Karl Staudinger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karl Staudinger (* 30. März 1874 in Wies, Steiermark; † 29. November 1962 in Sonneberg, Thüringen) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Leben[Bearbeiten]

Karl Staudinger begann seine berufliche und künstlerische Laufbahn zunächst mit einer praktischen Ausbildung zum Papiertechniker und Lithographen. 1892 ging er nach München und besuchte die private Malschule Heinrich Knirrs, zu deren bekanntesten Schülern Paul Klee, Emil Orlik und Fabius von Gugel zählten. Ab 1895 studierte er bis 1904 unter Franz von Stuck an der Akademie der bildenden Künste in München.

Mit seinen Arbeiten fand Karl Staudinger die Anerkennung des Herzogs von Sachsen-Meiningen, Georg II., der ihn 1912- als Nachfolger von Professor Reinhard Möller zum Direktor an die Industrieschule in Sonneberg berufen ließ. Im Kunstunterricht lehrte er bis zum Kriegsbeginn 1914 Zeichnen, Malen und Anatomie. Nach seinem Kriegsdienst von 1914 bis 1918 kehrte er nach Sonneberg zurück und wirkte bis 1929 mit seinen Entwürfen prägend für die künstlerische und pädagogisch ausgerichtete Spielzeugformgestaltung. Auf Grund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Spielwaren- und Keramikindustrie musste Karl Staudinger 1929 seine Tätigkeit in Sonneberg beenden. Von 1929 bis 1933 ging er nach Kolumbien und übernahm die Leitung der Kunstgewerbeschule in Cúcuta. 1933 wurde er zum Professor ernannt und kehrte nach Sonneberg zurück. Nach dem Abklingen der Weltwirtschaftskrise schien sich die Sonneberger Spielwaren- und Keramikindustrie zu erholen und er übernahm wieder die Leitung der Industrieschule in Sonneberg. Im Gebäude der Industrieschule befand sich auch das Deutsche Spielzeugmuseum, das Karl Staudinger zeitweise in Personalunion leitete. Gegen seinen entschiedenen Protest musste die Schule 1937 den für sie erbauten Gebäudekomplex für das Spielzeugmuseum räumen. Aus Enttäuschung darüber und wegen des zunehmenden Drucks der NSDAP auf den Schulbetrieb legte Karl Staudinger 1937 das Direktorenamt nieder und arbeitete von 1937 bis 1962 als Buchillustrator und freischaffender Künstler. Der Sonneberger Industrieschule, für deren Entwicklung zur Fachschule für angewandte Kunst (1951-1960) er maßgebend war, und den daraus hervorgegangenen Kunstschaffenden, wie Werner Stötzer oder Franz Kürschner blieb er bis zu seinem Tod als Mentor treu.

Die Stadt Sonneberg ehrt Karl Staudinger, indem sie mit der Karl-Staudinger-Straße die Erinnerung an ihn in der Bürgerschaft wach hält.

Werke[Bearbeiten]

Schweriner Dom
Schweriner Schloss

Schriften[Bearbeiten]

  • Der deutsche Soldat mit Waffe und Werkzeug. (Militär-Bilderbuch), Verlag Attenkofer, Straubing 1910
  • Kind und Spielzeug. (=Entschiedene Schulreform Heft 4), Verlag Ernst Oldenburg, Leipzig 1923

Buchillustration (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Karl May: Durchs wilde Kurdistan. Karl-May-Verlag, Radebeul 1930
  • Emil Fischer: Peke-Wotaw: Ein deutscher Junge unter Indianern". Verlag Franckh, Stuttgart 1940
  • Auf den Nachttisch zu legen. Eine kleine Bettpostille. Hrsg. Dr. Owlglass; Spemann Verlag, Stuttgart 1942
  • Paul Albert: Mein Slowakeibrevier. Cantz Verlag, Bad Cannstatt 1943
  • Joachim Ringelnatz: Überall ist Wunderland. Verlag Greiner, Stuttgart 1944
  • Paul Albert: Stuttgarter Rhapsodie. Cantz Verlag, Bad Cannstatt 1945
  • Walter Jens: Das weiße Taschentuch. Hansischer Gilde Verlag, Hamburg, 1947
  • Alois Theodor Sonnleitner: Die Höhlenkinder. (Trilogie); Verlag Franckh, Stuttgart 1948
  • Heinrich Heine: Das Buch Le Grand. Gerd Hatje Verlag, Calw 1948
  • Francois Villon: Das große Testament. (dt. Walter Widmer); Verlag Zollikofer, St. Gallen 1949
  • Choderlos de Laclos: Gefährliche Liebschaften. (dt. Walter Widmer); Verlag Gerd Hatje, Stuttgart 1950
  • Henry Fielding: Tom Jones. Die Geschichte eines Findlings. (dt. Ursula Bruns); Verlag Volk und Welt, Berlin 1951
  • Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker. Rowohlt Verlag, Reinbek 1955
  • Von Adam bis Adenauer – Ein Anekdotenbrevier. Hrsg. Wilhelm Schlösser; Europäischer Buchklub, Stuttgart/Zürich/Salzburg 1957
  • Hans Kasper: Das Blumenmädchen. Henry Goverts Verlag, Stuttgart 1958
  • Almanach der Dame 1959. Hrsg. Ruth Klein; Woldemar Klein Verlag, Baden-Baden 1958
  • Hermann Mostar: Die Arche Mostar. Von ihm selbst gezimmert. Henry Goverts Verlag, Stuttgart 1959
  • Ippolito Nievo: Pilana oder die Bekenntnisse eines Achtzigjährigen. (dt. Charlotte Birnbaum); Verlag Volk und Welt, Berlin 1959
  • Mark Twain: Heitere Geschichten. Hrsg. Günther Birkenfeld; Horst Erdmann Verlag, Lenningen 1959
  • Das leise Lächeln. Humoristische Erzählungen. Hrsg. Karl Staudinger; Europäischer Buchklub, Stuttgart 1959
  • Mal was Anderes – Humoristische Erzählungen mit Zeichnung. Hrsg. Karl Staudinger; Europäischer Buchklub, Stuttgart/Zürich/Salzburg 1959
  • Kleines Handgepäck – Eine Sammlung heiter-besinnlicher Prosa. Hrsg. Karl Staudinger; Europäischer Buchklub, Stuttgart 1959
  • Vorwiegend Heiter – Humoristische Erzählungen unserer Zeit. Hrsg. Hans Peter Bleuel; Europäischer Buchklub, Stuttgart 1961
  • Stachel-Beeren-Auslese. Neue besinnliche Verse mit Zeichnungen von Karl Staudinger. Hrsg. Gerhard Schumann; Hohenstaufen Verlag, Eßlingen 1960
  • Truman Capote: Frühstück bei Tiffany „Silhouette eines Mädchens“. Rowohlt Verlag, Reinbek, 1968

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl Staudinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien