Karneval in Venedig

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Heutige Phantasiemaske

Der historische Karneval in Venedig ist mit seinen Masken, Tierkämpfen, Herkulesspielen und Feuerwerken der bekannteste neben denen von Florenz und Rom. Ausgehend von den italienischen Fürstenhöfen entwickelten sich seit dem Spätmittelalter immer prunkvollere und aufwändigere Formen des Karnevals. Im Allgemeinen dauerte das Fest von Epiphania (6. Januar) bis zum Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch. Der Ursprung des venezianischen Karnevals geht auf die Saturnalien der Antike und damit Gebräuche und Festlichkeiten von vor der Fastenzeit, bis in das 12. Jahrhundert zurück. Man feierte bis 1797 alljährlich den Sieg Venedigs über Aquileia im Jahr 1162. In Venedig feierte man den Karneval vom Stefanitag (26. Dezember) an. Bis 1796 folgte ihm während der Himmelfahrtsmesse stets ein kleineres Fest.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Karnevalsfest (pullus carnisbrivialis) in Venedig wird erstmals in der Chronik des Dogen Vitale Falier für 1094 erwähnt. Die älteste nachweisbare Erwähnung einer Maske in Venedig ist die Schilderung eines Zunftumzuges bei Martino da Cànal und stammt daher erst aus dem 13. Jahrhundert. Zu Lebzeiten Giacomo Casanovas im 18. Jahrhundert erreichte der Karneval seine größte Pracht, zugleich wurden die Sitten immer lockerer.

Die Ausstellung des Rhinozeros; Pietro Longhi, 1751
Pulcinella und Saltimbanchi (Artisten); Domenico Tiepolo, 1790

Die Blütezeit des Karnevals in Venedig endete, als 1797 die Markusrepublik durch Napoléon Bonaparte ihre Selbständigkeit verlor und Österreich angegliedert wurde. Der folgende wirtschaftliche Niedergang beeinträchtigte die Selbstdarstellung der Stadt erheblich. Aufwendige Prozessionen und Festumzüge gab es kaum noch. Zudem gibt es verschiedene, teils widersprüchliche Hinweise auf Verbote und Einschränkungen des Karnevals zwischen 1797 und 1815. So soll ein Verbot, Masken zu tragen, unter dem Regno italico wieder aufgehoben worden sein.[1] Die gelegentlich zu lesende Aussage, Napoléon habe den venezianischen Karneval verboten, weshalb bis 1979 in Venedig nicht mehr gefeiert worden sei, geht hingegen zu weit, denn auch im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde in Venedig Karneval gefeiert.[2] Im Zuge des Risorgimento und insbesondere nach der Niederlage Venedigs im Ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg 1849 wurden seitens der Bevölkerung Venedigs als Zeichen passiven Widerstands öffentliche Veranstaltungen boykottiert und Theater geschlossen, was auch den Karneval betraf. [3]

Karneval wurde im 19. Jahrhundert in Venedig, obwohl die wirtschaftliche Lage großer Teile der Bevölkerung sehr schwierig war, vor allem als privates Fest mit künstlerischen Kreationen[4] und als Veranstaltung der österreichischen Offiziere, wobei Veranstaltungen der Besatzungsmacht von den Einheimischen zeitweise gemieden wurden, gefeiert.[5] Nach der Vereinigung Venedigs mit Italien am 18. Oktober 1866 gab es Bestrebungen, die großartige Tradition venezianischer Feste wieder aufleben zu lassen.

„1867, nur wenige Monate nach dem Anschluß Venedigs an das Königreich Italien (19. Oktober 1866), feierten die Venezianer zehn Tage lang vom 24. Februar bis zum 5. März ein Karnevalsfest mit einem reichhaltigen Programm. Eine ‚Società del Carnevale‘, die aus ‚brava gente benemerita‘, wohlanständigen und honorigen Bürgern, zusammengesetzt war, organisierte die Festlichkeiten. Der Karneval sollte nicht länger eine Privatangelegenheit sein. Erklärtes Ziel der Organisatoren war es vielmehr, ‚Fremde anzuziehen, die Geld bringen‘,... wie im ‚Corriere di Venezia‘ vom 10. Januar 1867 zu lesen war... Finanziert wurde das Ereignis durch eine Subskription, deren erster Unterzeichner Amadeo d‘Aosta, der Sohn König Vittorio Emanuele II., und der Bürgermeister von Venedig waren... Allerdings war das Fest ‚ein kurzes Feuer, das schnell abbrannte‘, wie es Zeitgenossen beschrieben.“[6]

Eine nachhaltige Wiederbelebung des venezianischen Karnevals löste aber erst Federico Fellinis Film Casanova im Jahre 1976 aus. Federico Fellini, der Theaterregisseur Maurizio Scaparro, der Maskenmacher Guerrino Lovato[7] und zahlreiche weitere Künstler organisierten die Wiedererweckung des Karnevals, der insbesondere zur Biennale 1979 ein großer Erfolg war. Schließlich nahmen sich die Hotelbesitzer des Karnevals an, der inzwischen zu einer internationalen Tourismusattraktion geworden ist. Traditionelle Veranstaltungen wurden wieder aufgegriffen. So ist zum Beispiel die Theaterform der Commedia dell’arte, der auch überwiegend die modernen Karnevalsmasken nachgestaltet sind, auf die Bühne zurückgekehrt und wird sowohl im Theatersaal als auch im Freien aufgeführt.

Karnevalstreiben[Bearbeiten]

Historisch[Bearbeiten]

Zu Zeiten der Republik Venedig war der Donnerstag vor Aschermittwoch nicht nur der eigentliche Beginn der Fastnacht. An diesem Tag wurde vor allem auch der Sieg des Dogen Vitale Michiel I. über Ulrich II. von Treven, Patriarch von Aquileia, am giovedì grasso (ven. berlingaccio) des Jahres 1162 gefeiert. Aus diesem Grund nahm der Doge traditionell selbst an den Feierlichkeiten teil, zusammen mit dem Senat und den Botschaftern.

Auf der Piazzetta wurden Feuerwerke abgebrannt. Gruppen von Jugendlichen tanzten die arabische moresca, und junge Burschen von diesseits und jenseits des Canal Grande bauten menschliche Pyramiden. Die Zünfte der Schmiede und der Metzger schlachteten als Festbeitrag den ursprünglich vom Patriarchen von Aquileia jedes Jahr zu liefernden Ochsen und Schweine[8]; diese blutige Tradition wurde nach 1420 jedoch zur harmlosen Unterhaltung.

Unter den vielen Darbietungen auf dem Markusplatz fand das Marionettentheater unter dem Campanile besonderen Anklang, das immer neue Abenteuer der traditionellen Masken inszenierte. Darüber hinaus wurden dem staunenden Publikum wilde und exotische Tiere in Zwingern präsentiert. Ansonsten gab es Lotterien, Zähne wurden gezogen, Astrologen weissagten die Zukunft, Quacksalber verkauften Heilmittel. In den Ecken des Platzes traten Akrobaten und Seiltänzer auf. Das Fest erreichte seinen Höhepunkt mit dem 1548 erstmals ausgeführten sogenannten Engelsflug: ein Akrobat kletterte über ein in der Bucht vor dem Markusplatz an einem Floß verankertes doppeltes Seil bis zur Spitze des Campanile und warf von dort aus Blumen in die Menge; dann balancierte er zur Tribüne vor dem Dogenpalast hinunter.

Die Karnevalsaison war auch die Hauptspielzeit der Theater. Die Vielfalt der Festlichkeiten kannten im Karneval kaum Grenzen. Berühmt waren die Bullenhatzen, ebenso die blutigen Kämpfe zwischen Hunden und Bären. Rauschende Kostümfeste fanden zur Freude der Einheimischen in den schönsten Bauten Venedigs statt, und auf den Gassen wurden die schönsten Masken präsentiert. Fastnachtdienstag, am letzten Tag des Karnevals, erreichte das Fest schließlich seinen Höhepunkt. Tausende von masqueraders liefen durch die mit Fackeln beleuchteten Straßen. Zum Schluss wurde zwischen den zwei Säulen am Südrand der Piazetta vor dem Markusplatz eine enorme Figur mit Pantalones Maske verbrannt, während die Menge skandierte: „Es ist vorbei, es ist vorbei, der Karneval ist vorbei!“ Dazu läutete die Fastenglocke von San Francesco della Vigna langsam und getragen die Fastenzeit ein.

Modern[Bearbeiten]

„Oceano“ gewann 2012 den 1. Platz in der Sonderkategorie "Originellstes Kostüm"
Masken vor San Giorgio Maggiore (2010)

In der heutigen Zeit wird der Karneval offiziell 10 Tage vor Aschermittwoch, Sonntags ab 10.30 Uhr, mit dem Engelsflug eröffnet. Die Festivitäten beginnen aber bereits eine Woche zuvor (2014 am Valentinstag). Beim Engelsflug (Volo di Angelo) schwebt ein Artist an einem Stahlseil gesichert vom Campanile herab über den Markusplatz. Es gibt in der Stadt auf verschiedenen Bühnen künstlerische und artistische Darbietungen. Privatpersonen flanieren in Kostümen durch die Stadt, in der Mehrzahl natürlich um den Markusplatz herum. Die meisten Besucher kommen am Wochenende vor Aschermittwoch; außer von weiter her angereisten Touristen finden sich auch viele Tagestouristen aus dem Umland (bis nach Österreich) ein. Für die Kostümierten bilden die Parade und die Preisvergabe für das schönste Kostüm am Sonntag den Höhepunkt. Hier die Gewinner der letzten Jahre:

  • 2006: 1. Platz: "Die Nebel von Avalon", Vorsitzende: Vivienne Westwood
  • 2007: 1. Platz: "La Montgolfiera" von Tanja Schulz-Hess
  • 2008: 1. Platz: "Luna Park" von Tanja Schulz-Hess
  • 2009: 1. Platz: "Marco Polos Reisen" von Horst Raack und Tanja Schulz-Hess, Vorsitzende: Gabriella Pescucci
  • 2010: 1. Platz: "Pantegane" aus England
  • 2011: 1. Platz: "Omaggio a Venezia" von Paolo und Cinzia Pagliasso und Anna Rotonai aus Rom, geteilt mit "La Famille Fabergé" von Horst Raack, sowie der 1. Platz in der Sonderkategorie "19. Jahrhundert" an Lea Luongsoredju und Roudi Verbaanderd aus Brüssel.
  • 2012: 1. Platz: "Teatime"(il servizio da tè del settecento) von Horst Raack, sowie der 1. Platz in der Sonderkategorie "Originellstes Kostüm" an Jacqueline Spieweg für „Oceano“.
  • 2013: 1. Platz: “Alla Ricerca del Tempo Perduto” von Anna Marconi, Senigallia (AN), sowie der 1. Platz in der Sonderkategorie “Buntestes Kostüm” für “Luna Park”.
  • 2014: 1. Platz: "Radice Madre" von Maria Roan di Villavera, geteilt mit "Una giornata in campagna" von Horst Raack

1999 hat man die Festa delle Marie unter der Regie von Bruno Tosi wiederbelebt und sie ist inzwischen Bestandteil des Venezianischen Kareneval als ein von der Associazione Venezia è... (Storia arte cultura) organisierter Schönheitswettbewerb.

Masken und Kostüme[Bearbeiten]

Im Karneval wurde in Venedig vor allem die Halbmaske getragen, die nur einen Teil oder eine Hälfte des Gesichtes bedeckt. Ursprünglich war sie als Theater- bzw. Sprechmaske gebräuchlich, die – etwa in der Italienischen Commedia dell’arte – den Schauspielern das laute und deutliche Sprechen erleichterte. Im Karneval hatte sie außerdem den Vorteil, dass man ohne größere Schwierigkeiten essen und trinken konnte. Die Bauta, eine Ganzmaske mit vorgewölbtem Kinn war bei Männern und Frauen gebräuchlich.

Wie man sich im 18. Jahrhundert kostümierte, ist einem Dokument mit dem Titel „Verschiedene Arten, sich im Karneval zu verkleiden ...“ zu entnehmen. Zu den vielen aufgezählten Möglichkeiten gehören zum Beispiel: Angler mit Angelrute, Doktor der Medizin, Lakai, Advokat mit Akten, Teufel, Metzger, Astrologe, Jäger mit Gewehr-Attrappe. Dazwischen tummelten sich die klassischen Masken, der Harlekin mit seinem Flickenanzug, die schlaue Colombina, der einfallsreiche Diener Brighella, Pulcinella (mit einem Fragezeichen aus Makkaroni), der eitle Dottore, der prahlerische Capitano.

Paar in der baùtta, dahinter Dame mit moretta; Pietro Longhi, 1756

Das Tragen von Masken war in Venedig auch außerhalb des Karnevals üblich, so in den zwei Wochen vor Pfingsten und danach bis Mitte Juni. Später waren Masken außerdem in der Zeit vom 5. Oktober bis zum Beginn der weihnachtlichen Novene am 16. Dezember erlaubt. So notierte Johann Wolfgang von Goethe während seiner Italienischen Reise am 4. Oktober 1786: „Es war mir die Lust angekommen mir einen Tabarro mit den Apartinentien anzuschaffen, denn man läuft schon in der Maske.“ Zu allen wichtigen Ereignissen wie zum Beispiel offiziellen Banketten und anderen Feierlichkeiten der Serenissima ging man mit Maske und Umhang. Des Weiteren maskierten sich Glücksspieler zum Schutz (vor ihren Gläubigern) und verarmte Adlige beim Betteln an der Straßenecke.

Neben den traditionellen Masken, die auch in den zur Karnevalszeit aufgeführten Theaterstücken auftauchten, gab es auch andere Masken und Verkleidungen. Ein fast ständig getragenes, wirkliche Anonymität gewährendes Maskenkostüm war die baùtta, eine Verkleidung sowohl für Frauen als auch für Männer, die auch außerhalb des Karnevals zu den festgelegten Zeiten erlaubt war. Sie besteht aus einem schwarzen Umhang aus Seide oder Samt, der eine vorne geöffnete Kapuze hat, die das Gesicht frei lässt. Über die Kapuze wird eine schwarze oder weiße Maske (volto oder larva) gezogen, die das Gesicht nur bis zum Mund bedeckt. Dazu wird über der Maske der typische venezianische Dreispitz getragen.

Eine beliebte Karnevalsmaske für Frauen war die sogenannte moretta. Sie ist klein, oval und bestand ursprünglich aus schwarzem Samt. Sie wird im Mund gehalten, so dass die Trägerin nicht sprechen kann.

Das Herstellen und Verkaufen von Masken entwickelte sich mit der Zeit zu einem äußerst einträglichen Geschäft, nicht nur innerhalb der Stadt. Länder in ganz Europa wurden mit den bekannten und beliebten venezianischen Masken beliefert. Die Maskenmacher oder "Maschereri" hatten seit 1436 unter dem Dogen Francesco Foscari sogar ihre eigene Satzung. Sie gehörten zur Malergilde und wurden von Zeichnern unterstützt, die Gesichter in unterschiedlichsten Formen entwarfen und mit großer Liebe zum Detail ausführten. Bis 1820 gab es eine umfangreiche Maskenproduktion in Venedig, die dann langsam der französischen Billigkonkurrenz unterlag. 1846 wurden aber immerhin noch 75.000 bis 100.000 Masken in Venedig hergestellt (Zorzi Österreichs Venedig S. 263, 351).

Literatur[Bearbeiten]

  • Der Karneval in Venedig. Editizioni Storti, Venezia 1985/1986, ISBN 88-7666-258-8.
  • Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1973, ISBN ???, Band 13, S. 478.
  • Meyers Konversationslexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien, 4. Auflage, 1885-1892, Band 9, S. 548.
  • Auguste Bailly: La Republique de Venise. Paris, Fayard 1946
  • Ettore Beggiato, 1809: l’insorgenza veneta. La lotta contro Napoleone nella Terra di San Marco, Il Cerchio (2009) ISBN 88-8474-210-2
  • Marion Kaminski: Venedig - Kunst & Architektur. Könemann/Tandem Verlag GmbH 2005, ISBN 3-8331-1308-1, S. 440.
  • Michael Matheus (Hrsg.): Fastnacht/Karneval im europäischen Vergleich (Mainzer Vorträge 3), Franz Steiner Verlag, Mainz 1999, ISBN 978-3-515-07261-8.
  • Sandra Maria Rust: Venedig und der Karneval. In: Matthias Pfaffenbichler (Kurator): Venedig – Seemacht, Kunst und Karneval. Schallaburg 2011.
  • Henry(ette) Perl: Napoleon I. in Venetien. Leipzig 1901
  • Henry(ette) Perl: Richard Wagner in Venedig – Mosaikbilder aus seinen letzten Lebensjahren. Augsburg 1883, Reprint o.O o.J. (2010).
  • Rolf D. Schwarz: Karneval in Venedig. Dortmund 1983.
  • Angelica Tarnowska: Die Feste in Venedig. In: Alain Vircondelet (Hrsg.): Venedig und seine Geschichte. Die Kunst zu leben. Paris 2006.
  • Giuseppe Tassini: Feste Spettacoli. Divertimenti e piaceri degli antichi veneziani. Nachdruck der Ausgabe von 1890 Venezia 2005.
  • Ignazio Toscani: Die venezianische Gesellschaftsmaske. Saarbrücken 1972.
  • Alvise Zorzi: Österreichs Venedig. Das letzte Kapitel der Fremdherrschaft 1798 bis 1866. Düsseldorf/Hildesheim 1990.
  • Alvise Zorzi: Canal Grande. Biographie einer Wasserstraße. Hildesheim 1993

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Giuseppe Tassini: Le feste veneziane – I giochi popolari, le cerimonie religiose e di governo illustrate da Gabriele Bella. Firenze 1961 S. 127; Ignazio Toscani: Die venezianische Gesellschaftsmaske. Ein Versuch zur Deutung ihrer Ausformung, ihrer Entstehungsgründe und ihrer Funktion. Diss. Saarbrücken 1972 S. 226. Auch Aussagen, dass Napoleon den Kölner Karneval verboten habe, woraus gelegentlich abgeleitet wird, dass ein solches Verbot für alle von den napoleonischen Truppen besetzten Gebiete - folglich auch für Venedig - galt, sind unpräzise. Die französischen Besatzer verboten am 12. Februar 1795 die Fastnacht in Köln, erlaubten sie jedoch im Januar 1804 wieder. Das Verbot betraf offenbar nur die Straßenumzüge, denn man vergügte sich nach wie vor bei Maskenbällen. (Ernst Weyden: Köln am Rhein vor fünfzig Jahren. Köln 1862; Reprint: Köln am Rhein vor hundertfünfzig Jahren. Köln 1960 S. 137)
  2. Die Franzosen waren 1797 zur Karnevalszeit nicht in Venedig. Sie besetzten die Stadt am 16. Mai 1797 und zogen im Dezember wieder ab. Napoléon selbst kam erst während der zweiten französischen Herrschaftsperiode über Venedig 1806 in die Stadt. Es gibt zahlreiche Berichte über Karnavalsfeierlichkeiten in Venedig während des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Karneval sei von den Österreichern 1798 verboten worden, schrieb Henry(ette) Perl (Napoleon I. in Venetien. Leipzig 1901 S. 173 und 210ff), während die französischen Truppen, die 1814 angesichts der heranrückenden Österreicher und der zunehmend wegen der französischen Plünderungen aufgebrachten Massen den Belagerungszustand verhängten, noch Karnevalsumzüge und Maskenfreiheit geduldet hätten.
  3. 1859 schloss das Fenice „aus wirtschaftlichen Gründen“ (s. Andreas Gottsmann: Venetien 1859-1866. Österreichische Verwaltung und nationale Opposition. Wien 2005 S. 419). Man erklärte: „Wir öffnen das Fenice erst wieder, wenn Vittorio Emanuele auch unser König ist. Hoffentlich dauert es nicht mehr lange.“ (Zit. n. Eugen Semrau: Österreichs Spuren in Venedig. Wien/Graz/Klagenfurt 2010 S. 113) Schon im Vorfeld der Gründung des Königreichs Italien 1861 verstärkte sich erneut der Widerstand gegen die Fremdherrschaft, der 1849 brutal niedergeschlagen worden war. „Bis zum Anschluß Venetiens an den italienischen Nationalstaat, so der Plan der Opposition, sollte das öffentliche Leben, von Volksbelustigungen über Theatervorstellungen bis hin zu politischen Vertretungen, vollkommen lahmgelegt bleiben.“ (Gottsmann S. 426). Es wurde „die Teilnahme an öffentlichen Vergnügungen für den laufenden Carneval schon im vorhinein annegiert“, der Markusplatz leerte sich demonstrativ, wenn die österreichische Militärmusik spielte, und die regierungsfreundliche Presse wurde kaum gelesen (Gottsmann ebd. zit. Berichte von Polizeipräsident Straub vom 24. Januar und 5. Februar 1860). Gegen passive Resistenz wie Theaterschließungen konnten die österreichischen Behörden wenig ausrichten. „Zahlreiche Beispiele liegen über die Theater Venetiens vor, auf deren Gebaren die Umsturzpartei direkten und indirekten Einfluß nahm. Hier wird eine charakteristische Politik getrieben: die Italienissimi, die Anhänger der Einigungspartei, die zum Teil Aktionäre der Theater sind, verhindern deren Tätigkeit. Soweit sie im k. k. venezianischen Gubernium beamtet sind, suchen sie sich in keiner Weise zu exponieren und verhindern lediglich mit ökonomischen Begründungen die Eröffnung neuer Spielzeiten im Theater, zum Beispiel im Teatro Fenice in Venedig oder im Teatro Concordia in Padua. Erst im Augenblick des drohenden Krieges, des Belagerungszustandes, 1866, werden diese Kräfte offen aktiv… Auch in die Angelegenheiten des Operntheaters s. Benedetto mischen sich die liberalen Oppositionellen ein.“ (Margret Dietrich: Die Wiener Polizeiakten von 1854-1867 als Quelle für die Theatergeschichte des Österreichischen Kaiserstaates. Wien 1967 S. 10f) Der k.k. PolizeiRath Germ (Entzifferung des Namens unsicher) berichtete u.a. nach Wien (alle Angaben nach den bei Dietrich S. 23ff abgedruckten Dokumenten): „Schon längere Zeit beschäftigte sich das hiesige Publikum mit der Frage, ob das Fenice-Theater im kommenden Sommer oder Carneval wieder eröffnet werden sollte… Gleichwohl boten die Schlechtgesinnten, wie gewöhnlich alles auf, um die Wiedereröffnung des Theaters zu hintertreiben.“ 1864 stimmten 36 der anwesenden Aktionäre der Societá del Gran Teatro La Fenice gegen und nur 2 für eine Wiedereröffnung, am 30. April 1865 waren 40 bzw. 44 (unterschiedliche Angaben) gegen und 17 für eine Eröffnung, am 17. Dezember 1865 43 dagegen und 26 dafür, am 8. April 1866 57 dagegen und 19 dafür (Berichte v. 1. Mai 1865, 11. Februar 1866, 9. April 1866).
  4. Gilles Bertrand, Histoire du carnaval de Venise, XIe-XXIe siècle, Paris 2013, S. 237-310
  5. Lord Byron schrieb am 19. Dezember 1816, „in einer Woche beginnt der Karneval – und damit der Mummenschanz der Masken“ und er habe „eine gute Loge (im Fenice) für den Karneval“. Am 30. Januar 1825 berichtete Tommaso Locatelli in einem Feuilleton über den Karnevalsumzug auf der Riva degli SchiavoniI (Zitiert bei Alvise Zorzi: Österreichs Venedig. Düsseldorf 1990 S. 55). Otto Ferdinand Dubislav von Pirch hat 1830 einen „Maskenzug, Spanier mit ihren Damen, zwanzig Paare, sehr gut costümiert“ gesehen. George Sand hat sah am 6. März 1834 den Karneval vom Fenster aus. Am 28. Dezember 1851 schrieb Effie Ruskin an ihre Mutter: „Gestern war St.-Stephans-Tag, an dem der Karneval anfängt und La Fenice eröffnet.“ (John und Effie Ruskin: Briefe aus Venedig. Stuttgart 1995 S. 64) Und John Ruskin schrieb am 19. Februar 1852 an seinen Vater: „Die österreichischen Offiziere haben gestern ihren letzten Faschingsball veranstaltet, und weil es sehr festlich und mit Maskerade zugehen sollte, dachte ich, daß Effie das sehen müßte.“ (Ebd. S. 74f; ähnlich ein Jahr später S. 76; diese Bemerkungen der Ruskins beziehen sich, wie klar aus dem Text hervorhegt, auf offizielle, von den Österreichern organisierte Karnevalsveranstaltungen) Kurz vor seinem Tod 1883 ging Richard Wagner mit seinen Kindern zum Karneval. „Der Faschingsdienstag fiel auf den 6. Februar (1883). – – Der Markusplatz schwamm im buchstäblichen Sinne des Wortes in seinem Strahlenmeere... Zahllose Masken und Maskenzüge bewegten sich mit italienischer Lebhaftigkeit und obligaten Stimmenaufwand unter den Procuratien, drängten sich in die Café, führten inmitten des Markusplatzes ihre Extempore-Comödien auf.“ (Henry(ette) Perl: Richard Wagner in Venedig. Augsburg 1883, Reprint o.O o.J. (2010) S. 108f. Dieses Buch ist eine der Hauptquellen von John W. Barker (Wagner in Venice. Rochester NY 2008), der S. 119 das gleiche notierte.). Der venezianische Historiker Alvise Zorzi schrieb 1985 in seinem Buch Venezia Austriaca (Deutsch: Österreichs Venedig): Man produzierte 1846 "75.000 bis 100.000 Exemplare" Masken in Venedig (S. 263). Er nannte S. 351-353 einige Karnevals-Gesellschaften, "organisierte Maskengruppen" (Ebd. S. 351; zum Karneval 1851/52 S. 114-116).
  6. Birgit Weichmann: Fliegende Türken, geköpfte Stiere und die Kraft des Herkules. In Michel Matheus (Hg.): Fastnacht/Karneval im europäischen Vergleich. Stuttgart 1999 S. 195f
  7. "Die Kunst der Masken ist alt und neu zugleich. "Die war ja fast schon ausgestorben", sagt Guerrino und zieht eine zerfledderte Illustrierte von anno 1978 aus dem Regal, in der drei junge Künstlertypen mit langen Haaren hinter den baute, den klassischen Herrenmasken, posieren. Weil sie Geld brauchten, hatte der gelernte Bildhauer mit seinen Freunden erste Entwürfe für eine Theatertruppe gemacht. Eine Verlegenheit. Kurz darauf wurde der von Napoleon verbannte Venezianische Karneval aus der Requisitenkammer der Geschichte geholt und Maestro Lovato zu dessen Zeremonienmeister ernannt."(Spiegelonline vom 07.03.2006 | 05:56 Uhr; http://www.spiegel.de/reise/staedte/venedig-karneval-der-kaeuze-a-404631-2.html)
  8. Die ältesten Dokumente erwähnen nur Schweine (1222) und Brote. Der Bulle als Tribut ist urkundlich erst ab 1312 nachweisbar (Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig. Bd. I. Gotha 1905, 1920, Stuttgart 1934. Darmstadt 1964, 2. Neudruck der Ausgabe Gotha 1920 Aalen 1986, Reprint o.O o.J. (2010) S. 251).1296 wurde der Fette Donnerstag zum offiziellen Feiertag erhoben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karneval in Venedig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien