Karl von Großheim

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Carl von Großheim
Aufbahrung von Großheims im Krematorium zu Lübeck
Grab der Familie v. Großheim[1]
Gedenkbank am Sterbeort in Bad Rippoldsau, gestiftet von seiner Witwe (Foto 2012)

Karl von Großheim (* 15. Oktober 1841 in Lübeck; † 5. Februar 1911 in Bad Rippoldsau) war ein deutscher Architekt und Präsident der Preußischen Akademie der Künste.

Leben[Bearbeiten]

Großheim besuchte bis zu seinem 16. Lebensjahr die von seinem Großvater[2] gegründete „Großheimsche Realschule“. Nach seiner Schulzeit trat er 1857 in die praktische Arbeit und erlernte in dreijähriger Lehrzeit das Zimmereihandwerk. Danach trat er die für ehrsame Handwerksgesellen erforderlichen Wanderjahre an und arbeitete in Altona und anderen Städten bis er an der Berliner Bauakademie die höhere Bildung des Architekten suchte.[3] Vorübergehend arbeitete er unter Hermann von der Hude. Bereits auf der Akademie schloss er mit Heinrich Kayser einen Arbeitsbund. Beide betrieben bei Steffeck das Aktzeichnen und trafen mit Max Liebermann zusammen. Großheim schloß sein Studium mit dem Baumeister-Examen ab.

Nachdem er mit Kayser von 1867 bis 1870 für August Orth arbeitete, begründeten Kayser und v. Großheim 1871 ihr Atelier für Architektur und Kunstindustrie. Von Beginn an strebten sie nach der Förderung des Handwerks und der Wiedergeburt des Kunstgewerbes im Rahmen der hohen Architektur. Seit jenem Zeitpunkt war das Werk des einen nicht mehr von dem des anderen nicht mehr zu trennen. Das gemeinsame Atelier entwickelte sich zu einem der führenden deutschen Architekturbüros des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Schon 1872 erzielten sie ihren ersten großen Erfolg, in dem sie als Hauptpreisträger des Wettbewerbs um das Reichstagshaus mit Bohnstedt in engsten Wettbewerb kamen. Seitdem wirkten sie als tonangebende Architekten von Berlin aus über ganz Deutschland. Besonders entfalteten sie sich dort in den Rheinlanden. In der Heimat Kaysers gründeten sie in Düsseldorf und Bonn Zweigateliers.

Mit dem Aufkommen der Deutschen Renaissance, oder das was man darunter verstand, schlossen sich auch diese beiden Architekten, die bis dahin im Stil der „Italienischen Hochrenaissance“ und gelegentlich der Frührenaissance bauten, dieser Richtung an. Ihr erstes Gebäude dieses Stils war das Buchhändlerhaus in Leipzig.

Sie waren die Ersten, die in den Hochschulbauten in Charlottenburg die Silhouette der Baumassen in Fluss brachten.

Später näherten sie sich dem Klassizismus und gelangten auf diesem (Um)Weg zum Barock. Hierin erschufen sie ihr größtes Werk, den Gebäudekomplex der Akademie der Künste in Charlottenburg. Des Weiteren erwähnenswert sind noch das Domhotel in Köln und die Kuppelhalle des Landesausstellungsgebäudes am Lehrter Bahnhof. Ihrer Renaissancezeit entstammen Schlösser in Schlesien und in der Lausitz.

Nach Großheims und Kaysers Plänen entstanden zahlreiche Geschäfts- und Warenhäuser wie das Gebäude des Clubs von Berlin (Jägerstraße 2-3), der Spindlershof und eine große Zahl von Villen.

Da in ihrem Büro auch zahlreiche Architekten geschult wurden, zog das Ingenium der beiden Meister weite Kreise. Beinahe zeitgleich wurden beide zu Geheimräten, zum Professor, zum Senator der Akademie wie zur Mitgliedschaft der Akademie des Bauwesens und zu mancherlei Ehrenämtern von hoher Autorität ernannt. Der Erbauer des Lübecker Stadttheaters, Martin Dülfer, hatte einst in ihrem Atelier gearbeitet.

1879 gehörte Großheim zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung Berliner Architekten. 1880 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, später einer ihrer Senatoren und stand ihr ab 1910 vor. Beide wurden 1886 mit der „Großen goldenen Medaille“ ausgezeichnet.

Die Firma baute das Charlottenburger Reichsmilitärgericht. Mit dem Neubau des Berliner Warenhauses Wertheim in der Königstraße am Alexanderplatz bewies man, dass man den modernsten Aufgaben gewachsen war.

Seine außerordentliche Vielseitigkeit sowie Anpassungsfähigkeit zeigten auch die ihm übertragenen Ausführungen diverser Gebäude im Berliner Zoologischen Garten. Hier galt es unterschiedliche exotische Baustile über fremdartigen Grundrissen geschmackvolle und praktische Behausungen zu errichten.

Am 1. Oktober 1910 war Großheim als Präsident an der Spitze der der Königlichen Akademie der Künste getreten.

Dennoch hatte Großheim seine Heimatstadt nicht vergessen und weilte Jahr für Jahr mindestens einmal in Lübeck und verfolgte die Stadtentwicklung. Wenn seine Vaterstadt ihn rief, so kam er gerne. So wirkte er bei dem Stadttheaterwettbewerb als Preisrichter, und dem Ausschreiben für denn Neubau der Commerz-Bank mit.

Auf der Trauerfeier in der Königlichen Akademie der Künste ließ sich der Kaiser durch den Kurator der Akademie, Kultusminister August von Trott zu Solz, vertreten. Auf Anordnung des Kaisers nahm der Leichenzug seinen Weg durch das sonst zu jener Zeit nur Fürstlichkeiten zur Benutzung vorbehaltene Mittelportal des Brandenburger Tores, bevor der Leichnam nach Lübeck transportiert wurde.

In Lübeck wurde seine Leiche durch den Hauptpastor der Marienkirche, Christian Marth, eingesegnet.

Karl-von-Grossheim-Brunnen[Bearbeiten]

Karl-von-Grossheim-Brunnen in Lübeck

Nach seinem Tod gedachte die Stadt Lübeck seiner durch die Anlage des Von-Großheim-Platzes in der Vorstadt St. Jürgen, vor dem Elternhaus von Großheims (Bäckerstraße 21). Das bis dahin unbebaut gebliebene Brachgelände wurde unter Einbeziehung vorhandener alter Bäume zu einer Grünanlage umgestaltet, in der eine Brunnenanlage aus Muschelkalk errichtet wurde. Die im Atelier Kayser und v. Grossheim entworfene halbrunde Anlage trägt in ihrem mittleren Aufbau das von der Ehefrau des Verstorbenen gestiftete Reliefbildnis in Bronze, das von dem Berliner Bildhauer Ludwig Manzel geschaffen wurde. Rechts und links der darunter befindlichen Inschrift fielen aus Muscheln Wasserstrahlen in ein Becken, zu beiden Seiten flankiert von Sitzbänken mit hohen Rückenlehnen. Der Abschluss wurde von vier Pfeilern mit ornamental behandelten Blumenbekrönungen gegliedert.[4] Die Grünanlage wurde 1942 für einen Löschwasserteich aufgegeben. Nach dem Rückbau des Teichs im Jahr 1990 wurde der Brunnen restauriert und die gesamte Anlage am 30. Juli 1991 wieder eingeweiht.

Bauten und Entwürfe[Bearbeiten]

(→ Werkliste im Artikel Heinrich Joseph Kayser)

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Geheimer Baurat Prof. Carl von Groszheim. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1910, Nr. 44, Ausgabe vom 23. Oktober 1910.
  • Carl von Großheim †. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1911, Nr. 7, Ausgabe vom 12. Februar 1911

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neue Grabdenkmäler auf dem Friedhof an der Israelsdorfer Allee. V. Schluß..“; In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1912, Nr. 24, Ausgabe vom 16. Juni 1912
  2. Ludwig Ewers setzte ihm als v. Hohenstein und dessen Schule in dem 1926 erschienenen populären Werk „Die Großvaterstadt“ ein literarisches Denkmal.
  3. In einem Artikel der Leipziger Illustrierten Zeitung wurde ausgeführt, dass von Großheim gerade seine elementaren Anfänge, auf deren Basis seine gesunde Kunst erblühe, mit gewissem Stolz hinwies. „Lucae war es“, so hieß es dort weiter, „der für Großheim die Vorsehung spielte, indem er ihn 1866 mit seinem Studiengenossen Heinrich Kayser zusammenführte.“
  4. Karl-v.-Grossheim-Brunnen in Lübeck. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 33. Jahrgang 1913, Nr. 65 (vom 16. August 1913), S. 431.