Karl Vocelka

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Karl Vocelka (* 23. Mai 1947 in Wien) ist ein österreichischer Historiker und Professor (im Ruhestand) für Österreichische Geschichte an der Universität Wien. Er ist Mitbegründer und Präsident des Instituts für die Erforschung der frühen Neuzeit (IEFN).

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach dem Studium der Fächer Geschichte und Germanistik promovierte Vocelka 1971 an der Universität Wien zum Doktor der Philosophie mit einer auf Archivstudien beruhenden ortsgeschichtlichen Arbeit und legte die Lehramtsprüfung aus den Fächern Geschichte und Germanistik ab. Anschließend absolvierte er den Kurs des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung.

Im Jahr 1978 habilitierte er sich im Fach Österreichische Geschichte mit einer Arbeit über die politische Propaganda Rudolfs II. 1576–1612, die sich mit dem Phänomen der öffentlichen Meinung auseinandersetzt.

Seit 1979 ist er Vortragender an der Summer University of Vienna in Strobl. 1980 bis 1987 war er Visiting professor an der Stanford University (Vienna Department), seit 1987 ist er Guest lecturer der American Heritage Association, der Webster University Wien, der Duke University, des Sweet Briar College und anderer Universitäten.

1990 war er Wissenschaftlicher Ausstellungsleiter der burgenländischen Landesausstellung „Die Ritter“ in Güssing, 1994 der oberösterreichischen Landesausstellung „Die Donau“ in Engelhartszell, 2001 der Ausstellung „Zu Hause in der Fremde. Tschechen in Wien im 20. Jahrhundert“ in Prag und Brünn, 2002 der oberösterreichischen Landesausstellung „Feste feiern“ in Waldhausen im Strudengau, 2010 der oberösterreichischen Landesausstellung „Renaissance und Reformation“ auf Schloss Parz in Grieskirchen (gemeinsam mit Rudolf Leeb und Andrea Scheichl) und 2013 der oberösterreichischen Landesausstellung "Alte Spuren, Neue Wege" in Freistadt und Bad Leonfelden (gemeinsam mit Christoph Benedikter, Elisabeth Gruber und Andrea Scheichl). Gemeinsam mit Franz Xaver Eder war er wissenschaftlicher Projektleiter der virtuellen Ausstellung „Die Welt der Habsburger“.[1]

Seit 1989 ist er Präsident des Instituts für die Erforschung der frühen Neuzeit; Von 2000 bis 2004 und von 2008 bis zu seiner Pensionierung 2012 war er Vorstand des Instituts für Geschichte der Universität Wien. Seit 2004 ist er Präsident des Wissenschaftsforums Tschechen in Wien (WFTiW) und seit 2014 Akademischer Direktor der univie.winter.school for cultural historical studies/Universität Wien.

Vocelkas Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind die Sozial- und Kulturgeschichte Zentraleuropas in der Frühen Neuzeit, die Geschichte der Habsburgermonarchie und die Eliten- und Frömmigkeitsgeschichte. Er verfasste den Band zum 18. Jahrhundert im von Herwig Wolfram herausgegebenen Standardwerk Geschichte Österreichs.

2007 erhielt er das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien und die František Palacký-Medaille der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Haus- und Hofnamen der Katastralgemeinden Altaussee, Grundlsee, Lupitsch, Obertressen, Reitern und Straßen im steirischen Salzkammergut (= Dissertationen der Universität Wien. 102, ISSN 0379-1424). 2 Bände. Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs, Wien 1974, (Zugleich: Wien, Universität, Dissertation, 1970).
  • Habsburgische Hochzeiten 1550–1600. Kulturgeschichtliche Studien zum manieristischen Repräsentationsfest (= Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs. Bd. 65.) Böhlau, Wien u. a. 1976, ISBN 3-205-08569-8.
  • Verfassung oder Konkordat? Der publizistische und politische Kampf der österreichischen Liberalen um die Religionsgesetze des Jahres 1868 (= Studien zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Bd. 17 = Schriften des DDr. Franz Joseph Mayer-Gunthof-Fonds. Nr. 12). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1978, ISBN 3-7001-0241-0.
  • Die politische Propaganda Kaiser Rudolfs II. (1576–1612) (= Veröffentlichungen der Kommission für die Geschichte Österreichs. Bd. 9) Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1981, ISBN 3-7001-0380-8 (Zugleich: Wien, Universität, Habilitations-Schrift, 1978).
  • Rudolf II. und seine Zeit. Böhlau, Wien u. a. 1985, ISBN 3-205-07159-X.
  • Trümmerjahre Wien 1945–1949. Jugend und Volk, Wien u. a. 1985, ISBN 3-224-16063-2.
  • K.u.K. Karikaturen und Karikaturen zum Zeitalter Kaiser Franz Josephs. Jugend und Volk, Wien u. a. 1986, ISBN 3-224-16564-2.
  • mit Rudolf Gutdeutsch, Christa Hammerl und Ingeborg Mayer: Erdbeben als historisches Ereignis. Die Rekonstruktion des Bebens von 1590 in Niederösterreich. Springer, Berlin u. a. 1987, ISBN 3-540-18048-6.
  • mit Walter Pohl: Die Habsburger. Eine europäische Familiengeschichte. Herausgegeben von Brigitte Vacha. Verlag Styria, Graz u. a. 1992, ISBN 3-222-12107-9.
  • mit Lynne Heller: Die Lebenswelt der Habsburger. Kultur- und Mentalitätsgeschichte einer Familie. Verlag Styria, Graz u. a. 1997, ISBN 3-222-12424-8.
  • mit Paulus Ebner: Die zahme Revolution. '68 und was davon blieb. Ueberreuter, Wien 1998, ISBN 3-8000-3679-7.
  • mit Lynne Heller: Die private Welt der Habsburger. Leben und Alltag einer Familie. Verlag Styria, Graz u. a. 1998, ISBN 3-222-12642-9.
  • 1699–1815. Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat ( = Herwig Wolfram (Hrsg.): Geschichte Österreichs. Bd. 7). Ueberreuter, Wien 2001, ISBN 3-8000-3529-4, Rezension von Peter Stachel, Rezension in Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Geschichte Österreichs. Kultur – Gesellschaft – Politik. Verlag Styria, Graz u. a. 2000, ISBN 3-222-12825-1.
  • als Herausgeber mit Anita Traninger: Die frühneuzeitliche Residenz (16. bis 18. Jahrhundert) (= Peter Csendes, Ferdinand Opll (Hrsg.): Wien. Geschichte einer Stadt. Bd. 2). Böhlau, Wien u. a. 2003, ISBN 3-205-99267-9.
  • Österreichische Geschichte (= Beck'sche Reihe. 2369). Beck, München 2005, ISBN 3-406-50869-3.
  • Geschichte der Neuzeit. 1500–1918 (= UTB. 3240). Böhlau, Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-205-78421-0, Rezension von Helgard Fröhlich.
  • Frühe Neuzeit. 1500–1800 (= UTB. 2833). UVK-Verlags-Gesellschaft, Konstanz u. a. 2013, ISBN 978-3-8252-2833-0.
  • Multikonfessionelles Österreich. Religionen in Geschichte und Gegenwart. Styria Premium, Wien u. a. 2013, ISBN 978-3-222-13392-3.
  • 99 Fragen zur österreichischen Geschichte. Ueberreuter, Wien 2013, ISBN 978-3-8000-7903-2.
  • 99 Fragen zu den Habsburgern. Ueberreuter, Wien 2014, ISBN 978-3-8000-7594-2.
  • mit Michaela Vocelka: Sisi. Leben und Legende einer Kaiserin (= C. H. Beck Wissen. 2829). Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66089-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Scheutz, Vlasta Valeš (Hrsg.): Wien und seine WienerInnen. Ein historischer Streifzug durch Wien über die Jahrhunderte. Festschrift für Karl Vocelka zum 60. Geburtstag. Böhlau, Wien u. a. 2008, ISBN 978-3-205-77707-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Welt der Habsburger