Karolina-Haarnixe

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Karolina-Haarnixe
Karolina-Haarnixe (Cabomba caroliniana), Stängel mit Unterwasserblättern

Karolina-Haarnixe (Cabomba caroliniana), Stängel mit Unterwasserblättern

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Ordnung: Seerosenartige (Nymphaeales)
Familie: Haarnixengewächse (Cabombaceae)
Gattung: Cabomba
Art: Karolina-Haarnixe
Wissenschaftlicher Name
Cabomba caroliniana
A.Gray

Die Karolina-Haarnixe[1] (Cabomba caroliniana), auch Karolinen-Haarnixe[2] Grüne Haarnixe oder Grüne Cabomba genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Haarnixengewächse (Cabombaceae). Diese im Süßwasser gedeihende Wasserpflanze besitzt in der Neuen Welt ein weites natürliches Verbreitungsgebiet, ist in vielen Ländern der Welt ein Neophyt. Sie wird als Aquarienpflanze verwendet[3].

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten]

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Die Karolina-Haarnixe ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Diese Wasserpflanze lebt vollständig untergetaucht (submers) außer manchmal einiger flutender Laubblätter und der über die Wasseroberfläche ragenden Blüten[4]. Sie bildet an ihren Rhizomen Faserwurzeln mit denen sie im Gewässergrund verankert ist[4]. Die vom Gewässergrund bis zur Wasseroberfläche reichenden[4], 1 bis 2 Meter (bis zu 10 Meter[4]) langen, verzweigten Stängel sind verkahlend und am oberen Bereich rostfarben flaumig behaart.[5] Abgerissende Stängelteile können frei flutend sechs bis acht Wochen überleben[4]. Es erfolgt eine vegetative Vermehrung in der Natur und in Kultur über leicht abbrechende Rhizom- und Stängelstücke[4].

Bei der Karolina-Haarnixe liegt Heterophyllie vor. Die Laubblätter sind gegenständig oder seltener zu dritt in Quirlen am Stängel angeordnet[2]. Die Unterwasserblätter sind 0,3 bis 1,5 cm[5] oder bis zu 4 cm[3] lang gestielt. Die Blattspreite der Unterwasserblätter ist bei einer Länge von 1 bis 3,5 cm und einer Breite von 1,5 bis 5,5 cm fingerförmig geteilt[3] und besitzen ein fächerartiges Aussehen[4]. Ihre 3 bis 200 Blattsegmente sind bei einer Breite von bis zu 1,8 mm linealisch bis leicht spatelförmig. Die, an blühenden Stängelabschnitten gebildeten[4], flutenden Blätter sind 1,5 bis 2 cm lang gestielt[5] und ihre Blattspreite ist bei einer Länge von 0,6 bis 3 cm und einer Breite von 1 bis 4 mm einfach mit glatter oder gekerbter bis pfeilförmiger Spreitenbasis. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.[3]

Blüte[Bearbeiten]

Die Blüten stehen einzeln auf einem kurzen[3] oder langen[6] Blütenstiel. Die auffälligen, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die Blütenhülle besitzt einen Durchmesser von 6 bis 15 mm. Die drei kronblattartigen Kelchblätter sind bei einer Länge von 5 bis 12 mm sowie einer Breite von 2 bis 7 mm verkehrt-eiförmig mit stumpfem oberen Ende[5]. Die Farbe der Kelchblätter ist meist weiß mit purpur-getönten Rändern, selten vollkommen purpurfarben oder gelb[5]. Die drfei gekielten[5] Kronblätter sind bei einer Länge von 4 bis 12 mm sowie einer Breite von 2 bis 5 mm[3] oval[5] mit breit-stumpfem oder gekerbtem oberen Ende[3]. Die Kronblätter besitzen die gleiche Farbe wie die Kelchblätter, aber sie weisen am unteren Bereich gelbe, nektarenhaltende Öhrchen auf[3]. Die drei bis meist sechs[3] Staubblätter sind 3,5 mm lang[5]. Die zwei bis vier, meist drei freien Fruchtblätter[6] sind 3,5 bis 4 mm lang und kurz flaumig behaart[3]. Die Narben sind kopfig.[3]

Bestäubung[Bearbeiten]

Der Nektar lockt Zweiflügler (Diptera, beispielsweise in Texas Notiphila cressoni und Hydrellia bilobifera). Die Anthese dauert zwei aufeinanderfolgende Tage. An jedem dieser beiden Tage öffnet sich die Blüte etwa im 10:00 und schließt sich etwa um 16:00. Am ersten Tag besitzen die kurzen Staubblätter geschlossene Staubbeutel und die längeren Stempel besitzen bestäubungsfähige Narben, die über die Nektarien reichen. Am zweiten Tag sind die Staubblätter bis auf die Länge der Stempel verlängert und die offenen Staubbeutel befinden sich über den Nektarien. Am zweiten Tag sind im Zentrum der Blüte die Narben zusammengepresst und nicht mehr aufnahmefähig für Pollen. An beiden Tagen werden die Insekten vom Nektar angelockt und die mit Pollen bedeckten Insekten sichern eine Kreuzbestäubung (Allogamie, Fremdbestäubung).[7]

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Die 4 bis 7 mm lange Frucht enthält ein bis drei Samen. Die bei einer Länge von 1,5 bis 3 mm sowie einem Durchmesser von 1 bis 1,5 mm eiförmigen bis länglich-ellipsoiden[6] Samen besitzen Warzen in vier Längsreihen.[3]

Blüten und Früchte werden in China vom Sommer bis Herbst gebildet[5].

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomenzahlen liegen bei 2 n = etwa 78 oder etwa 104.[3]

Vorkommen und Probleme als invasive Pflanze[Bearbeiten]

Das weite natürliche Verbreitungsgebiet von umfasst Cabomba caroliniana den Osten der Vereinigten Staaten[4] sowie das südöstliche Südamerika. Fundorte für die natürliche Verbreitung werden für den südlichen Bereich der kanadischen Provinz Ontario, für die US-Bundesstaaten Connecticut, Indiana, Massachusetts, südliches Michigan, New Hampshire, New Jersey, New York, Ohio, Pennsylvania, Rhode Island, Illinois, Missouri, Oklahoma, Alabama, Arkansas, District of Columbia, Florida[8], Georgia, Kentucky, Louisiana, Maryland, Mississippi, North Carolina, South Carolina, Tennessee, Virginia sowie Texas und in Südamerika die brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso, Rio Grande do Sul sowie Sao Paulo, die argentinischen Provinzen Buenos Aires, Cordoba, Corrientes, Entre Rios, Rio Negro sowie Santa Fe in Paraguay die Verwaltungsregionen Central sowie Paraguari und Uruguay angegeben[9].

In vielen Gebieten der Welt ist Cabomba caroliniana ein Neophyt, Informationen dazu gibt es aus der chinesischen Provinz Jiangsu, aus Japan, aus dem indischen Kerala, aus Sri Lanka, Australien, dem Vereinigten Königreich, die US-Bundesstaaten Oregon, Kalifornien[9] sowie Washington[10].

Auf dem europäischen Kontinent ist Cabomba caroliniana ein Neophyt in Belgien, Schweden (Nachweis 2001 und 2005), Griechenland, Ungarn und Deutschland. In Deutschland ist die Karolinen-Haarnixe bislang nur aus einem Gewässer (Rohrkolbensee) im Naturschutzgebiet Teverner Heide in Nordrhein-Westfalen bekannt; der Erstnachweis erfolgte 2006.[2][6]

Cabomba caroliniana übersteht kein Austrocknen ihrer Habitate. Sie gedeiht in permanent seichten Gewässern mit meist weniger als 3, manchmal bis zu 10 Meter Wassertiefe. Cabomba caroliniana ist im schlammigen Gewässergrund verankert. Sie gedeiht am häufigsten in langsam fließenden Gewässern von kleineren Flüssen bis zu Strömen. Aber sie wächst auch in Tümpeln, Teichen, Seen, Stauseen, Wassergräben und Kanälen.[4]

Cabomba caroliniana wurzelt meist im weichen sowie schlammigen Gewässergrund und gedeiht am besten in stark organischen Böden. Seltener wächst sie auf sandigem Gewässergrund. Nach Orgaard (1991) liegt der bevorzugte Wassertemperaturbereich zwischen 13 und 27 °C, wobei aber auch längere Fröste überstanden werden.[2][6]

Beispielsweise in Australien bereitet Cabomba caroliniana als invasive Pflanze Probleme bei der Wasserlagerung und -aufbereitung. Durch ihr schnelles und unkontrolliertes Wachstum verstopft sie Wasserleitungen und -reservoirs. Absterbende Pflanzenmasse und Fäulnis wirkt sich negativ auf die Aufbereitung von Trinkwasser aus. Auch ein negativer Einfluss auf die Tierwelt im nördlichen Queensland wurde verzeichnet.[11][12]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Cabomba caroliniana erfolgte 1837 durch Asa Gray in Annals of the Lyceum of Natural History of New York, Volume 4, S. 46–47[13]. Synonyme für Cabomba caroliniana A.Gray sind: Cabomba aquatica DC., Cabomba australis Speg., Cabomba pinnata (Pursh) Schult. & Schult. f..[14][9]

Von der Art Cabomba caroliniana gibt es drei Varietäten:[15]

  • Cabomba caroliniana A.Gray var. caroliniana.
  • Cabomba caroliniana var. flavida Morgaard
  • Cabomba caroliniana var. paucipartita Ramsh. & Florsch.
  • Cabomba caroliniana var. pulcherrima R.M.Harper, Syn.: Cabomba caroliniana var. pulcherrima R.M.Harper, Cabomba pulcherrima (R.M.Harper) Fassett

Verwendung als Aquarienpflanze[Bearbeiten]

Die Karolina-Haarnixe wird in Asien vermehrt und von dort vom Aquaristik-Fachhandel importiert. Sie ist in Aquarien relativ anspruchsvoll.[1] Zum guten Gedeihen mittlere bis hohe Lichtintensität, Wasser weich bis mittelhart. Die Karolina-Haarnixe benötigt weiches bis mittelhartes Wasser (pH 4 bis 7) und eine Wasserhärte bis 12° dKH. Die Karolina-Haarnixe und wächst am besten bei ausreichender Strömung und Wassertemperaturen von 22 bis 28° C sowie mittlerer bis hoher Lichtintensität (0,7 W/l nach Brünner, möglichst hoher Rotanteil im Licht nach Barth+ Stallknecht).[16] Dauerhaft hohe Temperaturen können zu schlechten Wachstum führen. Die Vermehrung ist einfach und erfolgt durch Seitensprosse.[1] Von den drei Varietäten wird wohl nur die Varietät Cabomba caroliniana var. caroliniana im Aquaristik-Fachhandel angeboten.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Christel Kasselmann: Karolina-Haarnixe bei Datz - Aquarien- und Terrarienzeitschrift. (Version vom 27. September 2007 im Internet Archive) zuletzt eingesehen am 5. März 2013
  2. a b c d Cabomba caroliniana GRAY, Karolinen-Haarnixe, (Cabombaceae) - Die aquatischen Neophyten in Deutschland - Eine Übersicht. zuletzt eingesehen am 5. März 2013
  3. a b c d e f g h i j k l m John. H. Wiersema: Cabombaceae: Cabomba caroliniana - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 3 - Magnoliidae and Hamamelidae, Oxford University Press, New York und Oxford, 1997. ISBN 0-19-511246-6
  4. a b c d e f g h i j Cabomba caroliniana (aquatic plant), 2006 bei The Global Invasive Species Database is managed by the Invasive Species Specialist Group (ISSG) der IUCN Species Survival Commission. zuletzt eingesehen am 3. März 2013
  5. a b c d e f g h i Dezhi Fu & John H. Wiersema: Cabomaceae: Cabomba caroliniana, S. 119 - textgleich online wie gedrucktes Werk, Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 6 - Caryophyllaceae through Lardizabalaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2001. ISBN 1-930723-05-9
  6. a b c d e Andreas Hussner, Ulrich Haese, Klaus van de Weyer & Petra Kröning: Cabomba caroliniana GRAY (Cabombaceae) – Neu für Deutschland, In: Floristische Rundbriefe, Heft 43, 2010, S. 17-23: Volltext-PDF.
  7. Edward L. Schneider & John M. Jeter: Morphological Studies of the Nymphaeaceae. XII. The Floral Biology of Cabomba caroliniana, In: American Journal of Botany, Volume 69, No. 9, 1982, S. 1410–1419
  8. Fanwort - Cabomba caroliniana - Native to Florida bei University of Florida - IFAS - Center for Aquatic and Invasive Plants. zuletzt eingesehen am 3. März 2013
  9. a b c Cabomba caroliniana im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.zuletzt eingesehen am 3. März 2013
  10. Non-Native Invasive Freshwater Plants Fanwort (Cabomba caroliniana) - Washington State Department of Ecology. zuletzt eingesehen am 5. März 2013
  11. Cabomba caroliniana - Weeds of National Significance: Weed Management Guide - PDF.
  12. Eintrag bei New South Wales Flora Online. zuletzt eingesehen am 3. März 2013
  13. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  14. Cabomba caroliniana bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 3. März 2013.
  15. Cabomba caroliniana in Suchmaske bei World Checklist of Selected Plant Families eingeben - mit Daten von R. Govaerts, 2003: World Checklist of Selected Plant Families Database in ACCESS: 1-216203. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. zuletzt eingesehen am 3. März 2013
  16. Datenblatt mit Bildern beim Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V.. zuletzt eingesehen am 3. März 2013

Weblinks[Bearbeiten]