Durlach

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48.9991666666678.47117Koordinaten: 48° 59′ 57″ N, 8° 28′ 12″ O

Durlach
Stadt Karlsruhe
Wappen von Durlach
Höhe: 117 m ü. NN
Fläche: 22,94 km²
Einwohner: 29.660 (31. Dez. 2012)
Eingemeindung: 1. April 1938
Postleitzahl: 76227
Vorwahl: 0721
Karte

Lage von Durlach in Karlsruhe

Luftaufnahme der Altstadt aus nördlicher Richtung

Luftaufnahme der Altstadt aus nördlicher Richtung

Ortsmitte mit Turmberg
Turmbergruine
Der Bahnhof von Durlach

Durlach ist der größte Stadtteil von Karlsruhe. Die einstmals eigenständige Stadt war von 1565 bis 1718 Residenzstadt der Markgrafschaft Baden-Durlach. 1715 ging von hier die Gründung der neuen Residenzstadt Karlsruhe aus, in die Durlach 1938 zwangseingemeindet wurde.

Geographie[Bearbeiten]

Der Stadtteil liegt im Osten von Karlsruhe am Ausgang des Pfinztals und geht von der Rheinebene in den Kraichgau und in den Nordschwarzwald über.

Der Hausberg von Durlach ist der Turmberg, auf dessen Gipfel sich die Reste einer Burganlage befinden, zu der die Turmbergbahn führt. Direkt neben der Burganlage liegt die Sportschule Schöneck, die von der deutschen Fußballnationalmannschaft gelegentlich als Trainingslager zur Vorbereitung auf Länderspiele genutzt wird.

Der Turmberg liegt im Grenzbereich des Kraichgaus zum Schwarzwald und wird in der naturräumlichen Gliederung dem Kraichgau zugerechnet.[1] Südlich folgen die Erhebungen Guggelensberg und Lerchenberg sowie der Geigersberg, an dem der Schwarzwald beginnt. All diese Hügel gehören noch zu Durlach und sind aufgrund des Ausblicks, den man von ihnen über die Rheinebene hat, ein beliebtes Prominenten- und Villenviertel von Karlsruhe.

Name[Bearbeiten]

Der Name „Durlach“ geht nach Hentschel (1996) vermutlich auf einen Flurnamen zurück und bezeichnet ursprünglich das Gebiet unterhalb des Turms. Dabei ist „Dur-“ auf Turm (lat. turris) zurückzuführen und „-lach“ auf das althochdeutsche blah, lah und lâch, das Wort für ein Grenzzeichen.[2]

Umgangssprachlich nennen sich die Einwohner von Durlach auch Dorlacher oder Letschebacher.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Grafen von Hohenberg erbauten im 11. Jahrhundert die Burganlage auf dem Turmberg und erweiterten sie im 12. Jahrhundert. Nach dem Aussterben der Hohenberger und der Grötzinger Herren fiel das Grafenamt im Pfinzgau gegen Ende des 12. Jahrhunderts an die Oberlehensherren, die Staufer.

Im Jahr 1196 wurde Durlach erstmals urkundlich erwähnt und als Stadt bezeichnet. Es wird angenommen, dass Kaiser Heinrich VI. sie an der Stelle einer dörflichen Vorgängersiedlung auf Grötzinger Gemarkung gründete, als er sich im Winter 1191/1192 in seiner Hagenauer Pfalz aufhielt.[3]

1219 ging Durlach durch Tausch an die Markgrafschaft Baden über und wurde Eigengut des Markgrafen. 1279 zerstörte Konrad III. von Lichtenberg, der Bischof von Straßburg, die Burg Hohenberg auf dem Turmberg, die danach nicht wieder aufgebaut wurde. 1556 wurde Durlach mit den damals noch in Pforzheim residierenden Landesherren protestantisch.

1565 verlegte Markgraf Karl II. die Residenzstadt der ernestinischen Linie der Markgrafen von Baden von Pforzheim nach Durlach. Seither nannten sich die Landesherren „Markgrafen von Baden-Durlach“. Die Karlsburg wurde gebaut. Durlach erlebte einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.

Nachdem Durlach bereits im Dreißigjährigen Krieg gebrandschatzt wurde, zerstörten im Jahr 1689 vom französischen König Ludwig XIV. im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekriegs entsandte französische Truppen die Stadt völlig. Lediglich fünf oder sechs Wohnhäuser der Altstadt entgingen dem Feuer. Von der Karlsburg blieb nur der Prinzessenbau stehen. Wiederkehrende Zerstörungen und Plünderungen ruinierten die schutzlosen Durlacher in dieser Zeit immer aufs Neue, bis der Krieg 1697 endete. Der Landesherr Markgraf Friedrich Magnus hielt sich währenddessen bis zu seiner Rückkehr 1698 im Basler Exil auf. Er begann den Wiederaufbau Durlachs und der Karlsburg, in deren ersten Bauteil er 1699 einzog. 1709 übernahm sein Sohn Markgraf Karl Wilhelm die Regierung. Im Zerwürfnis mit seiner Gemahlin Magdalena Wilhelmine von Württemberg, einer Tochter des Herzogs von Württemberg, und den Durlacher Bürgern stoppte er den weiteren Ausbau der Karlsburg.

1718 verlegte Markgraf Karl Wilhelm die Residenz in sein seit 1715 mitten im Hardtwald neu erbautes Schloss, bei dem die neue Stadt Karlsruhe entstand. Auch die markgräflichen Behörden mussten aus Durlach umziehen.

1735 wurde in Durlach die Münzprägeanstalt errichtet. Von 1810 bis 1832 war Durlach Kreisstadt im inzwischen durch napoleonischen Druck konstituierten Großherzogtum Baden. 1843 eröffnete die Eisenbahnlinie Karlsruhe–Heidelberg mit Bahnhof in Durlach. 1846 gründete Christian Hengst die landesweit erste Freiwillige Feuerwehr (Denkmal Hengst-Platz).[4] 1921 wurde Aue zu Durlach eingemeindet.

Im Zuge der Reichspogromnacht kam es 1938 es zu Übergriffen gegen jüdische Bürger in Durlach. Am 22. Oktober 1940 wurden die verbliebenen jüdischen Mitbewohner deportiert. Während des Zweiten Weltkrieges kamen in Durlach 329 Menschen um.

1938 wurde Durlach gegen das ausdrückliche Votum der Durlacher nach Karlsruhe eingemeindet. Als Zugeständnis wurde dabei allerdings vereinbart, dass Durlach alle Behörden und Ämter behalten dürfe. Deshalb ist Durlach heute der einzige Stadtteil Karlsruhes, der ein eigenes Finanzamt und ein eigenes Amtsgericht besitzt. Das dem Amtsgericht angeschlossene Gefängnis – dessen prominentester Gefangener während der Spiegel-Affäre kurzzeitig Rudolf Augstein war – wurde allerdings 1990 gegen Protest der Bevölkerung abgerissen. 1989 erhielt Durlach eine eigenständige Ortschaftsverfassung und einen Ortschaftsrat.

Orgelfabrik Durlach

Ortschaftsrat[Bearbeiten]

Vorsitzender des Durlacher Ortschaftsrats ist der Ortsvorsteher. Parteipolitisch setzt er sich für die neue Amtszeit ab Juli 2009 folgendermaßen zusammen:

  • CDU 7 Sitze
  • Grüne 6 Sitze
  • SPD 5 Sitze
  • FDP 4 Sitze

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater/Konzerte/Ausstellungen[Bearbeiten]

Veranstaltungszentrum Orgelfabrik

Im 19. und 20. Jahrhundert war die Voit’sche Orgelfabrik eine der bedeutendsten Orgelbaustätten in Europa. In der verbliebenen Großhalle residieren heute

  • Die Orgelfabrik - Kultur in Durlach e.V.
  • Kabarett „Die Spiegelfechter“
  • Theater in der Orgelfabrik
Musik an der Stadtkirche Durlach

An der Stadtkirche Durlach werden regelmäßig Konzerte gegeben – von der Musik zur Marktzeit bis zur Aufführung großer Werke wie Bachs Messe in h-Moll, Werke Alter Meister, aber auch zeitgenössischer Künstler, Chorwerke, Kantaten, Kammermusik, Orgelkonzerte, Improvisationswettstreite. Im Jahre 1999 wurde die historische Stumm-Orgel nach umfassender Erneuerung durch die Schweizer Orgelbaufirma Goll festlich eingeweiht.

Museen[Bearbeiten]

Karlsburg
  • Im Schloss Karlsburg sind untergebracht:
    • Karpatenmuseum: Sachkultur, Sitten und Gebräuche der ehemaligen Deutschen in der Slowakei
    • Pfinzgaumuseum: Geschichte der bis 1938 selbständigen Kreisstadt Durlach als Residenz der Markgrafen von Baden, Entwicklung von Landwirtschaft, Handwerk und Industrialisierung

Friedhöfe[Bearbeiten]

In Durlach bedinden sich zwei Friedhöfe, wobei vor allem der alte und der neue Friedhof auf Grund ihres Aufbaues sehenswerte Kultureinrichtungen sind. Der alte Friedhof ist dabei inzwischen in eine öffentliche Parkanlage umgewandelt worden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

RaumFabrik

Die Orgelfabrik Heinrich Voit & Söhne, die Badische Maschinenfabrik Durlach und der Nähmaschinen- und Fahrzeughersteller Gritzner, später Pfaff (wird abgerissen), waren bedeutende Unternehmen ihrer Branchen. Mittlerweile gibt es nur noch wenig produzierendes Gewerbe, in den Fabrikanlagen sind Gründerzentren untergebracht (RaumFabrik). Auch die web.de AG hatte ihren Sitz dort. Im Ortsteil Killisfeld befindet sich die Fiducia IT AG.

In der Nähe zum Durlacher Bahnhof hat das Pharmaunternehmen Dr. Willmar Schwabe seinen Sitz. In einem großen Industriegebiet nördlich vom Durlacher Stadtkern sind in unmittelbarer Nähe zur Autobahnausfahrt Karlsruhe-Nord diverse Unternehmen angesiedelt. Unter anderem befinden sich dort ein Logistikzentrum der Robert Bosch GmbH, Hauptverwaltung und Produktion der Bautechnik-Unternehmensgruppe Vollack, der Hauptsitz und eine Produktionsstätte des internationalen Verpackungsmaschinenherstellers Romaco sowie der Hersteller von Kunststoff-Fenstersystemen aluplast.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Durlach und Durlacher Allee

Mit der Autobahnanschlussstelle Karlsruhe-Durlach an der A 5 ist der Stadtteil direkt an das deutsche Fernstraßennetz angebunden. Weitere Autobahn-Anschlussstellen, über die Durlach und Umgebung gut erreichbar sind, sind Karlsruhe-Nord und Karlsruhe-Mitte (AS 45). Zwischen Durlach und dem Stadtteil Grötzingen kreuzen sich die Bundesstraßen 3 (Nord-Süd) und 10 (Ost-West).

Der Bahnhof von Durlach ist Umstiegspunkt der Stadtbahn Karlsruhe, der S-Bahn RheinNeckar, des Regionalverkehrs und einzelner Fernzüge. Daneben verbinden Straßenbahn- und Stadtbahnlinien Durlach mit der Karlsruher Innenstadt. Direkt durch das Durlacher Zentrum führen die Straßenbahnlinien 1 und 8.

Durlacher Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Altstadtring mit Basler Tor
Turmberg mit Endstation der Turmbergbahn und Sportschule Schöneck

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Susanne Asche, Olivia Hochstrasser: Durlach - Staufergründung, Fürstenresidenz, Bürgerstadt. Hrsg. Stadt Karlsruhe, Stadtarchiv, ISBN 3-7617-0322-8.
  • Victor Dahms: Fluchtpunkt Durlach. Glossen aus dem Intelligenz- und Provinzblatt für Durlach. Verlag Peter Guhl, Rohrbach/Pfalz 2012. ISBN 978-3-930760-71-8.
  • Christian Edel: Durlach ein historischer Rundgang. Hrsg. vom Freundeskreis Pfinzgaumuseum – Historischer Verein Durlach e. V. Karlsruhe-Durlach, 2004, ISBN 3-9803311-5-6.
  • Karl Gustav Fecht: Geschichte der Stadt Durlach. Adolph Emmerling, Heidelberg 1869. Photomechanischer Nachdruck 1969 der Vereinigung ehemaliger Schüler des Markgrafen-Gymnasiums.
  • Siegmund Friedrich Gehres: Kleine Chronik von Durlach. Braun, Karlsruhe 1824. Digitalisat der Badischen Landesbibliothek
  • Anke Mührenberg: Kleine Geschichte Durlachs G. Braun, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-7650-8393-8.
  • Jan Dirk Rausch, Heinz Gockel: Durlachs historische Bauten – Von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Karlsruhe 2006, ISBN 3-9803311-8-0.
  • Jan Dirk Rausch, Samuel Degen (Fotografien), Günther Heiberger (Fotografien), Jürgen Sormani (Fotografien): Durlach - ein Bildband. Druckerei Widmann GmbH, ISBN 3-923314-02-7.
  • Durlach gestern und heute – Eine Fotodokumentation. B. Klein, Karlsruhe-Durlach 1986.
  • Ernst Schneider: Durlacher Volksleben 1500–1800. Volkskundliches aus archivalischen Quellen. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der ehemaligen Stadt Durlach. G. Braun 1980 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 5), ISBN 3-7650-0400-6.
  • Traudl Schucker: Durlacher Alltagsleben in Bildern. Zwischen Großherzogtum und Wirtschaftswunder. G. Braun, Karlsruhe 1996, ISBN 3-7650-8167-1.
  • Wolfgang Seidenspinner: Die feste Stadt. Anmerkungen zu Funktion und Bedeutung der mittelalterlichen Stadtbefestigung und ihrer denkmalpflegerischen Bewertung. Mit einem aktuellen Beispiel: Durlach. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt des Landesdenkmalamtes. 13. Jahrgang (1984) H. 2 (April–Juni 1984), S. 64–75.
  • Ulrike Plate: Die Altstadt Durlachs als Gesamtanlage. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 28. Jg. 1999, Heft 1, S. 48–52. (PDF; 7,4 MB)
  • Intelligenz- und Provinzblatt für Durlach. Jahrgang 1–13, Zusammen 52 Hefte, Durlach 1992–2004.
Blick auf Durlach vom Turmberg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Durlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Kartendarstellung der LUBW mit aktivierter Ebene Naturraum, abgerufen am 3. Oktober 2012
  2. Karl-Heinz Hentschel: Durlach. Das Geheimnis seines Namens. Info-Verlagesgesellschaft, Karlsruhe 1996, ISBN 3-88190-212-0.
  3. Heinz Schmitt: Der Raum Karlsruhe vor der Stadtgründung. In: Stadt Karlsruhe Stadtarchiv (Hrsg.): Karlsruhe. Die Stadtgeschichte. Badenia, Karlsruhe 1998, ISBN 3-7617-0353-8, S. 40
  4. Hans G. Kernmayr: Christian Hengst, Durlach - Erste Freiwillige Feuerwehr Deutschlands, in: Der Goldene Helm, S. 71 ff., ecomed, 3. Auflage, Landsberg/Lech 2000. ISBN 3-609-66981-0