Karl Stützel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karl Stützel (* 22. Mai 1872 in Speyer; † 25. Juli 1944 in München) war ein deutscher Politiker der Bayerischen Volkspartei (BVP).

Leben[Bearbeiten]

Er war Sohn des Speyrer Malermeisters Franz Peter Stützel und Halbbruder des Speyrer Ehrenbürgermeisters Franz Anton Stützel. Stützel besuchte das humanistische Gymnasium und studierte Rechtswissenschaften in München, Berlin, Erlangen und Heidelberg. Nach dem ersten Staatsexamen leistete er 1895 seinen Militärdienst ab. 1899 folgte das zweite Staatsexamen. Er arbeitete dann als Assessor im Bezirksamt Ebermannstadt sowie in Neustadt an der Haardt. 1902 verheiratete er sich mit Franziska geb. Wack. 1912 wurde Stützel Regierungsassessor bei der Regierung von Niederbayern in Landshut und 1914 Leiter des Bezirksamtes Vilshofen.

Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und war von 1914 bis 1916 Hauptmann beim stellvertretenden Generalkommando in Nürnberg und danach Major an der Westfront. 1918 wurde er Regierungsrat im bayerischen Innenministerium, anschließend fungierte Stützel als Referent für Wohnungswesen im Ministerium für soziale Fürsorge. Im Jahr 1920 stieg er zum Ministerialrat auf und war 1921 kurzzeitig Staatskommissar für das Hilfswerk anlässlich der Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes. Für seinen Einsatz verlieh ihm Oppau die Ehrenbürgerwürde.[1] 1924 ernannte ihn Ministerpräsident Heinrich Held zum bayerischen Innenminister.

Politik[Bearbeiten]

In seine Amtszeit fielen einige bedeutende Maßnahmen, darunter die Gemeindeordnung von 1927. Diese förderte den Ausbau der regionalen Selbstverwaltung mit einem neuen Kommunalwahlgesetz. Er reformierte das Polizeiwesen, initiierte ein bayerisches Ärztegesetz sowie umfassende Planungen zur Sicherung der Energieversorgung und zum Ausbau des bayerischen Staatsstraßennetzes. Er war der Gründer des Siedlungswerks Nürnberg. Stützel bekämpfte entschieden die KPD und die NSDAP. 1925 verhängte er ein Redeverbot gegen Adolf Hitler, das erst im März 1927 aufgehoben wurde, und bemühte sich um seine Ausweisung. Er hintertrieb auch den von Wilhelm Frick und Rudolf Buttmann unternommenen Versuch von Hitlers Einbürgerung. 1930/31 erließ er ein Uniformverbot und verbot zeitweise SA und SS.

Als am 9. März 1933 die Regierung Held von den Nationalsozialisten für abgesetzt erklärt wurde, nahmen die neuen Machthaber an ihm Rache. Lina Heydrich, die Ehefrau von Reinhard Heydrich, berichtete darüber am 13. März in einem Brief an ihre Eltern:

„Höflich bekommt den Auftrag, mit einigen SS-Leuten den Innenminister Stützel zu verhaften. Erst weigert er sich, sein Bett zu verlassen, um mitzugehen. Als er bei der dritten Aufforderung nicht mitgeht, nehmen sie ihn so wie er ist und setzen ihn in das Auto – und auf ins Braune Haus. Die Gaudi könnt Ihr Euch vorstellen. In Socken und Nachthemd steht der Herr Innenminister in der Halle, umgeben von einer Menge SA und SS, die vor Lachen nicht wissen wohin. Dann kommen sie und treten dem weinenden Innenminister mit ihren schweren Stiefeln auf die große Zehe, daß er zwischen ihnen hopst von einem Bein aufs andere.“

Die Chronik Bayerns: [2]

Der nunmehrige Privatmann Stützel lebte bis zu seinem Tod als Persona non grata in München. Er hatte drei Söhne, Otto, Ludwig und Herrmann. Der älteste Sohn Otto war später Arzt in Bangkok.

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste von Persönlichkeiten der Stadt Speyer

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Fürst: Karl Stützel. Ein Lebensweg in Umbrüchen: Vom Königlichen Beamten zum Bayerischen Innenminister der Weimarer Zeit (1924–1933). Verlag Peter Lang, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-631-53262-1. (Rezension zum Buch)
  • Stefan Jelic: Karl Stützel und der Nationalsozialismus. Zur Auseinandersetzung des Bayerischen Innenministers mit der NSDAP in den Jahren 1930 bis 1933. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. 63 (2000) 3, S. 787–866.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtarchiv der Stadt Ludwigshafen am Rhein (Hg.): Geschichte der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Bd. 2. Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Gegenwart. Ludwigshafen am Rhein 2003, ISBN 3-924667-35-7, S. 982.
  2. Die Chronik Bayerns. Chronik Verlag, 3. Aufl., 1994, S. 482.

Weblinks[Bearbeiten]