Karl von Stremayr

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Karl Ritter von Stremayr (* 30. Oktober 1823 in Graz; † 22. Juni 1904 Pottschach, Niederösterreich) war ein österreichischer Politiker, mehrmaliger Minister sowie Ministerpräsident Cisleithaniens, des kaiserlichen Teils Österreich-Ungarns und Präsident des Obersten Gerichtshofes.

Karl Ritter von Stremayr (um 1880)

Leben[Bearbeiten]

Kindheit, Jugend, Studium[Bearbeiten]

Familienwappen von Stremayr

Carl Borromäus Anton Franz Seraph Ritter von Stremayr war Mitglied der adeligen Familie Stremayr [1] und war der Sohn des oberösterreichischen Militär-Feldapothekers Franz Josef von Stremayr (1793–1843) und dessen Ehefrau Caroline, geborene Rieger (1800–1880).

Er wurde als erstes von neun Kindern in Graz geboren, wo er auch seine Kinderjahre verbrachte. Als sein Vater 1832 befördert und nach Mantua versetzt wurde und die gesamte Familie dorthin übersiedelte, blieb er im Alter von zehn Jahren bei seinen Großeltern in Graz zurück und besuchte weiterhin das Grazer Gymnasium.

Durch die Beförderung seines Großvaters mit folgender Versetzung nach Görtschach/Klagenfurt besuchte er für ein Jahr die sechste Klasse des Klagenfurter Gymnasiums. Als 1839 sein Großvater starb, übersiedelte seine Großmutter mit ihm wieder zurück nach Graz, wo er die Matura ablegte.

Als Übergang zum Universitätsstudium begann er in Wien mit philosophischen Studien, lernte Italienisch, Französisch und Englisch, später auch Slowenisch und Serbokroatisch und las mit gleichgestimmten Kommilitonen römische und griechische Klassiker.

1841 begann er das Studium der Rechtswissenschaften an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz, da er gemäß einem Wunsch seiner Eltern keine Karriere beim Militär anstreben sollte.

Als 1843 sein Vater und seine Großmutter verstarben, hatte er als ältester Sohn die Erhaltung der Großfamilie zu übernehmen, indem er während seines Studiums Privatunterricht erteilte. Eine seiner Schülerinnen war Bertha Hope, die später seine Frau werden sollte.

Im Herbst 1845 schloss er seine juristischen Studien in Graz ab.

Beruf[Bearbeiten]

1845 begann er die einjährige Zivil- und Kriminalpraxis beim Magistrat Graz und legte im gleichen Jahr die Rechtsreferendarprüfung in Deutsch und Italienisch beim Appellationsgericht in Klagenfurt mit Auszeichnung ab. Dadurch erfolgte bereits 1846 die Promotion zum „Doctor juris utriusque“ und nach beendeter Richteramtspraxis trat er als unbesoldeter Konzeptionspraktikant bei der k.k. Finanzprokuratur in Graz ein und wurde am 9. November 1846 in den Staatsdienst übernommen. 1846 absolvierte er die Richteramtsprüfung für Deutsch und Italienisch beim Appellationsgericht in Klagenfurt mit Auszeichnung.

Politik[Bearbeiten]

Märzrevolution 1848 und Frankfurter Nationalversammlung[Bearbeiten]

Im Zuge der Märzrevolution wurde er als Jurist ohne sein Mitwirken in der „Grazer Zeitung“ für die Wahlen zur Frankfurter Nationalversammlung in Frankfurt vorgeschlagen, hatte zu diesem Zeitpunkt aber nur wenige politische Ambitionen. Als er 1848 in Kindberg in einem Rednerwettbewerb seine im Vergleich zu anderen Rednern gemäßigten und realistischen Ziele vortrug, wurde er zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt und sofort nach Frankfurt entsandt. In Frankfurt wohnte er den letzten Sitzungen des Vorparlaments und den Vorbesprechungen zur Eröffnung der Nationalversammlung bei. Als jüngstes Mitglied der Versammlung und Jugendschriftführer hat er in der Frankfurter Paulskirche als erster die Rednertribüne betreten, um die Begrüßungsadresse des alten Bundestages an die neue Nationalversammlung zu verlesen. Auf der Suche nach Abgeordneten, die seine Ansichten teilten, schloss er sich dem Württemberger Hof, der liberalen Mitte, an.

Der rege Briefverkehr zwischen ihm und seiner zukünftigen Frau war die Basis für die spätere Eheschließung und schildert seine Begeisterungen und Enttäuschungen als Abgeordneter in Frankfurt. In dieser politischen Atmosphäre, deren Überschwänglichkeit und naive Unkenntnis der politischen Realitäten seiner Jugend entsprach, war er als einer von 586 Abgeordneten ambitioniert tätig, erkannte jedoch sehr bald die Unmöglichkeit der Durchsetzung seiner liberalen Hoffnungen. Als die österreichischen Abgeordneten im April 1849 abberufen wurden, kehrte ein enttäuschter und ernüchterter Stremayr 1849 nach Graz zurück. Vom 24. Oktober 1849 bis Ende März 1850 supplierte er das römische und kanonische Recht an der Universität Graz (Vakanz nach A. Chabert).

Familie[Bearbeiten]

Karl von Stremayr (1847), 24-jährig

Als ehemaliger liberaler Frankfurter Abgeordneter bzw. Revolutionär bekam er das schlecht besoldete Amt eines Konzeptspraktikanten der steirischen Kammerprokuratur. Erst 1850 wurde durch die Ernennung zum Staatsanwalts-Substituten die finanzielle Basis für eine mögliche Ehe geschaffen, die er am 17. Juni 1850 im Grazer Dom mit Bertha Hope einging. Aus dieser Ehe stammen ein Sohn und fünf Töchter:

  • Bertha, heiratet 1873 Emil Ritter von Hardt (6 Kinder: Ihren beiden Söhnen wurde die Namensvereinigung "Hardt-Stremayr" genehmigt).
  • Anna, im Alter von acht Jahren an Typhus verstorben.
  • Antonie, verheiratet mit Premierleutnant Richard Lüders (3 Kinder), verstarb bei der Geburt des 2. Kindes.
  • Maria, heiratet nach dem plötzlichen Tod ihrer älteren Schwester Antonie 1878 ihren Schwager Leutnant Richard Lüders (nochmals 3 Kinder).
  • Karl, im ersten Lebensjahr verstorben.
  • Caroline, verheiratet mit Johann Edler von Schemua (kinderlose Ehe).

Reaktionszeit[Bearbeiten]

Karl von Stremayr (1859), 36-jährig

Nachdem Stremayr das Amt des öffentlichen Anklägers im Rahmen einer von ihm nicht akzeptierten Verfassung zu führen hatte, waren die reaktionären Vorgesetzten mit Stremayrs Amtsführung nicht zufrieden und er wurde bei jeder Gelegenheit zurückgesetzt. Nachdem drei seiner Brüder die militärische Laufbahn eingeschlagen hatten und seine Schwestern durch Handarbeit zum Haushalte beitrugen, hatte er sich nur mehr um die eigene Familie zu kümmern.

Somit habilitierte er sich als Privatdozent für römisches Recht an der Universität Graz aufgrund von zwei Abhandlungen für römisches Recht:

  • Die actio Pauliana nach gemeinem und österreichischem Rechte
  • Ein Beitrag zur Erklärung der L. 5 § 10 D. de inst. act. (=Dig. 14,3,5,10)

Als Gutachter fungierten Kopatsch und Maassen.[2]

Außerdem war er als Mitarbeiter, später auch unter Pseudonym als Redakteur bei der Grazer Zeitung journalistisch tätig.

1860 erkrankten er und seine älteren Töchter Bertha, Anna und Antonie lebensgefährlich an Typhus, was die ganze Familie erneut in große finanzielle Not brachte. Schlimmer waren aber der Tod seiner Tochter Anna, wie auch den Tod der Magd und der Wärterin.

Steiermärkischer Landtag[Bearbeiten]

Aufgrund der Februarverfassung des Jahres 1861 wurden Wahlen für den Steiermärkischen Landtag ausgeschrieben, zu denen er, noch durch die Krankheit geschwächt, ohne sein Zutun als Kandidat für die Stadt Graz aufgestellt wurde. Er wurde zum Landtagsabgeordneten für die Grazer Vorstädte gewählt und saß die folgenden 18 Jahre im Landtag, darunter neun Jahre als Landesausschuss-Mitglied.

Mit einem Male war er die materiellen Sorgen los und konnte ein neues Arbeitsfeld beginnen, indem er weniger politische als organisatorische und administrative Verbesserungen in der landschaftlichen Verwaltung sowie in den staatlichen Gesundheits- und Bildungsanstalten durchsetzen konnte. Deshalb wurde ihm auch die Leitung der Unterrichtsanstalten des Landes, der Technischen Hochschule am Joanneum und der Landes-Oberrealschule übertragen. Den vielfachen Beschäftigungen als Landesausschuss-Mitglied, Staatsanwalts-Substituten, Zivilreferenten des Landesgerichtes, Privatdozent, Direktionsmitglied der I. steirischen Sparkasse und Staatsprüfungskommissär standen Freud und Leid in der Familie gegenüber: 1863 gebar ihm Bertha ein Zwillingspaar, aber der Sohn starb nach wenigen Monaten. Dieser Schicksalsschlag lag schwer auf seiner Frau, der ab diesen Zeitpunkt trotz kräftigem Gesundheitszustand die Hände und Füße den Dienst versagten und sie in den Rollstuhl brachten.

Seine administrative Begabungen im steiermärkischen Landtag und in diversen Landesausschüssen blieben nicht verborgen, deswegen wurde er 1868 durch Carl Giskra als Ministerialrat ins Ministerium des Innern berufen.

Erstes Ministeramt unter Hasner[Bearbeiten]

Dort wurde ihm von Leopold Hasner von Artha im Zuge der Regierungsbildung das Amt des Ministers für Kultus und Unterricht angeboten, das er am 1. Februar 1870 auch annahm. Aber bereits nach wenigen Monaten wurde am 12. April 1870 das Ministerium Hasner (und mit ihm Stremayr) entlassen. Ihm wurde auf seinen Wunsch eine Hofratsstelle am Obersten Gerichts- und Cassationshof gewährt.

Im gleichen Jahr übersiedelte seine Familie, bestehend aus vier Töchtern und seiner Frau, nach Wien.

Überraschend wurde er vom Steiermärkischen Landtag als Abgeordneter des Abgeordnetenhauses in den Wiener Reichsrat entsandt, in dem er sich der Deutschliberalen Partei anschloss.

Zweites Ministeramt unter Potocki[Bearbeiten]

Bereits am 30. Juni 1870 erfolgte Stremayrs erneute Ernennung zum Minister für Kultus und Unterricht nach Zusicherung des Ministeriums Potocki, die Verfassung nicht anzutasten und ihm in den Fragen seines Ressorts freie Hand zu lassen.

Stremayr trat in Hinblick auf die Verkündung des Dogmas über die Unfehlbarkeit des Papstes für die Aufhebung des Konkordates vom 5. November 1855 ein.[3] Da sich Potocki aber aus religiösen Gründen weigerte, die Vorlage ins Parlament zu bringen, wurde im Kronrat vom 30. Juli 1870 in Anwesenheit des österreichischen Botschafters beim Heiligen Stuhl das Konkordat durch kaiserliches Handschreiben für hinfällig erklärt und der Außenminister mit der formellen Aufhebung beauftragt.[4] Der Kaiser erteilte Stremayr am gleichen Tag den Auftrag, die infolge dieser Änderung nötigen Gesetzesvorlagen für den Reichsrat vorzubereiten.[5]

Am 4. Februar 1871 wurde Stremayr auf seinen Wunsch enthoben und nahm seine Tätigkeit als Hofrat am Obersten Gerichtshof wieder auf.

Drittes Ministeramt unter Auersperg[Bearbeiten]

Regierung Auersperg mit Ministern (Karl von Stremayr sitzend links vorne), 55-jährig

Nach den Ministerien Potocki, Hohenwart und Holzgethan wurde innerhalb kurzer Zeit das Ministerium Auersperg berufen. Nach Mitarbeit beim Regierungsprogramm erfolgte am 25. November 1871 Stremayrs erneute Ernennung zum Minister für Kultus und Unterricht, welches Amt er diesmal bis zum 12. August 1879 innehatte.

Unter seiner Amtsführung entwickelten sich u.a. die Universitäten in Prag und Wien rasch weiter und es wurde eine neue Universität in Czernowitz errichtet.[6] Die Universität Prag wurde noch nicht in eine deutsche und tschechische Universität geteilt und in Wien wurde das Institut für Paläontologie gegründet.[7]

Über sein Verhältnis als Minister zu seinen politischen Freunden meinte Stremayr:

„Das Parteileben bringt es mit sich, daß gar oft nicht das Wohl des Staates, sondern leidiges Parteiinteresse die Haltung der Abgeordneten im Parlamente bestimmt. Ein Minister aber kann und darf nie und nimmer einer Partei auf diesem Wege folgen. Er muß auch dieser gegenüber seine volle Unabhängigkeit, die Freiheit seiner gewissenhaften Überzeugung wahren, und diese wird nicht selten in seinem Verhältnis zur Krone durch Gründe bestimmt, die er auch seinen Freunden nicht offenbaren kann.[8]

Die Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche mit weiterer interkonfessioneller Gesetzgebung, der Kulturkampf in Deutschland, der auch für die österreichischen Liberalen große Bedeutung hatte, die Klostergesetze und andere brachten oft harte Kämpfe mit sich, die Stremayr so beschrieb:

„Es waren oft harte Kämpfe, welche ich mit dem gnädigsten Monarchen in mündlicher Erörterung meiner Entwürfe durchzumachen hatte, und konnte ich mir auch durch die hartnäckige Vertretung meiner Überzeugung nicht die höchste Gnade und Zufriedenheit erwerben: es gelang mir doch nicht selten, meiner bescheidenen Ansicht Geltung zu verschaffen. Freilich durfte ich mich dabei nicht an mein Portefeuille klammern und mußte stets bereit sein, dasselbe in die Hände dessen zurückzulegen, der es mir Unwürdigem anvertraut hatte.[9]

Dass ihm seine Prinzipien wichtiger waren, als das Amt des Ministers unbedingt zu behalten, kommt auch bei folgendem zum Ausdruck:

„[…] eine Ernennung anders als von mir vorgeschlagen […] legte ich die Allerhöchste Entschließung sofort ohne meine Gegenzeichnung zurück und überreichte zugleich mein Entlassungsgesuch. Seine Majestät hatte die Gnade, nach längerer Zeit es von einer Ernennung wieder abkommen zu lassen […].[9]

Familiär konnte er sich 1873 über die Hochzeiten seiner zwei ältesten Töchter freuen, musste aber 1876 den Tod einer Tochter bei der Geburt ihres zweiten Kindes miterleben. 1878 heiratete seine dritte Tochter den Witwer nach staatlichem und kirchlichen Dispens vom bestehenden Ehehindernis der Schwägerschaft.

Ministerpräsident[Bearbeiten]

Der Versuch, 1879 mit der Verfassungspartei ein neues Ministerium zu bilden, dem er wieder als Minister für Kultus und Unterricht angehören sollte, misslang und brachte das Ende des Ministeriums Auersperg. Stattdessen wurde Stremayr als Senior der übrigen Minister vom Kaiser die Aufgabe übertragen, als Vorsitzender das Kabinett zu führen. Von 15. Februar bis 12. August 1879 amtierte er als Ministerpräsident der österreichischen Reichshälfte Österreich-Ungarns. Das Ministerium Stremayr sollte jedoch nur als Übergangsregierung bis zum Abschluss der geplanten Reichsratswahlen dienen.[10]

Viertes Ministeramt unter Taaffe[Bearbeiten]

Am 12. August 1879 kam es zur Ernennung zum Justizminister, mit gleichzeitiger Leitung des Ministeriums für Kultus und Unterricht. Das Verhältnis des Ministeriums Taaffe zur Verfassungspartei gestaltete sich immer schwieriger und jeder Schritt zur Versöhnung der widerstrebenden Elemente wurde abgelehnt.

Somit war er zwei Jahre lang Minister für Kultus und Unterricht und gleichzeitig Justizminister. Als solcher erließ er gemeinsam mit dem für die Verwaltungsbehörden zuständigen Taaffe im April 1880 für die Kronländer Böhmen und Mähren je eine Sprachenverordnung zur von Kommentatoren so genannten äußeren Amtssprache, mit dem Ziel, den Tschechen mehr Recht auf ihre Muttersprache im Verkehr mit Verwaltung und Justiz zu geben (die Kundmachung erfolgte in den beiden Landesgesetzblättern).[11][12] Demnach sollte die Sprache der Eingabe oder des Vorsprechenden für die Erledigung maßgebend sein.[13] Stremayr schrieb dazu:

„Die gemeinsam mit Taaffe erlassene Sprachenverordnungen, denen ich nach vielfacher Abschwächung und mit Wahrung des Deutschen als innerer Amtssprache endlich zustimmte, gossen Oel ins Feuer, ohne die Ansprüche der Tschechen zu befriedigen.[14]

Zur weiteren Behandlung der Sprachenfrage in den böhmischen Ländern siehe Badenische Sprachenverordnung.

Nachdem er die Staatsgeschäfte immer weniger mit seinen Idealen vereinbaren konnte, reichte er mehrere Bitten um Enthebung ein, bis ihnen vom Kaiser am 16. Februar 1880 (Kultus und Unterricht) und am 26. Juni 1880 (Justiz) entsprochen wurde.

Oberster Gerichtshof[Bearbeiten]

Karl von Stremayr (1896), 73-jährig

Der Ernennung zum 2. Präsidenten des Obersten Gerichts- und Cassationshofes am 29. Juni 1880 folgte ein frostiger Empfang von Seite des ersten Präsidenten von Schmerling, da Graf Taaffe diesen vor der kaiserlichen Ernennung nicht formell um seine Zustimmung ersucht hatte. Innerhalb eines Jahres wurde daraus aber ein sehr freundschaftliches Verhältnis.[15]

1889 wurde Stremayr vom Kaiser zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses des Reichsrats ernannt.

Die Ernennung zum ersten Präsidenten des Obersten Gerichtshofes folgte 1891, und 1893 ernannte ihn der Kaiser auf Antrag von Erzherzog Rainer zum Stellvertreter im Kuratorium der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften mit bald darauf folgender Ehrenmitgliedschaft.[16]

Ein schwerer Ohnmachtsanfall, dem eine längere Krankheit folgte, überraschte Stremayr im Frühjahr 1898 in einer Sitzung des Gerichtshofes. Aus Besorgnis über die Weiterentwicklung seiner Heimat und über seinen Gesundheitszustand, der es nicht mehr zuließ, das Amt so auszuüben wie gewohnt, ersuchte er um Versetzung in den Ruhestand, dem der Kaiser mit persönlichem Schreiben nachkam.

Todesanzeige 1904

Im Frühjahr 1899 fesselte ein schwerer Gichtanfall Stremayr durch Monate an Bett und Zimmer und beraubte ihn des Gebrauches seiner Glieder.

Stremayr hat als Widmung seines Manuskriptes Erinnerungen aus dem Leben. Seinen Kindern und Enkeln erzählt im Jahr 1899 schreiben lassen:

„„Indem ich auf ein an Wechselfallen überreiches Leben zurückblicke, drängt sich mir der Wunsch auf, daß die Erfahrungen dieses Lebens meinen Kindern und Enkeln nicht verloren seien, und daß ihnen das Andenken in ihren Vater und Großvater wie ein Bild aus entschwundener Zeit in treuen Zügen erhalten bleibe. Aus diesen Aufzeichnungen sollen sie die Lehre schöpfen, im Unglücke nicht den Muth zu verlieren, im Glücke nicht übermüthig zu werden, aber immer und überall in strenger Pflichterfüllung nicht nach eitlen Gütern der Welt, sondern nach idealer Vervollkommnung des eigenen Selbst zu streben. Darin mögen sie jene Befriedigung finden, welche die Welt mit allen äußeren Glanz und blendenden Ehren nicht zu gewähren vermag.“

Am 22. Juni 1904 verstarb er im 82. Lebensjahr in Pottschach in Niederösterreich.

Würdigungen[Bearbeiten]

Stremayr war der Träger zahlreicher Orden wie des St. Stefans-Ordens, des Großkreuzes des Österreichischen Leopold-Ordens oder des k. k. Ordens der Eisernen Krone 1. Klasse.

Anton Bruckner widmete seinem Förderer Stremayr 1876 die 5. Sinfonie.[17]

In Graz wurde im Zuge der Erneuerung des Doktordiploms durch die Karl-Franzens-Universität, 1871 die „Stremayrgasse“ nach ihm benannt. Vermutlich stand dies auch im Zusammenhang damit, dass er als Minister für Kultus und Unterricht den Neubau der Universität auf stadtseitigen Teilen des Stadtparks vorschlug, womit die Regierung vom Grundsatz der unbebaut zu bleibenden Liegenschaft abwich.[18]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Erinnerungen aus dem Leben. Seinen Kindern und Enkeln erzählt. Holzhausen, Wien 1899.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weiß von Starkenfeld, Alois Frhr. & Kirnbauer von Erzstätt, Johann E.: Der Oberösterreichische Adel In: Siebmacher's großes Wappenbuch, Bd. 4, 5. Abteilung, Nürnberg 1904. S. 412.
  2. Gunter Wesener: Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz - Teil 1: Römisches Recht und Naturrecht, Band 9/1, Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz, 1978
  3. Christine Mann: Zwischen Tradition und Moderne. Der Güntherianer Vinzenz A. Knauer (1828–1894) auf der Suche nach Wahrheit in Freiheit. Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-631-60129-7, S. 197.
  4. Kora Waibel: Dissertation zur Kündbarkeit des österreichischen Konkordats. Über Möglichkeiten und Folgen einer Abschaffung des Vertrags zwischen der Republik Österreich und dem Heiligen Stuhl vom 5. Juni 1933, Universität Wien, Wien 2008, S. 18
  5. Tageszeitung Wiener Zeitung, Wien, Nr. 184, 10. August 1870, S. 1, Amtlicher Teil
  6. Stremayr Karl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 13, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2007–2010, ISBN 978-3-7001-6963-5, S. 398 f. (Direktlinks auf S. 398, S. 399). (Für die Onlineversion ist eine kostenpflichtige Registrierung notwendig.)
  7. Institut für Paläontologie an der Universität Wien. Abgerufen am 15. März 2014
  8. Erinnerungen aus dem Leben. Seinen Kindern und Enkeln erzählt. Holzhausen, Wien 1899, S. 49
  9. a b Erinnerungen aus dem Leben. Seinen Kindern und Enkeln erzählt. Holzhausen, Wien 1899, S. 57
  10. Ernst Rutkowski: Briefe und Dokumente zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band 2: Der verfassungstreue Großgrundbesitz 1900-1904. Verlag Oldenbourg, München 1991, ISBN 3-486-52611-1, S. 454.
    Robert R. Luft: Die Mittelpartei des Mährischen Großgrundbesitzes. In: Ferdinand Seibt (Hrsg.): Die Chance der Verständigung. Absichten und Ansätze zu übernationaler Zusammenarbeit in den böhmischen Ländern 1848-1918. Verlag Oldenbourg, München 1987, ISBN 3-486-53971-X, S. 187−243, hier: S. 194.
  11. LGBl. Böhmen Nr. 14 / 1880 (= S. 34)
  12. LGBl. Mähren Nr. 17 / 1880 (= S. 31)
  13. Helmut Slapnicka: Die Ohnmacht des Parlamentarismus. In: Ferdinand Seibt (Hrsg.): Die Chance der Verständigung. Absichten und Ansätze zu übernationaler Zusammenarbeit in den böhmischen Ländern 1848–1918. Verlag Oldenbourg, München 1987, ISBN 3-486-53971-X, S. 147−174, hier: S. 152.
  14. Karl von Stremayr: Erinnerungen aus dem Leben. Seinen Kindern und Enkeln erzählt. Holzhausen, Wien 1899, S. 60
  15. Karl von Stremayr: Erinnerungen aus dem Leben. Seinen Kindern und Enkeln erzählt. Holzhausen, Wien 1899, S. 62.
  16. Anzeiger der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. XXX. Jahrgang 1893. Nr I-XXVII, Wien 1893, S. 272
  17. Michael Steinberg: The Symphony: A Listener's Guide. Oxford University Press, New York 1995, ISBN 0-195-12665-3, S. 102.
  18. Der Universitätsbau in Graz. In: Wiener Zeitung, Beilage Wiener Abendpost, Nr. 43/1871, 22. Februar 1871, S. 170, Mitte links (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Köck: Dr. Karl von Stremayr, in seinem Verhältnis zu Wissenschaft, Kunst und Industrie betrachtet. Ungedruckte Dissertation Wien 1950.
  • Stremayr. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 15, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 387.
  • Gunter Wesener: Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz. Band 1: Römisches Recht und Naturrecht (=Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz, 9, 1) Akademische Druck und Verlags-Anstalt, Graz 1978, ISBN 3-201-01059-6, S. 72 f.
  • Gertrud Elisabeth Zündel: Karl von Stremayr. Ungedruckte Dissertation Wien 1944.

Weblinks[Bearbeiten]