Karl Völker (Künstler)

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Glasfenster der Erfurter Thomaskirche, Detail: Adam und Eva

Karl Völker (* 17. Oktober 1889 in Giebichenstein bei Halle an der Saale; † 28. Dezember 1962 in Weimar) war ein deutscher Maler, Grafiker und Architekt.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Brüstungsmalerei in der Kirche Holleben
Kirche von Holleben als Detail der Brüstungsmalerei in der Kirche Holleben

Völker war der Sohn eines halleschen Malermeisters, in dessen Betrieb er von 1904–1910 eine Ausbildung zum Dekorationsmaler erhielt. Nach zwei Jahren beruflicher Tätigkeit in Leipzig besuchte er von 1912 bis 1913 die Dresdner Kunstgewerbeschule im Meisteratelier für Wandmalerei bei Richard Guhr. 1913 kehrte er nach Halle zurück und arbeitete seitdem selbständig.

Im Jahre 1914 erhielt Karl Völker vom Stadtbaurat der Stadt Halle (Saale), Wilhelm Jost, den ersten öffentlichen Auftrag für die Kuppelfresken der großen Kapelle auf dem Gertraudenfriedhof. Es handelt sich hierbei um das einzige Werk der Wandmalerei von Völker, das in Halle (Saale) noch heute erhalten ist. Infolge schlechter Lichtverhältnisse wurde es allerdings viele Jahrzehnte hindurch kaum wahrgenommen. Eine dem Charakter des Bauwerks widersprechende Beleuchtungsanlage, die während der Restaurierung von 1979/80 angebracht wurde – es bestand sogar die Absicht, eine Zwischendecke anzubringen – verhinderte schließlich fast völlig den Blick in die Kuppel. Erst im Zuge der dank der Aktivitäten des Gemeinnützigen Feuerbestattungsvereins Halle e.V. im Jahre 1991 einsetzenden Erneuerungsarbeiten konnte das Werk den Betrachtern zugänglich gemacht werden.“.[1]

Der Innenraum der Dorfkirche von Schmirma (Stadt Mücheln (Geiseltal) im Saalekreis) wurde in den 1920er Jahren von Karl Völker farbig gestaltet. Außerdem befinden sich in der Kirche 14 expressive Deckenbilder Völkers. Zur Erhaltung und Restaurierung dieser und anderer vom Verfall bedrohter Arbeiten des Künstlers wurde im Juni 2006 ein eingetragener Verein gegründet, der nicht zuletzt auch das Ziel verfolgt, das Werk Karl Völkers in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.[2]

1919 gründere er mit Richard Horn, Martin Knauthe, Paul Horn und Karl Oesterling die Hallesche Künstlergruppe mit Anschluss an die Novembergruppen. In den 1920er Jahren schuf er vor allem expressive Holzschnitzereien mit sozialkritischen Inhalt und vom Konstruktivismus geprägte Industriebilder. Auch arbeitete er gemeinsam mit Otto Haesler an Projekten des sozialen Wohnungsbaus.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ein Teil von Völkers Werken als entartete Kunst verfemt. Wolfgang Willrichs 1937 erschienenen nationalsozialistische Propagandaschrift "Säuberung des Kunsttempels" nennt ihn, eines seiner "Industriebilder" wurde in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt.[3] Er überstand diese Zeit nicht zuletzt durch Aufträge zur Ausgestaltung von Kirchen, u. a. der sehr gut erhaltenen Brüstungsmalerei in der Kirche von Holleben am Westrand von Halle. 1944 wurde Völker noch zum Volkssturm eingezogen, als Kriegsgefangener war er im amerikanischen Internierungslager Bad Kreuznach.

Nach dem Krieg beschäftigte Völker sich zunächst vor allem wieder mit architekturbezogenen Arbeiten. Er beteiligte sich an Wettbewerben zur städtebaulichen Neugestaltung der Stadt Halle und schuf Wandmalereien für die Halleschen Kammerspiele, Glasfenster für die Erfurter Thomaskirche und weitere Ausgestaltungen an öffentlichen Gebäuden. In den 1950er Jahren entstanden Kreidegrundzeichnungen, die als das Spätwerk Karl Völkers anzusehen sind. 1961 erhielt Karl Völker den Kunstpreis der Stadt Halle.

Farbgestaltung[Bearbeiten]

Im Jahre 1920 erfolgte die Farbgestaltung des Rathauses und weiterer Häuser am halleschen Marktplatz. In Zusammenarbeit mit Bruno Taut folgte 1922 die Farbgestaltung des Magdeburger Rathauses. In diesem Zusammenhang ergab sich ein erster Kontakt zu Otto Haesler. Für Haeslers Neubausiedlung Italienischer Garten in Celle lieferte Karl Völker die in blau und rot gehaltene Farbgestaltung. Von 1928 bis 1932 folgte eine Tätigkeit als Architekt im Büro Haesler in Celle mit der Bearbeitung einer Reihe von Wohnungsbauprojekten (Berlin Haselhorst, Karlsruhe Dammerstock, Kassel Rothenberg, Celle Blumläger Feld, Rathenow Friedrich-Ebert-Siedlung). 1931 beteiligte er sich mit Haesler an der Berliner Bauausstellung. 1932 erfolgte der Austritt aus dem Büro Haesler und die Rückkehr nach Halle.

Rezeption[Bearbeiten]

Eine große Retrospektive auf Karl Völker und sein Werk bot die Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt mit einer Ausstellung vom 25. März bis 17. Juni 2007 unter dem Titel „Utopie und Sachlichkeit. Karl Völker 1889–1962“. Begleitet wurde diese Ausstellung des Lebenwerks von Karl Völker durch kleinere thematische Ausstellungen in mehreren Galerien in Halle, so zu seinen Halleschen Landschaften, zu seinen Kreidezeichnungen und zu seinen Strandbildern. Auf der Website zur Ausstellung der Stiftung Moritzburg heißt es: „Karl Völker gehört zu den interessantesten deutschen Künstlerpersönlichkeiten der Mitte des 20. Jahrhunderts, dessen Schaffen allerdings selbst Kennern oft nur in Einzelbildern gegenwärtig ist“.[4]

Auf der Moritzburg in Halle/Saale wurden vom 17. Oktober 2013 bis 5. Januar 2014 die Tafeln mit den durch Karl Völker gefertigten, aufwendig restaurierten Deckenbildern der Kirche von Schmirma gezeigt. Sie waren durch Nässe infolge undichtem Kirchendach, durch heizungsbedingten Ruß und dichte Lagen von Spinngewebe stark geschädigt worden.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stiftung Moritzburg Halle (Hrsg.): Karl Völker. Maler Grafiker Architekt. Utopie und Sachlichkeit. Halle 2007
  • Galerie Kunststücke, Halle (Hrsg.): Von Strandburgen und Promenaden. Karl Völker Strandbilder. Halle 2007
  • Jürgen Jankofsky: Jesus ROT – Himmel WEIT. Eine Karl-Völker-Geschichte. Dorise-Verlag, Burg 2007, ISBN 978-3-937973-32-6.
  • Staatliche Galerie Moritzburg Halle (Hrsg.): Karl Völker. Kreidegrundzeichnungen. Halle 1999
  • Staatliche Galerie Moritzburg Halle (Hrsg.): Karl Völker. Leben und Werk. Halle 1976
  • Sabine Meinel: Karl Völker. Leben und Werk. Dissertation, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2008 (online verfügbar auf den Internetseiten der ULB Sachsen-Anhalt)
  • Ingrid Schulze: Karl Völker. Reihe "Welt der Kunst." Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1974

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Gertraudenfriedhof in Halle – Monumentale Architektur und Landschaftsgarten
  2. Karl-Völker-Initiative
  3. Sabine Meinel (2008): Karl Völker - Leben und Werk. Dissertation zur Erlangung des akademischen Doctor philosophiae (Dr. phil.) vorgelegt an der Philosophischen Fakultät I der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg online
  4. Stiftung Moritzburg: Sonderausstellung Karl Völker
  5. Karl Völker. Heilige Geschichten. Der expressionistische Bilderschatz aus Schmirma. Faltblatt zur Ausstellung, Halle 2013