Karl Schlau

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Karl Schlau
Geboren 22. Februar 1851 (Riga)
Verstorben 26. März 1919 (Riga)
Festtag 26. März (Evangelischer Namenkalender)

Karl Schlau, auch Carl, vollständig Carl Leberecht Eduard Schlau, lettisch Karls Šlaus oder Kārlis Šlavs, vollständig Kārlis Lēberehts Eduards Šlavs, (* 10. Februarjul./ 22. Februar 1851greg. in Riga, Gouvernement Livland; † 26. März 1919 in Riga) war ein deutsch-baltischer evangelisch-lutherischer Pfarrer in Lettland. Er gilt als evangelischer Märtyrer.

Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.

Leben und Familie[Bearbeiten]

Familie und Studium[Bearbeiten]

Karl Schlau war ein Sohn von Leonhard Adolph Schlau und Caroline Amalie Marie Schlau. Seine Brüder hießen Hermann und Wilhelm.

Karl Schlau studierte Evangelische Theologie und wurde 1877 an der Universität Leipzig mit einer patristischen Dissertation über die Paulusakten und die Heilige Thekla promoviert. Am 5. Februar 1878 wurde er ordiniert.[1] Am 6. Februar 1880 heiratete er in Arrasch Brigitte Charlotte, geb. Hoerschelmann (1852-1933). Am 13. Februar 1883 wurde sein Sohn Johannes Hans Leonhard Schlau († 1942) in Allas bei Großkirchheim in Österreich geboren.

Pfarrer in Salis[Bearbeiten]

1884 wurde Karl Schlau Pfarrer in Salis bei Riga. Dort versuchte er, zwischen Letten und Deutsch-Balten zu vermitteln. Dieses Vorhaben verlief nicht erfolgreich, so dass er die Gemeinde für drei Jahre verlassen musste. Am 11. März 1886 wurde sein Sohn Wilhelm Carl Emil Schlau († 1976) in Salis geboren, am 8. Dezember 1887 folgte seine Tochter Anna Helene Mathilde Schlau (verheiratete Masing, † 1981), am 18. Oktober 1889 sein Sohn Otto Konrad Robert Schlau († 1919).

Propst von Wolmar[Bearbeiten]

1890 wurde Karl Schlau zum Propst des Sprengels Wolmar (lettisch Valmiera) ernannt. Am 12. Oktober 1892 wurde seine Tochter Elisabeth Charlotte Kitty Julie Schlau (verheiratete Wonsiatsky, † 1973) in Salis geboren, am 25. Oktober 1895 folgte seine Tochter Brigitte Auguste Marie Schlau, am 31. August 1897 sein Sohn Hermann Werner Franz Schlau († 1945).

Neben seiner geistlichen Tätigkeit war Karl Schlau, ebenso wie der 1905 ermordete Pastor Karl Schilling, der 1906 ermordete Propst Ludwig Zimmermann, die 1919 von Bolschewiki hingerichteten Geistlichen Hans Bielenstein, Alexander Bernewitz, Xaver Marnitz, Arnold von Rutkowski, Paul Fromhold-Treu, Christoph Strautmann, Eberhard Savary, Eugen Scheuermann und Wilhelm Gilbert und wie die Pastoren Gustav Cleemann und Erwin Gross, die an den Folgen ihrer Gefangenschaft bei den Bolschewiki starben, ordentliches Mitglied der Lettisch-Literärischen Gesellschaft, die sich der Erforschung der lettischen Sprache, Folklore und Kultur widmete. Diese Gesellschaft wurde überwiegend von deutsch-baltischen Pastoren und Intellektuellen getragen. Für die Letten selbst war eine höhere Bildung zur Zeit der kaiserlich-russischen Vorherrschaft noch kaum zugänglich, ihre Kultur führte ein Schattendasein.[2]

Am 27. April 1917 wurde Karl Schlau Großvater eines später als Soziologe und Hochschullehrer bekannten Enkels: Seinem Sohn Wilhelm Carl Emil Schlau wurde Wilfried Schlau geboren.

1918, am Ende des Ersten Weltkrieges, befand sich Karl Schlau in Salis. Auch nach dem russischen Sieg und dem Abzug der deutschen Truppen blieb er bei seiner Gemeinde.

Während des Lettischen Unabhängigkeitskrieges, im Januar 1919, wurde sein Sohn Otto Konrad Robert Schlau wegen der antirevolutionären Haltung seines Vaters von den Bolschewiki, die in Riga die Macht übernommen hatten, verhaftet und nach Sankt Petersburg verschleppt.

Gefangenschaft[Bearbeiten]

Mehrere Tage später wurde auch Karl Schlau zusammen mit anderen Gemeindemitgliedern verhaftet. Er wurde im Rigaer Zentralgefängnis inhaftiert. Auch im Gefängnis nahm Schlau noch seelsorgerische Aufgaben wahr und hielt Andachten ab. In einem Brief aus seiner Gefängniszelle äußerte Schlau die Hoffnung "... dass in dieser heißen Schmiede endlich Deutsche und Letten zusammengeschmiedet werden."

Ein lettischer Bauer gab ihm ein Bällchen aus Butter, in dem Schlau einen Zettel fand, auf dem stand: "Simons Kraft und Jakobs Segen!"

Zuletzt teilte Karl Schlau seine Zelle mit Pastor Edgar Haßmann, einem Geistlichen seines Sprengels.

Hinrichtung[Bearbeiten]

Am 26. März 1919 wurde Karl Schlau schließlich zur Erschießung aus seiner Zelle geholt. Einen Brief, den er gerade schrieb, musste er abbrechen. Seine letzten schriftlichen Worte an seine Angehörigen, die er gerade noch mit großer Schrift schreiben konnte, waren:

"Ich werde erschossen. Gott behüte euch! Pastor Haßmann und Bindemann werden mit mir erschossen. Gott sei uns gnädig! Euer Bruder und Vater."

Einer der Gefangenenwärter berichtete, Schlau habe zum Abschied zu den Wärtern gesagt, dass er ihnen wünsche, sie mögen einmal so ruhig aus dem Leben scheiden, wie er es jetzt tue. Diese hätten sich daraufhin einige heimliche Tränen aus den Augen gewischt. Ein Rotarmist soll sie daraufhin als "Memmen" beschimpft haben.

Zur Erschießung wurde Schlau mit einigen anderen Gefangenen in den Kaiserwald gebracht. Dort wurde er an eine Kiefer gebunden. Er betete für die anderen Gefangenen, bis die Kugeln ihn töteten.

Nach der Hinrichtung Schlaus und seiner Begleiter soll der zuvor genannte Rotarmist zu den Gefangenenwärtern gesagt haben:

"Ich habe den alten freundlichen Mann als ersten erschossen, um ihm den Anblick all des Furchtbaren zu ersparen."

Nachfolgende Ereignisse[Bearbeiten]

Am 12. Dezember 1919 starb auch Karl Schlaus Sohn Otto Konrad Robert Schlau in einem St. Petersburger Gefängnis.

Am 5. März 1920 wurde ein weiterer bekannter Enkel Karl Schlaus geboren, Karl-Otto Schlau, wie Wilfried Schlau ein Sohn Wilhelm Carl Emil Schlaus, namhaft als Verwaltungsjurist, Ministerialbeamter und Autor von Werken zur baltischen Geschichte.

Rigaer Märtyrerstein[Bearbeiten]

Zur Erinnerung an Schlau und andere baltische Märtyrer wurde auf dem Großen Friedhof in Riga am 22. Mai 1920, dem ersten Jahrestag der Eroberung Rigas durch die baltische Landeswehr, neben der Neuen Kapelle von den Kirchengemeinden der Rigaer Märtyrerstein (Gedenkstein „Für unsere Märtyrer“) eingeweiht.

Gedenktag[Bearbeiten]

Karl Schlaus Gedenktag im Evangelischen Namenkalender ist der 26. März.

Der Gedenktag wurde vor der Einführung des offiziellen Namenkalenders bereits geführt in:

  • Jörg Erb: Die Wolke der Zeugen, Kassel 1951/1963, Bd. 4, S. 508-520

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oskar Schabert: Propst Dr. phil. Karl Schlau, Pastor zu Salis: hingerichtet am 26. März 1919; ein baltisches Märtyrerbild (= Treu dem Evangelium; Märtyrerbilder aus der evangelischen Kirche. Heft 1). Verlag des Ev. Bundes, Berlin 1924.
  • Kārlis Beldavs: Mācītāji, kas nāvē gāja, Luterisma mantojuma fonds, Riga 2010, ISBN 978-9984-753-56-0 (lettisch)

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rußland. 1914. (Version vom 24. April 2014 im Internet Archive)
  2. Mitgliederliste der Lettisch-Literärischen Gesellschaft von 1901