. Johann, 2007. 120 S., 52 Farbabb. u. 67 S/W-Abb ISBN 3-938070-12-9
  • Alfred Weidinger (Hrsg.): Wir wollen Zeichen setzen - 50 Jahre Bildhauersymposion St. Margarethen. Weitra: Verl. f. Lit., Kunst u. Musikalien, 2009. 156 S., zahlr. Abb. ISBN 978-3-900000-46-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bildhauer Karl Prantl: Meister der Steine
  2. Karl Prantl: Steinmeditation. 3. Juni bis 3. Juli 1983. Hrsg.: Hamburger Kunsthalle.
  3. Das Bildhauersymposion (1988)
  4. Kunstspeicher Prantl auf der Homepage des Architekturbüros Carsten Roth
  5. Andrea Schurian: Seine Steine schlagen Wurzeln. In: Der Standard. 8. Oktober 2010, abgerufen am 4. März 2012.
  6. Seite des Museums zur Ausstellung, abgerufen am 3. Juni 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl Prantl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien