Karonga

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Dieser Artikel behandelt die Stadt. Für den deutschen Schauspieler siehe Lusako Karonga.
Karonga
Karonga (Malawi)
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Koordinaten 9° 56′ S, 33° 56′ O-9.933333333333333.933333333333Koordinaten: 9° 56′ S, 33° 56′ O
Lage
Basisdaten
Staat Malawi

Region

Nordregion
Distrikt Karonga
Fläche
Metropolregion 3355 km²
Einwohner 35.000 (2006)
Metropolregion 194.572
Dichte Vorlage:Infobox Ort/Wartung/Dichte
Metropolregion 58 Ew./km²

Karonga ist eine mittlere Stadt am Malawisee im Norden von Malawi. Sie hat 35.000 Einwohner (Schätzung 2006) und liegt nahe der Grenze zu Tansania.

Geographie[Bearbeiten]

Karonga ist Hauptstadt des gleichnamigen Distriktes der Nordregion mit einer Fläche von 3.355 km² und einer Bevölkerung von 194.572. Es gibt eine 1500 Meter lange Flugpiste, Krankenhäuser, Grund- und Sekundarschulen. Es gibt einen Wochenmarkt, mehrere Supermärkte, eine Post und mehrere Banken. Karonga liegt an der Fernstraße MzuzuChitipa. Die tansanische Grenze, die in Malawi Songwe Border, in Tansania jedoch Kyela Border genannt wird, liegt ca. eine Autostunde entfernt und ist über Nacht geschlossen. Mbeya in Tansania liegt ca. 115 km hinter der Grenze.

Karonga ist ein regionaler Sitz der staatlichen landwirtschaftlichen Vermarktungsagentur ADMARC. Der Distrikt Karonga ist vergleichsweise wohlhabend, da seine Böden besser sind als im Süden und höhere Niederschläge im Jahr verzeichnet werden. Es wird überwiegend Baumwolle angebaut, aber auch Bananen, Reis und Mais für die Selbstversorgung. Karonga ist heute eine landwirtschaftlich geprägte Stadt. Sie liegt in einer fruchtbaren Ebene.

Seit einiger Zeit baut die australische Firma Paladin Energy Ltd. im nahe gelegenen Kayelekera, das an der Straße nach Chitipa liegt, für den Export bestimmtes Uran ab. Dies führte zu wahrnehmbaren Veränderungen in der Stadt, so wurde z.B. das Rollfeld des Karonga Airport, von wo aus das Uran direkt ausgeflogen wird, enorm vergrößert, und die Anzahl der ansässigen Banken stieg von zwei auf über fünf.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet zwischen Chitipa und Karonga war einmal das Königreich der Ngonde, die noch heute hier leben. Dann wurde Karonga bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Stützpunkt arabischer Sklavenhändler. Der berüchtigtste unter ihnen war Mlozi mit seinem Hauptquartier in Mpata. Am 27. Oktober 1887 wurden durch die Sklavenhändler in einem Massaker mehr als 1.000 Ngonde getötet.

Zur modernen Stadt wurde Karonga 1883, als die Briten dort eine Handelsniederlassung gründeten und 1895 den Sklavenhandel mit Waffengewalt unterbanden. Ein Zeugnis aus dieser Zeit ist eine Armstrong-Kanone, die vor dem Museum der Stadt steht. Aus dem Ersten Weltkrieg gibt es an der Straße zum Flugfeld Soldatengräber von britischen und deutschen Gefallenen.

Hominidenfund[Bearbeiten]

Im Dorf Uraha bei Karonga liegt der Fundort des ältesten zur Gattung Homo gestellten Fossils, das bisher von Paläoanthropologen entdeckt wurde. Der 2,4 Millionen Jahre alte, bezahnte Unterkiefer wurde 1991 im Rahmen des Hominiden-Korridor-Projekts geborgen und erhielt die Archivnummer UR 501 („UR“ steht für Uraha); das Fossil wurde von seinen Entdeckern Timothy Bromage und Friedemann Schrenk der Art Homo rudolfensis zugeordnet.

Museum[Bearbeiten]

In Karonga wurde im Jahr 2004 aufgrund einer Initiative Schrenks mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Uraha-Stiftung ein Kultur- und Museumszentrum, das Cultural & Museum Centre Karonga (CMCK), gegründet.

Dort sind in einem großen Ausstellungsraum besagte wichtige Vormenschenfunde ausgestellt und erklärt. Ferner befindet sich dort ein komplett montierter Abguss des Skeletts von Malawisaurus, das ebenfalls in der Nähe von Karonga bei Ausgrabungen gefunden wurde. Zudem werden Zeugnisse zur Siedlungsgeschichte gezeigt, deren Ursprünge von der Zeit des Sklavenhandels und der Kolonialgeschichte bis zu den letzten fünfzig Jahren seit der Unabhängigkeit reichen.

Wegen des Auftretens stärkerer Erdbeben in der Region im Dezember 2009, soll eine Ausstellungserweiterung mit den Themen Geologie und Erdbeben erfolgen.

Religionen[Bearbeiten]

Mitte 2010 ist die katholische Diözese Karonga gegründet worden, die die Gebiete umfasst, die zuvor die nördlichen Dekanate der Diözese Mzuzu ausmachten. Zum ersten Bischof wurde Rt. Rev. Martin Anwel Mtumbuka ernannt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. M. Kalinga: A History of the Ngonde Kingdom of Malawi. Mouton, Berlin/ New York/ Amsterdam 1985, ISBN 3-11-009627-7.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitteilung im Vatikan vom 21. Juli 2010 (Quelle: Catholic Information Service Africa, CISA, Nairobi, 24. August 2010)

Weblinks[Bearbeiten]