Karl Wilhelm Friedrich Kohlrausch

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Kohlrausch 1884-1953

Karl Wilhelm Friedrich („Fritz“) Kohlrausch (* 6. Juli 1884 in Gstettenhof bei Türnitz, Niederösterreich; † 17. September 1953 in Graz) war österreichischer Physiker.

Leben[Bearbeiten]

Er entstammte einer deutschen Gelehrtenfamilie. Sein Großvater war ein bekannter Physiker, sein Onkel Friedrich Kohlrausch ein bedeutender Physikochemiker.

Beginn des Physikstudiums 1903 an der Wiener Universität. 1907 Promotion zum Dr. phil mit einem Thema über den statistischen Charakter des radioaktiven Zerfalls.
Von 1908 bis 1920 war er Assistent am Physikalischen Institut von Franz-Serafin Exner. 1911 Habilitation. Von 1912 bis 1920 zugleich Honorardozentur an der Wiener Musik-Akademie. 1917–1920 Lehrauftrag über Farbenlehre an der Kunstgewerbe-Schule. 1919 Titel eines a. o. Professors, 1920 Berufung auf den Lehrstuhl für Physik an die Technische Hochschule in Graz. Im Studienjahr 1923/24 war Fritz Kohlrausch Rektor sowie 1922/23 und 1946–1948 Dekan an der Technischen Hochschule Graz.[1]

Bedeutung[Bearbeiten]

Mit Egon Schweidler gemeinsam gelang ihm 1912 die Zählung einzelner Alpha-Teilchen durch Verwendung eines Elektrometers hoher Ladungsempfindlichkeit. Gemeinsam mit Erwin Schrödinger befasste er sich mit der durch Gammastrahlung erzeugten Sekundärstrahlung. 1928 verlieh ihm die Akademie der Wissenschaften für seine Studien zur radioaktiven Strahlung den Haitinger-Preis. Für seine Beschäftigung mit Fragen der physiologischen Optik und spektralphotometrischen Messungen erhielt er 1922 den Lieben-Preis.

Überragende Bedeutung hat in seinem Schaffen die Erforschung des Raman-Effekts: farbiges Licht, das auf Moleküle oder größere Teilchen trifft, wird ohne Farbänderung abgelenkt. Wenn jedoch die Lichtstreuung mit Aufnahme von Strahlungsenergie durch ein Molekül verbunden ist, oder wenn das Molekül bei der Streuung Energie an die Strahlung abgibt, dann kann es zu Farbänderungen kommen. Vergleich der Wellenlänge des einfallenden und des gestreuten Lichts kann zu Aussagen über die Schwingungen führen, welche die im Molekül enthaltenden Atome gegeneinander ausführen. Dieser Effekt ist für die Ermittelung der chemischen Konstitution, für den optischen Nachweis von Molekülen, die auf anderm Wege nicht erkannt werden können, von größter Bedeutung. Sein Name wird mit der Geschichte der Molekülspektren für immer verbunden sein.

Er war in großem Ausmaß publizistisch tätig und verfasste zahlreiche Bücher, u. a. den umfangreichen Band „Radioaktivität“ im „grünen“ Handbuch der Experimentalphysik.

Werke[Bearbeiten]

  • Probleme der γ-Strahlen (= Sammlung Vieweg. Bd. 87/88, ZDB-ID 987296-6). Vieweg, Braunschweig 1927.
  • Radioaktivität (= Handbuch der Experimentalphysik. Bd. 15). Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1928.
  • Ramanspektren (= Hand- und Jahrbuch der chemischen Physik. Bd. 9: Die Spektren. Abschnitt 6, ZDB-ID 1231828-0). Akademische Verlagsgesellschaft Becker & Erler, Leipzig 1943 (Nachdruck. Heyden Books, London u. a. 1972, ISBN 0-85501-071-1).
  • Der Smekal-Raman-Effekt. 2 Bände. Springer, Berlin 1931–1938
    • Hauptwerk (= Struktur der Materie in Einzeldarstellungen. Bd. 12, ZDB-ID 527555-6).
    • Ergänzungsband: 1931–1937 (= Struktur und Eigenschaften der Materie in Einzeldarstellungen. Bd. 19, ZDB-ID 527570-2).

Literatur[Bearbeiten]

  • Berta Karlik, Erich Schmid: Franz Serafin Exner und sein Kreis. Ein Beitrag zur Geschichte der Physik in Österreich. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1982, ISBN 3-7001-0437-5

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. | Rektoren und Dekane der TU Graz.

Weblinks[Bearbeiten]